Die größten Okkultisten: Hansruedi Giger – Die schwarze Kunst des Biomechanoiden

von Shinzon

Hans Rudolf Giger war ein Schweizer Künstler, der am 5. Februar 1940 in Chur (Schweiz) geboren wurde. Er wuchs in gut behüteten Verhältnissen auf und erweiterte seinen Spielplatz auf die Apotheke seines Vaters Hans Richard. Dennoch war er während seiner Kindheit sehr in sich gekehrt und schüchtern. Laut eigenen Angaben verängstigte ihn das andere Geschlecht und er mied die Spiele seiner Alterskameraden in der Schule.

Während seiner Zeit am Gymnasium entdeckte er die Zeitschrift „Panderma“ des Basler Verlegers und Sammlers Carl Laszlo. Dem ungarischen Auschwitz-Überlebenden war es zu verdanken, dass Hansruedis Interesse an der Kunst geweckt wurde und er folgte gerne dessen Einladung nach Basel. Das Menschenbild Laszlos war allerdings recht trostlos, wie dessen Artikel „Nichts ist der Mensch“ verdeutlichte. Gigers eigene Haltung gegenüber dem Leben wurde zudem von einer Selbstmordwelle geprägt, welche in seinem 20. Lebensjahr über Chur hereinbrach und auch einige Bekannte von ihm erfasste.

Seine katholische Erziehung war hingegen nicht sehr streng und erzeugte daher auch keine grundsätzliche Abneigung gegen die christliche Religion. Viel mehr integrierte er den gotischen Stil der Kirchen später in seine Kunst und träumte schon früh davon, Architekt zu werden. Nach dem Abschluss des Gymnasiums sollte er dann ab 1962 tatsächlich Architektur und Industriedesign an der Hochschule für angewandte Kunst in Zürich studieren.

Selbstportrait

Selbstportrait

Während Gigers Studium entstanden seine ersten Tuschezeichnungen, die in Untergrundmagazinen wie „Hotcha!“, „Clou“ und „Agitation“ veröffentlicht wurden. 1966 schloss er sein Studium erfolgreich ab und etablierte sich als Innenarchitekt. Die Arbeit als Designer an einem Büromöbelprogramm der Firma Knoll-International brachte ihm schließlich erste Lorbeeren ein, was ihm einige Türen öffnen sollte.

Neben seiner Arbeit als Innenarchitekt lebte er weiter sein künstlerisches Hobby aus. Es entstanden düstere Werke wie „Astreunuchen“, „Koffer-Baby“ und „Gebärmaschine“. Bei letzterem Gemälde, welches Kinder als Kugeln in einer Pistole zeigt, war ihm gewiss ein weiteres Hobby aus seiner Jugendzeit hilfreich. Damals sammelte er Handfeuerwaffen, deren Mechanik er gründlich erforschte.

Gebärmaschine

Gebärmaschine

Nach einigen Ausstellungen, darunter in Zürich, wurde Giger ausreichend bekannt, um als Künstler kommerziell erfolgreich zu sein. Bereits ab 1968 war er ausschließlich als Künstler und Filmemacher tätig. Dabei bezog er zunehmend sexualisierte Darstellungen in seine Werke ein. Auf einer provokativen Plakatgestaltung für die die Band Floh de Cologne aus dem Jahr 1974 erkennt man z.B. erst bei näherem Hinsehen, dass die Spitze des Schlagstocks ein erigierter Phallus ist.

Giger Plakat - Floh the Cologne

Privat war Giger zu dieser Zeit mit der Schauspielerin Lil Tobler zusammen, welche 1975 Selbstmord beging. Die genauen Gründe für ihren Suizid sind nicht bekannt, jedoch könnte man spekulieren, dass sie zu lange Hansruedis düsterem, lebensverneinendem Einfluss ausgesetzt war. In der Tat kann sein Wirken im Großen und Ganzen als finster und obszön bezeichnet werden.

Vier Jahre nach Lils Suizid heiratete er Mia Bonzanigo, welche ihn zu seiner Bildserie „Erotomechanics“ inspirierte. Allerdings hielt es auch Mia nicht lange mit dem Okkultisten aus und so trennte sie sich bereits nach nur eineinhalb Jahren wieder von ihm.

Das Jahr 1979 hatte aber auch seine positiven Seiten für Giger. So entstand für Ridley Scotts Film „Alien“ eine seiner wenigen wirklich faszinierenden Arbeiten, welche ihm sowohl Kultstatus als auch einen Oscar verschaffte. Sie umfasste sowohl den Xenomorph als auch das fremde Raumschiff, welches auf dem leblosen Mond LV-426 abgestürzt war. 1992 entwarf er noch einmal einen Xenomorph für „Alien 3“ und 1995 die Außerirdische Sil sowie einen Albtraumzug für „Species“.

Alien Artwork_1

Alien Artwork_2

Weiterhin vertiefte sich Giger in seine Biomechanoiden, womit er einen surrealistischen Beitrag zur Cyborg-Agenda lieferte.

Biomechanoid

Zwischenzeitlich betätigte sich Hansruedi auch wieder als Möbeldesigner. Nach einer Ausstellung 1987 in Japan entstand auf Basis seiner Konzepte eine Giger Bar in Tokio. Zwar hatte er über Pläne für eine solche Bar diskutiert, doch wurde sie letztendlich ohne seine Einwilligung gebaut. Später übernahm mit der Yakuza das organisierte Verbrechen die Kontrolle über die Bar, welche nach einem Mordfall geschlossen wurde. Mit all dem hatte Giger jedoch nichts zu tun, dessen originale Möbel seit 1991 in einer autorisierten Giger Bar in Chur zu bewundern sind.

Gigerbar

Während H.R. Giger mit der Yakuza nix am Hut hatte, traf er sich 1993 mit Steve Bonge im Hell’s Angels Club in New York.

H.R. Giger & Steve Bonge

H.R. Giger & Steve Bonge

Diese Berührung mit dem organisierten Verbrechen war jedoch bei weitem nicht seine einzige fragwürdige Bekanntschaft. Zu Hansruedis Freunden zählte u.a. der Psychologe Timothy Francis Leary (1920-1996), welcher den freien Zugang zu psychedelischen Drogen wie LSD und Meskalin propagierte.

Angesicht seines freundschaftlichen Umfeldes sowie seiner finsteren Werke bleibt am Ende noch die Frage, in welcher Verbindung Giger zu Geheimgesellschaften stand? Ein Bild aus seinem bei Taschen erschienen Buch könnte Aufschluss darüber geben. Es zeigt ihn mit Chris Stein und Jello Biafra in Steins Wohnung. An der Wand sind sehr deutlich zwei Freimaurerschürzen zu erkennen.

Chris Stein, Jello Biafra , H.R. Giger

Chris Stein, Jello Biafra , H.R. Giger

Daraus kann abgeleitet werden, dass Hansruedi definitiv Freunde in der Freimaurerei hat. Er selbst gab jedoch in einem Interview an, keiner Loge anzugehören, wie folgender Auszug belegt.

Giger: „Ich zeichne das, wovor ich Angst habe. Und zeichnen darf man doch alles, oder? Ich bin weder in einer Loge noch habe ich an Ritualen teilgenommen.“

Reporter: „Aber für Satanisten sind Sie ein Idol.“

Giger: „Ja, ja. Aber die meisten Bilder in dieser Richtung sind schon alt. Es ist eine Weile her, dass ich mich für Satanismus interessiert habe. Es gab natürlich verrückte Leute, die mich hier belagert haben.“

Reporter: „Sie sind also gar kein Teufelsanbeter?“

Giger: „Nein, um Gottes willen. Da können Sie alle fragen, die mich kennen. Sogar die Nachbarn mögen mich.“

Reporter: „Aber betreiben Sie nicht eine Selbststilisierung in diese Richtung? Sie tragen immer Schwarz…“

Giger: „Wenn ich mit Tusche arbeite, ist das die beste Kleidung.“

Reporter: „Und alle Wände in Schwarz…“

Giger: „Ich finde, meine Bilder wirken einfach besser auf Schwarz.“

Reporter: „Woran glauben Sie überhaupt?“

Giger: „An die Zahlenmystik.“

Halten wir also fest: Nach eigenen Angaben gehörte H.R. Giger keiner Freimaurerloge an. Allerdings stellt sich die Frage, wie sein „Emblem für eine Geheimgesellschaft“ mit überdeutlicher Pyramidenhandgeste zu deuten ist?

„Emblem für eine Geheimgesellschaft"

„Emblem für eine Geheimgesellschaft“

Des Weiteren behauptete Giger, kein Satanist zu sein, interessierte sich aber sehr wohl für Satanismus und gestaltete 1988 Schuber für eine zehnbändige Ausgabe von Werken Aleister Crowleys. Ein Bezug zum Satanismus lässt sich auch in anderen seiner Werke nicht leugnen. Darunter ein Baphomet, dessen Fackel ins Genial einer Frau fährt. Das ganze Arrangement wird durch Schlangen sowie zwei Pentagramme ergänzt, welche nach oben und unten zeigen und damit sowohl das Prinzip „Wie im Himmel, so auf Erden“ als auch die luziferisch-satanische Dualität darstellen.

Baphomet Pentagramme

Weiterhin brachte er 1993 ein „Tarot der Unterwelt“ heraus, von welchem ebenfalls der Baphomet grüßt.

Giger Tarot

Neben dieser Affinität zum Satanismus, die laut Gigers eigener Aussage nur eine Phase ohne tiefere Bedeutung gewesen sein soll, gab er allerdings offen zu, ein Anhänger der Kabbalah zu sein. Damit entlarvte er sich am Ende doch noch als Okkultist. Es wäre ohnehin unglaubwürdig, wenn er behauptet hätte, alles Okkulte sei ihm fremd. Es gibt einige Werke von ihm, die eindeutige Illuminatensymbole zeigen. Allen voran die Pyramide mit dem allsehenden Auge.

Allsehende Pyramide_2

Allsehende Pyramide_3

Sein Vorschlag, in der Schweiz ein Netz aus 5 Pyramiden von Sklavenarbeitern erbauen und mit Tunneln in Form eines Pentagramms verbinden zu lassen, wirft zudem Fragen über seinen geistigen Zustand auf.

MINOLTA DIGITAL CAMERA

Hansruedi Gigers Leben endete am 12. Mai 2014. Er starb infolge eines Sturzes in einem Züricher Krankenhaus. Obgleich er trotz alledem nicht zum harten Kern um Aleister Crowley und Anton Szandor LaVey gezählt werden kann und wohl auch nicht wollte, war H.R. Giger dennoch einer der einflussreichen okkulten Künstler des letzten Jahrhunderts. Eine gewisse Absicht musste er sich dabei durchaus unterstellen lassen, denn solch finstere Werke mit expliziter Symbolik erschafft niemand einfach so aus einer Laune heraus.

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