Wer ist hier der ewig Gestrige?

Am 25. Jahrestag des Mauerfalls folgte Wolf Biermann einer Einladung des Bundestagspräsidenten Norbert Lammert (CDU), einige seiner Lieder im deutschen Bundestag zu trällern. Diese Gelegenheit ließ Biermann sich nicht entgehen und verteufelte die Linksfraktion als „den elenden Rest dessen, was zum Glück überwunden wurde“. Sich selbst bezeichnete er indes als „Drachentöter“.

Gewiss kann man Biermann, der 1976 aus der DDR ausgebürgert wurde, eine gewisse Abneigung gegenüber der damaligen Regierung sowie der Stasi nicht verdenken. Seine Kritik an dem, was damals war, ist durchaus berechtigt. Seine heutigen Eskapaden treffen jedoch die Falschen. In der Linksfraktion sitzt gerade einmal eine Handvoll alter SED-Kader mit Stasivergangenheit. Der Rest stammt entweder aus Westdeutschland, wurde erst in der WASG politisch aktiv, war zum Mauerfall noch nicht mal volljährig oder gehörte zum Reformflügel der SED. Doch Biermann macht da keinen Unterschied!

Auf der anderen Seite hat er kein Problem damit, dass heute IM Erika im Kanzleramt sitzt oder Stasilav Tillich Ministerpräsident von Sachsen ist. Der Wolf im Schafspelz scheint also nicht wirklich ein Problem mit DDR-Verbrechern zu haben, sondern lediglich mit Sozialisten und Kommunisten. So passt es dann auch gut ins Bild, dass der einstige Systemkritiker kein kritisches Wort über das aktuelle kaputtalistische System verliert. Kein verbaler Angriff auf die Bundesregierung, weil diese Waffen an Diktaturen liefert, sich an verbrecherischen Kriegen beteiligt und weiter an Hartz IV festhält. Nicht einmal die flächendeckende NSA-Überwachung ist dem einstigen Stasiopfer eine Erwähnung wert.

Wolf Biermann ist mitnichten ein Bürgerrechtler, sondern lediglich ein hasserfüllter Antikommunist. Es geht ihm nicht wirklich darum, Unrecht aufzuklären, denn tatsächliche DDR-Verbrecher sind ihm egal, solange sie nur nach dem Mauerfall die Seiten gewechselt haben. Ebenso ist ihm heutiges Unrecht egal, da es ja von Kapitalisten begangen wird. Sein würdeloser Auftritt im deutschen Bundestag ist ein wohl orchestriertes Theaterstück, mit dem einmal mehr die einzige Partei im Bundestag diffamiert werden soll, die sich gegen die Macht der Banken und Konzerne stellt.

DIE LINKE wird nicht von Bilderbergern kontrolliert und gehört damit nicht zum korrupten Parteienkartell der Bundesrepublik. Ebenso ist der Anteil an Freimaurergesocks in ihren Reihen am niedrigsten ist. Das macht sie zu einer Bedrohung für die neue Weltordnung. Und welche Rolle nimmt Wolf Biermann in diesem Spiel ein?

Erwischt!

Erwischt!

3 Kommentare zu “Wer ist hier der ewig Gestrige?

  1. „In der Linksfraktion sitzt gerade einmal eine Handvoll alter SED-Kader mit Stasivergangenheit.“

    Sind Namen bekannt?

    PS: Biermann sollte den Mund halten und in Rente gehen.

  2. Zwei schöne Kommentare von zeit.de
    (beide haben viele „Daumen rauf“ bekommen)

    „Biermann hat doch nicht mehr zu bieten,
    als kleingeistiges Gezänk. Seine Rede zeigte doch anschaulich, dass er Berufsdissident geblieben ist. Er lebt von seiner Vergangenheit und seinen alten Feindbildern und ist dabei in den letzten Jahrzehnten immer weiter nach rechts gerutscht.

    Wäre es nicht so erbärmlich, der Mann könnten einem leid tun.“

    und:

    „Traurig wie Biermann sich hier einiges an Achtung verspielt hat,
    selbst Lammert schien peinlich berührt.

    Woher kommt dieser Hass? Statt die Kriegstreiber und soziale Schieflage zu thematisieren stürzt er sich auf eine demokratisch legitmierte Partei die sich für die Rechte der Armen und Schwachen einsetzt.

    Die Leute die ihm Unrecht taten sind alle lange gestorben.

    Er ist kein Kommunist wie er sich sieht er its ein sattgefressener verbitterter hasserfüllter Mensch dem das Ziel verloren gegangen ist.“
    🙂

  3. „Liebe Freunde,
    Wolf Biermann wird in den Bundestag eingeladen um zu singen.
    Er beschimpft die Linke als Drachenbrut, so ausführlich, dass ihn Bundestagspräsident Lammert mit einem Hinweis auf die Geschäftsordnung ermahnen muss. Biermann meint, er lasse sich das Reden nicht verbieten und entgegnete an die Adresse der Linken: „Ihr seid dazu verurteilt, das hier zu ertragen. Ich gönne es Euch.“
    Mal sehen, wann ich jetzt in den Bundestag eingeladen werde, um meine Lieder zu singen. Und wie die Streicher, Stricher und Streichler der Bankenmacht das ertragen.
    Es wäre Ihnen zu gönnen.“

    (Konstantin Wecker)

    „Als zahlreiche Abgeordnete der Linken sich während einer Diskussion im Bundestag zu Afghanistan schweigend erhoben und T-Shirts mit den Namen vom Opfern gezeigt hatten, die beim Bombenangriff nahe Kundus getötet wurden, der vom deutschen Oberst Klein veranlasst worden war, wurden sie vom Parlamentspräsidenten ermahnt und zur Ordnung gerufen. Als sie sich nicht setzten, wurde ihnen wegen Verstoßes gegen die Geschäftsordnung und die Würde des Hauses der Ausschluss von der Sitzung angedroht. Nicht genug damit. Im Nachgang wurde die Geschäftsordnung und die Ahndungsmöglichkeiten verschärft.
    Als Wolf Biermann seinen Auftritt in der Sitzung des Bundestages trotz Hinweises auf die Geschäftordnung nutzte, um die Mitglieder der Fraktion der Linken lauthals zu schmähen, wurde ihm nach dem Ende des Auftritts vom Präsidenten freundlich die Hand gereicht und die Granden der Koalitionsfraktionen umarmten ihn herzlich.“

    (Hans Christian Ströbele)

    Zu letzterem muss allerdings hinzugefügt werden, dass Gastreder im Bundestag sich nicht an die gleichen Regeln halten müssen wie die gewählten Parlamentarier, das steht so in der Geschäftsordnung. Dennoch ist Ströbeles Kommentar korrekt, denn so einen Hofnarren der CDU einzuladen war einfach eine Fehlentscheidung.

    Einige weitere sehr gute Kommentare auf der Facebook-Seite von Ströbele:

    „Herr Ströbele, ich danke Ihnen für den aufschlussreichen Vergleich über die Doppelmoral einiger Großkoalitionäre und des Bundestagspräsidenten. Was Herr Biermann gesagt hat, war der Demokratie und dem Bundestag unwürdig, respektlos und peinlich!
    MfG Philip Grabowski
    (SPD-Mitglied)“

    „Die Wahrheit, die Wahrheit…. Dazu gehörte dann auch ein Rundumschlag gegen die Reste der Blockflöten, oder nicht? Und wie wahrhaftig unsere Frau Kanzlerin ist, die heute daher labert, dass sie im Traum nicht daran gedacht habe, vor dem Eintritt ins Rentenalter die Reisefreiheit zu haben, aber offenbar vergisst, dass sie bereits als junge Frau, und das als Pfarrerstochter, in den Westen gereist war. Ob das ein Zeichen dafür sein könnte, dass sie ebenfalls zu dieser „Drachenbrut“ gehört hatte? Wahrheit?“

    „Wenn man Die Linke geschlossen als SED beschimpft, darf man anschließend auch nicht einer FDJ-lerin die Hand schütteln; das hat Herr Biermann in seiner mauerfest betonierten Verbitterung nicht bedacht.“

    (als Antwort auf einen Vollpfosten, der sich über die Regierungsbildung in Thüringen aufregte)

    „Leider scheinen Sie (…) auch nach 25 Jahren noch nicht in der gesamtdeutschen Demokratie angekommen zu sein. Denn offenbar haben Sie bis heute nicht begriffen, dass es zur Demokratie dazu gehört, politische und biografische Pluralität zu akzeptieren. Sie müssen ja die Leute nicht umarmen, die dort für DIE LINKE im Bundestag sitzen. Die Linksfraktion vertritt ebenso Menschen, die ihr Recht zur freien Teilnahme an Wahlen genutzt haben, wie alle anderen Fraktionen. Diese Menschen beschimpfen Sie gleich mit. Finden Sie sich doch bitte damit ab, dass es auch in Deutschland eine sozialistische Partei gibt, deren Mitglieder und Abgeordnete in übergroßer Mehrheit nichts mit der SED zu tun haben und die einfach linke Politik machen – im Bundestag, in Landtagen, in Kommunen. Sie müssen das nicht richtig finden, aber Sie sollten soviel demokratischen Geist an den Tag legen, dass hinzunehmen. Mit Ihrer Einstellung, diesen Menschen pauschal ihre ehrliche (demokratische) Gesinnung abzusprechen, passten Sie wohl besser in die SED als die meisten Mitglieder der Linkspartei…“

    „ (…) der Prozentsatz der „Alt-SED`ler“ in der Linken sind satte 2%! Und jeder weiß wohl, daß die Anzahl der IM`s in den „Blockflötenparteien“ immens höher war als in der SED. Und die stellen jetzt die Regierung und stellten sie in Thüringen in den letzten 25 Jahren! Da hat keinerlei kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit stattgefunden. Und die mußten sich auch nicht entschuldigen! Obwohl sie noch zum letzten 7. Oktober feststellten, daß sie „fest an der Seite der SED für den Sozialismus“ stehen. DAS widert mich noch mehr an als ein paar Linke. Und vor den Alt-CDU`lern sollte man auch mehr Angst haben. Man denke nur an Frau Lieberknecht und ihre Skandale im letzten Jahr….
    Danke Herr Ströbele, dass Sie diese Schande ansprechen. Ich war geschockt, als ich nach Biermanns primitiver Provokation sah, wie er von Lammert und einigen Mitgliedern der Groko gefeiert wurde, anstatt ihn rauszuwerfen. Ich denke, diese Provokation von Biermann wurde deshalb toleriert, weil sie von der Groko erwartet, wenn nicht sogar geplant war. Es ist ein Skandal, denn der überwiegende Teil der Linken hat mit der SED nichts zu tun. Biermann ist ein ungebildeter Dummkopf, denn sonst hätte er auch die „Blockflöten“ in CDU und SPD angesprochen, die in der DDR auch in einer der Regierungsparteien wie NDPD, CDU , DBD oder auch SED waren, nach der Wiedervereinigung aber teilweise wechselten. Diese „Wendehälse“ verdienen viel weniger Respekt als die „Altlasten“ unter den Linken, die eine Partei erneuern wollten. Die DDR hatte kein Einparteiensystem, auch wenn die Mehrheit in der SED war, die sich zum großen Teil aus früheren SPD- und KPD-Mitgliedern zusammensetzte. Ich erwarte als Wählerin und Bürgerin dieses Landes vom Präsidenten des Bundestages, dass er zur Duldung dieses Eklats Stellung bezieht!“

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