World Invasion / Battle L.A. – Ein 116 Minuten Werbespot für die US-Army

von Shinzon

Nachdem das Kinopublikum bereits Ende 2010 mit „Skyline“ geistig gemartert wurde, setzt nun „World Invasion“ in jeder Hinsicht einen drauf. Noch mehr sinnlose Gewalt, noch plattere Charaktere und noch viel mehr US-Pathos. Der „Battle Los Angeles“ wirkt wie eine Neuauflage von „Top Gun“, nur mit Aliens.

Man könnte meinen, dass Militär hätte diesen Film nicht nur mitfinanziert, sondern gleich das gesamte Drehbuch geschrieben. Fast alle Charaktere stammen aus dem Militär und die wenigen Zivilisten dienen mehr oder weniger nur dazu, von G.I. Joe gerettet zu werden. Lediglich ein Zivilist darf dann doch mal zur Waffe greifen, um zu erfahren, wie toll es ist, sich für sein Vaterland zu opfern. Mehr Patriotismus geht nicht.

Mehr Militärpropaganda hingegen schon. Denn neben der offensichtlichen Werbung für das US-Militär gibt es noch jede Menge unterschwellige Werbebotschaften, die wohl zusätzlich ins Unterbewusstsein des Zuschauers dringen sollen. So hängt da schon einmal ein Army-Plakat im Hintergrund, mit dem Slogan „Support our Troops“ („Unterstützt unsere Truppen!“).

Die außerirdischen Feindbilder sind, wie schon zuvor in „Skyline“, einfach nur böse Space-Terroristen ohne jeden Tiefgang. Immerhin wollen sie diesmal nicht unsere Hirne klauen, sondern nur unser Wasser, weil unser Planet ja der einzige ist, auf dem es so etwas gibt. Um einen Kometen zu schmelzen oder Wassereis auf einem der zahlreichen Monde in unserem Sonnensystem abzubauen, sind die Aliens offenbar zu blöd.

Und überhaupt ist ihre gesamte Strategie sehr unüberlegt. Wenn man vorhat, die Menschen auszurotten, schickt man nicht zuerst Bodentruppen, sondern bombardiert die Hauptstädte und Militärbasen einfach vom Orbit aus. Doch scheinbar hat diese Spezies ihr Hirn ebenfalls zu Hause gelassen. Das würde zumindest erklären, warum es nichts bringt, ihnen eine Kugel in den Kopf zu jagen. Stattdessen muss man eine Stelle beim Herzen treffen. Warum, wissen wohl nur die Drehbuchautoren, die Aliens offensichtlich mit Vampiren verwechselt haben.

Allerdings sollte nicht zu sehr gegen die hirnlosen Außerirdischen gehetzt werden, denn die Menschen in diesem Film sind nicht viel besser. Die lassen sich mit überwiegend nutzlosen Waffen an der Front verheizen, wo doch schon viel wirkungsvolleres Equipment zur Verfügung steht. Das US-Militär besitzt unbemannte Drohnen, die sich mit Mini-Nukes ausrüsten lassen, Laserwaffen, Mikrowellen sowie Ultraschallgeschütze, die alle schon im Einsatz sind. Und wer weiß, was in der Area 51 noch alles entwickelt und getestet wird. Im „Battle Los Angeles“ sieht man nichts von alledem. Stattdessen setzt man Infanterie mit Handfeuerwaffen gegen einen überlegenen Feind ein. Wie dumm ist das denn?

Na gut, solche Filme werden ja auch nicht gedreht, um ein realistisches Szenario darzustellen, sondern um Fremdenhass zu schüren und die junge Generation in die Fänge des Militärs zu treiben. Zudem wirft die Häufung derartiger Invasionsfilme die Frage auf, ob die korrupte Machtelite es wirklich drauf hat, eine Invasion zu inszenieren, um ihre Interessen durchzusetzen. Das hat schon bei 9/11 funktioniert und während sich die Menschen noch fragen „Warum greifen sie uns an?“, fahren die Rüstungskonzerne satte Gewinne ein und werden bürgerliche Freiheiten beschnitten.

Wie ernstzunehmend das „Project Blue Beam“ Szenario ist, zeigt indessen die PR für „World Invasion“. In diversen Werbespots kommen echte Militärangehörige zu Wort, die ernsthaft vor einer Alien-Invasion warnen und sich dabei auf ein reales Ereignis von 1942 berufen – dem wahren „Battle of L.A“. Doch was geschah tatsächlich im Jahre 1942?

In der Nacht vom 24. auf den 25. Februar tauchte ein unbekanntes Flugobjekt bei Los Angeles auf. Zunächst vermutete man ein neues japanisches Fluggerät und nahm es unter Flak-Beschuss. Das Feuer prallte jedoch wirkungslos an dem UFO ab. Die Show dauerte eine Weile, bis sich die UFOnauten irgendwann zu langweilen begannen und den Rückweg antraten. Es stimmt zwar, dass bei dem Vorfall mehrere Menschen zu Tode kamen, allerdings nicht durch einen außerirdischen Angriff, sondern durch herabregnende Trümmer des Flakfeuers sowie einen Herzinfarkt. Die Medien berichteten damals über das Ereignis und brachten sogar Fotos der Schlacht.

Zugegeben, es war einer der spektakulärsten UFO-Vorfälle aller Zeiten, mit unzähligen Augenzeugen. Doch weder ging von dem Objekt eine Bedrohung aus, noch konnte seine Herkunft ermittelt werden. Dass dieses UFO nun als Aufhänger für einen Invasionsfilm herhalten muss, ist geradezu absurd. Selbst wenn es tatsächlich außerirdischen Ursprungs gewesen sein sollte, so hatte es dennoch keinerlei feindliche Absichten gezeigt. Von daher ist es sehr fragwürdig, dass angebliche Whistleblower des US-Militärs völlig unbehelligt im Fernsehen darüber plaudern und dieses Ereignis mit einem realitätsfernen Science Fiction Film in Verbindung bringen, der ausschließlich Ängste schürt und für den Militärdienst wirbt.

Für UFO-Interessierte wäre ein Film über den 1942er „Battle of L.A.“ wesentlich reizvoller gewesen, insbesondere, wenn er sich an die Fakten halten würde. Aufklärung ist jedoch nicht das Ziel dieser Zusammenarbeit von Hollywood und US-Militär. Da müssen sich UFO-Begeisterte schon auf das Internet verlassen. Den Film „World Invasion“ sollte dagegen jeder vernunftbegabte Mensch meiden, da man von so viel Pathos und Gewaltexzessen Kopfschmerzen bekommt.

(Dieser Artikel erschien 2011 in der „Incomming Message“)

„World Invasion“ Werbespot

Hintergründe zum realen “Battle of L.A.” von 1942

Ein Kommentar zu “World Invasion / Battle L.A. – Ein 116 Minuten Werbespot für die US-Army

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