Die größten Okkultisten: L. Ron Hubbard – Vom Science Fiction-Autor zum Sektengründer

von John Doe

Lafayette Ronald Hubbard wurde 1911 in Tilden (Nebraska USA) geboren und wuchs in Helena (Montana), San Diego (Kalifornien), Bremerton (Washington) sowie Seattle (Washington) auf. Die häufigen Umzüge waren der Karriere seines Vaters bei der US Navy geschuldet.

Weiterhin dürften die Berufswahl seines Vaters sowie die Mitgliedschaft bei den Pfadfindern, bei denen es Ron bis zum Eagle Scout schaffte, maßgeblich sein hierarchisches Weltbild geprägt haben. Der paramilitärische Arm von Scientology, die Sea Org, erweckt zudem wohl kaum zufällig den Eindruck einer Marine.

1928 begann L. Ron Hubbard seine Karriere als Autor mit dem Verfassen von Kurzgeschichten. Parallel versuchte er, wie sein Vater Karriere bei der US Navy zu machen. Er fiel jedoch am 18. Dezember 1928 durch die Aufnahmeprüfung der Navy-Akademie und wurde im Jahr darauf wegen seiner schlechten Augen endgültig abgelehnt.

Im September 1930 schrieb Hubbard sich an der George Washington University ein, um Bauingenieurwesen zu studieren. An der Uni schrieb er für die Campus-Zeitung Hatchet, die im Februar 1932 seine ersten Science-Fiction-Geschichten veröffentlichte. Im gleichen Jahr musste Hubbard aus nicht näher bekannten Gründen die Universität verlassen.

Am 13. April 1933 heiratete er Margaret „Polly“ Louise Grubb. Mit ihr bekam er im Jahr darauf seinen ersten Sohn, welcher später den Namen seines Vaters ablehnen und sich in Ronald DeWolf umbenennen sollte. 1936 folgte seine Tochter Catherine May und die Familie zog nach Bremerton um. Dort fand L. Ron Hubbard Zugang zu Pulp-Magazinen, für die er Geschichten schrieb. Im folgenden Jahr erschien sein erster Roman „Buckskin Brigades“ und 1938 „Dangerous Dimensions“.

Sieht aus wie eine Ausgabe des Stürmers.

Sieht aus wie eine Ausgabe des Stürmers.

Als der zweite Weltkrieg ausbrach, unterbrach er seine Autorenkarriere und versuchte es erneut bei der US Navy, die ihn 1941 schließlich als Lieutenant einstellte. Zugeteilt wurde er allerdings nur der Public-Relations-Abteilung sowie dem Marinegeheimdienst. Seine dort gesammelten Erfahrungen sollten ihm später gewiss noch sehr hilfreich sein.

Im Dezember 1941 verließ er die Marine wieder, da er nach eigenen Angaben an der Front „in Stücke geschossen“ wurde. Für die US Navy war sein Weggang jedoch kein Verlust. Seine Akte soll laut Recherchen eines Journalisten sogar die wenig schmeichelhafte Anmerkung „Verdacht auf Geistesgestörtheit“ enthalten. Ein Verdacht, den Hubbard während seiner erfolglosen Erfinderkarriere in den 1960ern untermauern sollte, als er ein Gerät erfand, welches angeblich den Schmerz von Tomaten messen sollte, wenn man sie aufschneidet.

Tomatenheini

Nach Hubbards Karriere ging 1945 auch noch seine Ehe den Bach runter. Seine Frau verließ ihn mitsamt ihrer gemeinsamen Kindern und reichte am 14. April 1947 die Scheidung ein. Am 10. August 1946 ehelichte L. Ron aber bereits seine zweite Frau Sara Northrup, die er über seine erste noch gültige Ehe in Unkenntnis ließ. Als Sara schließlich davon erfuhr, bezichtigte sie Hubbard der Bigamie und ließ sich sogleich wieder von ihm scheiden. Sie erhielt zudem das Sorgerecht für ihre Tochter Alexis, die ihr Exmann zuvor entführt hatte.

Ein wirklich glückliches Händchen hatte Hubbard zunächst also weder im Beruf, noch beim anderen Geschlecht. Erst seine dritte Ehefrau Mary Sue ließ sich voll und ganz auf seine Machenschaften ein und wurde zu seiner Komplizin in Sachen Scientology. Um die Gründung dieser Psychosekte im Jahr 1954 zu verstehen, muss allerdings erst einmal ein weiterer Aspekt von Hubbards Leben beleuchtet werden: Seine Verbindungen zum Okkultismus. Und hier beginnt es, interessant zu werden.

In Pasadena begann Hubbard, sich für die okkulten Praktiken des Ordo Templi Orientis zu interessieren. Er trat dem Orden zwar nicht bei, arbeitete jedoch eng mit Jack Parsons zusammen – einem hochrangigen Satanisten und Schüler Aleister Crowleys. Mit dem Meister handelten sich die beiden allerdings Ärger ein, als sie auf eigene Faust versuchen, mittels eines Rituals ein magisch optimiertes Kind – ein so genanntes „Moonchild“ – zu erzeugen. Nichtsdestotrotz war L. Ron stark von Crowleys Werken fasziniert und baute sein eigenes Glaubenssystem auf dessen „Buch der Gesetze“ auf.

Die Zusammenarbeit zwischen Parsons und Hubbard endete indessen abrupt, als letzterer Parsons Yacht samt dessen Freundin entwendete. Bei Parsons Freundin handelte es sich um die bereits erwähnte Sara Northrup, die für kurze Zeit L. Rons Zweitfrau wurde. Die beiden waren jedoch nur die ersten Opfer von Hubbards Betrügereien, die in der Gründung von Scientology gipfelten.

Der Gründung dieser Sekte ging 1950 die Veröffentlichung der Dianetik voraus. Ein Werk über religiöse Therapiemethoden, welches die Basis für das psychologische Programm von Scientology darstellt. Das Logo der Dianetik ist, nebenbei bemerkt, eine vierstufige Pyramide

Pyramidik

Über die Scientology-Gründung selbst kursiert die Geschichte, dass L. Ron die Idee zur Sekte auf einem Treffen von Science-Fiction-Autoren in New York kam, auf dem er sich über die schlechte Bezahlung beklagte. Daraufhin soll Lester del Ray ihm halb im Scherz vorgeschlagen haben, eine Religionsgemeinschaft zu gründen, da diese in den USA steuerbefreit sei. Es ging dem Sektengründer also bei alledem hauptsächlich ums Geld, wobei sein Drang nach okkulter Macht und politischem Einfluss jedoch nicht zu unterschätzen waren.

Wie weit er für seine Machtgier gehen würde, bewies Hubbard in den 1970ern mit der „Operation Snow White“, mit welcher die Regierung der USA unterwandert werden sollte. Es wurden Behörden infiltriert, Personen abgehört und Dokumente gestohlen. Ein zentrales Ziel war es dabei, unvorteilhafte Berichte über Scientology und Hubbard selbst zu verhindern.

Das FBI konnte die Operation glücklicherweise aufdecken, woraufhin 11 hochrangige Scientology-Mitglieder (darunter Hubbards Frau Mary Sue) vor Bundesgerichten verurteilt wurden. Die Anklage lautete auf Strafvereitelung, Einbruch in Regierungsgebäude sowie Diebstahl von Dokumenten und Regierungseigentum. Details gibt es unter folgender Quelle.
http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Snow_White

Hubbards Sekte versuchte weiterhin, die Regierungen anderer Länder zu infiltrieren. Meist erfolglos, wie in Deutschland. In Amerika schaffte Scientology erst nach dem Tod ihres Gründers den Sprung ins Weiße Haus. U.a. schreibt der Ex-Präsident Bill Clinton (Amtszeit 1993-2001) für die Scientology-Publikation „Freiheit“, während seine Frau und Ex-Außenministerin Hillary Tarnorganisationen der Sekte unterstützt. Inzwischen bestimmt Scientology sogar die US-Außenpolitik. Wenn Länder wie Frankreich oder Deutschland die Sekte bekämpfen oder gar mit einem Verbot drohen, schalten sich die betreffenden US-Botschaften ein und üben Druck aus.

Hubbard erlebte diese „Erfolge“ nicht mehr mit, legte aber mit seinem totalitären Gedankengut den Grundstein dafür. Zitat: „Das Ziel der Abteilung Regierungsfragen ist, die Regierung und feindliche Philosophien oder Gesellschaften in einen Zustand vollständiger Gefügigkeit mit den Zielen der Scientologen und Scientology zu bringen.“

LRH

Der politischen Einflussnahme nach außen stehen indes Unterdrückungsmethoden nach innen gegenüber. Zitat aus „Einführung in die Ethik“ (1967): „Es ist ein Schwerverbrechen sich öffentlich von Scientology abzukehren. Ebenfalls gilt als Verbrechen das berichten von Scientology oder Scientologen an zivile Behörden oder eine Androhung einer solchen Berichterstattung in der Bemühung, Scientology damit zu unterdrücken.“

In keinem Gesetzbuch der Welt steht, dass der Austritt aus einer autokratischen Sekte ein Schwerverbrechen sei. Im Gegenteil ist z.B. im deutschen Grundgesetz die Religionsfreiheit garantiert. Wer nicht mehr mitmachen will, der ist laut Gesetz frei, zu gehen. Und wer über die Hirnwäschemethoden einer Sekte berichten will, darf dies gemäß dem Recht auf Meinungsfreiheit ebenfalls.

Um Aussteiger und Kritiker dennoch zu überwachen und zu verfolgen, gründete L. Ron Hubbard diverse Nachrichtendienste, die aufeinander aufbauten. Angefangen beim Department of Government Affairs 1960 entstand über mehrere Zwischenschritte schließlich 1983 das Office of Special Affairs (OSA).

Quelle

Grund zur Kritik an Scientology gibt es derweil mehr als genug. Hubbards Ideologie kann zu recht als faschistisch bezeichnet werden und strotzt nur so vor sozialdarwinistischen Ausschweifungen und Menschenverachtung. Zitat: „Aus neuerer Zeit wird von Gomez, dem verstorbenen Diktator von Venezuela, berichtet, er habe als Ansteckungsherd der Lepra im Lande die Bettler erkannt. (…)

Gomez ließ den Bettlern ausrichten, sie würden in einen besonders fruchtbaren Teil Venezuelas gebracht, in dem sie eine eigene Kolonie erhalten würden; dann ließ er sie an einem Flussufer zusammenbringen und auf zwei große Flussschiffe laden. Die Flussschiffe fuhren in die Strommitte, die Mannschaft ruderte in kleinen Booten davon und die Schiffe explodierten mit großem Getöse. Das war das Ende der Lepra in Venezuela.

Ich erzähle Euch das nicht, um für die unverzügliche Schlachtung der „Boten der Angst“ zu sprechen; ich erzähle Euch nur eine historische Begebenheit. Die außerordentliche Ungeduld von Leuten, die in der Gesellschaft etwas zu Wege bringen wollen, wird sich schließlich auf diejenigen konzentrieren, die nicht arbeiten wollen. Und von Königen und Tyrannen sind solche Leute sehr oft beiseite geschafft worden. So gibt es also schon sehr alte Präzedenzfälle dafür, dass eine Gesellschaft sich säubert, indem sie die Nichtarbeitenden aus ihren Reihen entfernt.“

Hitler hätte es nicht besser ausdrücken können. Zwar schuf Hubbard eine gewisse Distanz, indem er darauf hinwies, dass er nur eine „historische Begebenheit“ erzähle, aber es ist klar, worauf er hinaus wollte. Wobei mit den Nichtarbeitenden nicht nur Alte, Schwache und Kranke gemeint sind, sondern alle, die nicht seinen Zielen dienen. Die Nazis nannten solche Menschen „Volksschädlinge“, bei Scientology heißen sie „Unterdrücker“.

Für die ideologische Säuberung der Welt hatte Hubbard ebenfalls eine Parole: „Clear Planet“. Es ist geradezu grotesk, dass sich Scientology gern als Opfer faschistischer Unterdrückung präsentiert, wo die Sekte doch selbst eine faschistische Ideologie vertritt und Menschen unterdrückt. Zu diesem Zwecke unterhält die Sekte ein eigenes Paramilitär – die Sea Org.

Mit der Gründung der Sea Org 1966 zog sich L. Ron Hubbard zugleich von der Leitung der Sekte zurück. Mit seiner Schiffsflotte bereiste er jahrelang den Atlantik und das Mittelmeer, während er immer mehr Geld anhäufte. Wie war das doch gleich mit den Nichtarbeitenden?

1975 kehrte Hubbard in die USA zurück, wo er sich kurzzeitig in Florida niederließ und schließlich nach Kalifornien zog. Seine Arbeit beschränkte er größtenteils auf das Schreiben und verfasste in den 1980ern zwei größere Science Fiction-Romane, von denen „Battlefield Earth“ im Jahr 2000 verfilmt wurde. Am 24. Januar 1986 starb L. Ron Hubbard schließlich auf seiner Ranch nahe Creston (Kalifornien) an einem Schlaganfall.

Sein unrühmliches Erbe ist eine totalitäre Sekte, die ganz offiziell nach der Weltherrschaft strebt. Die okkulten Symbole von Scientology verweisen dabei bis heute auf Hubbards okkulte Wurzeln beim freimaurerischen O.T.O., aufgrund derer man ihn zweifelsohne als Satanisten einordnen kann. Sein Sohn Ronald DeWolf (1934-1991), welcher der Sekte den Rücken gekehrt hatte, bekräftigte dies 1983 in einem Interview mit dem Magazin Penthouse. Darin sprach er über die schwarzmagischen Rituale in seinem Elternhaus und wie sein Vater bei seiner Mutter rituelle Abtreibungen mit einem Kleiderbügel durchführte.

Diese abscheulichen Details, welche aus einem Horrorfilm stammen könnten, halten einige Promis jedoch nicht davon an, Scientology nach wie vor zu propagieren. Darüber hinaus schlagen berühmte Hollywoodikonen wie John Travolta oder Tom Cruise die Brücke zu anderen Geheimgesellschaften. Nicht zu vergessen, welchen Einfluss solche Stars auf ihre Fans haben, was besonders gefährlich ist, da sich auf diese Weise sehr leicht die sozialdarwinistischen Ideen und faschistischen Tendenzen Hubbards verbreiten lassen. Man erinnere sich nur an die berüchtigte „Goebbelsrede“ von Tom Cruise. (Man beachte die Weltkugel im Hintergrund, die den Weltherrschaftsanspruch der Sekte unterstreicht.)

Quelle 1

Quelle 2

Ein Kommentar zu “Die größten Okkultisten: L. Ron Hubbard – Vom Science Fiction-Autor zum Sektengründer

  1. Hatte nie die Muße gehabt, im Detail nach Hubbard zu recherchieren. Jetzt kenne ich zumindest einige wichtige Eckdaten. Danke für eure Zusammenfassung.

    Mir hat kürzlich eine Bibliothekarin eine interessante Anekdote erzählt. Scientology veruscht insgeheim immer wieder Bücher von Hubbard als Buchspenden an Bibliotheken zu verschenken. Mit Taktiken wie diesen, möchte man die Präsenz seiner Werke in den verschiedensten Medienbereichen und bei offiziellen Institutionen vergrößern. Selbstverständlich wird dabei vermieden, offenkundig als Vertreter von Scientology aufzutreten, um nicht abzuschrecken, da die meisten seriösen Bibliotheken solche Buchspenden sofort ablehnen. Aus gutem Grund. Die Taktik hat sich in Bibliothekskreisen schon rumgesprochen. Sie versuchen es trotzdem nach einiger Zeit erneut.

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