BND schützte Naziverbrecher

von Shinzon

Eigentlich sollte es nicht verwundern, dass der BND auch als Fluchthilfeorganisation für NS-Verbrecher tätig war. Immerhin wurde der Bundesnachrichtendienst von Gestapo-Offizieren wie Reinhard Gehlen gegründet. Entnazifizierung sieht anders aus! Aber wer erinnert sich schon noch an die braune Vergangenheit des BND, wenn die herrschende Elite einzig die Stasi im Blick hat, als sei die DDR das finsterste Kapitel deutscher Geschichte gewesen?

Entsprechend dieser geschichtsrevisionistischen Logik ist der folgende Skandal von den Massenmedien nur am Rande abgehandelt worden. Ganz so, als wäre es nicht weiter der Rede wert, dass der BND dem Judenmörder Alois Brunner (1912-2009) beim Untertauchen in Syrien geholfen hat. Der Österreicher Brunner war zur NS-Zeit die rechte Hand von Adolf Eichmann, organisierte gemeinsam mit diesem die Endlösung der Judenfrage und zeichnete sich für den Tod von rund 130.000 Juden verantwortlich.

Im syrischen Exil hatte Alois Brunner nachweislich Kontakt zum BND. Ob er in Damaskus auch direkt für den BND tätig war, ist indes noch ungeklärt. Die entsprechende Akte, die Aufschluss darüber hätte geben können, hat der BND in den 1990ern vernichtet. Da Brunner jedoch bei weitem nicht der einzige NS-Verbrecher im Dienste des BRD-Geheimdienstes gewesen wäre, besteht zumindest die Wahrscheinlichkeit.

In jedem Falle nahm der syrische Geheimdienst die Talente Brunners in Anspruch und übernahm von ihm Foltermethoden wie den „deutschen Stuhl“. Im Gegenzug bot der syrische Staat dem Naziverbrecher ein sicheres Leben in Wohlstand. In Damaskus lebte er unbehelligt unter dem Namen seines SS-Freundes und Fluchthelfers Georg Fischer, eröffnete dort ein Geschäft für westliche Produkte und starb 2009 friedlich im Alter von 98 Jahren.

Obgleich Brunners Tod erst 5 Jahre später in Deutschland bekannt wurde, musste die deutsche Regierung schon mindestens seit 30 Jahren über seinen Aufenthaltsort informiert gewesen sein, selbst wenn der BND ihn bewusst verschwiegen hätte. Immerhin erschien 1985 in der Zeitschrift BUNTE ein Artikel über Brunner, inklusive aktueller Fotos aus Damaskus. 1987 sprach der NS-Verbrecher zudem mit dem österreichischen Journalisten Kurt Steinitz, dem gegenüber er folgenden Satz äußerte: „Junger Freund, lassen Sie mir das schöne Wien grüßen und seien Sie froh, dass ich es für Sie judenfrei gemacht habe.“

Offensichtlich zeigte Brunner bis zu seinem Lebensende keinerlei Reue. Im Gegenteil diente er sich in Syrien dem nächsten Regime an. Doch trotz alledem startete weder die Bundesregierung, noch der Bundesnachrichtendienst je einen Versuch, Brunner zur Rechenschaft zu ziehen. Stattdessen wurde er wissentlich und willentlich geschützt.

Man darf gespannt sein, ob die Historikerkommission, die der BND 2011 zur Untersuchung seiner eigenen NS-Vergangenheit einberufen hat, weiteres belastendes Material im Fall Brunner finden wird. Bisher wurden schon rund 500 Namen ehemaliger Nazis im Dienste des BND aufgedeckt, darunter auch Verantwortliche der Judenverfolgung und anderer Massaker. Der Bericht der Historikerkommission soll 2016 veröffentlicht werden. Allerdings soll er vorab noch vom BND überprüft – im Klartext zensiert – werden.

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s