Transformers 4 – Ära des Untergangs

von Shinzon

Nach der großen Invasion im dritten Teil der Transformers-Reihe schien diese eigentlich abgeschlossen zu sein. In gewisser Weise ist sie das auch, denn keiner der vertrauten Schauspieler ist im vierten Teil dabei. Selbst von den Autobots bleiben den Fans nur noch Optimus Prime und Bumblebee. Ansonsten ist alles anders … und doch irgendwie gleich. Denn Michael Bay führte wieder Regie, was viel Action und Krachbumm bedeutet.

Und natürlich Schleichwerbung.

Und natürlich Schleichwerbung.

Immerhin tritt diesmal das Militär etwas in den Hintergrund, welches die ersten drei Teile mit reichlich (Propaganda-)Material versorgte. An Stelle der US-Army rückt diesmal die CIA ins Zentrum der Handlung, kommt allerdings weit weniger gut davon. Denn statt die Welt von verbliebenen Decepticons zu säubern, lässt der US-Geheimdienst befreundete Autobots von Black Ops Kommandos abschlachten bzw. ausschlachten. Ziel ist dabei die Sicherung der technologischen Überlegenheit der USA. Undank ist dieser Welt Lohn.

Die menschen- und alienverachtende Rücksichtslosigkeit bekommt alsbald auch Cade Yeager (Mark Wahlberg) zu spüren. Als Erfinder ist er ständig auf der Suche nach Material für seine Basteleien. Dabei gerät er an einen alten Truck, den er wieder auf Vordermann bringen will. Wie es der Zufall will, handelt es sich bei dem zerschossenen Gefährt um Optimus Prime, der durch die Starthilfe zu neuem Leben erwacht. Das Ganze spielt sich in einer Scheune ab, an der ein gigantisches Pentagramm prangt. Neben Schrott scheint Cade auch okkulte Symbole auf seiner Ranch zu horten, deren Miete er kaum zahlen kann.

Pentagrammscheune

Kaum ist Optimus erwacht, bekommt Cades Kumpel und Geschäftspartner Lucas Flannery (J.T. Miller) Panik. Kein Wunder, denn Optimus schlägt ihn erst mal aus Versehen k.o., entschuldigt sich aber. Dennoch entschließt sich Lucas, die Notfallhotline für Aliensichtungen anzurufen, wobei er auf das leere Versprechen einer Belohnung in Höhe von 100.000 Dollar hereinfällt. Zwar geht die Regierung inzwischen offen mit der Existenz von Außerirdischen um, statt diese wie nach dem ersten Zwischenfall zu vertuschen. Das bedeutet allerdings nicht, dass die CIA bei ihren schmutzigen Aktionen Zeugen braucht.

Alien Hotline

Die Black Ops Truppe von Harold Attinger (Kelsey Grammer) besetzt unter der Führung von James Savoy (Titus Welliver) die Ranch von Cade Yeager und verlangt die Herausgabe von Optimus. Als sie den Autobot nicht finden können und Cade seinen Standort nicht nennen kann, droht Savoy kurzerhand, dessen Tochter Tessa (Nicola Peltz) zu erschießen.

An dieser Stelle wird offensichtlich, dass die CIA sich alles herausnehmen kann. Es beginnt mit Landfriedensbruch und endet mit einer Morddrohung. Das entspricht bereits heute der Realität, wobei die Black Ops Kommandos vor allem im Ausland tätig sind und dort unbequeme Regierungen beseitigen und Menschen ermorden. Das Vorgehen gegen die eigene Bevölkerung ist dank dem Patriot Act ebenfalls nichts Neues mehr, aber dennoch offenbart „Transformers 4“ ein ungewohnt brutales Vorgehen. Offensichtlich dient die zurückliegende Invasion als Rechtfertigung für den Einsatz von Todesschwadronen gegen aufmüpfige Bürger.

Selbstverständlich verhilft Optimus seinen Rettern sowie dem Verräter Lucas zur Flucht. Zusätzliche Hilfe erhalten sie von Tessas Freund Shane Dyson (Jack Reynor), der die drei mit seinem Auto abholt. Als Profirennfahrer meistert er die anschließende Verfolgungsjagd mit Bravour, kann Tessas Vater aber dennoch nicht überzeugen, die Beziehung zu dessen Tochter zu akzeptieren. Überhaupt ist Cade ein fürchterlicher Vater, der Tessa ständig gängelt und der 17-Jährigen jeden Kontakt zum männlichen Geschlecht untersagt. Dabei ist er nicht mal ein evangelikaler Fundamentalist.

Verfolgt werden die Vier indes nicht nur von dem Killerkommando der CIA, sondern auch von deren außerirdischen Verbündeten Lockdown. Dessen Mannschaft stellt, neben den Autobots und Decepticons, eine dritte Fraktion der Transformers dar. Während die Autobots blaue und die Decepticons dämonisch rote Augen haben, sind jene von Lockdowns Truppe zur besseren Unterscheidung grün.

Die dritte Transformers-Fraktion ist überdies in Besitz einer grässlichen Waffe, mit welcher die Schöpfer der Transformers bereits vor 65. Mio. Jahren die Dinosaurier ausgerottet haben. Die so genannte Saat verwandelt normale Materie in Transformium – ein Erz, aus welchem die formwandelnden Blechmänner bestehen. Warum deren Schöpfer zu diesem Zwecke die Dinos gekillt haben, bleibt allerdings fraglich. Die ganze Aktion ist ziemlich sinnlos, da sie auch die Materie eines toten Planeten hätten umwandeln können. Die Waffe auf Lucas abzufeuern macht da schon mehr Sinn. Immerhin ist er ein nerviger, überflüssiger Charakter, der sich dieses Ende selbst zuzuschreiben hat.

Das prähistorische Transformium, welches zu Beginn des Films in der Arktis entdeckt wird, nimmt derweil einen anderen Weg. Und zwar direkt zum Rüstungskonzern KSI, den Cade und die Autobots nach der geglückten Flucht infiltrieren. Das Logo des Konzerns ist übrigens eine Sonnenscheibe.

KSI Logo

Beim Einbruch ist ihnen eine erbeutete Minimilitärdrohne behilflich, welche stark an jene aus dem Egoshooter „Half Life 2“ erinnert. Warum die CIA die erbeutete Drohne und damit die Flüchtigen nicht orten konnte, sollte man allerdings lieber nicht hinterfragen. Das ist nur einer von vielen Filmfehlern.

Der größte Fehler ist jedoch, dass die KSI die Transformertechnologie verbessert und sich dabei auch der Decepticonwracks bedient. Es wird ziemlich schnell klar, dass diese Technologie sich gegen ihre Schöpfer wenden wird und so verlieren die KSI-Techniker bereits beim ersten Einsatz die Kontrolle über ihr Galvatron-Modell. In diesen hat sich nämlich Megatrons Bewusstsein herunter geladen, als dessen Kopf ausgeschlachtet wurde. Galvatron ist mit anderen Worten die Reinkarnation von Megatron.

Wirklich innovativ ist die Idee einer solchen Maschinenrebellion nicht. Zum einen gab es da schon die „Terminator“- und „Matrix“-Filme. Auf Nanotechnologie basierende Roboter, die sich gegen die Menschheit stellen, scheinen indes Hollywoods Thema des Jahres 2014 zu sein. Dem neuen „Transformers“-Streifen gingen bereits „Transcendence“ und „X-Men: Zukunft ist Vergangenheit“ voraus. Will uns die Filmindustrie mit solchen Werken auf die kommende Nanotechnologie einstimmen? Wenn das Ergebnis ähnlich wie in diesen Filmen aussehen wird, sollten die Entwickler lieber die Finger davon lassen.

Für die KSI ist es jedenfalls zu spät. Sie haben Megatron nicht nur wieder belebt, sondern ihm gleich noch ein Upgrade verpasst. Er kann sich nun nach Belieben zusammensetzen, wodurch er für konventionelle Waffen nahezu unverwundbar wird. Doch noch ahnt der KSI-Chef und Milliardär Joshua Joyce (Stanley Tucci) nichts von der drohenden Gefahr. Nachdem die Autobots seine Firmenzentrale in Chicago überrannt haben, setzt er sich nach China ab, wo die Produktion offenbar weitaus günstiger fortgesetzt wird. (In der Realität kommen von dort auch die Actionfiguren zum Film her.)

Die Autobots schlagen sich indes noch mit Lockdown herum, der Optimus auf seinem Raumschiff gefangen genommen hat. Durch einen unglücklichen Zufall wurde auch das Auto mit an Bord gehoben, in welchem sich Cades Tochter Tessa während der Schlacht mit Galvatron auf der Autobahn verkrochen hatte. Daher gehen auch Cade und Shane mit an Bord. Zusammen mit den Autobots befreien sie die beiden Gefangenen und fliehen mit einem kleineren Beiboot, auf welchen sich auch Lockdowns Trophäen befinden. Diese werden später noch eine tragende Rolle spielen.

In Hong Kong bekommt Joshua Joyce erst einmal einen Anruf von Cade, der ihm von Erfinder zu Erfinder über Megatron aufklärt. Sowohl Megatron als auch Lockdown und dessen CIA-Verbündete wollen die Saat zünden, was einem Atomschlag gleichkommen würde. Joyce hatte zwar ähnliche Pläne, wollte diese jedoch in einem unbewohnten Abschnitt der Wüste Gobi umsetzen, um so das begehrte Transformium zu produzieren. Als er jedoch von der Absicht der Bösewichte erfährt, die Waffe in der Millionenstadt Hong Kong zu zünden, wechselt er schließlich die Seiten und versucht, die Saat aus der Stadt zu bringen.

Interessant ist an dieser Stelle, dass die CIA in der Realität tatsächlich in Hong Kong aktiv ist, um die Spaltung Chinas voranzutreiben. Verbindet man dies nun mit der Botschaft des Films, in dem die CIA einen quasi thermonuklearen Anschlag auf diese Metropole plant, sollte sich das Reich der Mitte wohl in Acht nehmen. Immerhin bereitet die US-geführte NATO derzeit einen Krieg gegen Russland und China vor und da hinterlassen Filme, die China als Kriegsschauplatz zeigen, einen bitteren Nachgeschmack.

Zumindest Hong Kong wird in „Transformers 4“ tatsächlich zum Schlachtfeld, als Autobots, Decepticons und Lockdowns dritte Fraktion aufeinander losgehen. Direkt unbedeutend wirkt daneben der zweite Showdown zwischen Cade Yeagers Familie und der CIA. Letztere will die unbequemen Zeugen immer noch aus dem Weg räumen, wobei Cade den sadistischen James Savoy verdienterweise dem Jenseits überantwortet. Der Hong Konger Fenstersturz ist einer der Höhepunkte des Films, in welchem offensichtlich jeder miese Bastard das bekommt, was er verdient.

Während die Menschen das Töten in Notwehr durchweg ernst nehmen, sieht die Sache bei den Autobots etwas anders aus. Diese rocken die ganze Zeit über platte Sprüche, über deren Niveau gerade eine Kellerwohnung frei geworden ist. Jedem Kind wären bessere Sprüche eingefallen als „Ich werde dich töten!“ Die Drehbuchautoren sollten sich was schämen.

Doch stattdessen geben sie noch einen drauf, indem sie Optimus die Trophäen von Lockdown befreien lassen. Nachdem diese sich vom Anführer der Autobots überzeugen lassen haben, gegen ihre Peiniger in die Schlacht zu ziehen, nehmen sie die Form von Dinosauriern an. Soll damit der Bogen zurück zum Beginn des Films gespannt werden? Es scheint eher so, als würde der Bogen damit überspannt.

Zumal der T-Rex, den Optimus reitet, Teufelshörner hat. Dies entspricht in keiner Weise dem biologischen Original. Da stellt sich die Frage, ob hier eine Verbindung zwischen außerirdischen Reptiloiden und Satan gezogen werden soll? Man denke in diesem Zusammenhang nur an Shockwave aus Teil 3, der ebenfalls mit Teufelshörnern und allsehendem Auge daher kam. Es geht offensichtlich einfach nicht ohne satanistische Anspielungen.

Transformersaurus Rex

transformers_3_shockwave-wide

Das Ende ist wenig überraschend. Es gibt eine gigantische Materialschlacht, wie man sie von Michael Bay gewohnt ist. Hong Kong wird stark in Mitleidenschaft gezogen, die Metalldinos fressen die von KSI produzierten Decepticons und auch Lockdown wird besiegt. Die Saat geht nicht auf und wird von den Autobots eingesammelt, da die Menschen offensichtlich noch nicht bereit für diese Technologie sind.

Der Weg für die Fortsetzung wird ebenfalls geebnet, da Megatron alias Galvatron das Gemetzel überlebt und Optimus Prime in die Tiefen des Alls aufbricht, um die Schöpfer der Transformers zu suchen. Auf Megatrons Überleben hätte man eigentlich verzichten können, da dieser Gegner inzwischen absolut ausgereizt ist. Die Handlung um die Schöpfer scheint dagegen viel spannender und könnte Teil 5 mit Sicherheit allein ausfüllen.

Fazit: „Transformers: Ära des Untergangs“ bietet die gewohnte Kost der ersten drei Teile – viel Action und wenig Hirn. Immerhin tut der neue Cast dem Film durchaus gut. Ohne den spätpubertären Sam Witwicky (Shia LaBeouf) und den gezwungen komischen Seymour Simmons (John Turturro) wirkt der vierte Teil wesentlich erwachsener. Die gigantischen Logiklücken macht das natürlich nicht wett, aber mal ehrlich: Wer von diesem Film etwas anderes erwartet hat, ist selbst schuld.

Bleibt am Ende noch die Frage nach dem Titel. „Ära des Untergangs“ hätte eher zur Invasion in Teil 3 gepasst. Von einem drohenden Weltuntergang ist die Erde in diesem Film Lichtjahre weit entfernt. Oder bezog sich der Titel vielleicht auf die Dinosaurier von 65 Mio. Jahren? Entweder das oder das Pentagon hat hier einen Hinweis auf den kommenden 3. Weltkrieg gegen China versteckt.

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