Prometheus – Ridley Scotts Ausflug in die Präastronautik

von Shinzon

Nachdem 1997 der vierte Teil der „Alien“-Reihe erschien, wurde es sehr still um das Franchise. Zwar folgten noch zwei Crossover mit den „Predators“, die starken Bezug auf die Quadrilogie nahmen, doch auf einen reinen „Alien“-Film musste die Fangemeinschaft lange warten. Nun kommt mit „Prometheus“ nicht etwa eine Fortsetzung, sondern ein Prequel in die Kinos. Bei diesem führte kein Geringerer als der Schöpfer des Franchise, Ridley Scott höchstpersönlich, Regie.

„Prometheus“ beginnt mit der Schöpfung der Menschheit durch Außerirdische und zugleich mit einer verspielten Chance. Wenn man schon Bezug auf antike Legenden nimmt, dann hätte man auch gleich zeigen können, wie der sumerischen Legende nach die Annuna die Menschen als Sklavenrasse erschaffen haben. Im alten Testament, welches größtenteils auf sumerischen Schriften basiert, ist ebenfalls von einer Auskreuzung der Menschen mit den Engeln die Rede, durch welche das Riesengeschlecht der Nephilim entstand. Stattdessen begeht ein einzelner Alien, der wohl Prometheus darstellen soll, Selbstmord, wodurch dann irgendwie das irdische Ökosystem durch humanoide DNS kontaminiert werden soll. Da Prometheus gleichbedeutend mit dem Annuna-Gott Enki ist, lässt diese Darstellung doch sehr zu wünschen übrig.

Eine direkte Interaktion der Titanen mit den Menschen wird hingegen gar nicht gezeigt, obwohl es dafür nicht nur in der Realität Hinweise gibt. Auch im Film findet ein Archäologenpaar Höhlenmalereien auf der schottischen „Isle of Skye“, die einen direkten Kontakt zeigen. So bleibt der Auftakt zwar durchaus bildgewaltig, aber unverständlich. Das Zusammenspiel der Yautja mit den Maya in „Alien vs. Predator “ ist im Vergleich dazu weitaus schlüssiger und besser durchdacht.

Wo wir schon einmal bei der Präastronautik sind, sollte nicht unerwähnt bleiben, dass es tatsächlich Höhlenmalereien gibt, die fliegende Untertassen, Wesen in Astronautenanzügen und typische Grey-Aliens zeigen. Man bekommt fast den Eindruck, dass Filme wie „Prometheus“ uns auf die offene Anerkennung solcher archäologischen Funde vorbereiten sollen. Zumal mit der Doku-Reihe „Ancient Aliens“ des History-Channel bereits sämtliche dahingehenden Tabus gebrochen werden.

Leider haben Ridley Scott und die Drehbuchautoren ihre Hausaufgaben nur unvollständig gemacht. Zum einen spielen in den meisten Legenden über die Herkunft antiker „Götter“ das Sirius-System und die Konstellation des Orion/Osiris eine zentrale Rolle. Man denke nur an die Pyramiden von Gizeh, die den Gürtel des Orion/Osiris nachbilden.

Zum anderen verweist die Konstellation in „Prometheus“ nicht auf die Heimat der Titanen, sondern auf einen Außenposten, auf dem für die Erde bestimmte Massenvernichtungswaffen lagern. Doch warum sollten die Außerirdischen den Menschen der Antike zeigen, wo ihre geheimen Waffendepots liegen? Das macht ebenso wenig Sinn, wie die geplante Vernichtung der Menschen. Immerhin sind die Menschen im Film die genetischen Abkömmlinge der Titanen.

Es wäre weitaus interessanter gewesen, einen interstellaren Krieg zwischen den Titanen und den Yautja zu etablieren. Ein Vernichtungskrieg hätte dabei sogar den Einsatz biologischer Waffen schlüssiger wirken lassen. Stattdessen wollen die Titanen unkontrollierbare Kreaturen auf die Menschheit loslassen, um die Erde für sich zu erobern. Man muss sich an dieser Stelle doch ernsthaft fragen, warum sie die Menschheit dann überhaupt erst erschaffen haben, wenn sie den Planeten doch gleich für sich hätten beanspruchen können. Zudem würde den Titanen die Erde nicht viel nutzen, wenn sie von säureblütigen Parasiten verseucht ist.

Wenn man schon auf den Theorien eines Erich von Däniken aufbaut, so müssten die Titanen zurückkehren, um sich die von ihnen geschaffenen Menschen wieder untertan zu machen. Die gezielte Kontamination der Erde mit Xenomorphen macht dagegen nur aus Sicht der Yautja Sinn, denen es um die Jagd auf selbige geht. Und sogar die Yautja sind schlau genug, diese Aliens durch Massenvernichtungswaffen auszulöschen, bevor sie sich unkontrolliert über den gesamten Planeten ausbreiten können (siehe „AvP“).

Bei der Story von „Prometheus“ wurde also erhebliches Potential verschenkt. Dabei kann man durchaus noch damit leben, dass es neben den klassischen Aliens einige andere biologische Waffen gibt. Die Idee, dass der Navigator aus dem ersten „Alien“-Film nur einen Schutzanzug trägt und darunter ein Humanoid steckt, ist sogar brillant und die größte Überraschung, die der Film zu bieten hat.

Man ist zudem bemüht, eine Brücke zum „Alien“-Film von 1979 zu schlagen. Das Titanen-Design fügt sich perfekt in die düsteren, organisch wirkenden Bilder des Originals und verwandelt die Kulissen in einen Alptraum des schweizer Okkultisten H.R. Giger. Das Titanen-Raumschiff ist eine detailgetreue Nachbildung und die Gründe seines Absturzes werden plausibel dargestellt. Die Weyland-Corporation macht indessen die erwarteten Fortschritte in der Androidentechnologie und es ist absolut okay, dass der Konzern schon vor der Landung der Nostromo Menschen nach LV- 426 schickt. Schlussendlich ist man angesichts des realen technischen Fortschritts seit Ridley Scotts erstem „Alien“-Film sogar geneigt, den höheren Technologielevel zu akzeptieren.

In den letzten fünf Minuten wird jedoch alles kaputt gemacht. Ridley Scott scheint fast schon unter Amnesie zu leiden, dass er das Finale derart verpatzt. Er liefert ein Puzzleteil, welches absolut nicht zu dem bereits vorhandenen Puzzle passen will. Mal abgesehen von einigen geänderten Details in der Navigationskammer des Raumschiffs sollte der Pilot doch eigentlich auf seinem Sessel sitzend sterben und dabei seinen Anzug tragen. Außerdem fehlt das Loch in die Eikammer, durch welches die Nostromo-Crew später steigt.

Es wäre perfekt gewesen, wenn durch den Absturz ein Loch zum tiefer liegenden Schiffsdeck gerissen worden wäre, ein Facehugger herausgekrabbelt käme und der Navigator an der Stelle durch einen Chestburster getötet werden würde, an der ihn Jahre später die Crew der Nostromo findet. Stattdessen hetzt der Titan der Präastronautik-Expertin Elizabeth Shaw (Noomi Rapace) hinterher und macht eine unheimliche Begegnung mit einem Krakenwesen. Durch diese Kreatur befruchtet gebiert der Humanoid einen Xenomorphen, der entfernt an die klassischen Vertreter dieser Gattung erinnert.

Es ergibt einfach keinen Sinn, warum hier zwei offensichtlich unterschiedliche biologische Waffen miteinander vermischt werden. Und statt wie bereits beim Titanen-Raumschiff mit dem Originaldesign eine weitere Brücke zu schlagen, wird dem Zuschauer hier eine stark entfremdete Kreatur aufgetischt, die ebenso wenig ins Gesamtbild passt wie die Todesumstände des Navigators.

Immerhin vermag die Flucht von Elizabeth Shaw mit einem weiteren Titanen-Raumschiff dem Ende etwas Positives abzugewinnen. Hier wird offensichtlich der Grundstein für eine mögliche Fortsetzung gelegt, die hoffentlich mehr Licht ins Dunkel bringen wird.

Alles in allem ist Prometheus gutes Popkornkino. An den Spezialeffekten gibt es nichts zu bemängeln, stilistisch ist der Film ein echter Hingucker und zuweilen kommt sogar richtiges „Alien“-Feeling auf. Bei einigen Details und insbesondere beim Ende wurde jedoch geschlampt und viel gutes Potential verspielt.

Prometheus-Trailer

Ach ja, die Logikfehler…

4 Kommentare zu “Prometheus – Ridley Scotts Ausflug in die Präastronautik

  1. „n den letzten fünf Minuten wird jedoch alles kaputt gemacht. Ridley Scott scheint fast schon unter Amnesie zu leiden, dass er das Finale derart verpatzt. Er liefert ein Puzzleteil, welches absolut nicht zu dem bereits vorhandenen Puzzle passen will. Mal abgesehen von einigen geänderten Details in der Navigationskammer des Raumschiffs sollte der Pilot doch eigentlich auf seinem Sessel sitzend sterben und dabei seinen Anzug tragen. Außerdem fehlt das Loch in die Eikammer, durch welches die Nostromo später steigt.“

    Auf eine mögliche Auflösung bin ich neulich gestoßen:
    Ich habe irgendwo gelesen, dass der Space Jockey in Alien auf LV-426 gefunden wird, während dieser Film auf LV-223 spielt.
    Das würde dieses Detail plausibel machen.

  2. Neulich noch einen Verriss-Kommentar irgendwo im Internet entdeckt:

    “ Charaktere grenzdebil und unglaubwürdig (Captain packt nach 2 Jahren Flugzeit erstmal den Weihnachtsbaum aus und schläft mit dem Captain). Wissenschaftler sind hirnrissig ohne Ende. Der Oberboss versteckt sich ohne ersichtlichen Grund. Noomi Rapaces Bauchmuskeln werden zertrennt und notdürftig getackert, danach singt und springt sie wieder fröhlich. Aggro-Punkrock-Geologe, der die Höhlen kartografieren soll (und eh nur an Geld interessiert ist), verläuft sich, obwohl er Funkkontakt mit dem Schiff und deren Karten hat. Biologe hat Todesangst vor toten Aliens, liebkost aber eine kobra-artige Schleimschlange, die ihn dann tötet.
    Noomi Rapace erzählt niemandem, dass sie gerade ein Alien-Tentakel-Viech geboren hat und geht auch nicht auf Nummer sicher, dass es tot ist. Captain, der nicht fliegen kann, opfert sich nach einer kurzen Unterhaltung mit einer hysterischen Ziege mitsamt seinen Schergen für die Zukunft der Erde.
    Captain und Charlize Theron springen schnell mal in die Kiste, damit sie einem speckigen Redneck zeigen kann, dass sie kein Android ist, obwohl zwei Leute der Crew sich verlaufen haben.
    Der führende Wissenschaftler entdeckt eine Art Tentakel in seinem Auge, geht natürlich nicht zum Arzt. Wäre ja auch logisch. Das Wissenschaftler-Paar hat gerade die wichtigste Entdeckung der Weltgeschichte gemacht, hüpft aber lieber in die Kiste und redet über’s Kinderkriegen.
    Welcher Trillionär würde sein Leben in die Hände einer solche Ansammlung von Idioten geben?
    Außerdem lernen sich die meisten Crewmitglieder erst nach dem Aufwachen kennen. Klar, logo. Nicht, dass sie Monate lang zusammen trainieren oder sowas… wer braucht schon ein eingespieltes Team, das sich vertraut.

    Die „Engineers“ sind auch lustig.. lassen auf der Erde irgendwie ne Karte zu ihrem Massenvernichtungswaffen-Lager und wie man die bedient, zeigen sie mit einem hübschen Hologramm. Nett, aber bescheuert.

    Achja, bitte nicht zur Seite rennen, wenn ein Millionen-Tonnen-Raum-Croissant auf dich zurollt, einfach geradeaus, damit dein Tod genauso sinnlos ist, wie die 190 Minuten vorher.
    Dazu gab es noch sinnlose Religionsanspielungen (oh yeah, wie deep) und zum Glück auch schöne Bilder. Bis die Crew aus der Stasis erwacht, ist der Film echt gut. :)“

  3. Pingback: Übersicht: Blue Beam-Konditionierung | Zombiewood Productions

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