Djinn und Dämonen in Star Trek – Teil 1: Eine wissenschaftliche Betrachtung

von Shinzon

In „Star Trek“ gibt es eine ganze Reihe von dämonischen Kreaturen, die oft nichts Gutes im Sinn haben. Da der Serienschöpfer Gene Roddenberry gnädigerweise ein Atheist war, vertritt „Star Trek“ eine angenehm nüchterne Sichtweise auf nichtkörperliche Wesen. Hinzu kommt, dass es neben diesen in „Star Trek“ auch physische Außerirdische gibt, die parallel zu diesen Entitäten existieren. Wir teilen diese wissenschaftliche Perspektive.

In der Galerie körperloser Wesen aus reiner Energie werden wir die positiven Vertreter in diesem Artikel allerdings ausklammern. Die erste wirklich dämonische Entität, mit der es Kirks Crew zu tun bekommt, nennt sich Gorgan und hat ein Faible für kleine Kinder. Doch Gorgan ist nicht etwa pädophil. Er ernährt sich viel mehr von der Energie junger Menschen, indem er sich von ihnen anbeten lässt und sie gegen die Erwachsenen aufhetzt.

Gorgan lässt die Kleinen „Kurs auf Markus 12“ setzen, wo er noch mehr Kinder gegen ihre Eltern aufbringen will. Damit sich die bereits unter seiner Kontrolle befindlichen Kiddies gegen die Crew der Enterprise durchsetzen können, verleiht er ihnen übernatürliche Kräfte, mit denen sie allen Erwachsenen ihren Willen aufzwingen können.

Da das dämonische Wesen nicht auf konventionellem Wege zu besiegen ist und es seine Energie aus der Anbetung der Kinder bezieht, gibt es nur einen Weg, Gorgan zu besiegen. Kirk zeigt den Kindern die Gräber ihrer Eltern, woraufhin diesen bewusst wird, was sie angestellt haben. Sie wenden sich von Gorgan ab, woraufhin dieser seine Macht verliert und verschwindet.

Gorgan

Eine noch üblere Kreatur erwartet die Crew der Enterprise in „Das Gleichgewicht der Kräfte“. Ein Wesen reiner Energie, welches später in Romanen als „(*)“ bezeichnet wird, hetzt die Menschen gegen die Besatzung eines Klingonenraumschiffs auf. Es manipuliert den Verstand seiner Opfer, materialisiert archaische Waffen und lässt die Toten ins Leben zurückkehren, auf dass sich beide Seiten bis in alle Ewigkeit bekämpfen. Damit befriedigt der Dämon jedoch nicht nur seine sadistischen Triebe. Die Kreatur ernährt sich zudem von der Energie, die durch Hass und Gewalt freigesetzt wird.

Kirk gelingt es schließlich, den klingonischen Kommandanten Kang davon zu überzeugen, dass die fremde Kreatur hinter diesem Krieg steckt. Da Klingonen für ihre eigene Ehre und nicht für fremde Wesen kämpfen, lässt Kang die Waffen niederlegen. Als er und Kirk (*) verspotten, verliert das Wesen das Interesse und verzieht sich.

Böser Dämon

Da wünscht man sich direkt, dass die Menschen in der Realität ebenfalls aufwachen und ihre Waffen niederlegen würden. Denn am Ende kämpfen doch immer alle für Lügen. Sei es unter dem Vorwand der Menschenrechte, wenn es doch um Öl und Vorherrschaft geht oder für irgendeine Religion, deren Gebote das Töten doch eigentlich verbieten.

Blicken wir auf die menschliche Geschichte, sehen wir, wie sich in Nordirland Katholiken und Protestanten gegenseitig in die Luft gesprengt haben, die Hutu in Ruanda ein Massaker unter ihren Tutsi-Brüdern und Schwestern angerichtet haben, sich im Nahosten Osten Israelis und Palästinenser bis aufs Blut bekämpfen und in Zentralafrika wie aus dem Nichts ein Konflikt zwischen Christen und Muslimen entbrennt. Man könnte fast meinen, dass (*) schon seit einer geraumen Zeit die Erde heimsucht. Doch dank „Star Trek“ wissen wir, dass wir die Verantwortlichen für all den Hass und die Zwietracht nur loswerden können, indem wir uns weigern, ihr Spielchen weiter mitzuspielen.

Im Trek-Universum überwinden Menschen und Klingonen ihre Differenzen nicht nur in dieser Episode, sondern werden später zu Verbündeten. Klingonen retten Kirk in „Star Trek V – Am Rande des Universums“ sogar vor einer weiteren bösartigen Entität, die sich als Gott ausgibt. Kirk entlarvt den falschen Gott, indem er ihn fragt, wozu dieser ein Raumschiff braucht? Sollte Gott nicht allmächtig sein? Stattdessen ist das sadistische Wesen auf einem Planeten im Zentrum der Galaxis gefangen wie ein Djinn in einer Flasche.

Pseudogott

Kommen wir zur nächsten Generation. Die Crew der Enterprise-D trifft gleich in der ersten Staffel auf ein dämonisches Wesen und verliert dabei mit dem sinnlosen Tod von Lt. Tasha Yar einen Hauptcharakter. Die schwarze, ölige Masse, die sich Armus nennt, ist die Essenz der negativen Gefühle einer untergegangenen Zivilisation. Da Armus Phaserenergie absorbiert, hilft in diesem Fall nur eine Quarantäne des ganzen Planeten.

Armus

Bei einem der nächsten körperlosen Wesen, denen die Enterprise in der Episode „Mutterliebe“ begegnet, handelt es sich nicht um einen Dämon, sondern die Seele einer Verstorbenen. Die Vertreterin einer Kultur, die sich einst durch einen Krieg selbst auslöschte, kümmert sich rührend um einen Jungen, der seine Mutter bei einem Außeneinsatz durch eine übrig geblieben Sprengfalle dieses Krieges verloren hat. Eigentlich ist dies eher eine Geister- und keine Dämonengeschichte, doch fällt in dieser Folge ein dämonischer Wandschmuck unangenehm auf.

Teufelsmaske

In „Darmok“ lässt sich selbiger mit Picard auf einen fremden Planeten beamen, um die Verständigungsprobleme zwischen seinem Volk und den Menschen zu überwinden. Um die Sprachbarriere zu überwinden opfert sich der Tamarianer sogar im Kampf mit einem unsichtbaren Monster, welches ihn und Picard fortwährend attackiert.

Darmok Monster

Die Episode „Die imaginäre Freundin“ greift schließlich die erhöhte Sensibilität von Kindern für paranormale Phänomene auf. Bei UFO-Entführungsopfern im Kleinkindalter treten z.B. die Grey als ständige Begleiter auf, während sie sich später zurück nehmen und ihre erwachsenen Opfer meist im Unklaren lassen. Die Eltern betroffener Kinder schieben die vermeintlich imaginären – also eingebildeten – Freunde ihrer Kinder jedoch meist ins Reich der Phantasie.

Ebenso ergeht es Clara, als ihre imaginäre Freundin plötzlich sehr reale Konturen annimmt. Auch ihr glauben die Erwachsenen zunächst nicht, bis sich herausstellt, dass die Enterprise beim Durchfliegen eines Nebels unabsichtlich ein Energiewesen aufgegabelt hat, welches sich als Claras Phantasiefreundin Isabella manifestiert.

Als Isabella sieht, wie den Kindern auf der Enterprise Vorschriften gemacht werden, hält sie die Menschen für eine Bedrohung und droht, alle Erwachsenen zu töten. Dies stellt eine erschreckende Parallele zu diversen Horrorfilmen dar, in denen sich Dämonen Kindern zuwenden, während sie Erwachsene angreifen. Zum Glück für die Enterprise-Crew ist Isabella aber kein klassischer Dämon und lässt mit sich reden. Captain Picard gelingt es, sie davon zu überzeugen, dass menschliche Eltern ihre Kinder nur schützen wollen. Daraufhin zieht sich die Entität in den Nebel zurück.

Demonic EntityDemonic IsabellaIn der Folge „Ronin“ taucht schlussendlich noch einmal ein klassischer Dämon auf, der an einen Gegenstand gebunden ist. Er erscheint den Frauen von Dr. Beverly Crushers Blutlinie seit Generationen als fürsorglicher Liebhaber, der ihnen ein langes Leben in Gesundheit verleiht. Auf der anderen Seite zehrt er natürlich auch von der Lebensenergie der Frauen. Ronin verhält sich also wie ein Parasit.

Nachdem Dr. Crusher an der Trauerfeier für ihre verstorbene Großmutter auf der Kolonie Caldos teilgenommen hat, entdeckt sie in deren Nachlass einen mysteriösen Kerzenständer. Kurz darauf macht sie ebenfalls Bekanntschaft mit Ronin und ihre Augenfarbe wechselt zu grün, was verdeutlicht, dass der Dämon von ihr Besitz ergriffen hat. Als Ronin jedoch beginnt, Menschen zu töten, die ihm auf die Schliche kommen, löst sich Beverly von ihm, vernichtet sein Gefäß und tötet ihn schließlich. Ein Phaser reicht dazu aus, da es sich bei dem Dämon um eine anaphasische Lebensform handelt, die zwar körperlos ist, aber dennoch aus Materie besteht.

(Bild folgt)

Die Serie „Deep Space Nine“ wartet ebenfalls gleich in der ersten Staffel mit einer dämonischen Entität auf. In „Die Legende von Dal’Rok“ wird ein bajoranisches Dorf regelmäßig von einer Gewitterwolke angegriffen. Unter Anleitung des Dorfältesten vertreiben die Bewohner das Dal’Rok mit positivem Denken. Bis zum Ende wird nicht genau geklärt, woher die Kreatur wirklich kommt, obgleich es scheint, dass sie die manifestierten Ängste der Dorfbewohner darstellt.

Dal Rok

In der vierten Staffel bekommt es Captain Siskos Sohn Jake mit einer Muse zu tun. Der junge Mann will Schriftsteller werden, doch mangelt es ihm an zündenden Ideen für den großen Durchbruch. Unter dem Einfluss einer geheimnisvollen Fremden beginnt seine Kreativität plötzlich überzusprudeln. Allerdings fühlt er sich nach jedem Kontakt total matt, da die Djinn ihm im Gegenzug Energie absaugt. Da kommen einem doch gleich dutzende Stars in den Sinn, die ihre Seele für den schnellen Erfolg verkaufen.

Muse

Am auffälligsten sind in Deep Space Nine jedoch die bajoranischen Pah-Geister, die in den Feuerhöhlen hausen.

Bajoranische Feuerhöhlen_1

Diese sind der Gegenpart zu den Propheten, die im Himmelstempel wohnen und über Bajor wachen. Auf den ersten Blick mag die bajoranische Religion kreativ erscheinen, doch bei genauerer Betrachtung haben die Autoren geradezu klischeehaft bei den monotheistischen Religionen der Erde geklaut. Die Propheten sind Engel, die im Himmel wohnen, während die Pah-Geister Dämonen aus der Hölle sind.

Allerdings scheinen sich die Verantwortlichen bei den Pah-Geistern eher an die Beschreibungen der Djinn aus dem Koran gehalten zu haben. Denn wie die Djinn bestehen die bajoranischen Höllenwesen aus rauchlosem Feuer. Zudem können sie Menschen bzw. Außerirdischen Macht verleihen oder ihre Körper besetzen. Dazu jedoch mehr in Teil 2 dieser Artikelreihe.

Bajoranische Feuerhöhlen_2

Bajoranische Feuerhöhlen_3

In der finalen Staffel wird Gul Dukat zum Messias der Pah-Geister. Er ist sozusagen der bajoranische Antichrist, der bereits während der Besetzung Bajors als Präfekt der Raumstation Terok Nor großes Leid über die Bajoraner gebracht hat. Später deutet er sich jedoch zum Erlöser der Bajoraner um, womit er sich sogar selbst täuscht.

Ghul Antichrist_2

Auffällig ist neben seinem Verhalten allerdings auch sein Rang, der dem eines Captains gleichkommt. Gul klingt wohl nicht zufällig wie Ghul und in der Tat wird Ghul Dukat am Ende der sechsten Staffel in der Episode „Tränen der Propheten“ von einem Pah-Geist besetzt. Der Captainsrang bei den Ferengi nennt sich indessen „Daimon“, was das griechische Wort für Dämon ist.

Dukat Possession_1

Bleibt noch die Serie „Star Trek – Voyager“. Vom Titel her geht es abermals schon in der ersten Staffel um „Helden und Dämonen“. Was als Grendel auf dem Holodeck sein Unwesen treibt, entpuppt sich jedoch als photonische Lebensform, die unabsichtlich an Bord gebeamt wurde und einfach nur nach Hause will.

Phontonische Lebensform_1

Phontonische Lebensform_2

Ähnliches gab es schon in TNG und sucht die Voyager noch einmal gegen Ende der sechsten Staffel in „Der Spuk auf Deck 12“ heim. In letzterer Episode handelt es sich lediglich um eine gasförmige statt eine photonische Lebensform, die ebenfalls durch Zufall eingefangen wurde und Kontrolle über den Computer erlangt. Verpackt wird das ganze diesmal in eine Gruselgeschichte statt in einen Heldenepos.

Spuk auf Deck 12

Mit einem wirklich bösartigen Dämon bekommt es Captain Janeway in der Folge „Der Wille“ zu tun. In dieser durchlebt Janeway eine Nahtoderfahrung, in der ihr Vater erscheint und sie bittet, ins Licht zu gehen. Doch sie wird allmählich misstrauisch und erkennt, dass ihr Vater in Wirklichkeit eine extradimensionale Kreatur ist. Diese will Janeway in ihre Matrix locken, um sich von ihrem Astralkörper zu ernähren.

Seelenfresser

Die Episode gehört zu den wohl schlechtesten, die „Star Trek“ zu bieten hat. Sie widerspricht sämtlichen Nahtoderlebnissen, von denen Betroffene je berichtet haben. In der Realität wurden sogar schon Menschen an der Schwelle des Todes von ihren Verwandten zurück ins Leben geschickt und eben nicht ins Licht gelockt. In „Der Wille“ wird unnötig Angst vorm Tod geschürt, was überhaupt nicht dem positiven Charakter der Serie entspricht.

In der Episode „Dämon“ geht es indessen nicht wirklich um Dämonen, sondern um einen lebensfeindlichen Planeten der Dämon-Klasse. Interessant ist die Folge dennoch, da plötzlich Doppelgänger von den Crewmitgliedern Kim und Paris auftauchen. Waren Doppelgänger nicht eine Kategorie der Djinn?

In der Serie entstehen sie jedenfalls aus einer mysteriösen Flüssigkeit, die offenbar Intelligenz besitzt und die Crewmitglieder der Voyager nachahmt, um deren menschliche Erfahrungswelt zu teilen. Captain Janeway erlaubt der Lebensform schlussendlich, die komplette Voyager samt Crew nachzubilden.

Mit dieser Kopie gibt es ein Jahr später ein Wiedersehen in der Episode „Endstation Vergessenheit“. Die kopierte Crew hat ihre wahre Herkunft vergessen und hält sich für das Original. Wie die originale Crew versuchen die Doppelgänger ihre vermeintliche Heimat, die Erde, zu erreichen. Doch plötzlich beginnen sie, unter einer seltsamen Zersetzungskrankheit zu leiden. Ihre Reise nimmt ein tragisches Ende.

Doppelgängerin

Weitere Anspielungen auf die Welt der Dämonen und Djinn verbleiben auf dem Holodeck. In der Episode „Es war einmal“ kümmert sich Neelix um die kleine Naomi Wildman, während ihre Mutter auf einer Außenmission verschollen ist. Auf dem Holodeck spielen die beiden ein Programm, welches so gar nicht kindgerecht ist. Spätestens als der Ogre des (rauchlosen) Feuers auftaucht, hätte Neelix das Programm abschalten soll, um eine mögliche Traumatisierung von Naomi zu verhindern.

Wie viele ehemalige Kinderstars rutschte die Naomi Wildman-Darstellerin Scarlett Pomers schon früh psychisch ab und litt lange Zeit an Bulimie. Ob dies an ihrer schaurigen Begegnung mit dem Ogre des Feuers lag, ist unbekannt, darf jedoch bezweifelt werden. Allerdings gibt es in Hollywood für Kinder noch weitaus traumatisierendere Vorgänge als jene vor der Kamera.

Ogre des Feuers

Doch zurück aufs Holodeck. Auf diesem lassen sich nicht nur gruslige Djinn erschaffen. In der Episode „Das Geistervolk“ entwickeln die Holocharaktere eines irischen Dorfes ein Bewusstsein und halten ihrerseits die Crewmitglieder der Voyager für Dämonen. Zwar offenbart Janeway den Dorfbewohnern nicht deren wahre Natur, doch am Ende gesteht sie ihnen ihre eigene Identität – nämlich die eines Raumschiffcaptains.

Für diese Folge gibt es zwei Interpretationsmöglichkeiten. Möglichkeit 1: Was wir für Dämonen und Djinn halten sind in Wirklichkeit Außerirdische, deren hoch entwickelte Technologie uns wie Magie erscheint. Möglichkeit 2: Wir leben in einem virtuellen Universum, wobei die Djinn und Dämonen lediglich Wesen aus einer höheren Existenzebene sind, die unsere simulierte Realität nach Lust und Laune manipulieren können.

In jedem Fall trägt „Star Trek“ erheblich zu Entmystifizierung von Wesen bei, die sich unseren herkömmlichen Erklärungsmodellen entziehen. Dies könnte dabei helfen, Aberglauben zu überwinden und paranormale Phänomene mit wissenschaftlichen Methoden zu enträtseln.

Geistervolk

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