Michael Vogt – Burschenschafter und Heß-„Anwalt“

von Shinzon

Michael Vogt ist ein Journalist und Dokumentarfilmer, dessen Werke mitunter sogar auf N-TV ausgestrahlt wurden. In den letzten Jahren erwarb er sich jedoch einen zweifelhaften Ruf, den er vor allem seiner Pseudodokumentation „Geheimakte Heß“ verdankt.

Der Film beginnt mit einigen berechtigten Fragen zum Schottlandflug des Hitler-Stellvertreters. Wusste Hitler Bescheid? Hat er ihn gar beauftragt, einen Frieden mit England auszuhandeln? Und hatten die Briten ihrerseits einen Gesandten des 3. Reichs erwartet oder warum haben sie einen feindlichen Flieger bis nach Schottland durchfliegen lassen, statt ihn sofort abzuschießen?

In der Tat liegt da einiges im Unklaren und Großbritannien hält bis heute Akten geheim, ließ Dokumente verschwinden und brachte Fälschungen in Umlauf. Fragen müssen daher erlaubt sein, insoweit kann man Michael Vogt durchaus noch folgen. Historisch betrachtet ist zudem Fakt, dass die Nazis in den Briten arische Verwandte sahen, zumal das britische Königshaus vom deutschen Adelsgeschlecht Sachsen-Coburg-Gotha abstammt. Es ist daher nachvollziehbar, dass man sich mit Großbritannien noch am ehesten Frieden wünschte, um sich in der Folge auf Russland konzentrieren zu können.

So weit ist alles noch historisch korrekt. Die Reaktion der nazideutschen Presse ist ebenfalls verständlich. Da Heß scheiterte, musste man ihn zum Verräter abstempeln, da es sich sonst negativ auf die Moral der Wehrmacht ausgewirkt hätte, wenn bekannt geworden wäre, dass man mit den Briten verhandeln wollte. Doch das macht Heß keineswegs zu einem Friedensapostel. Sein Flug hatte strategische und sogar rassistische Hintergründe.

Michael Vogt schürt hingegen die Legende des „Pazifisten Heß“, welche sich in rechtsextremen Kreisen großer Beliebtheit erfreut. Die NPD stilisiert Heß gar zum „Märtyrer für den Frieden“ und betreibt einen regelrechten Kult um den Stellvertreter Hitlers, den sie aus rechtlichen Gründen nicht um den Führer selbst betreiben kann. Die alljährlichen Aufmärsche, die lange am Grabe von Heß in Wunsiedel stattfanden, waren da nur die Spitze des Eisbergs.

Vogts Pseudodokumentarfilm „Geheimakte Heß“ ist folgerichtig in der rechtsextremen Szene weit verbreitet und findet sich auf zahlreichen NPD-nahen Youtube-Kanälen. Das liegt vor allem daran, dass Vogt kein schlechtes Wort über Rudolf Heß verliert. Auf die durchaus noch tolerierbaren Fragen folgen historisch unkorrekte Antworten, die die Alliierten über eine berechtigte Kritik hinaus dämonisieren und als die wahren Kriegstreiber hinstellen.

Es mag sein, dass der Freimaurer Churchill die Deutschen verachtete und insgeheim schon Pläne mit Stalin schmiedete. Diese zwielichtige Figur steht jedoch nicht stellvertretend für alle Alliierten, die Deutschland vom Faschismus befreit haben. Wenn man Michael Vogt jedoch so reden hört, kommt es einem vor, als wäre es ihm sogar lieber gewesen, Deutschland wäre nicht befreit worden. Folgt man seinen Thesen, so hätte es nach dem Polenfeldzug eine friedliche Lösung geben können, was unweigerlich die Fortsetzung des 3. Reichs bedeutet hätte.

Zwar distanziert sich Vogt von Hitler und der SS, aber das taten bereits die Verschwörer um Stauffenberg, um den ein ähnlicher Kult wie um Heß gemacht wird, der allerdings bis tief in die Mitte der Gesellschaft reicht. Dabei wollte Stauffenbergs Truppe, ebenso wie Heß, nur einen Frieden mit den Westalliierten. Den Russlandfeldzug wollten die Verschwörer des 20. Julis fortführen und auch das 3. Reich hätte laut ihren Plänen fortbestehen sollen – nur ohne Hitler und ohne die SS.

Mit „Geheimakte Heß“ wird nun selbiger ebenso wie Stauffenberg salonfähig gemacht. Nun wurde aber Heß nicht wie Stauffenberg hingerichtet, wodurch ihm jeglicher Märtyrerstatus abhanden kommt. Auch dafür hat Michael Vogt eine Lösung: Rudolf Heß soll ermordet worden sein.

Irrwitzigerweise sollen es nicht die Sowjets gewesen sein, die während der Nürnberger Prozesse noch Heß’ Tod forderten. Im Gegenteil hat sich Gorbatschow sogar für Heß’ Freilassung engagiert, was in der Tat 1987 vom Magazin Der Spiegel berichtet wurde.

Die mutmaßlichen Mörder sollen indessen die Briten gewesen sein, die seltsamerweise bei den Nürnberger Prozessen noch gegen Heß’ Hinrichtung gestimmt hatten. Woher der Sinneswandel? Und warum sollte man sich rund 40 Jahre Zeit lassen, um dann einen 93-Jährigen zu erdrosseln, der ohnehin schon aus Altersgründen mit einem Bein im Grab stand? Das macht einfach keinen Sinn. Es sei denn, man wollte einen Märtyrer aus ihm machen und damit die rechtsextreme Szene in Deutschland stärken. Dies wäre das einzige Motiv, welches Sinn machen würde, denn genau so ist es dann ja auch gekommen.

Die Beweisführung von Vogt ist indessen sehr dürftig. Mal davon abgesehen, dass die Briten sich durch ihr Verhalten verdächtig machen, stützt er sich vor allem auf eine Aussage von Heß’ Pfleger, einem Tunesier, der dem Nazi freundschaftlich sehr nahe stand. Ferner gibt es Spekulationen über die Würgemale, die auf ein Erdrosseln durch Fremde hindeuten sollen.

Was von all den Spekulationen übrig bleibt, ist eine Legendenbildung um die Person Rudolf Heß. Michael Vogt erweckt den Eindruck, es handele sich bei Hitlers Stellvertreter um einen aufrechten Friedensaktivisten, der Opfer eines finsteren Mordkomplotts wurde. Über Heß’ Rolle im 3. Reich schweigt sich Vogt dagegen aus.

Kein Wort darüber, dass Heß schon lange vor Hitlers Machtergreifung zum festen, überzeugten Kern der Nazibewegung gehörte. Kein Wort über seine Mitwirkung an den Nürnberger Rassegesetzen und der Vorbreitung der Judenverfolgung. Kein Wort über seinen okkulten Hintergrund, den er als hochrangiges Mitglied der Thule-Gesellschaft hatte. Rudolf Heß war einer der schlimmsten Naziverbrecher überhaupt und er muss einflussreiche Freunde in den westlichen Geheimgesellschaften gehabt haben, dass er in Nürnberg der verdienten Hinrichtung entging. Solch einem hasserfüllten Psychopathen ein Denkmal setzen? Niemals!

Doch kommen wir nun zum Vordenker des rechtsextremen Heß-Kultes. Michael Vogt wurde 1953 in Kassel geboren und studierte 1972-1980 Germanistik, Politikwissenschaft und Geschichte an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. 1979 wurde er mit seiner Arbeit über „Die Anthropologie bei Karl Marx und Friedrich Engels“ zum Dr. phil. promoviert. Das hört sich erst einmal ganz seriös an.

Nun gehörte Vogt während seiner Studienzeit aber auch der Burschenschaft Danubia München an. 1973 und 1974 war er zudem Mitglied des Hochschulpolitischen Ausschuss, eines Gremiums der Deutschen Burschenschaft, in welchem damals rechtsextremes Gedankengut kursierte.

Die Burschenschaften gelten gemeinhin als stark konservativ und nach rechts weit offen. Seit der Wende treffen sich die deutschen Burschenschaften alljährlich zu Pfingsten am Burschenschaftsdenkmal bei Eisenach, wo der Nachwuchs der CDU/CSU Seite an Seite mit Rechtsextremisten steht, die auch schon mal den Arm zum Hitlergruß heben. Jedes Jahr kommt es dabei zu einem breiten Gegenprotest durch alle Bevölkerungsschichten hinweg.

Halten wir also fest, dass Vogt aus einem rechtskonservativen Umfeld stammt, welches zudem ähnlich elitär und hierarchisch organisiert ist, wie die Freimaurerei, obgleich die Burschenschaften offiziell keine Geheimbünde sind. Dennoch sind sie mit ihren Ritualen den amerikanischen Studentenverbindungen wie Skull & Bones nicht unähnlich. Der größte Unterschied besteht darin, dass an die Stelle des okkulten Brimboriums bei den Burschen ein altbackener Germanenkult rückt und die Rituale vorrangig aus Saufexzessen bestehen.

Von 1998 bis 2007 verdiente sich Vogt dann als Honorarprofessor am Institut für Journalistik an der Universität Leipzig, bis sein Lehrangebot wegen Extremismusvorwürfen abgelehnt wurde. Grund war ein Treffen der rechtsextremen Fraktion im EU-Parlament (Identität, Tradition, Souveränität) in Straßburg, an welchen Vogt teilgenommen und über seinen Film „Geheimakte Heß“ referiert haben soll.

Gewiss gehört Michael Vogt nicht direkt zum rechtsextremen Lager um die NPD und freien Kameradschaften, obgleich sein Bekannter Olaf Rose, der „Geheimakte Heß“ produziert hat, nicht nur NPD-Mitglied ist, sondern für diese auch seit 2009 im Stadtrat von Pirna sitzt. Vogt fühlt sich dagegen vor allem in rechtskonservativen, völkischen und esoterischen Kreisen heimisch. So arbeitete er eine Zeitlang für Secret TV, der Plattform des berüchtigten Esoterikers Jan Udo Holey, der in seinen Büchern auch schon mal aus den „Protokollen der Weisen von Zion“ zitiert.

Heute ist Vogt Gesellschafter des ebenfalls berüchtigten Schild-Verlags in Elbingen. Dieser scheint zwar nicht mit dem 1950 von NSDAP-Funktionären gegründeten Schild-Verlag identisch zu sein, vertreibt aber ebenfalls fragwürdige Produkte. Darunter haufenweise Esoterikquatsch und antikommunistische Propaganda, einschließlich absurder Vergleiche der EU mit der Sowjetunion.

Zuletzt initiierte Michael Vogt zusammen mit Jo Conrad im Jahr 2012 das Projekt „Aufbruch Gold-Rot-Schwarz“, welches eine Brücke zwischen reichsdeutschen Gruppen und der Esoterikszene schlägt. Man fragt sich schon fast, warum das Projekt nicht gleich „Aufbruch Schwarz-Weiß-Rot“ heißt? Der Vereinsvorsitzende ist indes Benjamin Ernst, ein Goldhändler aus Bayreuth, der auch für die Betrugsfirma KB-Edelmetall tätig ist. Hinter der Mischung aus reichsdeutschem und esoterischem Humbug steckt also obendrein knallharte Abzocke.

Ansonsten ist Michael Vogt vor allem als Moderator beim Alpenparlament aktiv, welches ein breites Spektrum an Themen anbietet. Dabei gibt es durchaus seriöse Gäste, die mit Sicherheit nicht wissen, wem sie da gegenüber sitzen, aber es kommen natürlich auch die blödsinnigsten Esoterikquacksalber zu Wort. Darunter auch Johannes Holey, der Vater von Jan Udo, der im Gespräch mit Vogt über den „Aufstiegt der Menschheit 2012“ labern durfte. Zu guter Letzt stehen auch Themen wie „Wunderheilung“ auf dem Programm des Alpenparlaments.

Gesamt betrachtet wird man aus dem Alpenparlament nicht schlau. Michael Vogt interviewt schlichtweg alles und jeden und arbeitet auch für jeden, der ihn bezahlt. An einem Tag interviewt er für Nuoviso Heinz Dietrich von der Universität Mexiko Stadt zum Thema „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ und schon am nächsten Tag plaudert er mit reichsdeutschen Esoterikern wie Jo Conrad über die positiven Seiten des 3. Reichs.

Man kommt unweigerlich zu dem Schluss, dass eher progressiv eingestellte Plattformen wie Nuoviso entweder nicht wissen, wer Michael Vogt ist oder in der Wahrheitsbewegung einfach jeder mit jedem rumhurt. Dabei lautet ein klingonisches Sprichwort doch: „Ein Jäger legt sich nicht zu seiner Beute.“

Wir wollen die ganze Wahrheit und keine Halbwahrheiten von rechts angehauchten Esoterikern und Desinformanten. Daher müssen wir uns aus den dargelegten Gründen ganz klar von Michael Vogt distanzieren. Leider macht uns das unsere Arbeit durchaus schwer, da seriöse Menschen wie Klaus Dona oder Prof. Dr. Claus Turtur aus Unwissenheit zwielichtigen Charakteren Interviews geben oder zusammen mit ihnen bei der AZK auftreten. Dabei schaden sie unbeabsichtigt ihrem eigenen Ruf.

Wir mögen noch differenzieren und die Gäste des Alpenparlaments separat von diesem beurteilen. Die Mainstreammedien tun dies jedoch nicht und wer einmal an den Falschen gerät, wird auf ewig mit demjenigen in einen Topf geworfen. Die so genannte „Wahrheitsbewegung“ ist äußerst heterogen und ein Auftritt im Alpenparlament ist nicht so eindeutig, wie ein Vortrag auf einem NPD-Parteitag. Dass hier keine klaren Grenzen gezogen werden, schadet der Wahrheit mehr, als es die offizielle Propaganda je könnte.

Das ist auch der Grund, warum wir von Zombiewood Productions uns unzweideutig positionieren. Unsere Recherchen enden nicht, wo die Wahrheitsbewegung beginnt. Wir sind ebenso an keinem Konsens zwischen links und rechts interessiert, um uns dann von rechts mit reichsdeutscher und antikommunistischer Propaganda zumüllen zu lassen. Darum setzen wir uns kritisch mit Ikonen der alternativen Medien auseinander.

2 Kommentare zu “Michael Vogt – Burschenschafter und Heß-„Anwalt“

  1. Also ganz ehrlich: wenn man Ihre Thesen mit denen des Herrn Vogt vergleicht, kann man nur zu dem Schluss kommen, dass sowohl ihre als auch seine Herleitung auf reinem Glauben und nicht auf Fakten beruht.

    Ich bin Historiker und als solcher der Objektivität verpflichtet. Langsam aber stetig wächst die Zahl derer, die an Universitäten keine Lust mehr haben in der Tradition der Sieger zu manipulieren sondern sich rückbesinnen auf das, was der Fachbereich Geschichte sein sollte: eine möglichst objektive und wertneutrale Darstellung der rekapitulierbaren Fakten und Beweise.
    Bis vor ein paar Jahren war es Usus die weissen Flecken in der Geschichtsschreibung mit Siegerpropaganda der Alliierten zu füllen. Das hat zum Glück (bald) ein Ende. Akten die bis 2000, 2010 und/oder länger gesperrt waren oder es immer noch sind werden nach und nach sondiert und ihr Inhalt lässt nicht nur eine Relativierung der Opferzahlen zu, sondern auch einigen Raum für eine nötige Umdeutung der alleinigen deutschen Kriegsschuld.

    Ich kann Ihnen nur raten solche Berichte nicht mehr zu verfassen, sondern sich auf Fakten und belegbares zu beschränken. Dann lassen sich nämlich auch glaubhafte und diskussionwürdige Thesen aufstellen.

    Ihr Bericht ist genauso Hörensagen wie der des Herrn Vogt.

    • Sie scheinen uns miss zu verstehen. Wir wissen sehr wohl, dass die offizielle Geschichtsschreibung die der Sieger ist. Für die Offenlegung sämtlicher Akten sind wir daher allemal.

      Vogt ist nun aber wieder genau das andere Extrem und bildet rechte Legenden. Geschichtsforschung sollte frei von persönlichen Motiven sein, nur dann kommt ein objektives Ergebnis dabei heraus. Dies ist bei Vogt nicht der Fall und das kritisieren wir.

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