Man of Steel – Superman goes Dark

von Shinzon

Es gibt nun schon zahlreiche „Superman”-Verfilmungen, egal ob im Kino oder im Fernsehen. Das letzte Remake von Bryan Singer, „Superman returns“ aus dem Jahr 2006, war dabei mit Abstand die albernste Version überhaupt. Zack Snyder setzt nun mit „Man of Steel“ gänzlich andere Akzente.

Das blau/rote Kostüm in entsättigten Farben.

Das blau/rote Kostüm in entsättigten Farben.

Dies ist bereits in den ersten Szenen spürbar. Zwar weiß inzwischen wohl jedes Kind, dass Clark Kent vom untergegangenen Planeten Krypton stammt, doch nie wurde seine Vorgeschichte so detailliert und dramatisch erzählt. Man erhält weitaus tiefere Einblicke in die Kultur von Krypton als es bisher der Fall war.

Allerdings ist dies keine Kultur, in der man leben möchte. Die natürliche Zeugung von Kindern ist verboten und die Klone reifen in wahrhaftigen Kindergärten heran, die an die Felder aus „Matrix“ erinnern. Das Schicksal jedes Neugeborenen ist vorherbestimmt wie in einem Ameisenstaat. Wer Arbeiter ist, bleibt dies ein Leben lang.

Jor-El (Russell Crowe) hält sich jedoch nicht an diese Vorgaben und zeugt mit seiner Frau ein Kind auf natürliche Weise, welchem er die freie Wahl über sein Schicksal lassen will. Das Schicksal des Jungen liegt jedoch nicht auf Krypton, sondern auf der Erde. Und das aus gutem Grund.

Die Kryptoniden haben ihren Planeten nämlich derart ausgebeutet, dass er unterzugehen droht. Von Vakuumfeldenergie haben die Kryptoniden scheinbar noch nie etwas gehört, was Zweifel an ihrer technologischen Überlegenheit aufkommen lässt. Wirklich spirituell sind sie ebenfalls nicht, denn General Zod (Michael Shannon) nutzt die instabile Lage für einen Militärputsch aus.

Zod versucht zunächst, Jor-El von seiner Ideologie zu überzeugen, was ihm jedoch misslingt. Für den Ungehorsam und die Zeugung des Kindes tötet Zod Jor-El, doch kurz darauf wird er von Regierungstruppen gestellt und verurteilt. Der Bürgerkrieg ist vorbei, doch gleichzeitig bricht die Apokalypse über Krypton herein.

Kryptokalypse

Was bleibt, sind einige optisch beeindruckende Szenen mit aufwendigen Kostümen und natürlich Jor-Els Sohn Kal-El. Dessen Rettungskapsel tritt nicht zufällig im Orbit des Saturns in unser Sonnensystem ein. Es wäre schon unwahrscheinlich, überhaupt in der Nähe eines Planeten in den Normalraum zu fallen, doch es muss ausgerechnet der Planet mit der zweithöchsten okkulten Bedeutung sein. Die Bruderschaft des Saturn scheint hier ihren falschen Messias zu begrüßen, dessen Vater kurz zuvor noch großkotzig meinte, dass dieser auf der Erde ein Gott sein werde. Gefallener Engel trifft es wohl eher.

Danach gibt es erst einmal einen gewaltigen Sprung in der Handlung und man lernt den erwachsenen Clark Kent (Henry Cavill) kennen, wie er gerade Menschen von einer brennenden Ölbohrplattform rettet. Da kommt einem unweigerlich die Deep Water Horizon in den Sinn. Natürlich spart man in dieser Szene eines flammenden Infernos nicht mit den hanebüchenen Kräften Kents.

Diese hat er allerdings nur auf der Erde. Die Kryptoniden können nämlich in ihrer gewohnten Umgebung weder levitieren (schweben) und im Vakuum des Weltraums atmen, noch haben sie den Röntgenblick oder Laseraugen. Diese Fähigkeiten entwickeln sie nur auf der Erde, was an der jungen Sonne und der Atmosphäre liegen soll. Da stellt sich allerdings zwangsläufig die Frage, warum wir Menschen dann nicht auch Superkräfte haben? Dieser Plot ist einfach himmelschreiender Unsinn!

Die Kindheit von Clark Kent, wie ihn seine irdischen Pflegeltern getauft haben, erfährt man indessen nur in Rückblenden. Der strahlende Held fing als Außenseiter an und musste seinen Pflegevater Jonathan Kent (Kevin Costner) in einem Tornado sterben sehen, da dieser nicht wollte, dass er für ihn seine außerirdische Identität preisgibt.

Die Haupthandlung spielt 33 (!) Jahre später und kommt mit der Entdeckung eines in der Arktis eingefrorenen Raumschiffs in Gang, welches vom Militär gefunden wird. Dieses ist allerdings schon vor über 18.000 Jahren auf der Erde gelandet, womit hier wieder einmal die Prä-Astronautik bedient wird.

Warum das Militär der Reporterin Lois Lane (Amy Adams) entgegen aller Geheimhaltung Zugang zu Informationen gewährt, bleibt rätselhaft. Wahrscheinlich nur, damit sie im Raumschiff auf Clark treffen kann und so die berühmteste Liebesbeziehung der Comic-Geschichte in Gang kommt.

Völlig abgelenkt durch Lois und ein Hologramm seines Vaters, welches ihm die Geschichte von Krypton erklärt, löst Clark mit seiner Anwesenheit im Raumschiff ein Notsignal aus. Dummerweise sind die bösen Putschisten die einzigen Überlebenden seines Volkes und so bekommt die Erde kurze Zeit später unangenehmen Besuch.

General Zods Schergen brauchten 33 (!) Jahre, um Kal-El zu finden und reisten dafür tausende Lichtjahre, aber ein ordentliches Funksignal bekommen sie nicht hin. Mit einem verrauschten Signal macht Zod der Menschheit klar, dass sie nicht alleine ist und ein Fremder unter ihnen lebt, dessen Auslieferung der General fordert. Das erinnert ein wenig an „Transformers – Die Rache“ und auch in Superman geht es den Bösewichten eigentlich mehr um ein außerirdisches Artefakt.

Weithin treten in dieser Szene wieder die üblichen Botschaften zutage. Ein Erstkontakt in naher Zukunft, die Tatsache, dass einige von den Besuchern bereits unerkannt unter uns leben und ein berechtigtes Misstrauen den Fremden gegenüber, die natürlich nichts Geringeres als eine Invasion planen.

In der wagen Hoffnung, das Schlimmste zu vermeiden, liefert das US-Militär Superman aus. Natürlich klappt dies nur, weil er sich freiwillig stellt, denn die irdischen Ballermänner sind gegen seine Kräfte machtlos. Aus unerfindlichen Gründen wollen die Invasoren plötzlich auch Lois mitnehmen, die ebenfalls freiwillig mitgeht.

Abgeführt

An Bord des Mutterschiffs gibt es dann neben einer düsteren Necromonger-Atmosphäre auch einiges an Symbolik zu sehen. In einer Sequenz, die scheinbar eine telepathische Traumwelt zwischen Clark und Zod darstellen soll, trägt Superman statt seinem Cape ein T-Shirt mit der Aufschrift „Royals“. Dies kann eigentlich nur bedeuten, dass er von adeligem Blut ist und ihm die Herrschaft gebührt. General Zod verstößt indessen gegen seine eigene Ideologie, indem er nach der Herrschaft über die Erde trachtet, obwohl er als Krieger ausgebrütet wurde und sein Schicksal damit vorbestimmt ist.

Obwohl Michael Shannon sich sichtlich darum bemüht, seine Rolle glaubwürdig zu spielen, bleiben die Motive von Zod sehr eindimensional. Und so kommt es zum unvermeidlichen Showdown. Doch zuerst müssen Lois und Clark vom Mutterschiff entkommen, wobei sie Hilfe von Jor-Els Hologramm erhalten. Lois darf auf der Flucht sogar ein paar Gegner eigenhändig ausschalten, bevor sie dann doch wieder von Superman gerettet werden muss. Warum Letzterer beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre nicht verglüht, sollte man besser gar nicht erst hinterfragen.

General Zod heftet sich derweil an Supermans Fersen, denn wie einer seiner Lakaien herausgefunden hat, enthält Clarks Körper den Codex, der alle Gene der Kryptoniden enthält. Dies ist der Schlüssel zur Wiederauferstehung von Krypton. Nach einem kleinen Zwischenspiel in Clarks Erdenheimat Kansas setzt das Mutterschiff in New York auf, während ein Weltenwandler auf der anderen Seite der Erde landet. Zusammen beginnen beide Maschinen mit der Transformation der Erde.

Interessant ist dabei ihre tripode Form, welche an die Alienmaschinen aus „Krieg der Welten“ erinnert. Und sie verbreiten ebensolchen Terror, bei dem nicht mit Todesopfern gespart wird. Superman kann halt nicht jeden retten.

Dreibeiraumschiff

Angriff auf NY

Die Shuttles der Kryptoniden haben indessen die Form von Käfern. Möglicherweise wird hierbei auf den Skarabäus angespielt.

Käferschiff

Das US-Militär ist im Film zwar gut vertreten, kann aber nichts gegen die Invasoren ausrichten. Wenn das Werbung sein soll, geht diese kräftig nach hinten los, denn die Rettung der Erde ist das alleinige Verdienst von Superman.

Dieser zerstört zunächst im Alleingang den Weltenwandler, was an Surrealismus kaum noch zu überbieten ist. Sein Kampf mit General Zod ist nicht wesentlich besser und nachdem beide durch zig Stahl- und Betonmauern gekracht sind, wirkt es geradezu grotesk, dass Clark seinem Gegner letztendlich den Hals umdreht. Besteht Zods Genick nun aus Adamantium oder aus Knochen? Nun ja, Realismus und Glaubwürdigkeit sind schon ein paar Stunden zuvor flöten gegangen. Einfach nicht darüber nachdenken!

Nachdem Zod besiegt ist, kommt dann nicht mal Freudenstimmung auf, denn New York liegt in Trümmern. Die Szenerie erinnert stark an die Schlussszene des ebenfalls reichlich sinnlosen und brutalen Schockers „The Divide“. Steht der US-Küstenstadt nach dem 9/11-Ritual vielleicht ein noch größerer Supergau bevor?

NY in Flammen

"The Divide" (2011)

„The Divide“ (2011)

Man will es nicht hoffen und zumindest die vorletzte Szene von „Man of Steel“ lässt dann doch noch etwas Kritik durchblicken. Denn Superman kann Überwachung nicht ab und holt kurzerhand eine Überwachungsdrohne vom Himmel. Da wünscht man sich direkt selbst solche Superkräfte.

Fazit: „Man of Steel“ ist definitiv der düsterste und härteste „Superman“-Film. Das Superheldenkostüm von Clark Kent ist nicht mehr so knallbunt und der finstere Look von General Zods Schergen ist der größte Pluspunkt. Die Designer haben sich hier wirklich Mühe gegeben, etwas Cooles zu erschaffen.

Auf der anderen Seite ist „Man of Steel“ leider auch der „Superman“-Film, der die stärkste Kooperation mit dem US-Militär aufzuweisen hat. Diesem wird im Abspann auch ausgiebig gedankt. Weiterhin greift der Streifen so offensichtlich wie keiner seiner Vorgänger das Invasionsthema auf. Inklusive blauer Strahlen, wohl bemerkt.

Was die Action angeht, so kann man diese nur als übertrieben bezeichnen. Dagegen stinken selbst die „Transformers“-Filme und „The Avengers“ ab. Die Glaubwürdigkeit bleibt dabei selbstredend auf der Strecke. Wirklich gelungen sind nur die Vorgeschichte und einige der ruhigeren Szenen. Der Rest ist Feuerwerk.

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