After Earth – Survival Training mit Dianetik

von Joe Doe

Zum wahrscheinlich letzten Mal spielen Will und Jaden Smith eine Vater-Sohn-Beziehung. Der kleine Jaden ist nämlich inzwischen schon recht groß geworden und darum geht es auch in „After Earth“. Jadens Rolle Kitai eifert zwar noch seinem Vater General Cypher nach und will Space Ranger werden, doch hat dabei durchaus seinen eigenen Kopf.

Der Film beginnt sogleich mit dem Absturz auf die Erde, der Kitais Leben verändern wird, nur um kurz darauf die Zeit drei Tage zurück zu drehen und noch einmal ein Stück weiter, um die Diaspora der Menschheit nachzuerzählen. Ein etwas unglücklicher Einstieg, denn den Absturz bekommt man später noch einmal zu sehen.

Dennoch ist die Vorgeschichte der interessanteste Part des Films. Die Menschheit hat die Erde restlos zugemüllt und musste sich aufgrund der zunehmenden Naturkatastrophen eine neue Heimat suchen. Die gesellschaftskritische Ökobotschaft bleibt jedoch nur banales Beiwerk ohne Tiefgang.

Die eigentliche Stärke des Films liegt in den atemberaubenden Bildern der neuen Heimatwelt der Menschen: Nova Prime. Hier gelingt es die Effektspezialisten, eine wahrhaft fremde Welt mit einer futuristischen Architektur zu erschaffen. Man würde am liebsten selbst in dieser Zukunft leben, wenn diese nicht von einer Militärjunta beherrscht und von fiesen Aliens heimgesucht werden würde.

Die Eine-Welt-Armee, die bereits Kinder hart trainiert, ist mehr als bedenklich. Dass der 15-Jährige Kitai bereits an die Front will, erinnert zwangsläufig an die Kindersoldaten diverser afrikanischer Bürgerkriege oder – noch schlimmer – an die letzte Phase des 2. Weltkriegs, in der sich auch unter 16-Jährige für Führer, Volk und Vaterland opferten. Dies mitunter sogar freiwillig, wie Kitai, der eigentlich froh sein sollte, als er von seinem Vorgesetzten eine Abfuhr erhält.

Immerhin sollte Kitai wissen, was ihm an der Front blüht, denn als kleines Kind musste er miterleben, wie seine Schwester von einem Alien massakriert wurde. Aber vielleicht treiben ihn auch Schuldgefühle und Rache an, dass er es darauf anlegt, Bekanntschaft mit einem so genannten Ursa zu machen. Diese hässlichen Kreaturen können zwar nichts sehen, aber die Angst der Menschen riechen. Warum sie jedoch nicht auch auf andere menschliche Ausdünstungen anspringen, bleibt schleierhaft.

Als Kitai seinen Vater auf einem Trainingsflug begleitet, ist natürlich ein gefangener Ursa an Bord und es kommt, wie es kommen muss. Zunächst gerät das Raumschiff in einen Asteroidenhagel, wobei Asteroiden in der Realität eigentlich nicht so dicht gestreut sind und man sich zudem fragen muss, warum die Piloten die Asteroiden nicht rechtzeitig entdeckt haben.

Um den Gesteinsbrocken zu entkommen, öffnet Cypher ein Wurmloch, welches sie unbeabsichtigt in den Erdorbit entlässt. Obwohl die Landung auf der einstigen Heimatwelt der Menschen aus nicht näher erläuterten Gründen unter Strafe verboten ist, entschließt sich der General notgedrungen zu einer Bruchlandung.

Wie es der Zufall so will, überleben nur er und Kitai. Es ist halt eine Vater-Sohn-Geschichte, also weg mit dem überflüssigen Personal! Überraschend ist dabei nur, dass Cypher sich beide Beine bricht und im Schiffswrack zurückbleiben muss. Es wird also doch kein gemeinsamer Trip daraus. Jaden Smith steht eindeutig im Vordergrund und emanzipiert sich von seinem Vater, was sich in der Filmhandlung wieder spiegelt. Denn wie Jaden muss auch seine Rolle Kitai lernen, unabhängig zu werden.

Das gelingt in beiden Fällen ganz gut, aber nicht ohne gewaltige Logiklöcher im Drehbuch. So ist es nicht nachvollziehbar, warum sich Kitai alle 24 Stunden ein Fluid einwerfen muss, welches die Atmung unterstützt. Offenbar kann er sonst nicht auf der Erde überleben, was seltsam ist. Denn die Erde ist die Heimatwelt der Menschen und Sauerstoff gibt es auf dem renaturierten Planeten inzwischen mehr als zu jener Zeit, in der die Regenwälder noch fleißig abgeholzt wurden.

Des Weiteren scheint sich die Evolution auf der Erde enorm beschleunigt zu haben, sodass innerhalb von nur 1.000 Jahren völlig neue Arten entstanden sind. Zumindest könnte man das Vorkommen von Affen in Amerika noch damit erklären, dass diese aus einem Zoo ausgebrochen sind. Nicht zu erklären sind hingegen die Klimaverhältnisse. Tagsüber sind die Temperaturen angenehm, doch nachts friert plötzlich alles ein. Gibt es nun eine neue Eiszeit oder nicht? Und wie schaffen es Tiere und Pflanzen, diese extremen Wechsel, die es eigentlich nur auf Planeten mit extrem dünner oder gar keiner Atmosphäre gibt, zu überleben?

Diese ganzen unlogischen Elemente scheint es nur aus dem einzigen Grund zu geben, um Kitai zeitliche Limits zu setzen und so die Spannung zu erhöhen. Bei all den fleischfressenden Kreaturen wäre es aber ohnehin nicht langweilig geworden, sodass dieser Unsinn einfach nur übertrieben wirkt. Ebenso wie der Blutegel, der Kitai vergiftet. Ist es nicht eher so, dass man bei Blutvergiftungen Egel gezielt ansetzt, damit diese das Gift absaugen?

Der Gipfel des Stumpfsinns kommt aber noch. Und zwar in Form einer Ionenschicht in der Atmosphäre, die nur wenige Kilometer hoch ist und das Signal des Subraumsenders stört. Zum einen gibt es keine solche Atmosphärenschicht und zum anderen ist es unlogisch, dass sich ein Überlichtsignal von solchem Firlefanz aufhalten lässt. Der einzige Grund, warum man solchen Schund ins Drehbuch geschrieben hat, ist vermutlich der, dass Kitai dadurch gezwungen wird, auf einen Vulkan zu klettern, um das rettende Notsignal abzusetzen.

Auf dem Feuerberg holt ihn dann auch noch die Ursa-Bestie ein und es kommt zum großen Showdown. Dabei sollte erwähnt werden, dass der Vulkan äußerst aktiv ist und aus allen Löchern Lava spuckt. Eigentlich eine extrem lebensfeindliche Umgebung und dann geht Kitai auch noch in einem Wasserloch baden, welches eigentlich kochen müsste.

Diese Story ist nicht nur an den Haaren herbeigezogen, sondern obendrein auch noch geklaut. Denn einen fremden Krieger von den Sternen, der eine außerirdische Bestie auf die Erde einschleppt und bezwingen muss, gab es schon in „Outlander“. In letzterem Film allerdings wesentlich besser erzählt und ohne zu viele Übertreibungen.

Natürlich gelingt es Kitai, das Monster zu besiegen, indem er seine Angst überwindet und so unsichtbar für die Kreatur wird. Das Thema der Überwindung von Ängsten und Traumata ist, neben dem Erwachsenwerden von Jaden Smith, das zentrale Thema des Films. Und ein weiterer Kritikpunkt.

Denn es gibt bei diesem Thema starke Parallelen zu Scientology. Die Gefühlskontrolle und Auflösung traumatischer Erfahrungen sind das angebliche Ziel des Auditings. Zwar dementiert Will Smith bisher alle Behauptungen, er sei Mitglied der Psychosekte, allerdings spendete er größere Summen an Scientology. Da muss man sich doch fragen, warum?

Weiterhin fällt eine Szene auf, in der Jaden Smith von seinem Vater gezwungen wird, vor einem Vulkan niederzuknien. Der Vulkan ist ein wichtiges Element in der Scientology-Lehre, denn in einen selbigen soll der fiese Alien-Overlord Xenu alle netten Aliens entsorgt haben, die nunmehr als Thetane auf der Erde herumgeistern sollen.

After Earth Kniefall vor Xenu

Ein Vulkan ziert daher auch das Buch „Dianetik“, welches 1950 vom Sektengründer L. Ron Hubbard geschrieben wurde und passender Weise die Psychopraktiken von Scientology beschreibt.

Dianetik

Das Dianetiklogo ist indessen eine vierstufige Pyramide und schaut man sich einmal Logo von „After Earth“ an, so ist die Ähnlichkeit verblüffend.

After Earth Dianetik_3

Bei gleich drei offensichtlichen Parallelen mag man schon nicht mehr an Zufälle glauben. Zumal Will Smith wie bereits erwähnt, Scientology zumindest nahe genug steht, um der Sekte einen nicht unerheblichen Betrag zu vermachen.

Im Gegensatz zu den einfachen Sektenmitgliedern, die gnadenlos abgezockt werden, kann es sich Will Smith allerdings leisten. Denn sein Familienvermögen beläuft sich inzwischen auf über 200 Mio. US-Dollar. Offenbar haben die Smiths die Ferengi-Erwerbsregeln sehr gut verinnerlicht: „Genug ist nie genug!“

Fazit: Optisch macht „After Earth“ zweifelsohne viel her. Insbesondere die Szenen auf Nova Prime sind ein echter Hingucker. An Action mangelt es ebenfalls nicht, aber dafür definitiv an Hirn. Die Erde ist nicht nur deswegen nicht wieder zu erkennen, weil die Natur sie zurück erobert hat, sondern auch, weil sich offenbar die physikalischen Gesetze auf ihr geändert haben.

Dies schadet dem Film allerdings weit weniger als die offensichtliche Scientology-Symbolik. Dank namhafter Mitglieder wie Tom Cruise, John Travolta und Kirstie Alley sowie großzügigen Spendern wie Will Smith hat die totalitäre Psychosekte schon einigen Einfluss in Hollywood gewonnen. Es besteht die ernsthafte Gefahr, dass viele Menschen in die Fänge von Scientology geraten, weil sie über Filme und ihre Stars Sympathien für deren Ideologie entwickeln.

Trailer:

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