Der Ordo Templi Orientis – Rosenkreuzer im Dienste Satans

von Shinzon

Der Ordo Templi Orientis, kurz OTO, wurde wahrscheinlich am 1. September 1901 gegründet. Die genauen Umstände der Gründung liegen im Dunklen, da sie im Geheimen stattfand. Als gesichert gilt jedoch, dass alle Gründungsmitglieder Freimaurer waren. Darunter der Wiener Industrielle Carl Kellner (1850-1905), der deutsche Theosoph Franz Hartmann sowie Heinrich Klein. Diese Herren sahen den Orden zunächst als Erweiterung zur blauen Freimaurerei und hofften auf Anerkennung durch die Vereinigte Großloge von England.

Als die positive Rückmeldung ausblieb, entschieden sich die Logenbrüder für den Memphis-Misraïm-Ritus, welcher 1876 vom britischen Okkultisten John Yarker (1833-1913) ins Leben gerufen wurde. Yarker war seinerseits nicht nur Freimaurer, sondern auch Rosenkreuzer und Theosoph. Gleiches gilt für die deutschen Ordensbrüder Theodor Reuß (1855-1923) und Rudolf Steiner (1861-1925). Während Steiner 1906 zum Souveränen General-Großmeister des Memphis-Misraïm-Ritus in Deutschland avancierte und dies bis 1914 blieb, übernahm Theodor Reuß 1906 den OTO-Ableger.

Bis 1905 nannte sich der Orden eigentlich nur schlicht Memphis-Misraïm-Ritus. Erst als ihn Reuß 1906 öffentlich bekannt machte, wurde daraus der Ordo Templi Orientis. Nach seinen eigenen Aussagen war der Orden ab diesem Zeitpunkt die äußere Fassade des Rosenkreuzertums in Europa. Reuß sah im OTO zudem die Chance zur Wiederbelebung von Adam Weishaupts Illuminatenorden. Angesichts der ehemaligen Feindschaft zwischen Rosenkreuzern und Illuminaten war es höchst erstaunlich, dass nun ein Rosenkreuzerorden die offizielle Nachfolge für sich beanspruchte.

Zum Kern der Ordenslehre wurde die Sexualmagie auserkoren, was viel über die Triebhaftigkeit der Mitglieder aussagt. Diese sahen in der Sexualmagie den Schlüssel zu allen hermetischen sowie freimaurerischen Geheimnissen und Symbolen. In der Tat ist das gar nicht mal so abwegig, denn auch in der regulären Freimaurerei wimmelt es von Phallussymbolik. Man denke nur an den Obelisken, der auf den Phallus des ägyptischen Gottes Osiris zurückgeht.

Von der Sexualmagie angezogen, trat alsbald auch der bekennende Satanist Aleister Crowley (1875-1947) dem OTO bei. 1915 wurden die Rituale des Ordens komplett von Crowley überarbeitet und nach seinem „Buch der Gesetze“ ausgerichtet. Dabei führte er auch einen 11. Grad ein, zu dessen sexualmagischer Arbeit der Analverkehr zwischen männlichen Ordensmitgliedern gehörte.

Das ging einigen Rosenkreuzern dann doch zu weit, sodass Crowley am 25. Oktober 1921 auf Geheiß des AMORC-Gründers Harvey Spencer Lewis (1883-1939) aus dem OTO ausgeschlossen wurde. Nachdem Theodor Reuß verstarb, ohne zuvor einen Nachfolger zu benennen, kehrte der durchgeknallte Satanist jedoch zurück und übernahm 1925 eigenmächtig die Leitung des Ordens. Infolge dessen zerfiel der OTO in mehrere Zweige, von denen Crowleys Sektion die maßgebliche blieb.

Der crowleysche OTO breitete sich in den folgenden Jahren über die halbe Welt aus und konnte vor allem in den USA berühmte Mitglieder gewinnen. Zu diesen zählte der Raketenwissenschaftler Jack Parsons (1914-1952), welcher in den 1930er an der Gründung des Jet Propulsion Laboratory beteiligt war. Das JPL baut und steuert sämtliche Satelliten und Raumsonden der 1958 gegründeten NASA, welche später sogar einen Mondkrater nach Parsons benannte. Die weltgeschichtliche Bedeutung des freimaurerischen Ordo Templi Orientis sollte daher nicht unterschätzt werden, zumal fast sämtliche hoch dekorierten NASA-Astronauten ebenfalls Freimaurer waren bzw. sind.

Der OTO spielte jedoch nicht nur bei der Entwicklung der modernen Raumfahrt eine tragende Rolle, sondern auch bei der Gründung satanistischer Kulte. So freundete sich Parsons mit dem späteren $cientology-Gründer L. Ron Hubbard (1911-1986) an. Zusammen führten die beiden okkulte Rituale durch, bis Parsons schließlich von Hubbard hintergangen wurde. Die Tatsache, dass Hubbard praktizierender Satanist war, wurde unlängst von dessen Sohn in Interviews bestätigt.

Noch mehr OTO steckte jedoch in der Pansophischen Gesellschaft, welche 1921 vom Ordensbruder und Theosophen Heinrich Tränker (1880-1956) gegründet und ab 1925 ebenfalls von Aleister Crowley unterstützt wurde. Zunächst beschäftigte sich die pansophische Loge vor allem mit antiken Mysterien rund um Ägypten, Babylon und Griechenland sowie mit der Sexualmagie, welche vom OTO übernommen wurde.

Der von Tränker initiierte Eugen Grosche (1888-1964) stieg rasch zum Generalsekretär der Pansophischen Gesellschaft auf, deren Loge jedoch nach internen Auseinandersetzungen am 1. April 1926 geschlossen wurde. Grosche gründete daraufhin am 8. Mai 1926 die Fraternitas Saturni, welche bis heute offen satanistisch ist und sich auf Crowleys „Liber AL vel Legis“ beruft.

Logo der Bruderschaft des Saturn

Logo der Bruderschaft des Saturn

Neben der Pansophischen Gesellschaft gründete sich ebenfalls 1921 der Haitianische Ordo Templi Orientis Antiqua, welcher von Lucien-Francois Jean-Maine initiiert wurde und mit Voodoo-Einflüssen durchsetzt ist. Der heute noch existierende OTOA steht jedoch in Konkurrenz zum Caliphat-OTO, der sich als rechtmäßiger Nachfolger von Crowleys OTO sieht. Der Caliphat-OTO finanziert sich dabei hauptsächlich aus den Tantiemen des Crowley-Tarots. Dieses wird seit 1998 von der Schweizer Spielkartenfirma Mueller AG produziert, welche den Vertrag direkt mit dem Caliphat-Geschäftsführer William Breeze geschlossen hat.

Breeze ist seit 1985 Caliph des OTO und dort unter dem Ordensnamen Frater Hymenaeus Beta bekannt. Der Ordo Templi Orientis hat heute weltweit etwa 3.000 Mitglieder, davon rund 100 in Deutschland, wo der OTO in Aachen als Verein eingetragen ist. Der OTO ist in Camps, Oasen und Logen unterteilt, wobei die Camps die kleinsten Gruppen sind und keine neuen Mitglieder initiieren. Oasen haben mehr Mitglieder als Camps und initiieren bis zum III°, während die noch größeren Logen bis zum IV° Grad initiieren. Insgesamt gibt es XII Grade, wobei der VII Grad bereits dem 32 Grad des Schottischen Ritus in der Hochgradfreimaurerei entsprechen soll.

Neben den beiden Hauptströmungen des OTO, von denen der Caliphat-OTO maßgebend ist, gab und gibt es noch einige kleinere Abspaltungen. Darunter die von Hermann Metzger in der Schweiz gegründete Abtei Thelema. Diese ist aber kaum noch existent, ebenso wie die Society OTO, die nach dem Tod ihres Gründers M.R. Motta zerfiel.

Am kuriosesten ist wohl der Typhonian OTO, welcher in den 1960ern vom englischen Thelemiten Kenneth Grant (1924-2011) ins Leben gerufen wurde. Der Typhonian OTO orientiert sich zwar an Crowleys Orden, basiert aber eigentlich auf der ebenfalls von Grant gegründeten New Isis Lodge, welche 1955 bis 1962 aktiv war. Neben Crowleys Thelema-Gedöns vereint der Typhonian OTO weiterhin die Phantasien H.P. Lovecrafts (1890-1937) und modernen UFO-Glauben in seinem System. Auch strukturell unterscheidet sich Grants Ableger erheblich vom regulären Ordo Templi Orientis, da es weder Ordenstitel und Hierarchien noch festgeschriebene Rituale gibt.

Wikipedia-Artikel

Die Gefährlichkeit der verschiedenen OTOs variiert, wobei sich der Ordo Templi Orientis in den letzten Jahren zunehmend um ein harmloses Image bemüht hat. Der Schein trügt jedoch, denn es handelt sich um eine durchaus einflussreiche freimaurerisch-rosenkreuzerische Organisation mit offenkundigen Verbindungen zum Satanismus nach Crowleys Vorbild.

Die Süddeutsche Zeitung interviewte dazu den brasilianischen Schriftsteller Paulo Coelho, der früher einmal Mitglied des O.T.O. war und den Ausstieg aus der okkulten Szene schaffte. Anschließend trat er laut eigenen Aussagen dem katholischen Geheimorden Regnus Agnus Mundi bei, für den es allerdings keine Belege gibt. Offenbar handelt es sich bei diesem Geheimbund um eine Drogenphantasie Coelhos, was aber wiederum gut zu seiner OTO-Vergangenheit passen würde. Hier ein Auszug aus dem Interview:

Reporter: 1972 traten Sie unter dem Namen Luz Eterna in die Satanssekte O.T.O. ein, den Orden der Tempelritter des Orients, dessen Cheftheoretiker der Brite Aleister Crowley war. Zu den Jüngern des »Großen Tieres«, wie er sich nennen ließ, gehörte Charles Manson, der 1969 im Haus von Roman Polanski vier Menschen mit Schüssen, Messerstichen und Knüppelhieben ermorden ließ.

Coelho: Die Maximen dieser Organisation grenzen an spirituellen Faschismus. Es geht darum, die Erfahrung der Macht bis zur äußersten Grenze zu treiben. Wer zu den wenigen Auserwählten gehört, ist von allen ethischen Normen befreit und darf tun, was er will – auch ein Monster werden. Als ich begriff, dass der O.T.O. mich in den Abgrund führt, habe ich mich losgesagt und jeden Kontakt abgebrochen. Spirituell war ich so gut wie tot, aber ich hatte begriffen, dass man eine Ethik braucht, um zu leben.

Reporter: Sie sagen, der O.T.O. sei »schlimmer als Satanismus«. Welche Praktiken können Sie bezeugen?

Coelho: Ich mag das Wort Satanismus nicht. Es klingt in meinen Ohren nach einem billigen Gruselfilm aus Hollywood. Im O.T.O. wurden keine Babys geopfert, aber wir praktizierten schwarze Magie und arbeiteten mit Kräften, die ich Ihnen nicht beschreiben werde. Ich habe kein Interesse daran, Menschen auf diese Organisation neugierig zu machen, weil das als Werbung missverstanden werden kann. Aus diesem Grund habe ich mich auch viele Jahre lang geweigert, den Namen O.T.O. in der Öffentlichkeit auszusprechen und immer nur die erfundene Bezeichnung »Gesellschaft zur Eröffnung der Apokalypse« benutzt.

Reporter: Ihrem Biografen Fernando Morais haben Sie erzählt, dass Ihnen sechs Tage nach Ihrem Eintritt in den O.T.O. Satan begegnet sei. Morais schreibt: »Coelho bemerkte, dass sich in seiner Wohnung Totengeruch ausbreitete und dunkler Nebel, als wäre die Sonne plötzlich untergegangen.«

Coelho: Hören Sie auf! Ich möchte über dieses Thema nicht länger sprechen.

Quelle

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