Event Horizon – Am Rande der Hölle

von Shinzon

Die „Event Horizon“ (zu Deutsch „Ereignishorizont“) ist ein experimentelles Raumschiff mit einem Interdimensionsantrieb, welches im Jahre 2040 auf seinem ersten Testflug nach Proxima Centauri spurlos verschwindet. Sieben Jahre später taucht das Schiff im Neptun-Orbit wieder auf. Bereits das Äußere der Event Horizon lässt wenig Gutes erahnen. Das Design ist obergruslig und übertrifft jedes Geisterhaus.

Event Horizon_2

Das Fenster der Hauptbrücke ist ein Sonnenkreuz, vor welchem gleich zu Beginn eine gefriergetrocknete Leiche wie ein gekreuzigter Jesus vorbeischwebt.

Event Kreuzigung

Das Raumschiff Lewis & Clark (wohl eine Anspielung auf „Superman“) bricht von der Erde zu einer Bergungsmission auf. Mit an Bord ist Dr. Weir (Sam Neill), der Konstrukteur des Interdimensionsantriebs. Während der Reise träumt Weir im Gravitationstank von seiner verstorben Frau, was sich später noch als wichtig für den Handlungsverlauf herausstellen wird.

Kaum an Bord der Event Horizon angekommen, merkt die Besatzung der Lewis & Clark, dass etwas an diesem Schiff unheimlich ist. Am gruseligsten ist dabei nicht nur die Tatsache, dass die gesamte Crew des Schiffs unter mysteriösen Umständen ums Leben gekommen ist, sondern auch der Interdimensionsantrieb. Dieser rotiert in einer dunklen Kammer mit gigantischen Stacheln, die an Schaschlikspieße erinnern.

Event Horizon Antrieb

Auf der Antriebskugel befinden sich achtzackige Sterne, welche eine Abstraktion des Ištar-Sterns sind.

Event Ištar-Stern_1

Event Ištar-Stern_2

Das unglückselige Crewmitglied Justin (Jack Nosewothy) wird Zeuge, wie sich die Kugel im Zentrum des Antriebs in ein Dimensionstor verwandelt. Als er leichtsinnig hineingreift, wird er auf die andere Seite gezogen.

Event Hellgate_2

Was immer er dort gesehen hat, traumatisiert ihn so stark, dass er für die nächste Stunde im Wachkoma liegt. Der Rest der Crew bekommt indessen eine Ahnung davon, mit was Justin in der anderen Welt konfrontiert wurde. Das Schiff strahlt heftige Biosignale aus als ob etwas von ihm Besitz ergriffen hätte. Es lebt auf eine gewisse Weise und lässt die Besatzung grauenhafte Bilder sehen. Es bedient sich dabei der Urängste der jeweiligen Person, kann also per Telepathie in ihre Köpfe schauen.

Dabei sind die Leute von der Lewis & Clark nicht die ersten, denen dieser Horror widerfährt. Schon bald erfahren sie, warum die Crew der Event Horizon in Fleischfetzen von den Wänden hängt. In den Wahnsinn getrieben haben sie sich selbst in einer Massenorgie zerfleischt. Und es kommt noch schlimmer: Der Funkspruch, der auf Latein die Botschaft „Rette mich!“ mitzuteilen schien, bedeutet vollständig „Rettet euch selbst vor der Hölle!“

Diesem Rat kommt Justin bei einem Selbstmordversuch in der Luftschleuse nach. „Wenn ihr gesehen hättet, was ich gesehen habe, dann würdet ihr genauso…“ sind seine letzten Worte, bevor er die Schleuse öffnet. Erst danach scheint er aus seiner Trance zu erwachen und erkennt, was ihm nun blüht. Es gelingt Captain Miller (Laurence Fishburne) zwar, ihn zu retten, doch Justin ist durch die eisige Neptunatmosphäre so stark verletzt, dass sie ihn nur noch in einen Tank stecken und das Beste hoffen können.

Justins Escape

Während die Besatzung der Lewis & Clark immer schlimmeren Bildern ausgesetzt ist und ihr eigenes Schiff repariert, um schleunigst abzuhauen, geht Dr. Weir seinen eigenen Weg. Dieser führt ihn in den Antriebskern, wo er seiner toten Frau begegnet. Einmal mehr muss er miterleben, wie sie Selbstmord begeht und er ihr nicht helfen kann. Doch die Präsenz aus der anderen Dimension gaukelt ihm vor, dass er in der Hölle wieder mit ihr vereint sein kann.

Event Suizid

Von einer Mischung aus Wahnsinn und Hoffnung getrieben, reißt sich Weir die Augen aus und sprengt anschließend die Lewis & Clark in die Luft.

Eye Catcher

Während Smith (Sean Pertwee) an Bord stirbt, wird Cooper (Richard T. Jones) ins All geschleudert. Allerdings kann er seinen Lufttank als Jetpack nutzen, um zurückzukehren. Er kann sich glücklich schätzen, denn er wird zu einem der wenigen Überlebenden der Mission gehören.

D.J. (Jason Isaacs) hat da schon weniger Glück. Er wird von Dr. Weir in der Krankenstation angegriffen, wobei Weir übermenschliche Kräfte demonstriert. Er ist offensichtlich von Dämonen besessen und verwandelt D.J.s Körper in ein grausiges Kunstwerk, das Clive Barker alle Ehre machen würde. Um das schaurige Ambiente abzurunden, beschmiert Weir die Krankenstation mit satanischen Zeichen.

Clive Barker Show_1

Auf der Brücke lauert er schließlich Captain Miller auf. Als dieser ihn fragt, was er mit seinen Augen gemacht hat, antwortet Weir: „Wo wir hingehen, brauchen wir keine Augen, um zu sehen.“ Das stimmt auf eine erschreckende Art und Weise, denn wie in einem Alptraum kann man die Augen nicht vor einem Horror verschließen, der im Kopf stattfindet.

In letzter Sekunde rettet Cooper seinen Captain und Lt. Starck (Joely Richardson) vor Weir, als er vor das Brückenfenster kracht und damit Weir ablenkt. Als dieser das Fenster zerschießt, wird er hinausgesaugt, während sich Miller, Starck und Cooper retten können.

Die drei Überlebenden machen sich bereit, den von Weir aktivierten Antrieb von der Kommandosektion des Schiffes zu trennen, um nicht wie die Vorgängercrew der Event Horizon in der anderen Dimension zu enden. Kurz bevor Miller die Antriebssektion absprengen kann, wird er von der Manifestation eines längst verstorbenen Kameraden heimgesucht und muss sich vor einer Feuerwand in den Antriebsbereich retten.

Dort trifft er abermals auf Weir, den das Schiff zurückgeholt hat und der zudem seine Augen wieder im Schädel hat.

Weir possessed

Der Doktor meint, dass das Schiff sie nicht gehen lassen wird und zeigt Captain Miller weitere Visionen der Hölle. Im Film laufen die Bilder derart schnell ab, dass man kaum etwas mitbekommt. Erst in Zeitlupe offenbart sich der wahre Alptraum, der abermals der Phantasie eines Clive Barker entsprungen sein könnte. Wer schwache Nerven hat, sollte sich die Standbilder ersparen.

Clive Barker Show_2

Bevor der Interdimensionsantrieb das Schiff wieder in die Hölle schickt, opfert sich Miller selbst und sprengt die Verbindung zur Kommandosektion. Die Antriebssektion verschwindet derweil in einem Wurmloch. Durch Millers Opfer gelingt zumindest Starck, Cooper und Justin die Flucht.

Event Hellgate_3

Fazit: „Event Horizont“ gehört zu den eindrucksvollsten und in Zeitlupe betrachtet auch zu den abartigsten Horrorfilmen aller Zeiten. Dabei nimmt der Film, welcher 1997 in die Kinos kam, einen Großteil der Handlung des PC-Spiels „Doom³“ vorweg. Durch Teleportationsexperimente wird nicht nur Zeit und Raum überbrückt, sondern ein Tor in eine andere Dimension geöffnet, die sich als Hölle entpuppt. Der besessene Dr. Weir erinnert sogar stark an den Antagonisten Dr. Malcom Betruger. „Event Horizon“ hält sich damit näher am Computerspiel als die „Doom³“-Verfilmung von Uwe Boll.

Die Hölle in „Event Horizont“ strahlt dabei eine Mischung aus Horror und Faszination aus. Freilich ist der Streifen hochgradig okkult, aber er ist auch eine Warnung vor dem Spiel mit dem Feuer. Was, wenn es der Menschheit irgendwann tatsächlich gelingt, durch andere Dimensionen zu reisen, die von nicht gerade wohlwollenden Wesen wie z.B. den Grey bevölkert sind? Wobei diese Wesen es allerdings auch ohne menschliche Hilfe schaffen, einen Übergang in unsere Welt zu öffnen.

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