UFO-Sekten – Sie kommen in Frieden …nur nicht heute

von Shinzon

Im Gegensatz zu Splittersekten der drei monotheistischen Weltreligionen (z.B. Zeugen Jehovas), Abspaltungen diverser anderer Religionen (z.B. die Gelbmützen des Dalai Lama) sowie okkulten Sekten sind UFO-Sekten ein rein neuzeitliches Phänomen. Ihre Voraussetzung ist die Existenz intelligenten, außerirdischen Lebens. Eine Vorstellung, die erst im ausgehenden 19. Jahrhundert mit dem Aufkommen der Science Fiction-Literatur populär wurde.

Eine der ältesten und bekanntesten UFO-Sekten ist das „Ashtar Command“, welches auf die in den 1930ern gegründete „I Am-Bewegung“ des US-Amerikaners Guy Ballard (1878-1939) sowie seiner Frau Edna zurückgeht. Ballards mystische Lehren basierten ihrerseits auf den Werken von Helena Petrovna Blavatsky und William Quan Judge. Wie diese beiden waren auch Ballard und seine Frau Theosophen, die behaupteten, so genannte „aufgestiegene Meister“ zu channeln.

Wenn man ein wenig über solche Channelings recherchiert, wird man früher oder später fast immer bei der Theosophischen Gesellschaft landen. Eine der wenigen Ausnahmen ist der Mormonengründer Joseph Smith, der jedoch Freimaurer war. Im Gegensatz zu den theosophischen UFO-Sekten spielen Außerirdische bei den Mormonen allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Kommen wir daher zum „Ashtar Command“ zurück. Im Gegensatz zu anderen Sekten steht kein Guru im Zentrum, sondern der fiktive Santiner Ashtar Sheran, ein menschlich wirkender Alien mit hellblonden Haaren und blauen Augen. Er soll Kommandant einer Raumschiffflotte der Galaktischen Föderation des Lichts sein und die Erde vor bösen Einflüssen schützen.

Ashtaroth

Das, was Ashtar in zahlreichen Botschaften, die man auf Youtube abrufen kann, von sich gibt, mag zunächst sehr löblich klingen. Wir sollen uns für die Umwelt einsetzen, für Frieden und für Spiritualität. Das Ganze wird mit Binsenweisheiten über unsere Gesellschaft unterfüttert. Zum Beispiel, dass wir von der Regierung belogen werden oder dass unsere Welt von Krieg, Elend und Krankheit gezeichnet ist. Um das in Erfahrung zu bringen braucht allerdings niemand einen Ashtar, es reicht ein Blick in die Nachrichten.

Beschäftigt man sich etwas tiefer mit den Botschaften des „Ashtar Command“, wird es dann zunehmend absurd. Z.B. behaupteten die Ashtar-Anhänger, dass bei der Explosion der ersten Wasserstoffbombe die Welt untergehen würde. Nun hat die Welt aber bereits mehrere Wasserstoffbombentests hinter sich und existiert immer noch. Statt ihren offensichtlichen Fehler einzuräumen, behauptet das „Ashtar Command“ einfach, dass ihr Retter eingegriffen und das Schlimmste verhindert hätte. Natürlich ohne, dass es jemand bemerkt hätte, denn die Flotte der Galaktischen Föderation ist praktischerweise unsichtbar.

Ashtar Logo

Wem das noch nicht zu beknackt ist, der sollte abwarten, woher Ashtar angeblich stammt. Als Heimatplanet wird nämlich die Venus angegeben. Tatsächlich galt die Venus vor den ersten Missionen der Sowjets und Amerikaner noch als möglicher Schwesterplanet der Erde, unter dessen Wolkenschicht ein dichter Dschungel vermutet wurde.

Als sich nach der Landung diverser Raumsonden (z.B. der sowjetischen Venera-Reihe) jedoch herausstellte, dass die Venus ein lebensfeindlicher Planet mit 400°C im Schatten und Säureregen ist, standen die meisten UFO-Sekten und Kontaktler wie George Adamski als Lügner da. Ihre erste Reaktion bestand darin, ihrerseits die Forschungsergebnisse als Lügen hinzustellen.

Später gingen viele jedoch dazu über, die Heimat der Aliens kurzerhand auf andere Planeten wie den Jupiter oder gleich in andere Sonnensysteme zu verlegen. Das „Ashtar Command“ blieb hingegen bei der Venus. Allerdings mit dem Verweis, dass die Venus in einer höheren Schwingungsebene gemeint ist und unser Schwesterplanet nur auf unserer materiellen Ebene lebensfeindlich sei.

Ironischerweise könnte es Ashtar auf dem Höllenplaneten Venus vielleicht sogar gefallen. Denn der Name erinnert doch sehr an Astaroth bzw. Aschtaroth – einem jüdisch-christlichen Dämon. In der „Ars Goetia“ aus dem 17. Jahrhundert wird dieser als Schatzmeister der Hölle beschrieben. Sein Name wird mit vielen Fällen von angeblicher Besessenheit in Verbindung gebracht, womit sich der Kreis zur okkulten Praktik des Channeling schließt.

Die okkulten Wurzeln der UFO-Sekten werden uns immer wieder Begegnen. So auch beim Ashtar-Ableger „Galaktische Föderation des Lichts“. Deren Logo besteht aus einem freimaurerischen Hexagramm, einem Sonnenkreuz und zwei Schlangenlinien.

GFdL Logo

Unwissende Menschen könnten in den ersten beiden Symbolen vielleicht Verweise auf das Juden- und Christentum erkennen. Doch nichts könnte weiter von der Wahrheit entfernt sein. Wir haben inzwischen oft genug auf die Doppelbedeutung diverser Symbole hingewiesen und auch wenn das „Ashtar Command“ behauptet, Jesus sei einer ihrer Abgesandten gewesen, stellen ihre esoterischen Lehren doch das genaue Gegenteil von den Lehren des historischen Jesus’ dar.

Immer wieder ist vom Aufstieg der Erde und der Gottwerdung des Menschen die Rede. Wir brauchen wohl nicht schon wieder zu erwähnen, dass dies exakt der Ideologie der Theosophen entspricht. Und daher kommen wohl auch die beiden Schlangen im Logo der „Galaktische Föderation des Lichts“. Oder sollten wir stattdessen eher „Galaktische Föderation des Lichtbringers“ sagen?

Neben den esoterischen Kernlehren finden wir bei dieser UFO-Sekte noch einige pseudoreligiöse Szenarien wie die Rettung einiger auserwählter Menschen durch eine unsichtbare Lichtflotte, kurz bevor die alte Welt in einer Apokalypse endet. Dies klingt gewiss nicht zufällig nach der „Entrückung“, die in der Bibel beschrieben wird.

Hinzu kommt eine Reihe weiterer haarsträubender Behauptungen. Teilweise sind diese schon dermaßen absurd, dass man darüber lachen könnte. Zumindest wenn es nicht so traurig wäre, dass es tatsächlich Menschen gibt, die diesen Schwachsinn glauben.

Auf diversen Internetseiten (die wir hier nicht verlinken werden, da wir es ablehnen, dafür Werbung zu machen) verbreiten so genannte „Lichtarbeiter“ ihre Botschaften und göttlichen Missionen. Sie tragen solch seichte Seelennamen wie „Sophiel“ oder „Leniel“ und bieten Kurse im „Lichtarbeiten“ vor Ort an. Natürlich sind diese Treffen kostenlos, damit sie keine Gewerbesteuer zahlen müssen, aber um Spenden wird gebeten. Auch eine Art, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten, ohne wirklich arbeiten zu gehen.

Zu den Behauptungen dieser 12-Watt-Lichtgestalten gehört solch himmelschreiender Unsinn wie die Hohle-Erde-Theorie. Diese kann natürlich nur funktionieren, wenn man wissenschaftliche Tatsachen wie Vulkanismus, Plattentektonik, Gravitation sowie das Erdmagnetfeld ausblendet. Zwar gibt es in der Erdkruste große Höhlensysteme, aber die Erde ist keineswegs hohl wie eine Christbaumkugel. Selbiges kann man von mancher Leute Köpfe jedoch nicht behaupten.

Der Großteil an dem dargebotenen Material ist derart abstrakt, dass man sich fragen muss, wie überhaupt jemand auf diesen Schwachsinn reinfallen kann? Es geht dieser pseudoreligiösen Sekte gewiss nicht um das geistige Erwachen der Menschen und auch nicht um den Kontakt zu realen außerirdischen Besuchern.

Neben der Verbreitung esoterischen Gedankenguts geht es den Drahtziehern der „Galaktischen Föderation“ vorrangig um das Bargeld leichtgläubiger Mitbürger. Und das geben die Esoteriker sogar ganz offen zu, indem sie die globale Auslieferung allen Reichtums an die Aliens propagieren. Aber was sollten diese Wesen, die uns angeblich geistig überlegen sind, damit anfangen?

Immerhin muss man den diversen Lichtarbeiter zugestehen, dass sie niemanden erpressen. Man wird lediglich um Spenden gebeten oder es wird ein so genannter „Energieausgleich“ vereinbart. Interessant ist dabei, dass die diese angeblichen Wohltäter dem Geld eine positive Energie zuschreiben. Das ist ja überhaupt nicht materialistisch…

Wesentlich direkter ist da schon Scientology. Diese von L. Ron Hubbard gegründete UFO-Sekte verfügt inzwischen über ein milliardenschweres Finanzimperium. Der Großteil des Geldes stammt aus den überteuerten Kursen, die den leichtgläubigen Kunden aufgeschwatzt werden. Dies zog schon mehrere Gerichtsverfahren wegen Betruges nach sich. Allerdings gibt es auch freiwillige Spender, zu denen Hollywoodgrößen wie Tom Cruise, Kirstie Alley und Will Smith zählen.

Doch was hat Scientology mit UFOs zu tun? Ganz einfach: Scientology basiert ebenfalls auf einem konstruierten, an den Haaren herbeigezogenen Alienkonzept, an dessen Spitze der galaktische Overlord Xenu steht. Mit der Schauspielerin Kirstie Alley steht leider sogar eine bekannte Vulkanierin (Saavik in „Star Trek II – Der Zorn des Khan“) auf der Mitgliedsliste der Sekte.

Etwas altruistischer als diese Abzockerbande scheint die Alcione-Gesellschaft. Diese wirbt seit einigen Jahren mit dem Buch „Hercolubus oder roter Planet“, welches sie kostenlos verschickt. Doch Vorsicht: Wer das Buch bestellt, gibt dabei zwangsläufig seine persönlichen Daten weiter und damit lässt sich heutzutage eine Menge Geld verdienen. Zudem müsste man schon total irre sein, um seine Daten ausgerechnet einer UFO-Sekte anzuvertrauen.

Allerdings muss man dazu erst einmal wissen, dass es sich um eine Sekte handelt. Die Werbevideos machen zwar zunächst einen sympathischen Eindruck, gleichen bei genauerer Betrachtung jedoch denen der „Galaktischen Föderation“. Sie beginnen mit dem chaotischen Zustand der Erde und schließen mit einer Botschaft der Hoffnung und baldigen Erlösung.

Kernthema ist der Mythos um Planet X, der bei der Alcione-Gesellschaft jedoch nicht Nibiru, sondern Hercolubus genannt wird. Ansonsten ist die Verschwörungstheorie inhaltlich gleich. Planet X kreuzt 2012 die Erdbahn, löst dabei eine Reihe von Erdbeben aus und die Auserwählten werden von unseren „Raumbrüdern“ gerettet.

Dumm nur, dass 2012 nix dergleichen passiert ist. Seit Anfang 2013 wird daher vermehrt behauptet, dass Nibiru ein künstliches Raumschiff in Planetengröße sei, welches seine Flugbahn geändert hat. Problem gelöst! Zumindest was die geistig völlig Umnachteten angeht.

Für derartiges Publikum setzen die Alcyon Pleyaden noch eins drauf. Eine „neue Ära des Photons“ soll uns erwarten, was natürlich totaler Unfug ist, denn Photonen sind subatomare Teilchen, an deren Eigenschaften sich nichts ändern wird. Der angebliche Photonenstrahl, der uns bald treffen soll, gleicht dem „Photonengürtel“ oder „galaktischen Synchronisationsstrahl“, die wir bereits von den anderen UFO-Sekten kennen. Es läuft wieder einmal alles auf die „Rettung durch Lichtwesen“ hinaus.

Doch zurück zur Alcione-Gesellschaft. Diese steht offenbar den „Alcyon Pleyaden“ und der Galaktischen Föderation sehr nahe, denn bis auf die Konzentration auf das Planet X-Thema sind die Botschaften aller drei UFO-Sekten gleich. Ebenso mangelt es nicht an dämlichen Aussagen, die von gänzlicher wissenschaftlicher Unkenntnis zeugen.

So sollen unsere menschlichen „Sternengeschwister“, wie bei Billy Meier, u.a. von den Plejaden kommen. Dies ist wohl der Grund für die Namenswahl, denn Alkione ist der hellste Stern der Plejaden. Über die Behauptung, dieser 410 Lichtjahre entfernte Stern würde schon bald in unser Sonnensystem eindringen, können wir an dieser Stelle nur den Kopf schütteln.

Benannt ist der Stern nach Alkyone, der Tochter des Atlas in der griechischen Mythologie, welche astrologisch schon damals als eine der Plejaden galt. Da stellt sich nun die Frage, warum vermeintliche Außerirdische ihren angeblichen Heimatstern ebenfalls nach einer Figur aus der irdischen Mythologie benennen sollten? Sollten sie nicht mit irgendeiner exotischeren Bezeichnung aufwarten? Oder glauben die irdischen Gründer der Alcione-Gesellschaft, dass ihr Internetpublikum zu blöde ist, den Ursprung dieses Namens zu recherchieren?

Dieses Manko haben übrigens alle UFO-Sekten. Der neuste Schrei ist das „Andromeda Council“, dessen Botschafter der US-amerikanische Exopolitiker Alfred Webre ist. Warum zum Henker sollte sich eine außerirdische Macht aus der Andromeda-Galaxie „Andromeda Council“ nennen? Das ist unsere irdische Bezeichnung für diese Galaxie, die aus der griechischen Mythologie stammt. Es ist absolut unwahrscheinlich, dass die angeblichen Bewohner dieser Galaxie dieselbe Bezeichnung für ihre Heimat haben.

Selbiges gilt für alle Spezies wie von „A“ wie „Arcturianer“ bis „Z“ wie „Zeta Reticuli“. Das sind allesamt unsere Bezeichnungen für Sterne. Es ist unsinnig, dass sich reale Außerirdische einem Kontaktler unter einem solchen Namen vorstellen sollten. Anders ist es bei Entführungen. Die Bezeichnung „Grey“ war von Anfang eine irdische Umschreibung der Hautfarbe dieser Spezies. Ihren Eigennamen nennen diese Wesen gegenüber ihren Opfern in der Regel nicht.

Halten wir also fest, dass die meisten UFO-Sekten ihren Anhängern eine extrem oberflächliche Story auftischen. Da kann man auch gleich einer „Star Trek“-Religion beitreten, wobei diese noch wesentlich mehr Tiefgang hätte und obendrein mehr wissenschaftlich orientiert als esoterisch wäre. Außerdem steigen die Actionfiguren und Raumschiffmodelle im Gegensatz zu Orgonitsteinen und Kristallschädeln im Wert.

Sekten wie das „Ashtar Command“ leben von der Leichtgläubigkeit vieler Menschen und profitieren vom berechtigten Misstrauen gegenüber verlogenen und korrupten Regierungen. Gerade in unserer Zeit, in der immer mehr Lügen aufgedeckt werden, ködern solche Vereine die enttäuschten und desillusionierten Menschen mit neuen Lügen und Illusionen. UFO-Sekten haben zudem einen messianischen Charakter, der an die vermeintliche Unfähigkeit der Menschen appelliert, ihren Planeten selbst zu schützen. Stattdessen bieten sie eine fiktive außerirdische Lösung, die sich freilich nie erfüllen wird.

Quellen

GEP Artikel über Ashtar Command.

Wikiartikel über den Dämon Astaroth.

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8 Kommentare zu “UFO-Sekten – Sie kommen in Frieden …nur nicht heute

  1. Pingback: Artikel: Die UFO-Sekte "Ashtar Command" und die "Galaktische Föderation des Lichts" - Ancient Aliens & Mystery Files

  2. Ich habe ja schon viele Seiten besucht, aber diese hier schlägt die Zacken aus der Krone. Die meisten Sachen nur reine Behauptungen. Alles von irgend wo her genommen und zusammen gesetzt. Das hier ist keine Wissenschaft und noch nicht einmal Forschung. Angebliche Fakten die ins leer laufen. Beleidigung von Hindu Götter. Die meisten Sachen diskriminierend. UFO-Sekten? Erfunden oder was?

    • Wollen Sie die genannten UFO-Sekten etwa verteidigen oder worauf zielt Ihr Kommentar ab? Wir behaupten hier gar nichts, sondern stellen lediglich die ans Absurde grenzenden Behauptungen diverser UFO-Sekten auf den Prüfstand. Ausgedacht haben wir die uns ebenfalls nicht, deren Botschaften findet man frei zugänglich auf ihren Webseiten und Youtube-Kanälen.

      • Zombiewoodproductions du hast recht mit deiner These zwecks Sekten. Die Leute hinter so etwas sind sogar die Eliten selbst. Mit freundlichem Gruß Peter

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