Der Tempel Salomons und die Rolle von Hiram Abif

von Shinzon

Der sagenumwobene Tempel König Salomons war der erste Tempel von Jerusalem, welcher 957-951 v.Z. auf dem Zion erbaut und im Jahr 586 v.Z. während der Eroberung Jerusalems durch die Babylonier unter König Nebukadnezar II. zerstört wurde. Der Tempel mit den Maßen 60 Ellen Länge, 20 Ellen Breite und 30 Ellen Höhe soll u.a. die legendäre Bundeslade beherbergt haben. So viel zur offiziellen Geschichtsschreibung, die sich weitestgehend mit dem Alten Testament deckt. Letzteres mag daran liegen, dass das Alte Testament die einzige Quelle überhaupt ist, weshalb manche Historiker sowohl die Existenz des Tempels als auch die König Salomons anzweifeln.

Salomons Tempel

Um den Tempelbau ranken sich allerdings noch eine Handvoll Mythen, für die es lediglich Indizien gibt. U.a. beschäftigt sich die Prä-Astronautik sehr stark mit der Regentschaft König Salomons, der beim Bau des Tempels außerirdische Hilfe bekommen haben soll. Zudem soll er einen „fliegenden Teppich“ besessen haben, was als Fluggerät gedeutet werden kann.

Die Freimaurer haben indes ihre ganz eigene Version der Geschichte des Tempelbaus. An diesem waren phönizische Baumeister beteiligt, zu denen ein gewisser Hiram Abif gehört haben soll, der von König Hiram I. entsendet worden sei. Der Freimaurerlegende nach soll Hiram Abif von drei seiner Gesellen ermordet worden sein, die an seine Geheimnisse gelangen wollten.

Logisch: Wenn man jemandem seine Geheimnisse entlocken will, legt man ihn um. Macht voll Sinn! Natürlich wurden Hiram Abifs Geheimnisse nie enthüllt, da Tote nun mal nicht sprechen können. Zumindest wenn man kein Medium oder andere Mittel der Transkommunikation parat hat.

Hiram Abifs Leichnam soll indessen außerhalb der Stadtmauern Jerusalems versteckt worden sein, bis ihn König Salomon schließlich fand und angemessen bestatten ließ. Die historische Korrektheit der Legende darf bezweifelt werden.

Im dritten Grad der Freimaurerei wird die Ermordung Hiram Abifs bis heute in einem Ritual nachgestellt.

Hiram Abif

Bei den muslimischen Futuwwa-Bünden gibt es interessanterweise ein ähnliches Ritual, in dessen Zentrum anstelle Hirams ein Mann namens Ali der Kalif steht, der von Charidschiten erschlagen worden sein soll. Der älteste nachweisbare Zweig der islamischen Männerbünde, die al-Banna, ist wohl kaum zufällig ein Orden der Baumeister. Das arabische Wort „Banna“ heißt übersetzt „Maurer“, was die Nähe zu den Freimaurern zusätzlich verdeutlicht. Der Gründer des sunnitischen Geheimordens, Maaruf Karkhi († 815), wurde von seinen Anhänger gar als König Salomon verehrt.

Doch zurück zu den Freimaurern. In deren Symbolsprache findet sich nicht nur der Tempel Salamons wieder, wie auf folgendem Bild eines Hauswappens im thüringischen Gotha.

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Weiterhin finden sich die Säulen vom Eingang des salomonischen Tempels in der freimaurerischen Symbolik wieder. Eine moderne Anlehnung an den Tempelaufbau konnte bis 2001 im Herzen von Manhattan bewundert werden. Die Rede ist vom World Trade Center, dessen zwei Türme die Säulen Jachin und Boas darstellten. Direkt dahinter befand sich das WTC Nr. 7, welches auch unter dem Namen „Salomon Brothers Building“ bekannt war. „Salomon Brothers“ war eine Investmentbank, die 1910 von den Brüdern Arthur, Herbert und Percy Salomon gegründet und 1998 nach einer empfindlichen Strafzahlung wegen Marktmanipulation von der Travelers Group (später Citigroup) aufgekauft wurde. Immerhin ein passender Name in Anbetracht der zwei Türme.

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Eine etwas konkretere Nachbildung wurde zwischen 1680 und 1692 im Auftrag des Hamburger Ratsherrn Gerhard Schott angefertigt. Dieses Modell ist allerdings von barocken Architekturvorstellungen geprägt, welche natürlich freimaurerische Symbole beinhaltet. Darunter das typische Sonnensymbol sowie das Bündnis.

Salomons Freimaurertempel

Das Modell kann im Hamburger Museum besichtigt werden.

Die Säulen Jachin und Boas

von Shinzon

In der Freimaurerei spielen der Tempel von König Salomon sowie die damit einhergehende Legende um Hiram Abif eine zentrale Rolle. Bei Jachin und Boas (engl. Boaz) handelt es sich um die beiden Säulen am Eingang des Tempels von Jerusalem, welche von Hiram Abif angefertigt wurden.

Boas (die linke Säule) ist nach dem Urgroßvater von König David benannt und steht für Kraft und Stärke, während Jachin (die rechte Säule) der Name eines Hohepriesters war und den festen Stand repräsentiert. Beide zusammen verleihen Stabilität und werden von den Freimaurern nach außen hin als „Grundpfeiler der Humanität“ gedeutet.

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Über den beiden Säulen finden sich oft zwei Kugeln, von denen die eine die Erde repräsentiert und die andere das Himmelsreich. Hier findet sich also das Prinzip „Wie im Himmel so auf Erden“ wieder.

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Seltener werden über den Säulen auch Sonne und Mond gegenüber gestellt.

Freimaurerschürze Jachin & Boas

Zuweilen wird das Arrangement noch durch eine dritte Säule ergänzt, über der wahlweise ein Stern oder ein allsehendes Auge steht. Bei dem Stern handelt es sich um die Venus, wobei er aber auch schon mal als Sirius gedeutet wird. Die Venus wäre jedoch schlüssiger, da sich das allsehende Auge so leicht Luzifer zuordnen ließe.

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In einigen Fällen werden auch Obelisken an die Stelle der Säulen gesetzt. Diese eignen sich zwar nicht, einen Tempel zu tragen, jedoch finden sich vor vielen ägyptischen Tempeln tatsächlich Obeliskenpaare. Dies wirft die Frage auf, ob die Symbolik von Salomons Tempel nicht schon wesentlich älter ist. In Bezug auf die ägyptische Herkunft der Israeliten würde das durchaus Sinn machen.

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