Ist Antisemitismus gleich Judenfeindlichkeit?

von Anton Nymous

Wer unseren Blog schon etwas länger verfolgt, wird bemerkt haben, dass wir das Wort „Antisemitismus“ eher meiden und stattdessen über „Judenfeindlichkeit“ schreiben. Der Grund ist ganz einfach der, dass wir uns klar und unmissverständlich ausdrücken möchten. Gegen Judenfeindlichkeit und Antisemitismus, versteht sich.

Zwar wird im heutigen Sprachgebrauch Antisemitismus mit Judenfeindlichkeit gleichgesetzt, doch ursprünglich gibt es zwischen diesen Begriffen erhebliche Unterschiede. Das Judentum ist eine Religion, während die Semiten eine ganze Gruppe von Völkern sind. Dabei sind keinesfalls alle Juden Semiten und umgekehrt sind auch nicht alle Semiten Juden.

Der Begriff „Semiten“ leitet sich von der biblischen Figur des Sem, dem ältesten Sohn Noahs ab. Abraham soll seine Abstammung auf Sem zurückgeführt haben, woraufhin in biblischer Zeit alle Völker des Nahen Ostens, die sich ihrerseits als Nachkommen Abrahams betrachteten, als „Söhne des Sem“ bezeichnet wurden. Der moderne Begriff des „Semitismus“ wurde indes 1781 vom deutschen Historiker August Ludwig von Schlötzer geprägt. Erstaunlich daran ist, dass sich die Semiten gar nicht selbst als solche bezeichnen.

Zu den semitischen Völkern gehören neben den Hebräern auch Araber, Äthiopier, Malteser und Dutzende andere. Auch antike Völker wie die Babylonier, Assyrer und Aramäer gehören dazu. Darüber hinaus gibt es noch den Sammelbegriff der „semitischen Sprachen“, wozu unter anderem Arabisch, Hebräisch, Maltesisch sowie einige am Horn von Afrika gesprochene Sprachen zählen.

Quelle

Antisemitismus wäre demnach die Feindlichkeit gegenüber so ziemlich allen Menschen aus dem Nahen Osten, wobei die Araber mehrheitlich Muslime und die Äthiopier eher christlich geprägt sind. Den Begriff des Antisemitismus mit Judenfeindlichkeit mag daher vielleicht etabliert sein, ist aber völlig falsch!

Hinzu kommt, dass es sogar antisemitische Juden gibt. Damit sind nicht etwa Juden gemeint, die Israel kritisieren, wie es von einigen antideutschen Wirrköpfen dargestellt wird. Im Gegenteil sind es vielmehr solche Juden, die im Zentrum der betreffenden Kritik stehen. Als Beispiel sei der ultrarechte israelische Außenminister Avigdor Liebermann erwähnt. Dieser fällt seit Jahren durch seinen krankhaften Rassismus gegenüber Palästinensern und Arabern auf. Da es sich bei diesen um semitische Völker handelt, kann man Liebermann zu recht als Antisemiten bezeichnen.

Kritik an israelischen Politikern wie Liebermann ist indessen weder antisemitisch, noch judenfeindlich. Angesichts seiner Äußerungen ist es stattdessen eher antifaschistisch, gegen Liebermann zu sein. Die Kritik bezieht sich nämlich auf seine politischen Ansichten und nicht auf seine Religion oder ethnische Herkunft.

Wir werden auch niemals den Fehler machen, einen Menschen aufgrund seiner Herkunft oder Religion zu be- oder gar zu verurteilen. Das Problem, sowohl des Antisemitismus als auch der Judenfeindlichkeit, ist gerade diese Reduzierung von Menschen auf ihre Abstammung und Glaubenszugehörigkeit. Umgekehrt wird das negative Verhalten einzelner Individuen auf ganze Völker und Religionen pauschalisiert, was ebenso absurd und falsch ist.

Judenfeindlich ist also nicht, wer einen korrupten israelischen Politiker kritisiert. Es ist ja auch niemand antideutsch, der die Regierung Merkel nicht ab kann. Judenfeindlichkeit beginnt da, wo Juden pauschal negative Eigenschaften angedichtet werden. Das ist in etwa so, als würde man alle Deutschen als Nazis bezeichnen. Wir stellen uns daher ausdrücklich gegen jede Judenfeindlichkeit, ebenso wie wir gegen Islamfeindlichkeit und generell Fremdenfeindlichkeit stehen. Für uns gilt: „Was du nicht willst, das man dir tut, das füg auch keinem andren zu!“

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