Putins neue Weltordnung

von Shinzon

Im Konflikt um die Ukraine sind die Fronten nicht nur im Land selbst verhärtet. Es handelt sich viel mehr um einen Stellvertreterkonflikt zwischen dem westlichen Imperialismus auf der einen und dem russischen Imperialismus auf der anderen Seite. Sobald man für eine dieser Seiten Partei ergreift, wird man sofort zur Zielscheibe für die eine oder andere Propagandamaschinerie. Leider gilt dies aber auch, wenn man den Konflikt völlig objektiv betrachtet und für den Frieden eintritt.

Wer richtig erkannt hat, dass der westliche Imperialismus den Stein ins Rollen gebracht und sich in der Ukraine mit Faschisten verbrüdert hat, wird automatisch zum „Putinversteher“ oder Schlimmeres. Gerade linke Politiker werden von den Massenmedien gerne als prorussisch deklariert und im Kanzleramt bastelt man bereits an einer neuen Dolchstoßlegende.

Derartige Argumentationen sind jedoch völlig deplatziert. Sich gegen den westlichen Imperialismus zu stellen bedeutet eben nicht, den russischen Imperialismus zu befürworten. Die Partei DIE LINKE sowie die linke Bewegung im Allgemeinen verstehen sich eher als generell antiimperialistisch. Die Kritik am westlichen Imperialismus steht lediglich deswegen im Vordergrund, weil er mit Abstand am aggressivsten ist und den größten Einfluss in der Welt hat.

Über einen Mangel an Kritik gegenüber Putins Russland kann man sich dennoch nicht beklagen. Immerhin ist Russland keineswegs ein sozialistisches Paradies, sondern ein zutiefst korrupter Sumpf von Oligarchen, die sich sämtliches Kapital aneignen, während die Mehrheit des russischen Volkes in bitterster Armut lebt. Kein Sozialist bzw. Kommunist würde jemals solche Verhältnisse gutheißen.

Ebenso hagelt es Kritik wegen der Unterdrückung der Pressefreiheit, dem harten Strafrecht sowie der Ignoranz gegenüber russischen Neonazis, die offen Jagd auf Juden, Kaukasier und Homosexuelle machen. Das Stichwort Homosexualität sorgt gleichermaßen für harsche Kritik an Putin. Zwar spielt die russisch-orthodoxe Kirche die Hauptrolle bei der Unterdrückung der sexuellen Freiheit, dennoch haben die vermeintlichen „Putinversteher“ wenig Verständnis für Putins Einlenken gegenüber den religiösen sowie rechtsextremen Fanatikern.

Um es kurz zu machen: Wer die politische Linke einen Putin-Fanclub nennt, hat wahrscheinlich noch nie eine linke Veranstaltung besucht oder eine Bundestagsrede von Gregor Gysi zum Ukraine-Konflikt gehört. Im linken Lager ist man sich sehr wohl darüber bewusst, dass Putin ein Imperialist ist. Insbesondere DIE LINKE anzugreifen, weil sie keine Hitlervergleiche zieht und nach einer diplomatischen Lösung sucht, statt nach Krieg zu schreien, zeugt von maximaler Dummheit.

Besonders dumm sind dabei selbstverständlich diejenigen, die den westlichen Imperialismus befürworten, welcher weitaus mehr Kriege zu verantworten hat. Tschetschenien mag eine Schweinerei gewesen sein, verblasst jedoch im Vergleich zu Korea, Vietnam, Panama, Irak, Jugoslawien, Afghanistan, noch mal Irak, Libyen, Syrien usw. Zumindest außenpolitisch hat Putin die Nase vorn.

Innenpolitisch liegt er indes mit den USA gleichauf. Beide Systeme sind gleichermaßen korrupt. In beiden Ländern geht die Polizei mit harten Bandagen gegen Systemgegner vor, sowohl in den USA als auch in Russland ignoriert der Staat die Neonazis und obgleich in einigen US-Bundesstaaten die Homoehe inzwischen erlaubt ist, sollte man nicht den Hass der Evangelikalfaschisten unterschätzen. Ebenso sind beide Großmächte historisch vorbelastet – die eine durch den Stalinismus, die andere durch die Sklaverei. Hier ein Genozid an den amerikanischen Ureinwohnern, dort ein Genozid an den ukrainischen Bauern.

Weder damals noch heute lohnt es sich, für ein Imperium Partei zu ergreifen, denn am Ende bekommt man in jedem Falle eine neue Weltordnung heraus. Ja, auch Wladimir Putin spricht sich, ebenso wie Angela Merkel und Barack Obama, für die Globalisierung aus. Es darf dabei nicht vergessen werden, dass Russland nach wie vor zu den G20 gehört, obgleich Putin inzwischen nur noch als Schmuddelkind in der Sandkiste der Großmächte angesehen wird.

Der einzige Unterschied zwischen Putin und seinen westlichen Kontrahenten besteht darin, dass er Russland gerne als Großmacht in einer multipolaren Weltordnung sehen würde, während der Westen eine absolute Welthegemonie anstrebt. Zumindest muss man Putin an dieser Stelle zugestehen, dass er im Gegensatz zum totalitären Eine-Welt-Staat, die Souveränität aller Länder anerkennt und diese aufrechterhalten will. Das macht ihn zumindest ein wenig sympathischer.

Es fragt sich allerdings, welche Rolle Putin tatsächlich spielt, denn auf dem Valdai Forum 2014 bediente er sich ganz klar der Symbolik der neuen Weltordnung und verteidigte die Globalisierung. Mit Sicherheit kann auch davon ausgegangen werden, dass der ehemalige KGB-Agent ein hochgradiger Freimaurer ist und daher deren Ziele teilt.

Putin World Order

Im Prinzip gibt es zwei Möglichkeiten. Möglichkeit 1 unterstellt einen Konflikt innerhalb der Freimaurerei, was keineswegs ungewöhnlich wäre. Demnach würde Putin tatsächlich für eine multipolare Weltordnung souveräner Staaten eintreten, was freilich der Definition einer neuen Weltordnung aus Sicht der westlichen Logen zuwider laufen würde. Für diese Möglichkeit spricht, dass Putin für ein starkes Russland eintritt und hart gegen Oligarchen vorgeht, die „sein Land“ an den Westen verkaufen wollen.

Möglichkeit 2 wäre, dass Putin nur eine ihm zugedachte Rolle spielt und wir Zeuge eines gigantischen Theaters sind. Das mag unglaublich klingen, wäre aber nicht vollkommen auszuschließen. In jedem Falle lohnt es sicher aber nicht, in diesem Konflikt Partei zu ergreifen. Stattdessen sollten wir alle die Situation objektiv analysieren und uns auf einen antiimperialistischen Grundkonsens einigen.

2 Kommentare zu “Putins neue Weltordnung

  1. Hammer Artikel! Genau die zwei Möglichkeiten am Schluss sind die einzig Realen, und beantworten kann es nur die Zeit oder Putin selber. Meine bisherige Beobachtung von Putin tendiert zu Möglichkeit 1, meine Kenntnis über Mystery Babylon für Möglichkeit 2…
    Herzlichst, der Chaukee

  2. Eine nähere Beleuchtung Alexandr Dugins würde mich sehr interessieren.

    Insbesondere was die Strategien zur inneren Zersetzung des Westens anbelangen.
    …Chaosstern-Symbolik,…
    …angeblich sarkastische Äußerungen betreffend eines Progroms an der „weißen Rasse“, welchen „der Westen“ aufgrund seiner Lebensweise (u.A. Homosexualität) selbst provozieren würde…etc…

    Insgesamt für mich bislang sehr „undurchsichtig“…

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