Teile und herrsche mit PEGIDA

von Shinzon

PEGIDA, das ist keine neue Geschlechtskrankheit, sondern eine Vereinigung „Patriotischer Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“. Nun Leben in Deutschland aber gerade einmal rund 4 Millionen Muslime, was eine absolute Minderheit darstellt. Die meisten Muslime sind zudem integrationswillige Menschen, die arbeiten und Steuern zahlen. Im Bundestag ist auch nicht die türkische AKP stärkste Kraft, sondern die CDU. Entgegen allen Gerüchten ist nicht zu befürchten, dass die große Koalition in absehbarer Zeit die Einführung der Scharia plant.

Warum also gehen inzwischen zehntausende Menschen auf die Straße, weil sie den Untergang des Abendlandes befürchten? Am 8. Dezember 2014 waren es allein in Dresden schon rund 10.000 und eine Woche später 15.000 Demonstranten. Und das ausgerechnet in einem Bundesland, welches mit einem Ausländeranteil von gerade einmal 2,2% alles andere als „überfremdet“ ist. Richtet sich der ganze Aufruhr tatsächlich nur gegen die gerade einmal knapp 100 Salafisten, die es in Sachsen offiziell geben soll?

Ohne Zweifel sind die Salafisten ein ernstzunehmendes Problem, da sie ein Rekrutierungsbecken der IS im Norden von Syrien und dem Irak sind. In diesem Teil der Welt droht tatsächlich die Machtergreifung durch Ilsamisten, die jeden köpfen, der ihnen nicht ins Weltbild passt. Darunter übrigens auch andere Muslime wie Schiiten, Alawiten und Kurden. Doch Solidarität für die Menschen in Syrien und dem Irak sucht man auf den PEGIDA-Demonstrationen vergebens.

Es geht dem Kern dieser streng rechtsgerichteten Bewegung auch gar nicht um extreme Auswüchse des Islam, sondern um den Islam an sich. Doch dieser bedroht das christliche Abendland nicht. Die Gefahr eines dritten Weltkrieges ist da schon viel größer, also wäre es doch weitaus angebrachter, für den Frieden auf die Straße zu gehen. Gerade in der Weihnachtszeit sollten die Menschen nach etwas Positivem streben, was sie verbindet. Stattdessen vergeuden viele Deutsche die Vorweihnachtszeit mit Fremdenhass.

Das geht sogar so weit, dass inzwischen wieder Asylheime brennen und mit Hakenkreuzen beschmiert werden. Der jüngste Vorfall ereignete sich erst kürzlich in Vorra. Ist das etwa deutsche Willkommenskultur? Oder Ausdruck der christlich-abendländlichen Wertegemeinschaft? Das besonders Perfide an diesen Anschlägen ist, dass sie ausgerechnet jene treffen, die vor echtem islamistischen Terror fliehen.

Nun können gewiss nicht alle knapp 15.000 Dresdner, die zur letzten PEGIDA-Demo erschienen sind, über einen Kamm geschoren werden. Bei einem Großteil handelt es sich um die bürgerliche Mitte, die auch dank der asylfeindlichen Politik der Union von Vorurteilen und falschen Ängsten geprägt ist. Die Stimmung dieser Angstmenschen ist vergleichbar mit der Inquisition im 16. Jahrhundert. Damals gab man die Schuld an den Hungersnöten den vermeintlichen Hexen, heute werden die Ausländer für die wachsende Armut verantwortlich gemacht. Da hilft nur Aufklärung.

Dennoch zeigen die PEGIDA-Demonstrationen, wie weit rassistische Ressentiments und Islamophobie in die Mitte der Gesellschaft gerückt sind, wenn zehntausende Menschen völlig unkritisch den Aufrufen der rechtspopulistischen AfD und einigen Kameraden der NPD folgen. Deren Teilnahme lässt sich kaum leugnen und in Dresden wie auch andernorts gehören Vertreter der AfD und bekannte Neonazis bereits zu den Hauptrednern.

Der PEGIDA-Gründer Lutz Bachmann ist ebenfalls kein Unbekannter. Vor allem der Polizei ist er bereits bestens bekannt, u.a. wegen Körperverletzung, Einbruch, Diebstahl und Trunkenheit am Steuer. Zudem wurde Bachmann schon mehrfach wegen Kokainbesitzes verurteilt. Es ist geradezu zynisch, dass tausende Dresdner einem Kriminellen Beifall klatschen, wenn dieser gegen angeblich „kriminelle Asylanten“ hetzt. Zumal Bachmann zwischenzeitlich selbst nach Südafrika geflohen war, um einer Haftstrafe zu entkommen. Wie war das doch gleich mit Asylmissbrauch?

Ebenso zynisch ist es, dass Bachmann gegenüber der der New York Times behauptete, dass er nichts gegen Kriegsflüchtlinge, Ausländer und dem Islam habe. Warum hat er dann die PEGIDA gegründet? Lutz Bachmann ist ein geübter Lügner und wurde wohl nicht zufällig schon wegen Anstiftung zur Falschaussage strafrechtlich belangt. Eine falsche Aussage ist es übrigens auch, dass „Asylbewerber in luxuriös ausgestatteten Unterkünften leben“. Wenn sich zwei Familien ein Zimmer in einer alten Bruchbude teilen müssen, kann von Luxus keine Rede sein.

Desinformanten wie Bachmann spielen bewusst die finanzielle Not deutscher Leiharbeiter und Hatz-IV-Empfänger gegen die Ausländer aus. Die parasitäre Finanzmafia, die tatsächlich in Luxus lebt, ist dagegen kein Thema auf den PEGIDA-Demos. Und das hat System. Wer gegen eine imaginäre Islamisierung auf die Straße geht, der kämpft nicht gegen die reale Knechtschaft durch die Banken, Hedge Fonds und Konzerne. Teile und herrsche!

Das ist es, worum es hier wirklich geht und ein Großteil der Deutschen fällt wieder einmal darauf herein. Wie konnte sich die PEGIDA-Bewegung wohl so schnell über ganz Deutschland ausbreiten? Quasi über Nacht tauchten in Leipzig Legida, in München Bagida, in Darmstadt Dagida, in Bonn Bogida und in Düsseldorf Dügida. Die Liste wächst beständig weiter, auch in Gegenden, wo es keinen einzigen Moslem gibt. Wer sind also die Drahtzieher hinter alledem?

Hauptverantwortlich dürfte die neoliberale AfD sein, welche nachweislich Lobbyisten der Großbanken in ihren Reihen hat. Wer hier an Zufälle glaubt, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Wenn Deutsche gegen Migranten und Christen gegen Moslems ausgespielt werden, dann freut sich die Finanzmafia! Das wusste auch schon der ehemalige Bundesbanker Thilo Sarrazin, als er „Deutschland schafft sich ab“ auf die Menschheit losließ. Denn wer grübelt schon noch über die unzähligen Milliarden nach, die in die Bankenrettung gestopft werden, wenn uns angeblich Migranten die Haare vom Kopf fressen? Die Täuschung scheint aufzugehen!

Nur so nebenbei, es gibt weitaus mehr Migranten, die hier Steuern zahlen, als Asylsuchende, die den Staat Geld kosten. Rechnet man die Einnahmen gegen die Ausgaben, geht Deutschland mit einem jährlichen Plus von rund 3.300 € pro Migrant alles andere als leer aus. Auf der anderen Seite kosten uns die Banken hunderte Milliarden, aber die Bundesregierung weigert sich, eine Finanztransaktionssteuer oder Börsenumsatzsteuer zu erheben. Ebenso wird nichts gegen die Steuerflucht großer Konzerne wie Disney, Zalando, Starbucks oder eBay nach Luxemburg unternommen. Das sind die Fakten, die man auf keiner PEGIDA-Demo hören will!

Durchaus willkommen sind dagegen Neofaschisten mit ihren eindeutig rechtsextremen Botschaften. Es scheint fast so, als solle Deutschland nun nach dem Vorbild der Ukraine und Venezuelas gespalten werden. In der Ukraine hat es die Swoboda mit Hilfe der CIA in die Regierung geschafft. In Venezuela ist die CIA-Taktik dagegen bisher stets am Mehrheitswillen der Bevölkerung gescheitert, obgleich es dennoch zahlreiche Tote durch die marodierenden Nazihorden gab. Wie wird sich die Situation aber in Deutschland entwickeln? Ist PEGIDA der Auftakt zu einem Bürgerkrieg wie in der Ukraine? Oder werden die Deutschen sich den Neofaschisten entgegen stellen, wie die Venezolaner?

Einen Hoffnungsschimmer gibt es bereits. In Dresden sind am 8. Dezember rund 9.000 Menschen gegen PEGIDA auf die Straße gegangen. In der Woche darauf immerhin noch rund 5.000. Es sind also nicht alle Deutschen vollends verblödet und lassen sich zu Werkzeugen des westlichen Imperialismus degradieren. Es gibt immer noch Menschen in diesem Land, denen kritisches Denken und Mitgefühl für andere nicht abhanden gekommen sind. In diesem Sinne wünschen wir eine friedliche Weihnachtszeit.

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