Pacific Rim – Klonzillas greifen an!

von Shinzon

Der erste Gedanke, der einem zu „Pacific Rim“ kommt, lautet wohl: „Nicht schon wieder ein Invasionsfilm!“ Zumal so kurz nach dem Angriff der Kryptoniden in „Man of Steel“. Dennoch weiß „Pacific Rim“ zu überraschen, indem der Film recht ungewöhnliche Wege geht.

Die gigantischen Aliens, die die Erde attackieren, erinnern stark an die Monster aus diversen Godzilla-Filmen und auch die irdische Gegenwehr kann sich nur ein Japaner ausgedacht haben, da die total auf Riesenroboter abfahren. Natürlich kamen Riesenroboter ebenfalls schon im ein oder anderen Godzilla-Spektakel vor. Bestärkt wird dieses japanische Flair durch die Benennung der Monster in Kaijus sowie den Charakter der Mako Mori (Rinko Kikuchi).

Toter Kaiju

Der Film beginnt mit einer kleinen Rückblende, in welcher die ersten beiden Angriffe auf San Francisco und Manila gezeigt werden. Bei Ersterem wird wieder einmal die Golden Gate Bridge zerlegt. Diese Brücke wurde in den letzten Jahren derart häufig durch überwiegend außerirdische Einflüsse in Filmen zerstört, dass sich darüber schon fast ein eigener Artikel lohnt.

Golden Gate Crash

Golden Gate Crash_4

Bei einem solchen Angriff kommt es natürlich zu einer kräftigen Bevölkerungsreduktion. Allein bei der ersten Attacke eines Kaiju sterben über 10 Millionen Menschen. Um gegen die außerirdische Bedrohung zu bestehen, müssen alle Nationen ihre Feindseligkeiten beiseite legen und zusammenarbeiten. Hier wird wieder einmal auf die finale Geburt der neuen Weltordnung angespielt, was stark an die Reden des ehemaligen US-Präsidenten Ronald Reagan (1911-2004) vor der UN erinnert. Mehrmals sprach er davon, wie schnell unsere Differenzen verschwinden würden, wenn wir einer außerirdischen Bedrohung gegenüber stünden.

In dieser Hinsicht ist der Film am bedenklichsten, denn den Schutz müsste zwangsläufig das Militär übernehmen, was zu einer Militarisierung der Gesellschaft und im schlimmsten Falle sogar zu einer globalen Militärdiktatur führen würde. In „Pacific Rim“ tritt das traditionelle Militär in Form von Soldaten, Panzern und Kampfjets allerdings weniger in Erscheinung, was im Vergleich zu Propagandawerken wie „World Invasion: Battle Los Angeles“ (US-Army) oder „Battleship“ (US-Navy) noch angenehm auffällt. Dennoch ist die Präsenz des Militärs spürbar, denn die Kampfroboter gehören schließlich keiner Zivilbehörde.

Da Logo der globalen Militärjunta besteht selbstverständlich aus Freimaurersymbolen. Es zeigt einen Adler in einem Hexagon. Anwendung findet es u.a. auf großflächigen Propagandaplakaten.

Together Hexagramm

Hinzu kommt die geflügelte Sonne, welche seit jeher bei den Luftstreitkräften üblich ist. Dieses Symbol, mit einem zusätzlichen Pentagramm in der Mitte, findet sich gleich im Vorspann.

Geflügeltes Pentagramm

Im Zentrum der Handlung steht Raleigh Becket (Charlie Hunnam), welcher zusammen mit seinem Zwillingsbruder einen Kampfroboter steuert. Die Riesenroboter können nur zu zweit gesteuert werden, weil ein einzelner Pilot Gefahr läuft, dabei seine Synapsen zu grillen. Zwillinge eignen sich dabei besonders gut, da die Kampfmaschinen mittels einer telepathischen Brücke – dem Drift – gesteuert werden.

Die telepathische Steuerung ist hoch interessant, da an einer solchen tatsächlich schon gearbeitet wird. Es ist Forschern bereits gelungen, dass Probanden mittels Hirnstrommessungen Mauszeiger auf einem Bildschirm telepathisch bewegen konnten. Demnächst könnten die ersten einfachen Computerspiele auf dieser Basis funktionieren. Die Steuerung von Militärgerät, wie z.B. Kampfjets, dürfte allerdings etwas schwieriger werden. Denn wenn zum Beispiel ein unsicherer Pilot während eines Fluges ans Abstürzen denkt, wäre das fatal, wohingegen der bloße Gedanke daran bei der herkömmlichen Technik nicht gleich am Steuerknüppel umgesetzt wird.

Bedenklich an dieser Technik ist darüber hinaus der Verlust der Gedankenfreiheit. In der Realität arbeitet man ernsthaft an Gedankenlesern, die auf Basis der Hirnaktivität Rückschlüsse auf das Denken der jeweiligen Person ziehen sollen. (Quelle: P.M. Ausgabe 01/2013) Im Film entsteht durch die telepathische Brücke sogar ein direkter Gedankenaustausch zwischen den Piloten, die somit alle Erinnerungen teilen. Privatsphäre gibt es da keine.

Ein weiterer gravierender Nachteil ist, dass Raleigh den Tod seines Bruders aus dessen Sicht miterleben muss. Nach dem verheerenden letzten Einsatz kehrt Raleigh folgerichtig dem Militär den Rücken und arbeitet fortan auf den Baustellen der großen Mauer, die die Kaijus aufhalten sollen. Wie sich bald herausstellt, ist dieses Projekt zum Scheitern verurteilt und Stacker Pentecost (Idris Elba) holt Becket ins Jäger-Programm zurück. Rekrutierung auf niederstem Niveau funktioniert immer.

Symbolhaft ist hierbei zudem die Nummer des Militärhubschraubers, mit dem Becket nach Hong Kong geflogen wird. Es ist die 23, die in der okkulten Numerologie für Zerstörung steht. Und zerstört wird in „Pacific Rim“ reichlich.

23 Helikopter

In Hong Kong lernt Raleigh Mako Mori kennen. Da die beiden Piloten miteinander harmonieren müssen, zieht Raleigh die hübsche Japanerin als Kampfgefährtin vor. Ganz im Gegensatz zu Stacker Pentecost, welcher in ihr eine Tochter sieht und sie daher beschützen will. Dies wird Raleigh zwangsläufig in dem Moment offenbar, in dem er Makos Vergangenheit sieht, in der sie von Stacker vor einem Kaiju gerettet wird. Etwas symbolhaft kommen in dieser Szene die roten Schuhe der kindlichen Mako daher. Diese erinnern zwangsläufig an den Zauberer von Oz.

Makos rote Schuhe

Wie weit die Oz-Programmierung reicht, erkennt man in der vorherigen Szene, in der Stacker Mako erlaubt, als Pilotin einen Kamproboter zu besteigen. Es hat schon fast Ritualcharakter, dass er ihr dabei den roten Schuh überreicht. Er entlässt sie damit aus der Bevormundung.

Roter Schuh

So viel zu der Symbolik. Der Unterhaltungsfaktor ist bei „Pacific Rim“ im Gegensatz zu vergleichbaren Invasionsschlachtplatten definitiv um einiges höher. Es gibt zwar ordentlich auf die Glocke, aber eben nicht nur. Die beiden zankenden Wissenschaftler Dr. Newton Geiszler (Charlie Day) und Dr. Hermann Gottlieb (Burn Gorman) erinnern sogar etwas an die verrücken Wissenschaftler aus der Serie „Eureka“ und sorgen für einige Lacher, aber auch für nützliche Informationen.

Als die beiden sich mit einem Kaiju-Hirn verbinden, erfahren sie, dass die Fremden alle unterschiedliche Aufgaben haben, die einem umgekehrten Terraforming dienen. Weiterhin erkennen sie, dass nur die geklonten Kaiju durch das Dimensionsportal, dem so genannten Breach, reisen können. Diese Erkenntnis rettet letztendlich die Mission der letzten zwei Kampfroboter, die bereits auf dem Weg zum Pazifikgraben sind, in dem das Dimensionstor liegt.

Höllentor im Pazifik

Wenn diese nämlich nicht mit einem Kaiju-Kadaver in den Breach eindringen, würden sie daran abprallen und die Atomreaktoren auf der irdischen Seite zünden. Damit würde die letzte Verteidigungslinie der Erde fallen und die Kaiju dringen bereits in immer kürzeren Abständen und größerer Anzahl in unsere Welt ein.

Natürlich gelingt die Mission und die Explosion auf der anderen Seite des Breachs dürfte den halben Planeten der Kaiju in Stücke gerissen haben. Immerhin wird die Atomexplosion mit dem Reaktor des Dimensionstors kombiniert. Etwas anderes als einen totalen Sieg erwartet man bei einem Invasionsfilm schon gar nicht mehr und wie selbstverständlich überleben die beiden Helden Raleigh und Mako. Nur Stacker darf zusammen mit Chuck Hansen (Robert Kazinsky) den Heldentod sterben.

Die Kaiju und deren Erschaffer sind indes zu aller Schande wieder einmal absolut eindimensional böse. Zudem sind es keine Außerirdischen, sondern Extradimensionale, die der Dämonologie entsprungen zu sein scheinen. Zumal das Dimensionstor im Pazifikgraben mit all der Lava drum herum stark an ein Höllentor erinnert.

Dämonische Eigenschaften haben schon fast Tradition in solchen Filmen, was durchaus passt. Denn glaubwürdige Außerirdische müssten schon mit einer glaubwürdigeren Motivation aufwarten als nur reiner Boshaftigkeit.

Diese lassen die Kaiju zuletzt in Hong Kong aus, was in einer godzillamäßigen Zerstörungsorgie gipfelt. Irrsinnigerweise überlebt der Mafiosi und Kaiju-Artikeldealer Hannibal Chau (Ron Perlman) das Massaker, obwohl er von einem frisch geschlüpften Kaiju-Jungtier richtig gut durchgekaut wurde. Dies kann nur als Schlussgag verstanden werden und tatsächlich kann man sich ein Schmunzeln nicht verkneifen. Allerdings fragt man sich, warum geklonte Kampfmaschinen überhaupt Junge bekommen?

Fazit: „Pacific Rim“ ist einerseits wieder einer dieser Invasionskracher, von denen es in den letzten Jahren definitiv zu viele gab. Zwischen reichlich hirnlosen Filmen wie „Skyline“ und „World Invasion“ fällt er aber dennoch positiv auf. Klar steht die knallharte Action im Vordergrund, aber der Film hat durchaus auch Witz und kreative Ideen.

Positiv fällt ebenfalls die starke Frauenrolle Mako Mori auf, die sich in einer von Männern dominierten Branche durchsetzt. Sie musste zwar als kleines Kind gerettet werden, aber als erwachsene Frau übernimmt sie den Job selbst.

Über die Effekte braucht man ebenfalls nicht lange streiten, die sind nämlich top. Obwohl Godzilla selbst nicht auftaucht, ist „Pacific Rim“ der beste Godzilla-Film aller Zeiten. Auf Gummimonster und Plastikroboter, die durch Miniaturstädte stapfen, legt man nur noch in Japan Wert. Zwar hatte sich schon Roland Emmerich an einem CGI-Godzilla versucht, scheiterte aber kläglich. „Pacific Rim“ ist dagegen ein gepflegter Megamonster-Slasher, der sich gewaschen hat.

Wer wirklich intelligente Unterhaltung erwartet, wird sicherlich enttäuscht werden. Wer dagegen auf prügelnde Monster steht, kommt allemal auf seine Kosten. Immerhin hat der Film sogar etwas Hirn, auch wenn dieses in Ammoniak eingelegt ist.

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