Die Identitäre Bewegung – Dürfen wir morgen noch Südfrüchte essen?

von Shinzon

Immer wieder wird Europa von Neofaschisten geplagt. Die Goldene Morgenröte macht in Griechenland Jagd auf Flüchtlinge, die ungarische Jobbik tyrannisiert Roma und die Swoboda hetzt ihre Todesschwadronen auf alle Russen, Kommunisten und Juden in der Ukraine. Gefährlich ist vor allem, dass letztere zwei auch starken politischen Einfluss ausüben. Die Jobbik dient dem ungarischen Orban-Regime als Steigbügelhalter und die Swoboda ist sogar direkt an der Regierung der Ukraine beteiligt.

In Deutschland sieht die Lage dagegen scheinbar etwas entspannter aus. Die NPD ist, mit Ausnahme von Mecklenburg-Vorpommern, aus allen größeren Parlamenten verdrängt und wird mit zunehmender Radikalisierung als Gefahr wahrgenommen. Ebenso haben die nächtlichen Spontanfackelmärsche der so genannten „Unsterblichen“ bei der Bevölkerungsmehrheit eher Gruselgefühle als Sympathien erzeugt. Dennoch ist die NPD im ländlichen Raum immer noch sehr stark und in zahlreichen Gemeinde- sowie Stadträten vertreten. Zudem ist ihr Nichteinzug in die ostdeutschen Landtage keineswegs ein Zeichen für einen Rückgang rassistischer Ressentiments, sondern geht vor allem auf das Konto der rechtspopulistischen AfD.

Die AfD bietet rassistische, islamfeindliche sowie homophobe Standpunkte in einer abgeschwächten Form und besetzt darüber hinaus auch andere Themen wie Kritik am Finanzystem. Damit hat sie beim rechten Wählerklientel größeren Zuspruch, denn bestimmte Bevölkerungsschichten fordern zwar einfache Lösungen, lehnen jedoch Gewalt ab. Man will die „Asylanten“ zwar loswerden, aber nicht gleich umbringen. Rechtspopulisten in Nadelstreifen machen zudem einen seriöseren Eindruck als Nazis in Bomberjacken.

Die AfD ist mit ihrem Auftreten dem französischen Front National nicht unähnlich. Es verwundert daher nicht weiter, dass einige AfD-Politiker wie der Thüringer Landtagsabgeordnete Björn Höcke mit einer weiteren rechten Gruppierung sympathisieren, die in Frankreich ihren Ursprung hat. Die Rede ist von der Identitären Bewegung, welche sich als völkische Graswurzelbewegung verkauft. Höcke geht mit seiner Sympathie für diese neue Rechte sogar so weit, dass er die AfD in dem rechtsnationalen Blatt Die Blaue Narzisse eine „identitäre Kraft“ nennt.

Die Themen der Identitären Bewegung sowie der AfD sind altbekannt und finden sich auch bei der NPD wieder. Vom „Verlust der eigenen Identität“ ist die Rede und natürlich werden die Gespenster von der Islamisierung Europas sowie der Zerstörung der Familie bemüht. Doch welche Identität wird hier eigentlich bedroht? Die des christlichen Abendlandes? Das Christentum kommt aus derselben Ecke wie der Islam und hat die ursprünglichen gallischen und germanischen Identitäten längst verdrängt! Zudem waren Frankreich, Deutschland und der Rest Europas schon immer fremden Einflüssen ausgesetzt. Angefangen bei den Römern und den Osmanen und selbstverständlich haben sich die Länder auch untereinander beeinflusst.

Unsere heutige Identität ist bereits multikulturell. Namen wie Gysi und Lafontaine zeugen z.B. noch heute von der Hugenottenimmigration. Der Straßenbau wurde von den Römern eingeführt und das Wort Straße stammt folgerichtig aus dem Latein. Selbst unsere Speisekarten sind multikulturell. Pizza kommt aus Italien, Nudeln aus China und selbst unsere urdeutschen Kartoffeln stammen tatsächlich aus Amerika. Wer fremde Einflüsse fürchtet, sollte außerdem dringend Bananen, Paprika, Pfeffer und andere Gewürze, Kaffee sowie Schokolade meiden.

Unsere Supermarktregale sind wahrhaftig überfremdet! Doch wen juckt das eigentlich? Offenbar nicht einmal die Identitären. Denen geht es nur um fremde Menschen. Natürlich sehen sie sich dabei jedoch keineswegs als Rassisten, sie sind laut eigenen Aussagen halt nur gegen Multikulti. Schon klar. Das Etikett „0% rassistisch, 100% identitär“ ist etwa so sinnfrei wie „0% homophob, 100% Jürgen Elsässers Meinung“.

Doch woher nehmen die Neurechten eigentlich ihren Fremdenhass? Gerade in Thüringen, wo Björn Höcke gegen Ausländer mobil macht, beträgt deren Anteil gerade einmal 1,8 %. Im Vergleich dazu ist der Anteil an Südfrüchten an jeder beliebigen Obsttheke größer.

Das Weltbild der Neurechten ist vollkommen irrational und ihre Bewegung lebt allein von der Angst vor allem Fremden. Doch was ist eigentlich fremd? Bereits in einer kleinen Stadt sind sich die meisten Menschen untereinander fremd, selbst wenn zu 99% alle deutsch sind. Die meisten werden sich auch immer fremd bleiben. Zum einen, weil es schwer fällt, innerhalb eines Lebens zehntausende oder gar Millionen Menschen kennen zu lernen. Deshalb sind rechte Gedanken wohl auch vor allem im ländlichen Raum präsent, weil in kleinen Dörfern jeder jeden kennt.

Zum anderen will gewiss auch nicht jeder jeden kennen lernen. Dazu sind die Menschen viel zu unterschiedlich, denn wir alle haben unsere persönliche Identität. Und da wären wir auch schon bei der unnatürlichen nationalen Identität. Diese ist schon allein deswegen schwachsinnig, weil jedes Land bereits in sich multikulturell ist. In Deutschland gibt es dutzende Dialekte, regionale Traditionen, kulturelle Unterschiede und ethnische Minderheiten wie Friesen und Sorben.

Die Forderung der Identitären, alles Multikulturelle aus Deutschland (bzw. Frankreich usw.) zu entfernen, ist also ein Angriff auf unsere Lebensweise! Das letzte Mal, dass in Deutschland alle Menschen kulturell gleichgeschaltet wurden, war im 3. Reich. Dabei hatte die Monokultur der Nazis selbst eher wenig mit deutschen Traditionen gemeinsam.

Der Faschismus wurde aus Mussolinis Italien importiert, wobei das Wort vom Lateinischen Fasci (dem Rutenbündel) abgeleitet ist. Ein Großteil der Symbolik des 3. Reiches, wie z.B. der Reichsadler und einige Aspekte der Architektur, waren ebenfalls bei den alten Römern abgeschaut. Der esoterisch-okkulte Hokuspokus wurde indes vor allem aus Indien und Tibet entlehnt. Das Einzige, was überhaupt von den alten Germanen übernommen wurde, waren die Runen und Sonnenwendfeiern.

In gewisser Weise waren also auch die Nazis multikulturell, wobei sie jedoch erheblichen Missbrauch mit fremden Kulturen betrieben und aus diesem verfremdeten Gemisch ihr abartiges Weltbild zusammenrührten. Die Identitäre Bewegung setzt diese Tradition ungebremst fort. Sie geben zwar vor, eine deutsche Monokultur schützen zu wollen, die es überhaupt nicht gibt, aber ihr Weltbild ist einmal mehr von fremden Einflüssen durchsetzt.

Ein Beispiel gefällig? Die Identitären treten überall mit selbst gebastelten Pappschilden auf, welche den griechischen Buchstaben Lambda tragen. Damit spielen sie auf die Spartaner an, welche fremde Einflüsse mit Gewalt bekämpften und so angeblich ihre Identität beschützten. Doch sollte man sich an den Spartanern ein Beispiel nehmen? Zum einen läuft dies dem Zweck der Identitären Bewegung zuwider. Denn wenn sich fremdenfeindliche Franzosen und Deutsche auf einen griechischen Volksstamm berufen, öffnen sie sich damit gerade den fremden Einflüssen, vor denen sie sich angeblich schützen wollen.

Zum anderen waren die Spartaner ziemlich grausam und selbst gegenüber ihrem eigenen Volk äußerst barbarisch. Schwächliche und kränkliche Neugeborene bekamen überhaupt keine Chance, sich zu beweisen, sondern wurden außerhalb der Siedlungen ausgesetzt und dem Tod überlassen. Das sind ausgerechnet die Traditionen, auf die zivilisierte Menschen tatsächlich verzichten sollten. Sich anderen Kulturen zu öffnen, heißt nämlich nicht, diese unkritisch zu übernehmen.

Diese Grenzen ziehen die Neurechten aber gar nicht erst. Statt z.B. den Islamismus, der gerade im Norden von Syrien und dem Irak wütet, als Problem zu benennen, wollen die Identitären den Islam als Ganzes aus Europa verbannen. Wie die Spartaner kippen sie das Kind gleich mit dem Bade aus. Entsprechend tönt es: „Das ist kein Manifest, sondern eine Kriegserklärung!“ Krieg? Etwa so wie in der Ukraine?

Differenziertes Denken sucht man bei den Neurechten jedenfalls vergeblich. Ebenso wie ein Bekenntnis zu Freiheit und Demokratie. Für den Islam müssen Länder, in denen die Religionsfreiheit gesetzlich garantiert ist, selbstverständlich offen sein. Dies gilt natürlich nicht für Schariapolizisten und islamistische Terrorkämpfer, da diese wiederum selbst eine Gefahr für die Religionsfreiheit darstellen. Wir müssen weder alles willkommen heißen, noch alles bekämpfen. Wir müssen einfach nur lernen, zu unterscheiden.

Genau das machen die Identitären aber nicht. Im Gegenteil, sie bekämpfen harmlose Moslems und andere Migranten, während sie kindermordende Spartaner glorifizieren. Damit unterscheiden sie sich weit weniger von radikalen Islamisten, als ihnen selbst bewusst ist. Wie dumm kann man nur sein?

Bei näherer Betrachtung gewinnt man ohnehin den Eindruck, dass die Identitären sich nicht wirklich für die historischen Spartaner interessieren, sondern einfach nur zu oft den Film „300“ gesehen haben. Ein Hollywoodkracher übrigens, der faschistische Denkweisen fördert und dabei nur so vor freimaurerischer Symbolik strotzt. Da freut sich der Baphomet.

Szene aus "300"

Szene aus „300“

Und damit wären wir dann auch schon beim Kernpunkt der Identitären Bewegung. Zwar gibt sich diese als Graswurzelbewegung aus und tatsächlich wurden wohl einige Gruppen von Trittbrettfahrern gegründet. Doch wie konnte sich die Bewegung so schnell organisieren und woher nimmt sie die finanziellen Mittel für ihre professionellen Propagandamaterialien?

Wie eingangs erwähnt genießen sie bereits die Unterstützung von wohlhabenden Politikern aus dem französischen Front National und der deutschen AfD. Die Identitären sind also keineswegs eine unabhängige Bewegung aus der Bevölkerung heraus, sondern werden zentral gesteuert und finanziert. Passend dazu finden sich bei ihnen, wie bereits bei der AfD, die typischen Freimaurersymbole. Das Lambda mag zwar ein griechischer Buchstabe sein, aber es ist gleichzeitig auch ein freimaurerischer Winkel.

Lambda

Hinzu kommt eine immer wiederkehrende Sonnensymbolik, welche mit dem Lambda gekoppelt wird. Dabei nimmt der griechische Buchstabe neben der Funktion als Winkel zusätzlich die Funktion einer Pyramide ein, über der die Sonne aufgeht. Deutlicher kann man eigentlich nicht werden.

Identitäre Sonne

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass im Falle der Identitären Bewegung wieder einmal elitäre Kreise versuchen, die Menschen gegeneinander auszuspielen. Teile und herrsche! Dabei sollten die Menschen statt Angst vor Überfremdung eher Angst vor der nächsten Rezession haben. Der Feind kommt nicht von außen, sondern sitzt in den Finanzzentren dieser Welt.

Die nationalen Identitäten wurden uns indes von oben aufgezwungen, um uns auseinander zu dividieren. Ganz so, wie man in einem Strategiespiel den Computerfiguren verschiedene Farben gibt, um sie dann gegeneinander kämpfen zu lassen. Die Neurechten haben vor lauter kollektivem Nationalgeist ihre persönliche Identität als Mensch vergessen. Wir sind alle einzigartige Individuen und ein Afrikaner oder Asiat kann einem Europäer weit weniger fremd sein, als ein anderer Europäer. Was wir als fremd wahrnehmen, hängt nämlich allein von den persönlichen Interessen und Gefühlen ab. In diesem Sinne sind wir froh, dass uns das rassistische Weltbild der Identitären völlig fremd ist!

2 Kommentare zu “Die Identitäre Bewegung – Dürfen wir morgen noch Südfrüchte essen?

  1. Ich kann all jene Leser beruhigen, die Identitären werden weder von Freimauern noch von Israel oder irgendwelchen anderen Herrschaften bezahlt; andernfalls müssten wir nicht aus privaten Mitteln schöpfen! Auch sind wir keine Rassisten, nur weil wir eben nicht diese grenzenlose Überfremdung wollen. Es ist zwar richtig, dass zahlreiche Nationen lediglich künstliche Gebilde darstellen; aber wir beziehen uns auch nicht auf die Nation, sondern auf unsere Abstammung, Sprache sowie Kultur, und dies ist Deutschland, also der deutschsprachige Raum, ein seit Jahrtausenden von unserem Volk besiedeltes Gebiet! Selbst unsere Sprache ist noch ursprünglich, als unmittelbare Weiterentwicklung des Althochdeutschen. Dies sind Dinge, welche wir erhalten wollen. Wir wollen ein friedliches Miteinander der Völker, die Vielfalt bewahren und keine globalistische Zerstörung, in welcher unsere Identität mit Konsumismus ersetzt wird. Wir wollen Freiheit sowie Selbstbestimmung, und keine Versklavung durch Konzerne, Weltbanken und ihre angestrebten Unionen wie der EU!

    • „die Identitären werden weder von Freimauern noch von Israel oder irgendwelchen anderen Herrschaften bezahlt“

      Israel hatten wir gar nicht im Verdacht. Interessant, dass Sie das hier erwähnen. Die Verbindungen zu den Herrschaften von Front National, AfD und NPD sind allerdings offenkundig und wer bestimmte Symbole benutzt, darf sich über entsprechende Schlussfolgerungen nicht wundern.

      „Auch sind wir keine Rassisten, nur weil wir eben nicht diese grenzenlose Überfremdung wollen.“

      Typisch: „Ich bin kein Nazi, aber…“ Wer sich durch ungermanische Einflüsse überfremdet fühlt, sollte dringend alle Nudeln, Kartoffeln und Südfrüchte aus der Küche verbannen und seinen Stammbaum bis zurück zur letzten Eiszeit überprüfen. Das reine Neandtalerblut könnte eventuell durch Homo Sapiens-Gene verunreinigt worden sein. Übrigens solltet Ihr nicht gegen Überfremdung auf die Straße gehen, denn Straßen sind eine römische Erfindung. Streng genommen solltet ihr nicht einmal das Wort benutzen, weil es aus dem Latein kommt. Und da wären wir schon beim nächsten Punkt:

      „Selbst unsere Sprache ist noch ursprünglich, als unmittelbare Weiterentwicklung des Althochdeutschen.“

      Ha ha, damit eignen Sie sich echt zum Standup Comedian. (Übrigens kein deutsches Wort!) Unsere Sprache ist das beste Beispiel für kulturellen Austausch seit tausenden von Jahren! Das ursprüngliche Germanisch würde heute kein Deutscher mehr verstehen. Da müsste man schon einen Sprachhistoriker bemühen. Und selbst das Althochdeutsch, welches schon durch lateinische und andere Sprachen infiziert war, dürfe heute kaum noch jemand sprechen, geschweige denn verstehen.

      „Dies sind Dinge, welche wir erhalten wollen.“

      Wer verbietet Euch das? Nur entwickelt sich die Menschheit eben weiter, egal ob nun biologisch, technologisch oder kulturell. In 2.000 Jahren wird es das heutige Deutschland genauso wenig geben, wie es heute noch germanische Stämme gibt, die mit Pfeil und Bogen jagen. Es gibt keinen Stillstand. Außer vielleicht bei dem Amish und jeder ist frei, sich denen anzuschließen.

      „Wir wollen ein friedliches Miteinander der Völker, die Vielfalt bewahren“

      Na wenn das so ist, ist es doch schön, dass die Vielfalt zu uns kommt.

      „keine globalistische Zerstörung, in welcher unsere Identität mit Konsumismus ersetzt wird. Wir wollen Freiheit sowie Selbstbestimmung, und keine Versklavung durch Konzerne, Weltbanken und ihre angestrebten Unionen wie der EU!“

      Also seid ihr antikapitalistische Globalisierungsgegner? Das ist ja toll! Warum hängt ihr dann noch auf Pegida-Demos ab, statt in Frankfurt gegen die Banken-Hegemonie zu demonstrieren? Oder seid ihr jetzt gar nicht die Identitären, sondern Attac? Wenn ihr Kommunisten seid, warum regt Euch dann der Artikel auf?

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