John Carter – Die Rosenkreuzer des Mars

von Shinzon

Der Film „John Carter – Zwischen zwei Welten“ basiert auf der gleichnamigen Buchreihe von Edgar Rice Burroughs (1875-1950), die ab 1917 in elf Bänden erschien. Die folgende Kritik bezieht sich auf die Verfilmung aus dem Hause Disney und nicht auf den grottigen Mockbuster von The Asylum.

Als Burroughs seine Geschichten verfasste, war noch nicht bekannt, dass der Mars ein toter Planet ist. Passenderweise ist die Story im ausgehenden 19. Jahrhundert angesiedelt und dreht sich um das Sterben des roten Planeten. Verantwortlich für den Niedergang des Mars ist Sab Than (Dominic West), der König der mobilen Stadt Zodanga.

Zodanga

Sab Than ist ein recht machtgieriges und blutrünstiges Individuum, welches nach der absoluten Herrschaft strebt. Ein Traum, der zu Beginn des Films in Scherben liegt, als er gerade eine entscheidende Schlacht verliert. Doch plötzlich werden alle gegnerischen Himmelsschiffe zerstört und drei engelsgleiche Wesen steigen zu ihm herab und vertrauen ihm eine Waffe an, die ihn unbesiegbar macht.

Götterwaffe_3

Bereits diese Szene ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Zunächst wäre da die prä-astronautische Komponente, denn diese Darstellung erinnert doch sehr stark an Begegnungen diverser irdischer Persönlichkeiten mit höheren Wesen. Da wäre z.B. Hesekiel in der Bibel oder Alexander der Große, der nach einer Erscheinung am Himmel eine Schlacht gewann. Auch Jeanne d’Arc und Hildegard von Bingen kommen einem in den Sinn, die ihren Aussagen nach Kontakt zu himmlischen Wesen hatten.

Überlegene Waffen der Götter kommen ebenfalls in einigen Legenden vor. Man denke nur an den Donnerkeil von Zeus, Poseidons Dreizack, das Schwert Excalibur und dergleichen mehr. Der Austausch von Technologie zieht sich dabei bis zu heutigen Gerüchten über angebliche Geheimverträge irdischer Schattenregierungen mit Aliens, was die Anfangsszene von John Carter nur noch brisanter macht.

Götterwaffe_1

Götterwaffe_2

Ein anderer Aspekt dieser Szene ist die engelsgleiche Darstellung der Fremden, die an so genannte „aufgestiegene Meister“ aus der New Age-Bewegung erinnert. Auf diesen Aspekt muss an späterer Stelle noch einmal eingegangen werden, denn die gefallenen Engel haben nicht die besten Absichten. Dies dürfte bereits zu Beginn klar sein, denn immerhin helfen sie einem Bösewicht.

Aufgestiegene Thernmeister

Nach diesem Einstieg wird die Handlung erst einmal auf der Erde fortgesetzt, wo Edgar Rice Burroughs (Daryl Sabara) das Erbe seines Onkels John Carter antritt. Der Name des Neffen ist natürlich eine allzu offensichtliche Hommage an den Autor der Romanvorlage.

Im Nachlass seines Onkels findet Ed neben einem Maya-Kalender auch ein Tagebuch, in dem er von dessen Reise zum Mars erfährt.

Marskalender

Diese beginnt im wilden Westen, wo John Carter als ehemaliger Soldat der Konföderierten von den Streitkräften der Nordstaaten gefangen genommen wird. Diese bieten ihm an, für die andere Seite zu arbeiten. Carter ist jedoch wenig an diesem Angebot interessiert, da er andere Zukunftspläne hat. Ihm gelingt die Flucht und er schlägt sich zu einer Höhle durch, in der er kurz zuvor einen Goldschatz entdeckt hat.

Dort begegnet er einem der mysteriösen Engelswesen, die sich selbst Therns nennen und auf dem Mars Gott spielen. Carter erschießt das transdimensionale Wesen und nimmt ihm ein seltsames Gerät ab, welches ihn direkt auf den roten Planeten transferiert.

Teleporter

Zunächst weiß er nicht, wo er sich befindet und plagt sich mit der geringeren Schwerkraft herum. Dabei sollte erwähnt werden, dass es Menschen auf dem Mars wegen der geringeren Gravitation tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes leicht haben. Aber solche Luftsprünge, wie sie John Carter hinlegt, sind dennoch stark übertrieben.

Auf seiner Erkundungstour entdeckt er kurz darauf ein Nest, in dem madenartige Wesen zu schlüpfen beginnen. Aus den kleinen grünen Männchen werden später einmal große grüne Männchen mit vier Armen und diese sind wenig über den Fremdling begeistert. Kurz bevor die Tharks John Carter auf eine erneute Reise – diesmal ins Jenseits – schicken, erbarmt sich einer der ihren und sammelt den Menschen als Kuriosität ein.

Grünes Männchen

Carters Gönner Tars Tarkas (Willem Dafoe) gehört zu den wenigen mitfühlenden Individuen seines spartanischen Volkes. Dieses kennt nur das Recht des Stärkeren, eliminiert alle Jungen, die es nicht rechtzeitig aus ihren Eiern schaffen und frönt schaurigen Freizeitbeschäftigungen wie Gladiatorenkämpfen. Mit dem menschlichen Volk des Mars teilen sie zwar den Planeten, aber kein Mitgefühl. Als zwei Luftschiffe der sich bekriegenden Städte Zodanga und Helium am Horizont erscheinen, sind die Tharks daher auch eher erheitert über das Gemetzel.

John Carter lässt der Konflikt dagegen nicht so kalt. Er rettet die hübsche Prinzessin Dejah Thoris vor ihrem Sturz in die Tiefe und legt sich nebenbei gleich noch mit Sab Than an, mit dem die Thronfolgerin der Stadt Helium zwangsverheiratet werden soll.

Nachdem sich Sab Than zunächst zurückziehen muss, erkundet John Carter zusammen mit Dejah den heiligen Tempel der Tharks, in dessen antiken Reliefs sie sich Antworten erhoffen. John geht es darum, zu erfahren, wie das mysteriöse Gerät der Fremden funktioniert, um damit zur Erde zurückkehren zu können. Die wissenschaftlich begabte Dejah will dagegen hinter das Geheimnis des Neunten Strahls kommen, mit welchem sich unbegrenzt freie Energie gewinnen lässt.

Bei letzterem Punkt ist interessant, dass Dejahs Experimente von den Fremden sabotiert werden, was ebenso auf fast sämtliche realen Experimente zur Gewinnung von Vakuumfeldenergie auf der Erde zutrifft. Freie Energie wird mit allen Mittel unterdrückt. Viele Forscher wurden bereits sabotiert, finanziell in den Ruin getrieben und sogar ermordet. Inzwischen beschränkt man sich darauf, Physiker wie Prof. Dr. Claus Turtur lächerlich zu machen und in die Esoterik-Ecke abzuschieben. Die Profite der Energiekonzerne sowie der Öl- und Atomlobby sind dabei wohl die treibende Kraft, aber eventuell nicht die Einzige.

Im Film ist die blaue Energie die Machtquelle der Therns und daher auch der Schlüssel, technologisch zu ihnen aufzuschließen. Das kommt nicht von ungefähr, denn der neunte Strahl spielt auf den neunten Grad der Rosenkreuzer an, mit dessen Erreichen die Betreffenden als gottähnlich gelten. Derartiges wollen die Therns natürlich verhindern. Kurioserweise ergibt sich hier ein Umkehrschluss zur Serie „V – Die Besucher“, in der die Reptiloiden der Menschheit ihre ebenfalls blaue Energie als Geschenk anbieten.

Blaue Energie

Die Suche nach dem Geheimnis der blauen Energie und der Bedienungsanleitung für den Teleporter müssen Carter und die Marsprinzessin auf der Flucht fortsetzen. Denn nachdem ihnen schon die Therns und ihre Marionette Sab Than auf den Fersen sind, haben sie mit dem Betreten des heiligen Tharktempels deren wichtigstes Tabu gebrochen und sich dieses Volk damit zum Feind gemacht. Da Tars Tarkas leibliche Tochter Sola (Samantha Morton) bei der Bewachung des Tempels versagt hat und deswegen die Todesstrafe bekommen soll, verhilft ihr Vater den Dreien zur Flucht.

Zusammen erreichen sie den Fluss Is, an dessen Ufer sie die Säulen Jachin und Boas durchqueren.

Säulen am Fluss

Die Reise geht zu Wasser weiter, auf dem sie schließlich eine Inselanlage der Therns finden. Diese ist überraschend schlecht bewacht, sodass John und Dejah ungehindert eindringen und an die gewünschten Informationen gelangen können. Anhand der Hologrammdarstellungen kann John der Marsprinzessin zudem endlich beweisen, dass er von einer anderen Welt stammt. Dejahs Volk kennt die Erde als Jasoom, während sie ihren eigenen Planeten Barsoom nennen.

Als die beiden endlich damit fertig sind, die Beziehungen ihrer beiden Welten zu verbessern, wartet draußen schon ein anderer Stamm Tharks, der von den Therns aufgehetzt wurde. Auf dem Wasser können sie noch problemlos vor ihren Häschern fliehen, die von den Klippen aus nur Speere nach ihnen werfen können. Doch zurück am Ufer werden sie überwältigt.

Für den Erdling stellen die Tharkhorden allerdings kein Problem dar, er metzelt sich einfach durch sie hindurch. Spätestens hier beginnen Carters Superkräfte echt zu nerven, denn er benimmt sich fast wie Superman auf der Erde. Allerdings sind es diese Superkräfte, die Sab Thans Interesse wecken, weshalb er Carter vorerst am Leben lässt. Dejah ergibt sich indes ihrem Schicksal und willigt in die Hochzeit mit ihrem Widersacher ein, da dies der einzige Weg zu sein scheint, den Krieg der beiden Städte zu beenden. Allerdings schickt sie noch einen ihrer Leute aus, um Carter aus den Klauen ihren zukünftigen Gatten zu befreien.

Unterschwellige Augensymbolik.

Unterschwellige Augensymbolik.

Als John Carter aus der Stadt hinaus schleichen will, begegnet er einem Thern, der überraschend redselig ist und ihm offenbart, was hinter den Kulissen geschieht. Die Therns streiten die Verantwortung für die Zerstörung des Mars ab und sehen sich lediglich als Verwalter der Zerstörung. Sie erdreisten sich, das Schicksal anderer Welten zu lenken, was eine Parallele zu den mysteriösen Hutträgern aus dem ähnlich gearteten Film „Der Plan“ (2011) darstellt.

In „Der Plan“ antworten die Fremden auf die Frage, ob sie Engel seien: „So wurden wir auch schon genannt.“ Ob ihr Boss Gott oder Luzifer ist, lässt der Film indes offen. In „John Carter – Zwischen zwei Welten“ haben die Therns hingegen keinen Meister, wobei ihr verwerfliches Verhalten sie definitiv in die Ecke der gefallenen Engel rückt.

Weiterhin beunruhigend ist die Tatsache, dass sie ihre Gestalt verändern und unerkannt unter den Marsmenschen wandeln können. Diese Fähigkeit wird einigen realen Aliens immer wieder von Whistleblowern und Augenzeugen nachgesagt, weshalb diese Filmszene als Anspielung auf die Realität angesehen werden könnte.

Thernverwandlung_1

Thernverwandlung_2

Thernverwandlung_3

Wie John Carter später erfährt, sind die Therns auch auf der Erde aktiv und beeinflussen die menschliche Entwicklung ebenfalls negativ. Die Bruderschaft der Schlange lässt grüßen, auch wenn Disney es versäumt, die irdischen Kollaborateure und ihr Netz aus okkulten Geheimbünden zu erwähnen.

Zumindest auf dem Mars haben die Therns ihre Rechnung jedoch ohne John Carter gemacht. Dieser kehrt mit einer gekaperten Flugmaschine zu den Tharks zurück, um sie für den Kampf gegen Sab Than zu gewinnen. Dummerweise wurde Tars Tarkas nach seiner Fluchthilfeaktion eingekerkert und zusammen mit seiner Tochter und Carter soll er in der Arena an zwei hässliche Marsaffen verfüttert werden. Natürlich gelingt es dem Erdling, die Viecher zu erledigen und obendrein den Anführer der Tharks zu enthaupten. Kein Disney-Kinderfilm ohne Blutbad!

Blutsport

Säulen Arena

Durch seinen Sieg in der Arena, welche wieder einmal mit zwei Säulen geschmückt ist, gelingt es John Carter, die Tharks von seiner Mission zu überzeugen. Allerdings muss er feststellen, dass die mobile Stadt Zodanga verlassen ist und Sab Thans Truppen sich bereits in Helium aufhalten. Er fliegt schon mal vor, um die Hochzeit des marsianischen Oberilluminaten mit Dejah zu verhindern, denn es dürfte inzwischen klar sein, dass diese nicht den erhofften Frieden, sondern eine feindliche Übernahme bringen wird.

Die Hochzeitsvorbereitungen sind bereits in vollem Gange und noch marschieren die Truppen von Zodanga und Helium Seite an Seite. Erstere tragen dabei rote und Letztere blaue Flaggen. War ja klar, dass die friedlichen und gleichermaßen unwissenden Herren von Helium die niederen Freimaurergrade repräsentieren, während Sab Than der satanistischen Hochgradfreimaurerei angehört.

BlauRot-Parade_1

BlauRot-Parade_2

Das Ende ist natürlich vorhersehbar und die Guten gewinnen. Sab Than findet den verdienten Tod und John Carter heiratet die hübsche Prinzessin. Doch der Einfluss der Therns ist keinesfalls beendet. Als Carter sich entschließt, auf dem Mars zu bleiben, und sein erbeutetes Teleportationsgerät aus dem Fenster pfeffert, wird er von einem Thern überrascht, der ihn zur Erde zurück schickt. Ohne eigenen Teleporter kann er nämlich nicht wieder auf den Mars zurückkehren und den Therns dort nicht weiter ins Handwerk pfuschen.

Auf der Erde entwickelt Carter den Plan, zu behaupten, er hätte einen weiteren Teleporter gefunden, was die Aufmerksamkeit der Intrigenspinner auf ihn lenkt. Er fingiert seinen eigenen Tod und lockt so einen Thern in die Falle, um ihm dessen Teleporter abzuknöpfen. Mit diesem kann er wieder zu seiner marsianischen Frau zurückkehren, doch nicht, ohne seinen Neffen als Beschützer anzuheuern.

Interessanterweise bleibt sein physischer Körper nämlich auf der Erde zurück und wenn dieser getötet wird, stirbt auch sein Abbild auf dem Mars. Das ist deshalb interessant, weil es nahe legt, dass John Carter gar nicht physisch auf den Mars reist, sondern eine Astralreise unternimmt. Existiert die Zivilisation auf Barsoom letztendlich nur auf astraler Ebene?

Fazit: Optisch ist der Film zweifelsohne gelungen und mit Sicherheit dem Mockbuster von The Asylum vorzuziehen. An Spannung und Action mangelt es dem Streifen ebenfalls nicht. Gleiches gilt für hintergründige Anspielungen auf die Beeinflussung unterentwickelter Zivilisationen durch extradimensionale Kräfte. Zumindest verrät der Film aber auch, dass diese Wesen tot umfallen, wenn man auf sie schießt. Das lässt hoffen.

2 Kommentare zu “John Carter – Die Rosenkreuzer des Mars

  1. bei solchen filmen frag ich mich dann schon immer wieder, wer letzendlich alles davon weiß, was die ganze symbolik bedeutet. könnte bzw. müsste man nicht anhand der verantwortlichen am drehort festmachen können, wer in welchen kreisen spazieren gehn und wieweit möglicherweise sein einfluss dort ist.

    oder werden solche symboliken nur genommen um evtl. von gut betuchten „spendern“ etwas geld einzutreiben und nebenbei etwas werbung für „ihre sache“ zu machen?

    • Werbung ist es wohl nicht. Man darf nicht vergessen, dass dieser Film von den Disney-Studios gedreht wurde. Walt Disney war Mitglied des Order of deMoley und später wahrscheinlich auch der Freimaurer. Es ist anzunehmen, dass die heutige Disney-Konzernspitze ebenfalls aus Hochgradfreimaurern besteht. Selbiges trifft auf viele Regisseure und Hauptdarsteller zu. Die wissen also, was sie tun.

      Wir werden uns natürlich noch um tiefgreifendere Recherchen bemühen. Einige Schauspieler haben wir ja bereits mit eindeutigen Freimaurergesten erwischt. Von Jack Black und Kyle Gass haben wir sogar einen Auftritt in einer Freimaurerloge gefunden, was ein sehr schönes Beispiel ist, da es keine Fragen offen lässt. Verschwörungsfakten sind und lieber als Verschwörungstheorien.😉

      https://zombiewoodproductions.wordpress.com/2013/06/30/tenacious-d-treten-in-freimaurerloge-auf/

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