Der Antichrist – Satans Stellvertreter auf Erden

von Shinzon

Der Antichrist ist eine Bezeichnung mit durchaus unterschiedlichen Deutungsmöglichkeiten. Die bekannteste dürfte wohl aus dem biblischen „Buch der Offenbarung“ stammen, welches von der finalen Schlacht zwischen Gut und Böse in der Endzeit berichtet. Wäre das Leben ein Computerspiel, dann wäre der Antichrist also so etwas wie der Endgegner.

Interessant ist dabei, dass im Finale nicht Gott und Satan direkt gegeneinander antreten sollen, sondern ihre jeweiligen Stellvertreter Jesus und der Antichrist. Es handelt sich demnach um eine eher weltliche Schlacht. Da fragt sich, welcher weltliche Herrscher für den Antichrist infrage käme? Als heiße Kandidaten werden u.a. Prinz Harry und Barack Obama gehandelt, während andere der Meinung sind, der Antichrist würde die Weltbühne erst noch betreten. Zumindest Osama bin Laden, der bei den Amerikanern lange Zeit als Top-Kandidat galt, scheidet inzwischen definitiv aus.

Nicht ganz ernst zu nehmen...

Nicht ganz ernst zu nehmen…

Eine weitere Deutungsmöglichkeit der Offenbarung des Johannes, welcher übrigens nicht mit dem Apostel Johannes identisch ist, kommt aus einer nichtreligiösen Richtung. Einige Historiker vertreten die Theorie, Johannes hätte nicht über die Zukunft geschrieben, sondern über seine eigene Zeit, in der die Christen von den Römern unterdrückt und verfolgt worden sind. Der Antichrist sei demnach Kaiser Nero gewesen.

Antichrist

Einige Beschreibungen des Antichristen scheinen allerdings tatsächlich auf unsere moderne Zeit hinzudeuten. So schrieb Johannes, dass das Zeichen des Antichristen die 666 sei und niemand etwas kaufen oder verkaufen könne, der nicht das Zeichen des Antichristen an der Hand oder Stirn trage. Ein derartiges Zeichen ist historisch zu keiner Zeit belegt und bisher konnte jedermann alles gegen Geld kaufen und verkaufen. Erst durch die Einführung von RFID-Chips scheint diese Prophezeiung tatsächlich an Substanz zu gewinnen.

In der Tat gibt es bereits in einigen Ländern Pläne, der kompletten Bevölkerung RFID-Chips einzupflanzen. Als Vorwand dient die angebliche Sicherheit, die man dadurch gewänne. Auf den Chips könnten Ausweisdaten, Krankenakten und Bankdaten gespeichert werden. Man würde sich so Ausweispapiere, Kranken- und Bankkarte sparen und könnte sie auch nie wieder verlieren. Dumm nur, dass die Daten auch unter der Haut keineswegs sicher sind. Dem Chaos Computer Club gelang es unlängst, solche RFID-Chips zu knacken.

Die vermeintliche Sicherheit ist also trügerisch. Sicher ist nur der Verlust jeglicher Freiheit, da mit einem solchen Chip jedermann zu jeder Zeit rundum überwacht werden kann. Irrwitzigerweise schützt einen das nicht einmal vor Entführungen, die in Mexiko das wichtigste Argument der RFID-Befürworter sind, denn Kidnapper können den Chip ohne weiteres aus dem Fleisch schneiden. Würde man selbiges probieren, um vor einem totalitären Überwachungsstaat zu fliehen, wäre das allerdings strafbar.

Ebenso könnte durch den RFID-Chip das Bargeld abgeschafft werden, sodass tatsächlich nur noch diejenigen kaufen und verkaufen können, die sich den Chip verpassen lassen. Man wirbt bereits damit, dass dies Verbrechen unmöglich machen würde. Das mag vielleicht für Ladendiebstahl gelten, aber die großen Verbrechernetzwerke können immer noch Diamanten, Edelmetalle und Kokain als Zahlungsmittel benutzen. Alles in allem ist die Vorstellung, dass es in Zukunft kein Bargeld mehr geben könnte, also eher erschreckend.

Schlussendlich bleibt noch die Frage, ob derjenige, der die Zwangsimplantierung von RFID-Chips einführt, der Antichrist sein wird? Immerhin wird der Chip, der tatsächlich wie im Buch der Offenbarung beschrieben in die Hand implantiert werden kann, als Zeichen des Antichristen interpretiert. Die Frage könnte sich allerdings als schwierig zu beantworten herausstellen, wenn verschiedene Länder die Zwangsimplantierung unabhängig voneinander zu verschiedenen Zeiten einführen.

Das führt uns zur nächsten Frage, die da lautet: Wie viele Antichristen verträgt diese Welt? Laut Buch der Offenbarung nur einen. Geht man dagegen nach Nostradamus, sind es bereits drei. Bei den ersten zwei Antichristen handelte es sich nach einhelliger Interpretation um Napoleon Bonaparte und Adolf Hitler. Der dritte Antichrist steht indes noch aus.

Man kann allerdings davon ausgehen, dass es sich wieder um einen Europäer handeln wird, da Nostradamus sich hauptsächlich mit der Zukunft dieses Kontinents beschäftigte. Über die neue Welt (Amerika) schrieb er nur ab und an, Afrika sowie Asien beschäftigten ihn fast gar nicht und Australien wurde erst nach seinem Tod von europäischen Siedlern entdeckt. Hinzu kommt, dass sowohl Napoleon als auch Hitler Europa zu erobern versuchten. Der dritte Antichrist dürfte also ebenfalls Großes mit Europa vorhaben. Ob er jedoch mit dem Antichrist aus der Johannesoffenbarung identisch ist, darf bezweifelt werden.

Ohnehin gibt es gravierende Unterschiede zwischen der Offenbarung des Johannes und den Prophezeiungen des französisches Mediziners und Astrologen Michel de Nostradame. Letzterer brachte keinen seiner drei Antichristen mit der Endzeit in Verbindung. Im Gegenteil reichen Nostradamus’ Vorhersagen bis ins Jahr 3797. Wir haben laut ihm also noch jede Menge Zeit und selbst das Ende seiner Prophezeiungen muss längst nicht das Ende der Welt bedeuten. Immerhin war seine Lebenszeit begrenzt, weshalb er schon aus rein praktischen Gründen die Unendlichkeit nicht präzise vorhersagen konnte.

Der ganze Endzeit-Hype, der momentan von extremistischen Strömungen der drei monotheistischen Weltreligionen verbreitet wird, ist nichts anderes als Panikmache. Im Internet kursieren inzwischen unzählige Videos christlicher Splittergruppen zum Thema Antichrist sowie radikaler Muslime, bei denen der Antichrist „Dajjal“ genannt wird. Am bekanntesten dürften dabei wohl die geistigen Ergüsse der YouTube-Nutzer InfokriegerMCM und EndzeitreporterMCM sowie die muslimische Filmreihe „The Arrivals“ sein.

In solchen Videos wird mit Halbwissen um sich geworfen, welches selbstverständlich streng religiös gedeutet wird. Fakten werden verdreht sowie mit Bibel- oder Koranzitaten garniert. Objektivität sucht man dagegen vergeblich. Und als wäre das noch nicht genug, beschuldigen sich die beiden Blöcke teilweise sogar gegenseitig, dem Antichrist bzw. Dajjal zu dienen. Ein Trauerspiel…

Noch bedenklicher als solche Internetprediger sind jedoch radikale Gruppierungen der Christen, Juden und Moslems, die im Hintergrund agieren und massiven Einfluss auf die Politik ausüben. Man könnte fast meinen, diese würden sich nach der Ankunft des Antichristen sehnen, da dies gleichzeitig die Ankunft ihres jeweiligen Messias bedeuten würde. Am Ende ziehen sie sogar mit den Satanisten an einem Strang, weil jede Seite nach der finalen Schlacht zwischen Gut und Böse auf ihre jeweilige Weltherrschaft hofft.

Solche Sektierer sind gefährlich, da sie die Welt bewusst in Brand setzen wollen. Am Ende sind vielleicht sogar diese Gruppierungen der sprichwörtliche Antichrist. Das wäre schon eine bittere Ironie, da vor allem die christlichen Fundamentalisten in jedermann den Antichristen sehen, der nicht in ihr engstirniges Weltbild passt. Glücklicherweise handelt es sich bei diesen Gruppierungen nur um Minderheiten der jeweiligen Religionen. Man kann nur hoffen, dass die Mehrheit der Religionsanhänger nicht auf deren Propaganda hereinfällt.

In den polytheistischen Weltreligionen sieht die Lage indes viel entspannter aus. Ein Antichrist ist diesen nicht bekannt. Lediglich die Hindus haben an seiner Stelle den Dämon Kali (nicht zu verwechseln mit der Göttin Kali), welcher über das Zeitalter des Verfalls, das Kali-Yuga, herrscht. Als Person tritt er dabei allerdings nicht in Erscheinung. Trotz gewisser Ähnlichkeiten, bleibt der Antichrist bzw. Dajjal also eine Gestalt der monotheistischen Religionen.

Wer als Antichrist gelten kann, bleibt dabei Auslegungssache. Im Kern handelt es sich bei der Beschreibung um einen Tyrannen und Menschenfeind, weshalb Nostradamus diese Bezeichnung für Napoleon und Hitler gewählt haben dürfte. Sie wäre aber auch ohne weiteres auf Josef Stalin, Pol Pot, Henry Kissinger, Margaret Thatcher oder George W. Bush anwendbar, um nur einige zu nennen.

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