The Wolf of Wall Street – Kapitalismus ist eine obszöne Orgie

von Shinzon

Wer sind eigentlich diese Bankster und Broker, die die Anleger um Millionen betrogen und die Welt in die Krise gestürzt haben? Dieser Frage geht die Verfilmung von Jordan Belforts autobiografischem Bestseller nach. Die Antwort könnte dabei nicht heftiger ausfallen.

Bereits in der Ausbildung wird Belfort, dargestellt von Leonardo DiCaprio, mit Drogen und Sex konfrontiert. Von seinem Ausbilder lernt er, dass die Werte, die an der Börse gehandelt werden, eigentlich gar nicht real sind. Reales Geld wird erst beim Verkauf einer Aktie ausgeschüttet und dies gelte es zu verhindern. Aktien sollen gekauft, nicht verkauft werden. Das Risiko trägt dabei der Käufer, während dem Broker die Provision sicher ist.

Zunächst arbeitet Belfort bei L.F. Rotschild. Doch als die Firma nach dem Börsenkrach von 1987, der als „Schwarzer Montag“ in die Geschichte eingegangen ist, geschlossen wird, ist er erst einmal arbeitslos. Einen neuen Job findet er schließlich bei einem kleinen Brokerunternehmen in Long Island, welches mit Penny-Stocks handelt. Also Aktien von Unternehmen, die nicht viel wert sind.

Schon bald fährt er durch sein aggressives Marketing kräftige Provisionen ein. Schließlich gründet Jordan mit seinem Freund Donnie (Jonah Hill), dessen reale Vorlage Danny Porush ist, ein eigenes Unternehmen unter dem Namen Stratton Oakmont. Das Logo des Unternehmens ist ein Löwenkopf.

Löwenlogo

Eigentlich ist das Symbol der Börse der Stier und nicht der Löwe. Letzterer steht im Okkultismus für Satan und sieht man sich den verwerflichen Lebensstil der Broker an, versteht man, warum der Löwe im Film überall präsent ist.

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Auf einer von zahlreichen obszönen Sexpartys im Büro von Stratton Oakmont ist sogar kurz ein Schlangenträger zu sehen. Man hätte kaum deutlicher machen können, was für Figuren in dieser kapitalistischen Räuberhöhle das Sagen haben.

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Wobei die Pyramide in Belforts Büro vielleicht doch noch ein etwas direkterer Hinweis ist.

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Neben der einschlägigen Symbolik fallen vor allem die Drogen- und Sexorgien auf. Das ist kein schöner Anblick, aber andererseits ist es ganz gut, dass der Film die Verkommenheit des Finanzgesockses so drastisch zur Schau stellt. Wenn man in den Nachrichten von den Sexpartys eines Silvio Berlusconi oder Peter Hartz hört, hat man dazu eine gewisse Distanz, die alles halb so schlimm wirken lässt. In „The Wolf of Wall Street“ bekommt man dagegen erstmals eine Vorstellung davon, was für verkommene Schweine die Herrscher dieser Welt tatsächlich sind.

Die selbsternannte Elite des christlichen Abendlandes besitzt nur Geld statt Moral. Dabei können sie ihren Reichtum nicht einmal genießen, denn menschliche Empfindungen gehen diesen Subjekten vollkommen ab. Sie verbringen ihr Leben in einem Rauschzustand, den sie aus einer Mischung von Kokain, Sex und Geldgier ziehen. Der Kampf gegen Drogen und Prostitution ist dabei ein Witz, denn die herrschende Klasse gehört zu den Hauptkonsumenten. Hinzu kommen mindestens ebenso fragwürdige Vergnügungen wie Zwergenwerfen, was nebenbei bemerkt ziemlich menschenverachtend ist.

Doch dieser Lebensstil hat auch seinen Preis, was Jordan Belfort bald zu spüren bekommt. Die Trennung von seiner ersten Frau Teresa (Cristin Milioti) verkraftet er noch ganz gut, da er ohnehin schon eine andere am Start hat. Bitter wird es jedoch, als seine neue Frau Naomi (Margot Robbie) seine sexuellen Ausschweifungen erst mit einem Sexembargo abstraft und schließlich die Scheidung einreicht. Dabei nimmt sie auch gleich noch die gemeinsame Tochter mit und so langsam dämmert Belfort, dass seine Familie vielleicht das Wertvollste in seinem Leben war bzw. hätte sein sollen.

Kurz vor dem Ehedrama verliert er allerdings noch 20 Millionen, die er auf einem Schweizer Konto gebunkert hat und bei dem verzweifelten Versuch, das Geld zu retten, versinkt obendrein seine Yacht in einem Sturm. Als die Geldwäsche schließlich auffliegt, verliert Belfort seine Freiheit, wobei er allerdings nur 5 Jahre in einem Luxusknast absitzen muss. Eine lebenslängliche Haftstrafe in einem mexikanischen Gefängnis wäre weitaus angemessener gewesen, aber dann hätte er ja nicht sein Buch schreiben können und wir hätten niemals solch detaillierte Einblicke in das Leben der Broker erhalten.

Fazit: Mit „The Wolf of Wall Street“ hat Martin Scorsese sowohl eine obszöne Orgie als auch einen aufschlussreichen Lehrfilm abgeliefert. Einerseits stellt sich die Frage, ob die Zuschauermassen den Film richtig interpretieren oder sich eher daran ergötzen und ihn als Vorbild nehmen? Andererseits werden die Finanzhaie als das Gesocks entlarvt, was sie tatsächlich sind. Was letzteren Punkt betrifft, könnte die Demaskierung der Finanzwelt durchaus viele Menschen zum Nachdenken anregen und Zweifel am kapitalistischen System nähren.

Etwas anstrengend ist die Überlänge des Films. 3 Stunden Drogenrausch und Softpornografie sind mit Sicherheit nicht jedermanns Geschmack. Da der Trailer nichts von solchen Szenen erahnen lässt, sollten alle streng moralischen Menschen vorgewarnt sein.

Was der Trailer dagegen sehr wohl offenbart, ist das Logo von Red Granite Pictures. Na wenn das mal keine Ouroboros ist…

Red Granite Pics

Zum Schluss sei noch angemerkt, dass es einen weiteren Film mit dem Titel „The Wolf of Wall Street“ aus dem Jahr 1929 gibt, der in Deutschland unter dem Titel „Millionen um ein Weib“ erschien. Der Inhalt ist ähnlich und sogar der Name des Hauptcharakters, Jim Bredford, erinnert ein wenig an Jordan Belfort. Da Belfort aber eine reale Person ist, scheint diese Ähnlichkeit nur Zufall zu sein. Sein Spitzname „Wolf of Wall Street“ könnte dagegen durchaus auf den 1929er Film zurückgehen.

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