Von Außerirdischen entführt – Abductions in Star Trek

von Shinzon

Trotz der Vielfalt an außerirdischen Zivilisationen ist das Thema Entführungen durch Außerirdische in „Star Trek“ ziemlich rar gesät. Den Anfang macht dabei die Episode „Meister der Sklaven“ aus der zweiten Staffel der Classic Serie.

Kirk, Uhura und Chekov werden von Unbekannten auf einen entlegenen Planeten entführt, wo sie versteigert und anschließend gezwungen werden, bei Gladiatorenkämpfen gegen Entführte anderer Völker anzutreten. Lt. Uhura hat es von allen am schwersten, da sie sogar Opfer eines sexuellen Übergriffs durch ihren Trainer wird. Wie der Captain später herausfindet, dient dies alles der Unterhaltung dreier ziemlich kranker Hirne. Wobei man Hirne hier wörtlich nehmen kann, denn mehr ist von den einstigen Bewohnern Triskelions nicht übrig.

Kirk schließt mit den drei Hirnen eine Wette ab, deren Einsatz die Freiheit der entführten Besatzungsmitglieder der Enterprise sowie der restlichen Bewohner des Planeten ist. Wie das in der Geschichte nun mal so ist, muss die Freiheit mit einem hohen Blutzoll erkauft werden, denn die Wette dreht sich um ein Todesmatch, das Kirk gewinnen muss. Da er natürlich den Sieg davon trägt, müssen sich die Entführer einem neuen Hobby widmen – dem Aufbau einer Zivilisation.

In den Frachträumen von „Deep Space Nine“ finden sich später öfter mal Container, die das Logo von Triskelion tragen. Die Kultur dort hat sich also scheinbar prächtig entwickelt. Warum man allerdings ein okkultes Symbol wie eine Triskele wählte, bleibt fraglich.

The Gamesters of Triskelion

In der dritten Staffel der Classic Serie wird Kirk noch einmal entführt. In der Episode „Fast unsterblich“ fangen die Bewohner von Gideon seinen Transporterstrahl ab und lenken ihn in einen Nachbau der Enterprise um. Dort trifft er auf die Tochter des Präsidenten, Odona. Ziel der Entführung ist es, Odona mit Krankheitserregern zu kontaminieren, da der Planet durch die Gesundheit und Langlebigkeit seiner Bewohner hoffnungslos überbevölkert ist. Das eingeschleppte Virus soll helfen, die Bevölkerung zu dezimieren.

Hier haben wir erstmals einen medizinischen Aspekt, obgleich dieser kaum etwas mit den Entführungserlebnissen durch die Grey-Aliens gemeinsam hat. Immerhin finden wir aber schon den Mimikry-Effekt – das Vortäuschen einer falschen Umgebung. Das reale Thema der UFO-Entführungen wird jedoch erst sehr viel später in „Star Trek – The Next Generation“ aufgegriffen.

Erstmalig taucht es in der Folge „Versuchskaninchen“ aus der dritten Staffel auf. In dieser werden Picard, ein Mizarianer, ein Chalnoth sowie eine Sternenflotten-Kadettin in einen Raum ohne Ausweg gesperrt. Ziel des Experiments ist es, die Psyche emotionaler Spezies sowie das daraus resultierende Verhalten in Extremsituationen zu erforschen.

Der psychologische Aspekt wird immer wieder mal von Entführungsopfern erwähnt. Die Aliens aus „Star Trek“ sehen den Grey zwar nicht sonderlich ähnlich, doch verhalten sich sehr stark wie diese. Sie sind gefühlsarm, rücksichtslos und sie beherrschen den Mimikry-Effekt. So stellt sich am Ende heraus, dass die Kadettin in Wirklichkeit einer der Entführer ist und alle anderen Entführten daheim durch Doppelgänger ersetzt worden sind, die ihrerseits Psychospielchen mit dem sozialen Umfeld ihrer Entführungsopfer treiben.

Dies sollte nicht das letzte Mal bleiben, dass die Besatzung der Enterprise-D es mit Kidnappern zu tun bekommt. In der Episode „In den Subraum entführt“ aus der 6. Staffel leiden einige Besatzungsmitglieder der Enterprise unter furchtbaren Flashbacks, sobald sie Untersuchungstische und chirurgische Instrumente sehen. Bei einer Untersuchung auf der Krankenstation stellt sich heraus, dass Commander Rikers Arm abgenommen und leicht versetzt wieder angebracht wurde. Diese Folge gehört zu den wohl gruseligsten der gesamten Serie.

Ein Grund zum Gruseln haben wohl vor allem Menschen, die nach eigener Angabe Opfer von Entführungen durch Grey-Aliens wurden, denn die Subraumwesen haben viel mit diesen gemein. Zunächst stammen sie aus einer anderen Dimension, was den meisten Schilderungen von Betroffenen nach wohl auch auf die Grey zutrifft. Die Subraumwesen aus „Star Trek“ haben in etwa die Größe der gehobenen Grey (es gibt große und kleine Grey, wobei die kleinen eine Art Arbeiterklasse darstellen) sowie große Augen. Allerdings wirken sie eher wie Krustentiere.

Subraumwesen

Des Weiteren tragen die Subraumgestalten Kapuzen. Ein verbreitetes Phänomen bei Entführungen sind so genannte Kapuzenwesen.

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Diese kommen, ebenso wie die Spezies aus „Star Trek“, häufig des Nachts und entführen ihre Opfer im Schlaf. Die Reise geht dabei direkt durch die Wand, denn sowohl die Subraumwesen als auch die Grey besitzen die Fähigkeit des interdimensionalen Reisens.

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Scheinbar haben die Drehbuchautoren der Serie ihre Hausaufgaben gemacht und sich möglicherweise bei Schilderungen von Entführungsopfern bedient. Zumindest sind die Parallelen verblüffend und vor allem die medizinischen Experimente, die bereits in den Bereich der Menschenverstümmelungen fallen, sind sehr erschreckend.

Menschenverstümmelungen tauchen in der „Star Trek – Voyager“-Episode „Verwerfliche Experimente“ in der vierten Staffel noch einmal auf. In diesem Falle wird die Crew der Voyager zwar nicht entführt, da die Experimente vor Ort stattfinden. Doch haben wir es wieder einmal mit einer interdimensionalen Spezies zu tun, die ihre abartigen medizinischen Experimente an Captain Janeway und ihren Leuten durchführt.

Die Eingriffe reichen dabei bis auf die genetische Ebene hinab, was einige interessante Resultate hervorbringt. Diese sind zugleich alles, was die Crew mitbekommt, denn die Eindringlinge sind phasenverschoben zu unserer Realität und daher für menschliche Augen unsichtbar. Erst Seven of Nine gelingt es mittels ihres Okularimplantats, die Wesen aufzuspüren und ihrem Treiben ein Ende zu machen.

Als ehemalige Borg dürfte sie sich übrigens mit Entführungen auskennen, denn sie war an der Assimilation von Tausenden beteiligt. Was die Borg anderen Völkern antun, toppt jedoch jede Verstümmelung durch die Grey. Zudem kehren ihre Opfer in den meisten Fällen nicht zurück, sondern bleiben für den Rest ihres Lebens ein Teil des Kollektivs. Seven of Nine ist, neben Captain Picard, eine der wenigen Menschen, die aus dem Borg-Kollektiv befreit werden konnten.

Nach ihrer Entführung durch die Borg als kleines Kind scheint Seven in der Episode „Im Rückblick“ wieder einmal entführt worden zu sein. Alles beginnt nach dem typischen Schema, welches Opfer von Alienentführungen durchmachen. Durch bestimmte Trigger werden Flashbacks ausgelöst, die Erinnerungsfetzen zutage fördern. Als Seven auf dem Biobett in der Krankenstation liegt, fühlt sie sich z.B. ganz plötzlich unbehaglich und erinnert sich an einen medizinischen Eingriff während der Entführung.

Nach diesem Erlebnis führt der Doktor eine Hypnosesitzung mit ihr durch, bei der heraus kommt, dass der Händler Kovin Seven of Nine betäubt und ihr Borg-Nanosonden entnommen hat. Leider begehen die Autoren danach den Fehler, den Episodenverlauf in eine gänzlich andere Richtung zu lenken. Kovin stellt sich als unschuldig heraus und stirbt schließlich, als er sich in die Ecke getrieben fühlt. Seven hat sich alles nur eingebildet und der Doktor hat ihre Wahnvorstellungen mit der Hypnose nur verschlimmert.

Zwar gibt es berechtigte Kritikpunkte an der Methode der Hypnoseregression, doch was dem Publikum hier aufgetischt wird, ist schlichtweg absurd. Es ist richtig, dass Patienten unter Hypnose falsche Erinnerungen suggeriert werden können und der Holodoc geht tatsächlich sehr unprofessionell vor. Doch das erklärt nicht Sevens Flashbacks, die sie bereits vor der Hypnose hatte. Solche Eindrücke bekommt man nicht mal eben so und in diesem Fall scheint durchaus ein reales Trauma vorzuliegen.

Am Ende wird nicht einmal schlüssig erklärt, woher denn nun Sevens Flashbacks kamen, die immerhin sehr detaillierte Erinnerungsfragmente enthielten. Es entsteht der Eindruck, als ob die Verantwortlichen mit dieser Episode das Entführungsphänomen lächerlich machen wollten. Dabei hatte man mit der TNG-Episode „In den Subraum entführt“ bereits eine Folge abgeliefert, die sich sehr nah an die Forschungsergebnisse von Bud Hopkins und dem Harvard-Professor John E. Mack hält. Wirklich bedauerlich, dass man zuletzt in die entgegen gesetzte Richtung ging.

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