Jürgen Elsässer – Vom Marxisten zum Nationalkonservativen

von Shinzon

Der Journalist und politische Aktivist Jürgen Elsässer wurde am 20. Januar 1957 in Pforzheim geboren. Nach seinem Studium war er 14 Jahre lang im Schuldienst von Baden-Württemberg tätig und unterrichtete dabei auch eine Klasse, die hauptsächlich aus jugoslawischen Immigrantenkindern bestand. Damals stellte das für ihn noch kein Problem dar, denn politisch war er in seinen jungen Jahren ganz weit links verortet.

Von der Mitte der 1970er Jahre an sympathisierte er mit dem Kommunistischen Bund und blieb bis zu dessen Auflösung 1991 Mitglied. In dieser Zeit schrieb er auch für dessen Publikation „Arbeiterkampf“, darunter ein 1990 erschienener Artikel mit der Überschrift „Warum die Linke antideutsch sein muss“. Damit kann er als Mitinitiator der Antideutschen-Bewegung gesehen werden, worauf er heute sicherlich nicht mehr stolz ist. Er kehrte den Antideutschen allerdings nicht erst nach seiner 180°-Drehung den Rücken, sondern verabschiedete sich schon eher von dieser kruden Ideologie, um sich zunächst dem Antiimperialismus zu verschreiben.

Nachdem er 1994 den Lehrerberuf an den Nagel hängte, widmete sich Elsässer voll und ganz dem Journalismus. Er wurde leitender Redakteur und zwischenzeitlich sogar Chefredakteur der linken Tageszeitung Junge Welt. 1997 kam es zu internen Protesten aufgrund einer Personalentscheidung des Geschäftsführers. Gemeinsam mit einigen anderen Redakteuren gründete Elsässer daraufhin die Jungle World.

Nebenbei schrieb Elsässer auch für die Allgemeine Jüdische Wochenzeitung und die konkret. Bei letzterer kam es 2002 allerdings in der Folge des Irakkrieges zu einem Zerwürfnis mit dem Herausgeber Hermann L. Gremliza. Als wäre das noch nicht genug, trennte sich selben Jahr auch die Jungle World aus ähnlichen Gründen von ihm. Daraufhin kritisierte Elsässer das Aufweichen des Antikriegskonsens innerhalb der linken Bewegung in seinem zweiteiligen Essay „Wie sie lernten, die Bombe zu lieben – Linke, Krieg und Antisemitismus“.

Bis hier hin konnte einem Jürgen Elsässer durchaus noch sympathisch sein. Er war ein konsequenter Kriegsgegner und Antiimperialist mit stark marxistischen Ansätzen. Doch der Konflikt innerhalb der linken Bewegung brachte ihn wohl ins Wanken und ließ ihn letztendlich völlig nach rechts kippen. Bereits bei seiner kurzen journalistischen Tätigkeit für die linke Tageszeitung Neues Deutschland vom April 2008 bis Januar 2009 fiel er unangenehm auf, indem er an rechte Parolen andockte.

Im Anschluss erschienen 2009 einige seiner Artikel bei Kopp Online. Beim Kopp Verlag erscheint von links bis rechts so ziemlich alles, was mit Verschwörung zu tun hat. Darunter auch die islamfeindlichen Hetzschriften eines Udo Ulfkotze. Irrwitzigerweise schrieb Elsässer seinerseits für die Islamische Zeitung. Man hätte ihm die Zusammenarbeit mit dem Kopp Verlag daher vielleicht noch als Protest durchgehen lassen können, wenn er sich nicht weiter in diese Ecke verrannt hätte.

Im selben Jahr gründete Elsässer die „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“, welche jedoch lediglich für eine Nationalisierung des Finanzsektors eintritt und nicht für die generelle Überwindung des Kapitalismus. Für einen ehemaligen Antiimperialisten ein wenig enttäuschend. Die Volksinitiative sollte dennoch offen sein für alle von „Lafontaine bis Gauweiler“.

Wegen diesem Zitat wurde Elsässer alsbald unterstellt, er wolle eine Querfront von links bis rechts. Nun kann man die CSU ja gerne als rechte Partei bezeichnen, aber Gauweiler gehört dort eher zum linken Flügel. Gauweiler war z.B. der Einzige in seiner Fraktion, der sich gegen die Unterzeichung des ESM-Bankenermächtigungsgesetzes stellte und damit bereits von sich aus den Schulterschluss mit der Linksfraktion wagte, welche als einzige im Bundestag geschlossen gegen den ESM stimmte. Zusammen klagten sie auch vor dem Bundesverfassungsgericht gegen den ESM und Fiskalpakt.

Zumindest zu diesem Zeitpunkt war die Behauptung einer Querfront also nichts weiter als eine üble Unterstellung. Leider wird diese inzwischen aber von Elsässer selbst bestätigt. In seinem 2009 gegründeten Compact Magazin, welches beim Kai Homilius Verlag erscheint, vermischen sich linke und rechte Positionen zu einem teilweise schon kruden Verschwörungsbrei.

Zu seinen rechtslastigen Thesen gehört u.a. die folgende Behauptung: „Mit Staatsknete wird Multikulti, Gendermainstreaming und die schwule Subkultur gefördert, während die Proleten auf Hartz IV gesetzt werden.“ Zum einen spielt Elsässer hier gezielt Arbeitlose gegen Migranten und Homosexuelle aus, womit er das Prinzip „teile und herrsche“ fördert. Allein das ist schon sehr fragwürdig für jemanden, der angeblich gegen die herrschende Elite kämpft.

Doch nehmen wir den Inhalt noch etwas genauer unter die Lupe. „Multikulti“ ist eine bewusst negative Wortwahl aus dem rechten Spektrum, mit der gegen alles Fremde gehetzt wird. Insbesondere Sinti und Roma verabscheut Elsässer abgrundtief. Deutschland jedoch schon immer multikulturell und wurde bereits in vergangenen Jahrhunderten von den Römern, der Hugenottenzuwanderung und vielen weiteren Einflüssen kulturell bereichert. Eine deutsche Leitkultur sucht man dagegen vergebens, denn Bayern, Berliner, Rheinländer, Schwaben usw. haben alle ihre eigenen Traditionen. Die Sorben und Friesen haben sogar eine eigene Sprache.

Mit dem Feindbild „Multikulti“ bemüht Elsässer das Gespenst vom „Untergang des christlichen Abendlandes“, welches sich von konservativ bis rechtsextrem größter Beliebtheit erfreut. Dabei wird natürlich auch ordentlich gegen den Islam mobil gemacht. Dumm nur, dass das Christentum, welches unser Abendland so sehr prägt, aus derselben Ecke in Nahost kommt, wie der Islam. Also wenn hier schon etwas bedroht ist, dann doch eher das heidnische Abendland und für dessen Rettung kommen Elsässer und Co. rund 2.000 Jahre zu spät.

Ebenso widerwärtig wie Elsässers Rassismus, ist seine Homophobie. Zwar behauptet er von sich selbst, nicht homophob zu sein, doch im Februar 2014 zeigte er im Studio von Frank Höfer sein wahres Gesicht. So meinte er, sich als hetero zu outen, sei schon revolutionär und Männer, die Frauen lieben, seien eine Randgruppe. Er unterstellte gar, dass die Rechte der Schwulen und Lesben die Rechte der heterosexuellen Mehrheit untergraben würden. Natürlich ging er nicht darauf ein, wie genau das vonstatten gehen soll, da diese Behauptung schlichtweg völliger Humbug ist.

Der Gipfel war dann das Schlagwort der „homosexuellen Propaganda“. Angeblich würde es in Filmen und Serien von homosexuellen Charakteren nur so wimmeln und es gäbe einen ungeheuerlichen Hype. Schaut der Typ überhaupt Fernsehen? Schwule und lesbische Charaktere sind eine absolute Minderheit und in den Hauptrollen so rar wie faustgroße Diamanten. Hinzu kommt, dass vor allem schwule Männer in den Medien oft total klischeehaft dargestellt werden, was eher abwertend als fördernd ist.

Und wie sieht es in der Gesellschaft aus? Bis heute werden Schwule und Lesben in Deutschland benachteiligt und ein bedenklicher Prozentsatz der Deutschen hat einen unerklärlichen Hass gegen Homosexuelle. Gerade von Nazis und Evangelikalfaschisten hagelt es eher schwulenfeindliche Propaganda. Das Bild von der Bevorzugung Homosexueller, welches Elsässer zeichnet, hat einfach nichts mit der Realität zu tun und seine Paranoia bedient genau die Gegenseite.

Mit ähnlicher Überzeugung setzt er sich gegen die angebliche Frühsexualisierung von Kindern ein, nur weil diese in der Schule aufgeklärt werden und dabei auch etwas über Toleranz gegenüber Andersliebenden lernen. „Schulfach schwul“ nennt Elsässer das plakativ populistisch. Da Homosexualität aber weder eine ansteckende Krankheit noch eine erlernbare Ideologie ist, erübrigen sich alle Behauptungen, die Kleinen würden damit in eine bestimmte Richtung beeinflusst werden. Die Mehrheit der Schüler wird das deutsche Schulsystem weiterhin heterosexuell verlassen.

Was den sexuellen Aspekt an sich angeht, so lernen die Kleinen lediglich etwas über menschliche Biologie, was allemal besser ist, als ihnen bis zum 18. Lebensjahr etwas vom Klapperstorch weis zu machen. Es ist einfach absurd zu behaupten, dass die Grundschüler dadurch früh sexualisiert würden. Den Kindern werden in der Schule weder Pornos gezeigt, noch üben sie die Praxis. Im Gegenteil ist es erwiesen, das Kinder ohne solche Aufklärung früher Sex haben und die Schwangerschaften sowie Geschlechtskrankheiten unter genau den Minderjährigen zunehmen, die noch nie etwas von Verhütung gehört haben.

Der Sexualkundeunterricht ist absolut harmlos und geradezu trocken. Wer seine Abschaffung fordert, kann auch gleich noch nach Geschlechtertrennung an den Schulen schreien. Willkommen im Mittelalter! Hinzu kommt, dass jedes Lady Gaga Video bedenklicher ist und MTV bei weitem mehr zur Frühsexualisierung beiträgt, als die Schule. Zwar richtet sich Elsässer durchaus auch gegen dieses Extrem, doch während er das Bild der Frau als Sexobjekt kritisiert, vertritt er selbst das Bild der Frau als Gebärmaschine.

Quelle – Elsässer O-Ton

Und da wären wir schon bei seiner Lieblingsverschwörungstheorie – der angeblichen Zerstörung der (heterosexuellen, christlichen) Familie. Zu diesem Thema erschien Anfang 2014 gleich ein ganzes Compact-Sonderheft mit dem Titel „Feindbild Familie“, welches am 20. März auf einer eigens anberaumten Konferenz vorgestellt wurde. Auf dieser Veranstaltung war u.a. Andrej Sikojev zugegen, der offizieller Botschafter der russisch-orthodoxen Kirche bei der deutschen Politik ist.

Quelle

Nur so nebenbei findet sich auf dem Cover der Ausgabe gegen Frühsexualisierung eine Anspielung auf eine Frühilluminierung. Der Herr, der hinter der deutschen Familienpolitik dunkle Mächte vermutet, bedient sich selbst der Symbolik des allsehenden Auges.

Feindbild Freimaurer

Mit dieser schauerlichen Freakshow eckte Elsässer auch bei Ken Jebsen an, welcher ihn für seinen erzkonservativen Sexismus und seine kruden Verschwörungstheorien ordentlich ins Kreuzfeuer nahm. Es ist sehr erfreulich, dass Ken sich von Elsässers Ansichten distanziert und ihnen Paroli bietet, denn gerade in den alternativen Internetmedien ist Aufklärung bitter nötig.

Vor allem, wenn Leute wie Elsässer den Schulterschluss mit Katholiken, Orthodoxen und Evangelikalen wagen. So schrieb z.B. Eva Hermann in der Compact, dass ein religiöses Elternhaus gut für die Entwicklung von Kindern sei. Eine Ansicht, die Elsässer teilt, da ihm zufolge streng religiöse Eltern ihre Kinder vor deren eigener Sexualität „schützen“. Es ist jedoch völlig normal, dass Heranwachsende mit Beginn der Pubertät ihren eigenen Körper entdecken. Eltern, die ihren Kindern erzählen, dass sie in die Hölle kommen, wenn sie sich unten rum anfassen, richten damit schwere psychische Schäden an. Genau solche Erziehungsmethoden können sich später in sexuellen Störungen manifestieren.

Natürlich sind beim Thema „Feindbild Familie“ auch die Homosexuellen wieder einmal die Hauptschuldigen. Wie verblendet kann man nur sein? Entweder man ist schwul oder hetero oder bisexuell, wobei Schwule und Lesben nun einmal nicht ohne weiteres „eigene“ Kinder bekommen können (außer durch Samenspenden oder Leihmutterschaft). Man kann sie auch nicht zu irgendetwas zwingen, indem man ihnen ihre sexuelle Ausrichtung verbietet oder sie gar bekämpft, wie es ein gewisser Adolf damals gemacht hat. So weit würde Elsässer zwar sicherlich nicht gehen, aber er bereitet solcher Menschenverachtung den Nährboden.

Die Verantwortung der Zerstörung von Familien liegt weder bei Schwulen und Lesben, noch beim Recht der Frauen auf Selbstverwirklichung. Die Familien gehen viel eher an unmöglichen Arbeitszeiten, prekärer Beschäftigung und Armut kaputt. Wer 60 Stunden die Woche arbeitet und dabei gerade mal die Miete raus hat, kann sich keine Familie leisten. Kinder sind im Turbokapitalismus schlichtweg existenzgefährdend.

Offensichtlich werden die wahren Gründe, wenn man einmal die heutige BRD mit der DDR vergleicht. In der DDR war die große Mehrheit der Frauen berufstätig. Dennoch funktionierten die Familien und die Scheidungsrate war vergleichsweise niedrig. Zur Stabilisierung der Familien haben zudem ausreichend kostenfreie Kitaplätze beigetragen. Die Frauen an den Herd zu ketten kann also nicht die Lösung sein.

Aus Elsässers Sicht wäre eine solche Degradierung der Frauen zu Gebärmaschinen allerdings ein „Befreiungsschlag“, da sie ja angeblich gegen ihren Willen und gegen ihre Natur in die Arbeit gedrängt würden. Ganz besonders gilt dies natürlich für Angela Merkel, die als mächtigste Frau im Staat gewiss jeden Tag von ihrem Mann ins Kanzleramt geprügelt werden muss. Was für ein unglaublich frauenverachtender Schwachsinn! Elsässers Familiebild stammt wahrhaftig aus der Steinzeit. Oder von Eva Hermann, die als Karrierefrau gegen das Recht der Frauen auf Karriere ist.

Aber es geht noch eine Spur absurder. Denn während Elsässer auf der einen Seite über die Zerstörung der Familie klagt, tritt er auf der anderen Seite gegen das Adoptionsrecht für Schwule und Lesben ein. Er drückt sich in dieser Frage zwar vorsichtig aus und verweist auf bereits bestehende Rechte, aber prinzipiell findet er das Recht der Homosexuellen auf eine Familie bedenklich, als würden da irgendwelche obszönen Dinge stattfinden. Dabei sind Kindesmisshandlungen in klassischen Heterofamilien weitaus häufiger verbreitet. Aber was macht es schon, wenn ein Vater seine Kinder grün und blau prügelt, so lange im Bett eine Frau unter ihm liegt…

Elsässers Ansichten über Familie und Homosexualität basieren allein auf Vorurteilen und konservativen, patriarchalen Rollenklischees. Niemand verlangt von ihm, seine sexuelle Orientierung zu wechseln und sich daheim selbst an den Herd zu stellen. Er hat das Recht in seiner erzkonservativen Heterowelt glücklich zu werden, obgleich der eigentliche Witz darin besteht, dass er selbst gar keine Familie hat. Das Recht, anderen seine Wertvorstellungen aufzuzwingen oder sich gar in die Familienplanung anderer Menschen einzumischen hat er jedoch nicht! Liebe ist für alle da und Familien sind mehr als nur Kinderfabriken!

Damit wären wir aber immer noch nicht am Ende. Der nächste große Punkt sind Jürgen Elsässers Kontakte zum rechtskonservativen und sogar rechtsextremen Milieu. Freilich, Elsässer ist selbst kein Nazi und würde auch nie als solcher gesehen werden wollen. Ein nationalkonservativer Rechtspopulist ist er dagegen sehr wohl und schaut man sich seine Verbindungen einmal etwas genauer an, öffnen sich Abgründe.

Zu den noch eher „harmlosen“ Kontakten zählt der Sozialdarwinist und ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin, der Arbeitslosen gerade einmal 3 € pro Tag für Wasser und Brot gönnt und sowohl gegen Muslime als auch gegen Juden hetzt. Berühmt geworden ist Sarrazin durch sein Pamphlet „Deutschland schafft sich ab“, welches Elsässer ausdrücklich als „mutig“ lobt.

Sarrazin ist jedoch nicht der einzige Elitäre, mit dem sich der einstige Marxist umgibt. Gleichsam findet er wohlwollende Worte für die AfD – einen neoliberalen Haufen von Ökonomen, Bankern und Wirtschaftsprofessoren, der vorgibt, die Interessen der kleinen Leute zu vertreten. Wie glaubwürdig kann Elsässers Engagement gegen das Finanzkapital angesichts solcher Verbindungen sein?

Der AfD ist allerdings auch ein Hang zum Rechtspopulismus eigen. In ihren Reihen wird schon gerne mal über die angeblich „faulen Griechen“ gelästert und das Gespenst von der „Islamisierung Deutschlands“ bemüht. Es ist schon fast ein Wunder, dass Thilo Sarrazin noch nicht von der SPD zur AfD übergelaufen ist, aber vielleicht kommt das ja noch.

Elsässer fühlt sich jedenfalls in diesem rechtspopulistischen Umfeld pudelwohl und so verwundert es nicht weiter, dass er gleichsam die FPÖ in Österreich sowie die Blocher-Partei in der Schweiz ganz offen feiert. Darüber, wie viele Freimaurer sich in diesen Parteien tummeln, braucht man sich gar nicht weiter auszulassen. Der ehemalige FPÖ-Chef Jörg Haider, der nach Ansicht der Rechtspopulisten von der „jüdischen Weltverschwörung“ ermordet worden sein soll, war z.B. selbst ein freimaurerischer Weltverschwörer.

Kommen wir nun jedoch von den Rechtspopulisten zu den Rechtsextremisten. Jürgen Elsässer sieht sich ja gerne als Chefaufklärer der NSU-Affäre. Irrwitzigerweise ist der Hauptverantwortliche des NSU-Terrors ein gern gesehener Autor des Compact-Magazins. Die Rede ist vom ehemaligen Thüringer Verfassungsschutzchef Helmut Roewer.

Nun wäre es natürlich für alle Compact-Leser höchst interessant, was Roewer zur Aufklärung der NSU-Affäre beitragen könnte, welche Elsässer ja so sehr am Herzen liegt. Doch stattdessen schreibt der verpeilte Trunkenbold seine Meinung zu historischen Themen. Man braucht wohl nicht viele Worte über die Glaubwürdigkeit von Artikeln über den 1. Weltkrieg zu verlieren, die von einer Knallcharge stammen, welche zum Karneval im Ludendorff-Kostüm erscheint. Zwar hat Roewer Geschichte studiert, aber offenbar nicht viel daraus gelernt. Zudem ist er dafür bekannt, dass er historisch bedeutende Akten schreddern lassen hat.

All dies hielt Elsässer jedoch nicht davon ab, in der Sendung der Compact-Ausgabe vom Januar 2014 Helmut Roewers Bücher zu bewerben. Selbstverständlich ohne darauf hinzuweisen, dass selbige im rechtsextremes Ares-Verlag erschienen sind. Frank Höfer sollte sich dringend von Jürgen Elsässer trennen, bevor Nuoviso TV jeden Rest von Glaubwürdigkeit verliert.

Der selbsternannte NSU-Chefaufklärer kungelt nämlich nicht nur mit dem größten NSU-Unterstützer, sondern unterhält inzwischen sogar direkte Kontakte zum rechtsterroristischen Milieu. Es ist wahrhaft erschreckend, dass Elsässer neuerdings den Gründer der verbotenen Wehrsportgruppe Hoffmann, Karl-Heinz Hoffmann, hofiert. Dieser streitet nicht nur jede Mitschuld am Anschlag auf das Oktoberfest von 1980 ab, sondern behauptet darüber hinaus, dass das NSU-Terrortrio unschuldig sei.

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Ebenso erschreckend ist es, dass sich der Basler Historiker Daniele Ganser auf ein von Compact arrangiertes Streitgespräch mit Hoffmann einließ. Zwar vertritt Ganser die exakte Gegenmeinung, nämlich, dass die Wehrsportgruppe Hoffmann Teil der Stay-behind-Netzwerke war. Doch was zum Henker hat er sich davon versprochen, mit einem der Hauptverantwortlichen von damals darüber zu streiten? Man kann nur hoffen, dass Ganser aus rein historischem Interesse handelte, denn seine Bücher über die NATO-Geheimarmeen sind Pflichtlektüre für jeden Antifaschisten.

Jürgen Elsässer hingegen paktiert hier ganz bewusst mit dem Teufel. Jedem Menschen mit genügend Hirn hätte sofort klar sein müssen, dass Karl-Heinz Hoffmann unter gar keinen Umständen die Wahrheit über seine persönliche Verstrickung in Stay-behind oder den Anschlag auf das Oktoberfest sagen würde. Immerhin würde ihn das bestenfalls ins Gefängnis bringen. Schlimmstenfalls würde man ihn vielleicht sogar als Kronzeugen ausschalten. Man denke nur an das massive Zeugensterben im NSU-Fall. Darauf hat Hoffmann gewiss keinen Bock und obendrein ist er absolut von seiner faschistischen Weltanschauung überzeugt.

Diese Weltanschauung bekommt nun dank Elsässer neuen Auftrieb, indem er Hoffmann ein Podium bietet. Einem 100%igen Rechtsextremisten wohl bemerkt, der einst Jugendliche in SS-Uniform mit scharfen Waffen für den Sturz der Bundesregierung trainieren ließ. Seine Wehrsportgruppe war für den schlimmsten Terroranschlag der deutschen Geschichte sowie die Morde an dem jüdischen Verleger Shlomo Lewin und dessen Lebensgefährtin Frida Poeschke verantwortlich. Hoffmann ist nach wie vor ein überzeugter Nazi, dessen Ziel immer noch das 4. Reich ist und der dem Compact-Magazin außer Geschichtsrevisionismus nichts zu bieten hat.

Besonders abscheulich ist Elsässers Verhalten in Hinblick auf die Premiere des Kinofilms „Der blinde Fleck“, welche wohl der Anlass für die Einladung Hoffmanns war. „Der blinde Fleck“ basiert auf den Recherchen des Journalisten Ulrich Chaussy und behandelt die Hintergründe des Attentats auf das Münchner Oktoberfest vom 26. 9. 1980, bei dem 13 Menschen ermordet und 211 weitere verletzt wurden. Elsässer macht sich hier bewusst zum Anwalt der Täter und verspottet damit die Opfer.

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Angesichts dessen fragt man sich, welche Ansichten er im NSU-Fall tatsächlich vertritt? Offenbar geht es ihm gar nicht darum, die Verbindungen von Beate Zschäpe, Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos zum Verfassungsschutz aufzudecken. Vielmehr scheint es ihm darum zu gehen, die drei als unschuldige, „national eingestellte“ Jugendliche zu verharmlosen, die von der BRD benutzt und hintergangen worden sind. Die Täter als arme Opfer.

Es stimmt zwar, dass die drei keineswegs allein gehandelt haben und ihr Unterstützerkreis von Blood & Honour bis tief hinein in den Verfassungsschutz reichte. Weiterhin gibt es starke Hinweise darauf, dass das Terrortrio die Morde nicht allein plante und durchführte. Ebenso deutet alles darauf hin, dass die beiden Uwes vom Geheimdienst aus bisher noch unbekannten Gründen auf besonders drastische Art und Weise gefeuert wurden. Beteiligt waren sie aber auf jeden Fall.

Es wurden bereits im Rahmen von Gladio bewusst Nazis von der NATO und CIA rekrutiert, da man sich bei diesen darauf verlassen konnte, dass sie alles gegen eine Regierungsbeteiligung von Kommunisten in Westeuropa unternehmen würden. Zschäpe, Böhnhardt und Mundlos waren zweifelsohne überzeugte Faschisten mit genügend Hass auf Ausländer, um selbige umzubringen. Indem Elsässer dem Staat die alleinige Schuld zuweist, verhöhnt er einmal mehr die Opfer. Diese wurden schon einmal von selbigem Staat verhöhnt, der die Schuld seinerseits bei den Familien der Opfer suchte.

Vom selbsternannten Chefaufklärer der NSU-Affäre haben wir also keinesfalls die Wahrheit zu erwarten. Im Gegenteil zeigt seine Kungelei mit Karl-Heinz Hoffmann, wie unseriös und bedenklich Jürgen Elsässer geworden ist. Hinzu kommt, dass er ein eiskalter Geschäftsmann ist. Keine Provokation ist ihm zu ungeheuerlich, um damit nicht die Auflage seines Magazins zu steigern. Eines Magazins, welches von links bis rechts jeden Geschmack bedient, Hauptsache der Rubel rollt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass aus dem einst viel versprechenden linken Intellektuellen Jürgen Elsässer ein rechtspopulistischer Geschichtsrevisionist geworden ist. Es ist dabei durchaus verständlich, dass ihm viele Menschen auf den bundesweiten Friedensdemonstrationen Beifall klatschen. Einerseits kennen ihn einige noch als Marxisten, andererseits könnten seine Beiträge über die Ukraine glatt bei Gregor Gysi abgeschrieben sein. Elsässer versteht es sehr gut, seine Fassade des antifaschistischen Friedensapostels aufrecht zu erhalten.

Allerdings hat diese Fassade bereits tiefe Risse bekommen. Selbst auf den Montagsmahnwachen bröckelt der Putz bereits in großen Klumpen. So zog sein Auftritt vom 16. 6. 2014 in Karlsruhe einige Neonazis an, welche später gegenüber einigen antifaschistischen Gegendemonstranten handgreiflich wurden. Die Antifa in Karlsruhe machte dabei gar nicht mal den Fehler, wie die Antideutschen andernorts mit Aluhüten und US-Flaggen aufzutreten. Im Gegenteil trugen sie ganz sachliche Argumente gegen Jürgen Elsässer vor, welcher an diesem Tag offenbar kein Problem damit hatte, sich von Rechtsextremisten feiern zu lassen.

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