B88 – Die braunste Bundesstraße Deutschlands

Advertisements

Die Identitäre Bewegung – Dürfen wir morgen noch Südfrüchte essen?

von Shinzon

Immer wieder wird Europa von Neofaschisten geplagt. Die Goldene Morgenröte macht in Griechenland Jagd auf Flüchtlinge, die ungarische Jobbik tyrannisiert Roma und die Swoboda hetzt ihre Todesschwadronen auf alle Russen, Kommunisten und Juden in der Ukraine. Gefährlich ist vor allem, dass letztere zwei auch starken politischen Einfluss ausüben. Die Jobbik dient dem ungarischen Orban-Regime als Steigbügelhalter und die Swoboda ist sogar direkt an der Regierung der Ukraine beteiligt.

In Deutschland sieht die Lage dagegen scheinbar etwas entspannter aus. Die NPD ist, mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, aus allen größeren Parlamenten verdrängt und wird mit zunehmender Radikalisierung als Gefahr wahrgenommen. Ebenso haben die nächtlichen Spontanfackelmärsche der so genannten „Unsterblichen“ bei der Bevölkerungsmehrheit eher Gruselgefühle als Sympathien erzeugt. Dennoch ist die NPD im ländlichen Raum immer noch sehr stark und in zahlreichen Gemeinde- sowie Stadträten vertreten. Zudem ist ihr Nichteinzug in die ostdeutschen Landtage keineswegs ein Zeichen für einen Rückgang rassistischer Ressentiments, sondern geht vor allem auf das Konto der rechtspopulistischen AfD.

Die AfD bietet rassistische, islamfeindliche sowie homophobe Standpunkte in einer abgeschwächten Form und besetzt darüber hinaus auch andere Themen wie Kritik am Finanzystem. Damit hat sie beim rechten Wählerklientel größeren Zuspruch, denn bestimmte Bevölkerungsschichten fordern zwar einfache Lösungen, lehnen jedoch Gewalt ab. Man will die „Asylanten“ zwar loswerden, aber nicht gleich umbringen. Rechtspopulisten in Nadelstreifen machen zudem einen seriöseren Eindruck als Nazis in Bomberjacken.

Die AfD ist mit ihrem Auftreten dem französischen Front National nicht unähnlich. Es verwundert daher nicht weiter, dass einige AfD-Politiker wie der Thüringer Landtagsabgeordnete Björn Höcke mit einer weiteren rechten Gruppierung sympathisieren, die in Frankreich ihren Ursprung hat. Die Rede ist von der Identitären Bewegung, welche sich als völkische Graswurzelbewegung verkauft. Höcke geht mit seiner Sympathie für diese neue Rechte sogar so weit, dass er die AfD in dem rechtsnationalen Blatt Die Blaue Narzisse eine „identitäre Kraft“ nennt.

Die Themen der Identitären Bewegung sowie der AfD sind altbekannt und finden sich auch bei der NPD wieder. Vom „Verlust der eigenen Identität“ ist die Rede und natürlich werden die Gespenster von der Islamisierung Europas sowie der Zerstörung der Familie bemüht. Doch welche Identität wird hier eigentlich bedroht? Die des christlichen Abendlandes? Das Christentum kommt aus derselben Ecke wie der Islam und hat die ursprünglichen gallischen und germanischen Identitäten längst verdrängt! Zudem waren Frankreich, Deutschland und der Rest Europas schon immer fremden Einflüssen ausgesetzt. Angefangen bei den Römern und den Osmanen und selbstverständlich haben sich die Länder auch untereinander beeinflusst.

Unsere heutige Identität ist bereits multikulturell. Namen wie Gysi und Lafontaine zeugen z.B. noch heute von der Hugenottenimmigration. Der Straßenbau wurde von den Römern eingeführt und das Wort Straße stammt folgerichtig aus dem Latein. Selbst unsere Speisekarten sind multikulturell. Pizza kommt aus Italien, Nudeln aus China und selbst unsere urdeutschen Kartoffeln stammen tatsächlich aus Amerika. Wer fremde Einflüsse fürchtet, sollte außerdem dringend Bananen, Paprika, Pfeffer und andere Gewürze, Kaffee sowie Schokolade meiden.

Unsere Supermarktregale sind wahrhaftig überfremdet! Doch wen juckt das eigentlich? Offenbar nicht einmal die Identitären. Denen geht es nur um fremde Menschen. Natürlich sehen sie sich dabei jedoch keineswegs als Rassisten, sie sind laut eigenen Aussagen halt nur gegen Multikulti. Schon klar. Das Etikett „0% rassistisch, 100% identitär“ ist etwa so sinnfrei wie „0% homophob, 100% Jürgen Elsässers Meinung“.

Doch woher nehmen die Neurechten eigentlich ihren Fremdenhass? Gerade in Thüringen, wo Björn Höcke gegen Ausländer mobil macht, beträgt deren Anteil gerade einmal 1,8 %. Im Vergleich dazu ist der Anteil an Südfrüchten an jeder beliebigen Obsttheke größer.

Das Weltbild der Neurechten ist vollkommen irrational und ihre Bewegung lebt allein von der Angst vor allem Fremden. Doch was ist eigentlich fremd? Bereits in einer kleinen Stadt sind sich die meisten Menschen untereinander fremd, selbst wenn zu 99% alle deutsch sind. Die meisten werden sich auch immer fremd bleiben. Zum einen, weil es schwer fällt, innerhalb eines Lebens zehntausende oder gar Millionen Menschen kennen zu lernen. Deshalb sind rechte Gedanken wohl auch vor allem im ländlichen Raum präsent, weil in kleinen Dörfern jeder jeden kennt.

Zum anderen will gewiss auch nicht jeder jeden kennen lernen. Dazu sind die Menschen viel zu unterschiedlich, denn wir alle haben unsere persönliche Identität. Und da wären wir auch schon bei der unnatürlichen nationalen Identität. Diese ist schon allein deswegen schwachsinnig, weil jedes Land bereits in sich multikulturell ist. In Deutschland gibt es dutzende Dialekte, regionale Traditionen, kulturelle Unterschiede und ethnische Minderheiten wie Friesen und Sorben.

Die Forderung der Identitären, alles Multikulturelle aus Deutschland (bzw. Frankreich usw.) zu entfernen, ist also ein Angriff auf unsere Lebensweise! Das letzte Mal, dass in Deutschland alle Menschen kulturell gleichgeschaltet wurden, war im 3. Reich. Dabei hatte die Monokultur der Nazis selbst eher wenig mit deutschen Traditionen gemeinsam.

Der Faschismus wurde aus Mussolinis Italien importiert, wobei das Wort vom Lateinischen Fasci (dem Rutenbündel) abgeleitet ist. Ein Großteil der Symbolik des 3. Reiches, wie z.B. der Reichsadler und einige Aspekte der Architektur, waren ebenfalls bei den alten Römern abgeschaut. Der esoterisch-okkulte Hokuspokus wurde indes vor allem aus Indien und Tibet entlehnt. Das Einzige, was überhaupt von den alten Germanen übernommen wurde, waren die Runen und Sonnenwendfeiern.

In gewisser Weise waren also auch die Nazis multikulturell, wobei sie jedoch erheblichen Missbrauch mit fremden Kulturen betrieben und aus diesem verfremdeten Gemisch ihr abartiges Weltbild zusammenrührten. Die Identitäre Bewegung setzt diese Tradition ungebremst fort. Sie geben zwar vor, eine deutsche Monokultur schützen zu wollen, die es überhaupt nicht gibt, aber ihr Weltbild ist einmal mehr von fremden Einflüssen durchsetzt.

Ein Beispiel gefällig? Die Identitären treten überall mit selbst gebastelten Pappschilden auf, welche den griechischen Buchstaben Lambda tragen. Damit spielen sie auf die Spartaner an, welche fremde Einflüsse mit Gewalt bekämpften und so angeblich ihre Identität beschützten. Doch sollte man sich an den Spartanern ein Beispiel nehmen? Zum einen läuft dies dem Zweck der Identitären Bewegung zuwider. Denn wenn sich fremdenfeindliche Franzosen und Deutsche auf einen griechischen Volksstamm berufen, öffnen sie sich damit gerade den fremden Einflüssen, vor denen sie sich angeblich schützen wollen.

Zum anderen waren die Spartaner ziemlich grausam und selbst gegenüber ihrem eigenen Volk äußerst barbarisch. Schwächliche und kränkliche Neugeborene bekamen überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, sondern wurden außerhalb der Siedlungen ausgesetzt und dem Tod überlassen. Das sind ausgerechnet die Traditionen, auf die zivilisierte Menschen tatsächlich verzichten sollten. Sich anderen Kulturen zu öffnen, heißt nämlich nicht, diese unkritisch zu übernehmen.

Diese Grenzen ziehen die Neurechten aber gar nicht erst. Statt z.B. den Islamismus, der gerade im Norden von Syrien und dem Irak wütet, als Problem zu benennen, wollen die Identitären den Islam als Ganzes aus Europa verbannen. Wie die Spartaner kippen sie das Kind gleich mit dem Bade aus. Entsprechend tönt es: „Das ist kein Manifest, sondern eine Kriegserklärung!“ Krieg? Etwa so wie in der Ukraine?

Differenziertes Denken sucht man bei den Neurechten jedenfalls vergeblich. Ebenso wie ein Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie. Für den Islam müssen Länder, in denen die Religionsfreiheit gesetzlich garantiert ist, selbstverständlich offen sein. Dies gilt natürlich nicht für Schariapolizisten und islamistische Terrorkämpfer, da diese wiederum selbst eine Gefahr für die Religionsfreiheit darstellen. Wir müssen weder alles willkommen heißen, noch alles bekämpfen. Wir müssen einfach nur lernen, zu unterscheiden.

Genau das machen die Identitären aber nicht. Im Gegenteil, sie bekämpfen harmlose Moslems und andere Migranten, während sie kindermordende Spartaner glorifizieren. Damit unterscheiden sie sich weit weniger von radikalen Islamisten, als ihnen selbst bewusst ist. Wie dumm kann man nur sein?

Bei näherer Betrachtung gewinnt man ohnehin den Eindruck, dass die Identitären sich nicht wirklich für die historischen Spartaner interessieren, sondern einfach nur zu oft den Film „300“ gesehen haben. Ein Hollywoodkracher übrigens, der faschistische Denkweisen fördert und dabei nur so vor freimaurerischer Symbolik strotzt. Da freut sich der Baphomet.

Szene aus "300"

Szene aus „300“

Und damit wären wir dann auch schon beim Kernpunkt der Identitären Bewegung. Zwar gibt sich diese als Graswurzelbewegung aus und tatsächlich wurden wohl einige Gruppen von Trittbrettfahrern gegründet. Doch wie konnte sich die Bewegung so schnell organisieren und woher nimmt sie die finanziellen Mittel für ihre professionellen Propagandamaterialien?

Wie eingangs erwähnt genießen sie bereits die Unterstützung von wohlhabenden Politikern aus dem französischen Front National und der deutschen AfD. Die Identitären sind also keineswegs eine unabhängige Bewegung aus der Bevölkerung heraus, sondern werden zentral gesteuert und finanziert. Passend dazu finden sich bei ihnen, wie bereits bei der AfD, die typischen Freimaurersymbole. Das Lambda mag zwar ein griechischer Buchstabe sein, aber es ist gleichzeitig auch ein freimaurerischer Winkel.

Lambda

Hinzu kommt eine immer wiederkehrende Sonnensymbolik, welche mit dem Lambda gekoppelt wird. Dabei nimmt der griechische Buchstabe neben der Funktion als Winkel zusätzlich die Funktion einer Pyramide ein, über der die Sonne aufgeht. Deutlicher kann man eigentlich nicht werden.

Identitäre Sonne

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Falle der Identitären Bewegung wieder einmal elitäre Kreise versuchen, die Menschen gegeneinander auszuspielen. Teile und herrsche! Dabei sollten die Menschen statt Angst vor Überfremdung eher Angst vor der nächsten Rezession haben. Der Feind kommt nicht von außen, sondern sitzt in den Finanzzentren dieser Welt.

Die nationalen Identitäten wurden uns indes von oben aufgezwungen, um uns auseinander zu dividieren. Ganz so, wie man in einem Strategiespiel den Computerfiguren verschiedene Farben gibt, um sie dann gegeneinander kämpfen zu lassen. Die Neurechten haben vor lauter kollektivem Nationalgeist ihre persönliche Identität als Mensch vergessen. Wir sind alle einzigartige Individuen und ein Afrikaner oder Asiat kann einem Europäer weit weniger fremd sein, als ein anderer Europäer. Was wir als fremd wahrnehmen, hängt nämlich allein von den persönlichen Interessen und Gefühlen ab. In diesem Sinne sind wir froh, dass uns das rassistische Weltbild der Identitären völlig fremd ist!

Jürgen Elsässer – Vom Marxisten zum Nationalkonservativen

von Shinzon

Der Journalist und politische Aktivist Jürgen Elsässer wurde am 20. Januar 1957 in Pforzheim geboren. Nach seinem Studium war er 14 Jahre lang im Schuldienst von Baden-Württemberg tätig und unterrichtete dabei auch eine Klasse, die hauptsächlich aus jugoslawischen Immigrantenkindern bestand. Damals stellte das für ihn noch kein Problem dar, denn politisch war er in seinen jungen Jahren ganz weit links verortet.

Von der Mitte der 1970er Jahre an sympathisierte er mit dem Kommunistischen Bund und blieb bis zu dessen Auflösung 1991 Mitglied. In dieser Zeit schrieb er auch für dessen Publikation „Arbeiterkampf“, darunter ein 1990 erschienener Artikel mit der Überschrift „Warum die Linke antideutsch sein muss“. Damit kann er als Mitinitiator der Antideutschen-Bewegung gesehen werden, worauf er heute sicherlich nicht mehr stolz ist. Er kehrte den Antideutschen allerdings nicht erst nach seiner 180°-Drehung den Rücken, sondern verabschiedete sich schon eher von dieser kruden Ideologie, um sich zunächst dem Antiimperialismus zu verschreiben.

Nachdem er 1994 den Lehrerberuf an den Nagel hängte, widmete sich Elsässer voll und ganz dem Journalismus. Er wurde leitender Redakteur und zwischenzeitlich sogar Chefredakteur der linken Tageszeitung Junge Welt. 1997 kam es zu internen Protesten aufgrund einer Personalentscheidung des Geschäftsführers. Gemeinsam mit einigen anderen Redakteuren gründete Elsässer daraufhin die Jungle World.

Nebenbei schrieb Elsässer auch für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und die konkret. Bei letzterer kam es 2002 allerdings in der Folge des Irakkrieges zu einem Zerwürfnis mit dem Herausgeber Hermann L. Gremliza. Als wäre das noch nicht genug, trennte sich selben Jahr auch die Jungle World aus ähnlichen Gründen von ihm. Daraufhin kritisierte Elsässer das Aufweichen des Antikriegskonsens innerhalb der linken Bewegung in seinem zweiteiligen Essay „Wie sie lernten, die Bombe zu lieben – Linke, Krieg und Antisemitismus“.

Bis hier hin konnte einem Jürgen Elsässer durchaus noch sympathisch sein. Er war ein konsequenter Kriegsgegner und Antiimperialist mit stark marxistischen Ansätzen. Doch der Konflikt innerhalb der linken Bewegung brachte ihn wohl ins Wanken und ließ ihn letztendlich völlig nach rechts kippen. Bereits bei seiner kurzen journalistischen Tätigkeit für die linke Tageszeitung Neues Deutschland vom April 2008 bis Januar 2009 fiel er unangenehm auf, indem er an rechte Parolen andockte.

Im Anschluss erschienen 2009 einige seiner Artikel bei Kopp Online. Beim Kopp Verlag erscheint von links bis rechts so ziemlich alles, was mit Verschwörung zu tun hat. Darunter auch die islamfeindlichen Hetzschriften eines Udo Ulfkotze. Irrwitzigerweise schrieb Elsässer seinerseits für die Islamische Zeitung. Man hätte ihm die Zusammenarbeit mit dem Kopp Verlag daher vielleicht noch als Protest durchgehen lassen können, wenn er sich nicht weiter in diese Ecke verrannt hätte.

Im selben Jahr gründete Elsässer die „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, welche jedoch lediglich für eine Nationalisierung des Finanzsektors eintritt und nicht für die generelle Überwindung des Kapitalismus. Für einen ehemaligen Antiimperialisten ein wenig enttäuschend. Die Volksinitiative sollte dennoch offen sein für alle von „Lafontaine bis Gauweiler“.

Wegen diesem Zitat wurde Elsässer alsbald unterstellt, er wolle eine Querfront von links bis rechts. Nun kann man die CSU ja gerne als rechte Partei bezeichnen, aber Gauweiler gehört dort eher zum linken Flügel. Gauweiler war z.B. der Einzige in seiner Fraktion, der sich gegen die Unterzeichung des ESM-Bankenermächtigungsgesetzes stellte und damit bereits von sich aus den Schulterschluss mit der Linksfraktion wagte, welche als einzige im Bundestag geschlossen gegen den ESM stimmte. Zusammen klagten sie auch vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den ESM und Fiskalpakt.

Zumindest zu diesem Zeitpunkt war die Behauptung einer Querfront also nichts weiter als eine üble Unterstellung. Leider wird diese inzwischen aber von Elsässer selbst bestätigt. In seinem 2009 gegründeten Compact Magazin, welches beim Kai Homilius Verlag erscheint, vermischen sich linke und rechte Positionen zu einem teilweise schon kruden Verschwörungsbrei.

Zu seinen rechtslastigen Thesen gehört u.a. die folgende Behauptung: „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden.“ Zum einen spielt Elsässer hier gezielt Arbeitlose gegen Migranten und Homosexuelle aus, womit er das Prinzip „teile und herrsche“ fördert. Allein das ist schon sehr fragwürdig für jemanden, der angeblich gegen die herrschende Elite kämpft.

Doch nehmen wir den Inhalt noch etwas genauer unter die Lupe. „Multikulti“ ist eine bewusst negative Wortwahl aus dem rechten Spektrum, mit der gegen alles Fremde gehetzt wird. Insbesondere Sinti und Roma verabscheut Elsässer abgrundtief. Deutschland jedoch schon immer multikulturell und wurde bereits in vergangenen Jahrhunderten von den Römern, der Hugenottenzuwanderung und vielen weiteren Einflüssen kulturell bereichert. Eine deutsche Leitkultur sucht man dagegen vergebens, denn Bayern, Berliner, Rheinländer, Schwaben usw. haben alle ihre eigenen Traditionen. Die Sorben und Friesen haben sogar eine eigene Sprache.

Mit dem Feindbild „Multikulti“ bemüht Elsässer das Gespenst vom „Untergang des christlichen Abendlandes“, welches sich von konservativ bis rechtsextrem größter Beliebtheit erfreut. Dabei wird natürlich auch ordentlich gegen den Islam mobil gemacht. Dumm nur, dass das Christentum, welches unser Abendland so sehr prägt, aus derselben Ecke in Nahost kommt, wie der Islam. Also wenn hier schon etwas bedroht ist, dann doch eher das heidnische Abendland und für dessen Rettung kommen Elsässer und Co. rund 2.000 Jahre zu spät.

Ebenso widerwärtig wie Elsässers Rassismus, ist seine Homophobie. Zwar behauptet er von sich selbst, nicht homophob zu sein, doch im Februar 2014 zeigte er im Studio von Frank Höfer sein wahres Gesicht. So meinte er, sich als hetero zu outen, sei schon revolutionär und Männer, die Frauen lieben, seien eine Randgruppe. Er unterstellte gar, dass die Rechte der Schwulen und Lesben die Rechte der heterosexuellen Mehrheit untergraben würden. Natürlich ging er nicht darauf ein, wie genau das vonstatten gehen soll, da diese Behauptung schlichtweg völliger Humbug ist.

Der Gipfel war dann das Schlagwort der „homosexuellen Propaganda“. Angeblich würde es in Filmen und Serien von homosexuellen Charakteren nur so wimmeln und es gäbe einen ungeheuerlichen Hype. Schaut der Typ überhaupt Fernsehen? Schwule und lesbische Charaktere sind eine absolute Minderheit und in den Hauptrollen so rar wie faustgroße Diamanten. Hinzu kommt, dass vor allem schwule Männer in den Medien oft total klischeehaft dargestellt werden, was eher abwertend als fördernd ist.

Und wie sieht es in der Gesellschaft aus? Bis heute werden Schwule und Lesben in Deutschland benachteiligt und ein bedenklicher Prozentsatz der Deutschen hat einen unerklärlichen Hass gegen Homosexuelle. Gerade von Nazis und Evangelikalfaschisten hagelt es eher schwulenfeindliche Propaganda. Das Bild von der Bevorzugung Homosexueller, welches Elsässer zeichnet, hat einfach nichts mit der Realität zu tun und seine Paranoia bedient genau die Gegenseite.

Mit ähnlicher Überzeugung setzt er sich gegen die angebliche Frühsexualisierung von Kindern ein, nur weil diese in der Schule aufgeklärt werden und dabei auch etwas über Toleranz gegenüber Andersliebenden lernen. „Schulfach schwul“ nennt Elsässer das plakativ populistisch. Da Homosexualität aber weder eine ansteckende Krankheit noch eine erlernbare Ideologie ist, erübrigen sich alle Behauptungen, die Kleinen würden damit in eine bestimmte Richtung beeinflusst werden. Die Mehrheit der Schüler wird das deutsche Schulsystem weiterhin heterosexuell verlassen.

Was den sexuellen Aspekt an sich angeht, so lernen die Kleinen lediglich etwas über menschliche Biologie, was allemal besser ist, als ihnen bis zum 18. Lebensjahr etwas vom Klapperstorch weis zu machen. Es ist einfach absurd zu behaupten, dass die Grundschüler dadurch früh sexualisiert würden. Den Kindern werden in der Schule weder Pornos gezeigt, noch üben sie die Praxis. Im Gegenteil ist es erwiesen, das Kinder ohne solche Aufklärung früher Sex haben und die Schwangerschaften sowie Geschlechtskrankheiten unter genau den Minderjährigen zunehmen, die noch nie etwas von Verhütung gehört haben.

Der Sexualkundeunterricht ist absolut harmlos und geradezu trocken. Wer seine Abschaffung fordert, kann auch gleich noch nach Geschlechtertrennung an den Schulen schreien. Willkommen im Mittelalter! Hinzu kommt, dass jedes Lady Gaga Video bedenklicher ist und MTV bei weitem mehr zur Frühsexualisierung beiträgt, als die Schule. Zwar richtet sich Elsässer durchaus auch gegen dieses Extrem, doch während er das Bild der Frau als Sexobjekt kritisiert, vertritt er selbst das Bild der Frau als Gebärmaschine.

Quelle – Elsässer O-Ton

Und da wären wir schon bei seiner Lieblingsverschwörungstheorie – der angeblichen Zerstörung der (heterosexuellen, christlichen) Familie. Zu diesem Thema erschien Anfang 2014 gleich ein ganzes Compact-Sonderheft mit dem Titel „Feindbild Familie“, welches am 20. März auf einer eigens anberaumten Konferenz vorgestellt wurde. Auf dieser Veranstaltung war u.a. Andrej Sikojev zugegen, der offizieller Botschafter der russisch-orthodoxen Kirche bei der deutschen Politik ist.

Quelle

Nur so nebenbei findet sich auf dem Cover der Ausgabe gegen Frühsexualisierung eine Anspielung auf eine Frühilluminierung. Der Herr, der hinter der deutschen Familienpolitik dunkle Mächte vermutet, bedient sich selbst der Symbolik des allsehenden Auges.

Feindbild Freimaurer

Mit dieser schauerlichen Freakshow eckte Elsässer auch bei Ken Jebsen an, welcher ihn für seinen erzkonservativen Sexismus und seine kruden Verschwörungstheorien ordentlich ins Kreuzfeuer nahm. Es ist sehr erfreulich, dass Ken sich von Elsässers Ansichten distanziert und ihnen Paroli bietet, denn gerade in den alternativen Internetmedien ist Aufklärung bitter nötig.

Vor allem, wenn Leute wie Elsässer den Schulterschluss mit Katholiken, Orthodoxen und Evangelikalen wagen. So schrieb z.B. Eva Hermann in der Compact, dass ein religiöses Elternhaus gut für die Entwicklung von Kindern sei. Eine Ansicht, die Elsässer teilt, da ihm zufolge streng religiöse Eltern ihre Kinder vor deren eigener Sexualität „schützen“. Es ist jedoch völlig normal, dass Heranwachsende mit Beginn der Pubertät ihren eigenen Körper entdecken. Eltern, die ihren Kindern erzählen, dass sie in die Hölle kommen, wenn sie sich unten rum anfassen, richten damit schwere psychische Schäden an. Genau solche Erziehungsmethoden können sich später in sexuellen Störungen manifestieren.

Natürlich sind beim Thema „Feindbild Familie“ auch die Homosexuellen wieder einmal die Hauptschuldigen. Wie verblendet kann man nur sein? Entweder man ist schwul oder hetero oder bisexuell, wobei Schwule und Lesben nun einmal nicht ohne weiteres „eigene“ Kinder bekommen können (außer durch Samenspenden oder Leihmutterschaft). Man kann sie auch nicht zu irgendetwas zwingen, indem man ihnen ihre sexuelle Ausrichtung verbietet oder sie gar bekämpft, wie es ein gewisser Adolf damals gemacht hat. So weit würde Elsässer zwar sicherlich nicht gehen, aber er bereitet solcher Menschenverachtung den Nährboden.

Die Verantwortung der Zerstörung von Familien liegt weder bei Schwulen und Lesben, noch beim Recht der Frauen auf Selbstverwirklichung. Die Familien gehen viel eher an unmöglichen Arbeitszeiten, prekärer Beschäftigung und Armut kaputt. Wer 60 Stunden die Woche arbeitet und dabei gerade mal die Miete raus hat, kann sich keine Familie leisten. Kinder sind im Turbokapitalismus schlichtweg existenzgefährdend.

Offensichtlich werden die wahren Gründe, wenn man einmal die heutige BRD mit der DDR vergleicht. In der DDR war die große Mehrheit der Frauen berufstätig. Dennoch funktionierten die Familien und die Scheidungsrate war vergleichsweise niedrig. Zur Stabilisierung der Familien haben zudem ausreichend kostenfreie Kitaplätze beigetragen. Die Frauen an den Herd zu ketten kann also nicht die Lösung sein.

Aus Elsässers Sicht wäre eine solche Degradierung der Frauen zu Gebärmaschinen allerdings ein „Befreiungsschlag“, da sie ja angeblich gegen ihren Willen und gegen ihre Natur in die Arbeit gedrängt würden. Ganz besonders gilt dies natürlich für Angela Merkel, die als mächtigste Frau im Staat gewiss jeden Tag von ihrem Mann ins Kanzleramt geprügelt werden muss. Was für ein unglaublich frauenverachtender Schwachsinn! Elsässers Familiebild stammt wahrhaftig aus der Steinzeit. Oder von Eva Hermann, die als Karrierefrau gegen das Recht der Frauen auf Karriere ist.

Aber es geht noch eine Spur absurder. Denn während Elsässer auf der einen Seite über die Zerstörung der Familie klagt, tritt er auf der anderen Seite gegen das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben ein. Er drückt sich in dieser Frage zwar vorsichtig aus und verweist auf bereits bestehende Rechte, aber prinzipiell findet er das Recht der Homosexuellen auf eine Familie bedenklich, als würden da irgendwelche obszönen Dinge stattfinden. Dabei sind Kindesmisshandlungen in klassischen Heterofamilien weitaus häufiger verbreitet. Aber was macht es schon, wenn ein Vater seine Kinder grün und blau prügelt, so lange im Bett eine Frau unter ihm liegt…

Elsässers Ansichten über Familie und Homosexualität basieren allein auf Vorurteilen und konservativen, patriarchalen Rollenklischees. Niemand verlangt von ihm, seine sexuelle Orientierung zu wechseln und sich daheim selbst an den Herd zu stellen. Er hat das Recht in seiner erzkonservativen Heterowelt glücklich zu werden, obgleich der eigentliche Witz darin besteht, dass er selbst gar keine Familie hat. Das Recht, anderen seine Wertvorstellungen aufzuzwingen oder sich gar in die Familienplanung anderer Menschen einzumischen hat er jedoch nicht! Liebe ist für alle da und Familien sind mehr als nur Kinderfabriken!

Damit wären wir aber immer noch nicht am Ende. Der nächste große Punkt sind Jürgen Elsässers Kontakte zum rechtskonservativen und sogar rechtsextremen Milieu. Freilich, Elsässer ist selbst kein Nazi und würde auch nie als solcher gesehen werden wollen. Ein nationalkonservativer Rechtspopulist ist er dagegen sehr wohl und schaut man sich seine Verbindungen einmal etwas genauer an, öffnen sich Abgründe.

Zu den noch eher „harmlosen“ Kontakten zählt der Sozialdarwinist und ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin, der Arbeitslosen gerade einmal 3 € pro Tag für Wasser und Brot gönnt und sowohl gegen Muslime als auch gegen Juden hetzt. Berühmt geworden ist Sarrazin durch sein Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“, welches Elsässer ausdrücklich als „mutig“ lobt.

Sarrazin ist jedoch nicht der einzige Elitäre, mit dem sich der einstige Marxist umgibt. Gleichsam findet er wohlwollende Worte für die AfD – einen neoliberalen Haufen von Ökonomen, Bankern und Wirtschaftsprofessoren, der vorgibt, die Interessen der kleinen Leute zu vertreten. Wie glaubwürdig kann Elsässers Engagement gegen das Finanzkapital angesichts solcher Verbindungen sein?

Der AfD ist allerdings auch ein Hang zum Rechtspopulismus eigen. In ihren Reihen wird schon gerne mal über die angeblich „faulen Griechen“ gelästert und das Gespenst von der „Islamisierung Deutschlands“ bemüht. Es ist schon fast ein Wunder, dass Thilo Sarrazin noch nicht von der SPD zur AfD übergelaufen ist, aber vielleicht kommt das ja noch.

Elsässer fühlt sich jedenfalls in diesem rechtspopulistischen Umfeld pudelwohl und so verwundert es nicht weiter, dass er gleichsam die FPÖ in Österreich sowie die Blocher-Partei in der Schweiz ganz offen feiert. Darüber, wie viele Freimaurer sich in diesen Parteien tummeln, braucht man sich gar nicht weiter auszulassen. Der ehemalige FPÖ-Chef Jörg Haider, der nach Ansicht der Rechtspopulisten von der „jüdischen Weltverschwörung“ ermordet worden sein soll, war z.B. selbst ein freimaurerischer Weltverschwörer.

Kommen wir nun jedoch von den Rechtspopulisten zu den Rechtsextremisten. Jürgen Elsässer sieht sich ja gerne als Chefaufklärer der NSU-Affäre. Irrwitzigerweise ist der Hauptverantwortliche des NSU-Terrors ein gern gesehener Autor des Compact-Magazins. Die Rede ist vom ehemaligen Thüringer Verfassungsschutzchef Helmut Roewer.

Nun wäre es natürlich für alle Compact-Leser höchst interessant, was Roewer zur Aufklärung der NSU-Affäre beitragen könnte, welche Elsässer ja so sehr am Herzen liegt. Doch stattdessen schreibt der verpeilte Trunkenbold seine Meinung zu historischen Themen. Man braucht wohl nicht viele Worte über die Glaubwürdigkeit von Artikeln über den 1. Weltkrieg zu verlieren, die von einer Knallcharge stammen, welche zum Karneval im Ludendorff-Kostüm erscheint. Zwar hat Roewer Geschichte studiert, aber offenbar nicht viel daraus gelernt. Zudem ist er dafür bekannt, dass er historisch bedeutende Akten schreddern lassen hat.

All dies hielt Elsässer jedoch nicht davon ab, in der Sendung der Compact-Ausgabe vom Januar 2014 Helmut Roewers Bücher zu bewerben. Selbstverständlich ohne darauf hinzuweisen, dass selbige im rechtsextremes Ares-Verlag erschienen sind. Frank Höfer sollte sich dringend von Jürgen Elsässer trennen, bevor Nuoviso TV jeden Rest von Glaubwürdigkeit verliert.

Der selbsternannte NSU-Chefaufklärer kungelt nämlich nicht nur mit dem größten NSU-Unterstützer, sondern unterhält inzwischen sogar direkte Kontakte zum rechtsterroristischen Milieu. Es ist wahrhaft erschreckend, dass Elsässer neuerdings den Gründer der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, hofiert. Dieser streitet nicht nur jede Mitschuld am Anschlag auf das Oktoberfest von 1980 ab, sondern behauptet darüber hinaus, dass das NSU-Terrortrio unschuldig sei.

Quelle

Ebenso erschreckend ist es, dass sich der Basler Historiker Daniele Ganser auf ein von Compact arrangiertes Streitgespräch mit Hoffmann einließ. Zwar vertritt Ganser die exakte Gegenmeinung, nämlich, dass die Wehrsportgruppe Hoffmann Teil der Stay-behind-Netzwerke war. Doch was zum Henker hat er sich davon versprochen, mit einem der Hauptverantwortlichen von damals darüber zu streiten? Man kann nur hoffen, dass Ganser aus rein historischem Interesse handelte, denn seine Bücher über die NATO-Geheimarmeen sind Pflichtlektüre für jeden Antifaschisten.

Jürgen Elsässer hingegen paktiert hier ganz bewusst mit dem Teufel. Jedem Menschen mit genügend Hirn hätte sofort klar sein müssen, dass Karl-Heinz Hoffmann unter gar keinen Umständen die Wahrheit über seine persönliche Verstrickung in Stay-behind oder den Anschlag auf das Oktoberfest sagen würde. Immerhin würde ihn das bestenfalls ins Gefängnis bringen. Schlimmstenfalls würde man ihn vielleicht sogar als Kronzeugen ausschalten. Man denke nur an das massive Zeugensterben im NSU-Fall. Darauf hat Hoffmann gewiss keinen Bock und obendrein ist er absolut von seiner faschistischen Weltanschauung überzeugt.

Diese Weltanschauung bekommt nun dank Elsässer neuen Auftrieb, indem er Hoffmann ein Podium bietet. Einem 100%igen Rechtsextremisten wohl bemerkt, der einst Jugendliche in SS-Uniform mit scharfen Waffen für den Sturz der Bundesregierung trainieren ließ. Seine Wehrsportgruppe war für den schlimmsten Terroranschlag der deutschen Geschichte sowie die Morde an dem jüdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke verantwortlich. Hoffmann ist nach wie vor ein überzeugter Nazi, dessen Ziel immer noch das 4. Reich ist und der dem Compact-Magazin außer Geschichtsrevisionismus nichts zu bieten hat.

Besonders abscheulich ist Elsässers Verhalten in Hinblick auf die Premiere des Kinofilms „Der blinde Fleck“, welche wohl der Anlass für die Einladung Hoffmanns war. „Der blinde Fleck“ basiert auf den Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy und behandelt die Hintergründe des Attentats auf das Münchner Oktoberfest vom 26. 9. 1980, bei dem 13 Menschen ermordet und 211 weitere verletzt wurden. Elsässer macht sich hier bewusst zum Anwalt der Täter und verspottet damit die Opfer.

Quelle

Angesichts dessen fragt man sich, welche Ansichten er im NSU-Fall tatsächlich vertritt? Offenbar geht es ihm gar nicht darum, die Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zum Verfassungsschutz aufzudecken. Vielmehr scheint es ihm darum zu gehen, die drei als unschuldige, „national eingestellte“ Jugendliche zu verharmlosen, die von der BRD benutzt und hintergangen worden sind. Die Täter als arme Opfer.

Es stimmt zwar, dass die drei keineswegs allein gehandelt haben und ihr Unterstützerkreis von Blood & Honour bis tief hinein in den Verfassungsschutz reichte. Weiterhin gibt es starke Hinweise darauf, dass das Terrortrio die Morde nicht allein plante und durchführte. Ebenso deutet alles darauf hin, dass die beiden Uwes vom Geheimdienst aus bisher noch unbekannten Gründen auf besonders drastische Art und Weise gefeuert wurden. Beteiligt waren sie aber auf jeden Fall.

Es wurden bereits im Rahmen von Gladio bewusst Nazis von der NATO und CIA rekrutiert, da man sich bei diesen darauf verlassen konnte, dass sie alles gegen eine Regierungsbeteiligung von Kommunisten in Westeuropa unternehmen würden. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos waren zweifelsohne überzeugte Faschisten mit genügend Hass auf Ausländer, um selbige umzubringen. Indem Elsässer dem Staat die alleinige Schuld zuweist, verhöhnt er einmal mehr die Opfer. Diese wurden schon einmal von selbigem Staat verhöhnt, der die Schuld seinerseits bei den Familien der Opfer suchte.

Vom selbsternannten Chefaufklärer der NSU-Affäre haben wir also keinesfalls die Wahrheit zu erwarten. Im Gegenteil zeigt seine Kungelei mit Karl-Heinz Hoffmann, wie unseriös und bedenklich Jürgen Elsässer geworden ist. Hinzu kommt, dass er ein eiskalter Geschäftsmann ist. Keine Provokation ist ihm zu ungeheuerlich, um damit nicht die Auflage seines Magazins zu steigern. Eines Magazins, welches von links bis rechts jeden Geschmack bedient, Hauptsache der Rubel rollt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass aus dem einst viel versprechenden linken Intellektuellen Jürgen Elsässer ein rechtspopulistischer Geschichtsrevisionist geworden ist. Es ist dabei durchaus verständlich, dass ihm viele Menschen auf den bundesweiten Friedensdemonstrationen Beifall klatschen. Einerseits kennen ihn einige noch als Marxisten, andererseits könnten seine Beiträge über die Ukraine glatt bei Gregor Gysi abgeschrieben sein. Elsässer versteht es sehr gut, seine Fassade des antifaschistischen Friedensapostels aufrecht zu erhalten.

Allerdings hat diese Fassade bereits tiefe Risse bekommen. Selbst auf den Montagsmahnwachen bröckelt der Putz bereits in großen Klumpen. So zog sein Auftritt vom 16. 6. 2014 in Karlsruhe einige Neonazis an, welche später gegenüber einigen antifaschistischen Gegendemonstranten handgreiflich wurden. Die Antifa in Karlsruhe machte dabei gar nicht mal den Fehler, wie die Antideutschen andernorts mit Aluhüten und US-Flaggen aufzutreten. Im Gegenteil trugen sie ganz sachliche Argumente gegen Jürgen Elsässer vor, welcher an diesem Tag offenbar kein Problem damit hatte, sich von Rechtsextremisten feiern zu lassen.

Friedensdemos auf dem Prüfstand

Seit Frühjahr 2014 finden in Berlin und über 20 weiteren Städten in Deutschland und Österreich Montagsmahnwachen für den Frieden statt. Auf der einen Seite ist es begrüßenswert, dass wöchentlich tausende Menschen für Frieden auf die Straße gehen und dabei die antirussische Kriegshetze der US-loyalen Massenmedien hinterfragen. Andererseits erzeugen die Montagsmahnwachen immer wieder Negativschlagzeilen, da auf ihnen nationalkonservative Verschwörungstheoretiker reden und selbige erwartungsgemäß auch Nazigesocks anziehen.

Es ist schwierig, bei diesem Thema überhaupt noch eine differenzierte Meinung zu vertreten, da inzwischen ein großer Bruch durch die ehemals linke deutsche Friedensbewegung verläuft. Selbstverständlich muss man die Verantwortlichen dafür kritisieren, dass sie Redner wie Jürgen Elsässer und Andreas Popp ans Mikrophon lassen. Doch was die Massenmedien auf der anderen Seite an Hetze gegen Friedensaktivisten ablassen, schießt weit über das Ziel hinaus. Da werden Kriegsgegner pauschal als „Neurechte“ diffamiert und alternative Journalisten wie Ken Jebsen in einem Atemzug mit Elsässer und Popp genannt.

Insbesondere Jutta Ditfurth hat sich mit ihrem undifferenzierten Rundumschlag äußerst unbeliebt gemacht. Es mag sein, dass die ehemalige Grünenpolitikern frührer einmal gute Aufklärungsarbeit gegen Rechtsextremismus geleistet hat. Immerhin hat sie dabei sogar mit ihrem eigenen Adelsgeschlecht aufgeräumt, denn die von Ditfurths waren einst eine extrem antisemitische Familie mit tief brauner Nazivergangenheit. Nun kann niemand etwas für seine Familie, aber gerade deswegen sollte sich Jutta Ditfurth zurückhalten, andere Menschen pauschal zu diffamieren, auch wenn sie zumindest bei einigen mit ihrer Meinung richtig liegt.

Ein Stück weiter trieben es die Antideutschen, welche am Rande fast sämtlicher Mahnwachen auftauchten, um diese zu stören. Im Gepäck hatten sie dabei stets Aluhüte und zuweilen auch US-Flaggen. Nur zur Erinnerung: Die USA sind für fast alle Kriege der letzten 60 Jahre verantwortlich. Korea, Vietnam, Panama, Irak, Afghanistan, Libyen – die Liste ist lang. Wie geistig umnachtet muss man sein, um als angeblich linker Antifaschist mit einer US-Flagge eine Friedensdemo zu stören? Die Antideutschen können den 3. Weltkrieg wohl gar nicht abwarten?

Ihre Hetze machte natürlich auch nicht vor dem Internet halt. Dort griffen sie auf ihrer eigens eingerichteten Facebook-Seite „Friedensdemowatch“ (Esowatch lässt grüßen…) so ziemlich jeden an, der auch nur ein gutes Wort für den Frieden übrig hatte. Darunter auch LINKE-Politiker. Selbst total unbekannte und unbedeutende Kommunalwahlkandidaten wurden von Friedensdemowatch angegriffen und als Neurechte diffamiert, wobei es keine Rolle spielte, wenn sie durchaus harsche Kritik an Rednern wie Elsässer und Popp übten. Bekanntere Personen wie Ken Jebsen wurden gar mittels Photoshop in Naziuniformen gesteckt.

Auf der einen Seite haben wir also vollkommen absurde und übertriebene Vorwürfe, während auf der anderen Seite die Veranstalter der Montagsmahnwachen mit einem dummen Fehler nach dem anderen glänzen. Die Rede ist dabei nicht einmal unbedingt von diversen NPD-Mitgliedern, die sich immer wieder unter die Demonstranten mischen. Laut Demonstrationsrecht dürfen die nämlich an öffentlichen Veranstaltungen teilnehmen und auch die Polizei kann sie erst entfernen, wenn sie gegen Auflagen verstoßen. Daraus kann man den Veranstaltern noch keinen Strick drehen.

Sehr wohl verantwortlich sind sie jedoch für die Rednerliste sowie den Inhalt von deren Reden, die auf den Montagsmahnwachen gehalten werden. Darunter jene des Antikommunisten Andrea Popp, der das Schreckgespenst „EUdSSR“ bemüht und die Demokratie eine Tyrannei nennt. Ebenso unangenehm fällt die regelmäßige Teilnahme des homophoben Rassisten Jürgen Elsässer auf, der als selbsternannter NSU-Chefaufklärer persönlich beste Kontakte zum Rechtsterrorismus pflegt. Auf ihn werden wir in einem separaten Artikel noch genauer eingehen.

Im Streit um Elsässer hat sich bereits im Mai in Erfurt eine Dienstagsdemo von der Montagsmahnwache abgespalten. Es gab eine begrüßenswerte Mehrheitsentscheidung des Erfurter Orgateams, Jürgen Elsässer nicht in die Thüringer Landeshauptstadt einzuladen. Diese wurde jedoch von den Berliner Organisatoren nicht anerkannt, weshalb das Erfurter Orgateam kurzerhand abgesetzt wurde. Zudem saß im Erfurter Orgateam ein Genosse der Linkspartei, was für die Berliner der zweite Grund war, Erfurt von der bundesweiten Liste der Montagsdemonstrationen zu streichen.

Neben dem äußerst fragwürdigen Demokratieverständnis der Verantwortlichen aus Berlin kommt noch hinzu, dass der von ihnen inthronisierte neue Erfurter Cheforganisator sein Geld mit gefälschten Likes in sozialen Netzwerken verdient. Ein Meinungsmanipulator als neuer Kopf der Erfurter Montagsmahnwache, was sagt man dazu?

Kommen wir nun zum Hauptverantwortlichen der bundesweiten Montagsmahnwachen. Lars Mährholz war nach eigenen Aussagen bis kurz vor der Anmeldung der ersten Friedenmahnwache politisch total unbedarft. Angesichts dessen ist es jedoch erklärungsbedürftig, warum sein Name 2001 als Vorstandsmitglied des VJJ (Verband junger Journalisten Berlin-Brandenburg e.V.) auftaucht? Zu allem Überfluss hatte dieser Verband in der Vergangenheit unter Torsten Witt einen zweifelhaften Ruf, da Witt offenkundig Verbindungen zur rechten Szene unterhielt. Inwieweit Mährholz direkt mit Witt zu tun hatte, ist zwar unbekannt, allerdings dürfte sein Image des unpolitischen Naivlings dahin sein.

Weiterhin gab er später zu Protokoll, dass er schon in mehreren Parteien war und sich schon immer politisch engagiert hat. Ja was denn nun? Und in welchen Parteien war er denn?

Obgleich er offensichtlich keineswegs so unbedarft ist, wie er behauptet, sind Mährholz’ Äußerungen dennoch recht naiv. Unter anderem behauptet er, dass das amerikanische Federal Reserve System im Alleingang für alle Kriege des letzten Jahrhunderts verantwortlich war. Der militärisch-industrielle Komplex, die Ölkonzerne und andere Banken waschen ihre Hände also in Unschuld? Warum beißt sich Mährholz dermaßen an der amerikanischen FED fest, wenn er doch nur mal nach Deutschland schauen müsste? Die Deutsche Bank zählt ebenso zu den größten Kriegsverbrechern aller Zeiten.

Mährholz’ verkürzte Kapitalismuskritik ist brandgefährlich, da sie rechten Verschwörungstheorien Auftrieb gibt. Dabei hat Lars von den komplexen Verflechtungen der Geheimgesellschaften, Banken, Konzerne, Politik, Militär und Geheimdienste offensichtlich nicht mal den Hauch einer Ahnung. Doch ist Mährholz wirklich nur unwissend und naiv? Oder ist er der autorisierte Held eines wild wuchernden Esoteriknetzwerkes, welches auch starke Verbindungen zu Nationalkonservativen und Reichsdeutschen wie Jo Conrad und Michael Vogt unterhält?

Mährholz selbst distanziert sich nach wie vor vom Rechtsextremismus und ebenso von der Berliner Staatenlos-Demo. Inzwischen wurde er sogar von rechten Blogs wie „Eisenblatt“ scharf angegriffen, weil er die Kundgebungsteilnehmer dazu aufgerufen hatte, dass diese sich als „Menschen, Europäer und Weltbürger“ vereinen sollten. Auf der anderen Seite verbreitete Mährholz aber eine Rede des Münchner BIA-Stadtrates Karl Richter über den Ukrainekonflikt.

Richter lobte in dieser Rede zwar seine Vorrednerin von der Fraktion DIE LINKE und zitierte aus der Jungen Welt, dennoch hätte Mährholz mit nur wenig Recherche auffallen müssen, dass dieser Herr ein knallharter Nazi ist. Karl Richter sitzt nicht nur für „Bürgerinitiative Ausländerstopp“ im Münchner Stadtrat, sondern war darüber hinaus Leiter des parlamentarischen Beratungsdienstes der sächsischen NPD-Landtagsfraktion. Das war übrigens jene Fraktion, die sich fast zeitgleich mit Vertretern der ukrainischen Swoboda-Partei traf, was Richters Rede zum dortigen Konflikt konterkariert.

Nun könnte man Mährholz schlicht Faulheit bei der Recherche vorwerfen, wenn Karl Richter nicht ein gern gesehener Redner auf der Münchner Montagsdemo wäre. Ebenso treibt sich auf einigen Montagsmahnwachen die stellvertretende bayrische NPD-Landesvorsitzende Sigrid Schüßler herum, welche ehemals auch Vorsitzende des Rings Nationaler Frauen (RNF) war. Ähnlich gruslig sieht es in Karlsruhe aus, wo es am 16. Juni 2014 während einer Rede von Jürgen Elsässer sogar zu gewalttätigen Übergriffen von rechtsextremen Mahnwachenteilnehmern auf antifaschistische Gegendemonstranten kam.

Quelle

Selbstverständlich kann man nun nicht alle Mahnwachen deutschlandweit verdammen. In Leipzig wurden z.B. schon einige NPD-Kader vom Platz verwiesen und die Mehrzahl der Redner gehört eher dem linken Spektrum an. In Hamburg trat sogar ganz prominent die Whistleblowerin Inge Hannemann auf. Diese Menschen als „neurechte Querfrontler“ zu diffamieren wäre verwerflich. Statt einer Querfront verläuft eher ein gewaltiger Bruch durch die deutsche Friedensbewegung.

Lars Mährholz ist entweder mit der Einmischung der NPD und anderer rechtsextremer Kräfte überfordert oder er hat tatsächlich kein Problem mit einer solchen Querfront. In jedem Fall hat er zu dieser Entwicklung beigetragen, indem er sich auf Redner wie Jürgen Elsässer und Andreas Popp eingelassen hat. Diese ziehen nun einmal die Nazis an wie Scheiße die Fliegen.

Es liegt nun an den linken Kräften, die Friedensbewegung wieder auf Kurs zu bringen, so wie dies in Leipzig und Erfurt bereits geschehen ist. Mit den Nazis ist indes kein Frieden zu machen. Das würde ohnehin deren faschistischer Ideologie widersprechen, die schon immer auf Kriegsverherrlichung und Soldatenkult basierte. Wir brauchen keine vermeintlichen Friedensapostel von der NPD, die das Vorgehen der USA und EU in der Ukraine verdammen, während sie gleichzeitig mit deren Verbündeten von der ukrainischen Swoboda-Partei paktieren. Die Nazis sind verlogen und versuchen lediglich, die Mehrheitsmeinung gegen den Krieg für sich nutzbar zu machen. Fallt nicht auf diese Blender herein!

Der ukrainische Dreizack

In der Ukraine übt momentan die NATO zusammen mit dem semifaschistischen ukrainischen Militär den Ernstfall. Ganz so, als würde Russland einen Krieg anzetteln wollen. Wie man jedoch an dem Manöver sehen kann, ist es die NATO, die längst offen in den ukrainischen Bürgerkrieg eingreift. Mit dabei ist selbstverständlich auch Deutschland, allerdings nur mit drei Bundeswehrsoldaten.

Offensichtlich will die Bundesregierung die ohnehin schon schwer belasteten Handelsbeziehungen mit Russland nicht noch weiter strapazieren, zeitgleich aber auch den USA weiter ihre Willfährigkeit demonstrieren. Die Unterwürfigkeit gegenüber den USA ist der Regierung Merkel im Zweifelsfall aber wichtiger. Also dreht die Bundesregierung weiter mit an der Sanktionsschraube und erschwert russischen Journalisten die Arbeit in Deutschland. Außerdem sollen die antifaschistischen Freiheitskämpfer in der Ostukraine auf die Terrorliste gesetzt werden – nicht jedoch die Todesschwadronen der Swoboda und des Rechten Sektors, welche inzwischen in das ukrainische Militär eingegliedert wurden.

Wo wir schon mal bei den Nazis sind, darf natürlich die entsprechende Symbolik nicht fehlen. Die NATO hat ihrem aktuellen Manöver nämlich den Titel „schneller Dreizack“ gegeben. Der Dreizack war das Symbol des militanten Flügels der Stepan-Bandera-Organisation, welche während des 2. Weltkriegs mit Nazideutschland kollaborierte und Jagd auf die ukrainischen Juden machte.

Quelle

Es ist ungeheuerlich, dass die NATO inzwischen so offen und schamlos mit Nazisymbolik kokettiert und diese obendrein für ein Manöver benutzt, welches einen neuerlichen Überfall auf Russland vorbereitet. Es kann sich hierbei gewiss um keinen Zufall handeln, da die NATO bewusst Partei für die geistigen Erben von Stepan Bandera ergreift. Diese verwenden ihrerseits den Dreizack in einer abgewandelten Form mit Schwert.

Rechter Dreizack

Zur Ergänzung sollte allerdings erwähnt, dass der Dreizack auch fester Bestandteil des ukrainischen Staatswappens ist.

Wappen Ukraine

Der Dreizack – Poseidons Waffe in den Händen Satans

von Shinzon

Der Dreizack war bereits in der Antike als Symbol bekannt. Er war gleichermaßen Waffe und Zepter des griechischen Meeresgottes Poseidon und der römischen Version Neptun. Bis heute wird der Dreizack oft im Zusammenhang mit dem Meer verwendet, was auf die antike Mythologie und nicht auf den Okkultismus zurückzuführen ist.

Dreizack Poseidon

Interessanterweise wird die Gottheit Shiva aus der indischen Mythologie ebenfalls mit Dreizack dargestellt, was in der Prä-Astronautik als Indiz dafür gedeutet wird, dass es sich um eine antike Waffe außerirdischen Ursprungs handeln könnte.

Dreizack Shiva

Bewiesen ist jedoch nur die irdische Verwendung des Dreizacks. Dieser wurde in Persien, Indien, Burma, Korea und Indonesien als Waffe genutzt. In Europa und bei den amerikanischen Inuit diente er dagegen als Jagdwaffe und Fischfanggerät.

Eine besondere Verwendung fand der Dreizack zudem ab ca. 264 v.Z. in römischen Gladiatorenkämpfen. Die Waffe gehörte, neben dem Fangnetz, zum Repertoire des Retiarius. Obwohl der Retiarius zu den leicht bewaffneten Gladiatorentypen gehörte, konnten die drei mit Widerhaken versehenen Zinken äußerst hässliche Wunden hinterlassen.

Retiarius

Die Verwendung in römischen Arenen, in denen später auch Christen hingerichtet wurden, könnte möglicherweise die Wurzel der heutigen okkulten Bedeutung des Dreizacks sein. Heute findet er sich sehr häufig in Darstellungen des Teufels wieder, was schon zu einem regelrechten Klischee geworden ist. Wie ein römischer Gladiator quält Satan die Seelen der Verdammten mit seinem Dreizack.

Eine andere Erklärung für diese Darstellung könnte allerdings einmal mehr in der Dämonisierung altgriechischer Götter durch die katholische Kirche sein. Während der Dreizack von Poseidon stammt, kamen die Hörner und Ziegenfüße von Pan. Eine Prise von diesem Gott und eine von jenem – fertig ist der Belzebub.

Logo