Paranoigida-Argumente unter der Lupe

Bedauerlicherweise wächst die Pegida-Kundgebung in Dresden immer weiter an. Am 12. Januar 2015 waren es bereits rund 25.000 Teilnehmer. Ein Hoffnungsschimmer bleibt aber dennoch, denn andernorts trafen die eher kümmerlichen Gida-Häufchen auf tausende Gegendemonstranten. Deutschlandweit protestierten über 100.000 Menschen gegen die fremdenfeindlichen und islamophoben Parolen der Patridiotischen Europäer. Allein in Leipzig gingen rund 30.000 Menschen für ein buntes, weltoffenes Deutschland auf die Straße.

Trotz dieser erfreulichen Entwicklung muss die Diskussion über die gefährliche Gedankenwelt von Pegida fortgeführt werden. Ihre Argumente müssen als das entlarvt werden, was sie sind: Der Versuch von Rechtspopulisten, die Gesellschaft zu spalten und Menschen gegeneinander aufzuhetzen. Und da wären wir schon beim ersten Argument, welches oft von Anhängern der Pegida zu hören und zu lesen ist.

● „Wir sind keine Nazis, wir sind nur besorgte Bürger. Die Medien stellen uns bewusst falsch dar.“

Wir wollen gar nicht leugnen, dass bei Pegida durchaus hunderte Menschen aus dem bürgerlich-konservativen Lager mitlaufen, die sich tatsächlich vom Faschismus und der NPD distanzieren. Übrigens sagen das sogar die verhassten Mainstream-Medien, mit denen die meisten Pegida-Anhänger nicht reden wollen. Also von wegen falsche Darstellung.

Jetzt kommt jedoch das große „Aber“. Ein näherer Blick auf eine Pegida-Demo genügt nämlich, um unzählige Neonazis zu identifizieren. Darunter bekannte NPD-Funktionäre sowie entsprechendes Fußvolk, welches man an Thor Steinar und ähnlichen Klamotten erkennen kann. Wer sich von Faschisten distanziert, sollte nicht den Schulterschluss mit selbigen wagen.

Sicherlich werden jetzt einige einwenden, dass auch schon bei den Friedensdemonstrationen Neonazis mitgelaufen sind und man derartiges nicht verhindern könne. Es macht jedoch einen Unterschied, ob die Faschisten bei Pegida nur mitlaufen oder als Hauptredner am Mikrophon stehen und die Demos sogar anmelden. Da wäre z.B. Melanie Dittmer aus dem Landesvorstand von ProNRW, die ehemals Funktionärin der NPD-Jugendorganisation Junge Nationale war und die Bogida-Anhänger mit ausländerfeindlichen Hassparolen beglückt. Neben weiteren ProNRW-Mitgliedern ist auch die aggressive Hogesa bei Pegida vertreten. Von den ganzen AfD-Vertretern fangen wir lieber erst gar nicht an.

Wer da noch behauptet, die Bewegung sei weder rechtsextrem noch rechtspopulistisch, lügt sich selbst in die Taschen. Aber die Deutschen haben ja schon einmal behauptet, von nichts gewusst zu haben…

● „Moslems können sich alles erlauben, wofür Deutsche in den Knast gehen würden.“

Ja klar, deshalb hat man die Attentäter von Paris auch ohne Gerichtsprozess ins Jenseits befördert. Dieses absurde Argument unterstellt, dass es noch nie ein Urteil wegen eines Ehrenmordes oder ähnlichem gegeben hätte. Die Pegida-Aktivisten beziehen sich zwar auf einige Einzelfälle, in denen Mörder muslimischen Glaubens tatsächlich mildernde Umstände wegen des Fastenmonats Ramadan bekommen haben, verschweigen aber, dass die Täter dennoch Haftstrafen von mehr als 10 Jahren bekommen haben.

Wie auch immer, der Fehler liegt hier bei der deutschen Justiz, welche gleichermaßen Neonazis mildernde Umstände gewährt (z.B. wegen Trunkenheit) oder gleich ganz freispricht (z.B. weil sich die Zeugen nicht einigen konnten, ob die Tatwaffe ein Bierglas oder Bierkrug war). Wenn schon, sollte man an dieser Stelle den teilweise korrupten RECHTSstaat infrage stellen und nicht behaupten, Muslime würden generell bevorzugt.

● „Asylanten leben im Luxus, während Deutsche in Armut dahinsiechen.“

Der zweite Teil ist durchaus richtig, immer mehr Deutsche müssen in Armut leben. Daran sind aber nicht irgendwelche Ausländer schuld, sondern das staatlich geförderte Lohndumping, die Einführung von Leiharbeit und Hartz IV. Warum gehen die Menschen also nicht dagegen auf die Straße?

Den Asylbewerbern geht es indes noch weitaus schlechter, als den ALG II-Beziehern. Wer schon einmal ein Asylheim von innen gesehen hat, kann bestätigen, dass es dort keine Bernsteinzimmer mit Kronleuchtern gibt. Meist wohnen mehrere Familien in einem Zimmer zusammen, die Gemeinschaftsdusche ist auf dem Flur und die Gemeinschaftsküche den Gang runter. Taschengeld gibt es zuweilen in Höhe von unter 300 € monatlich, oft aber auch nur Wertmarken, die nur in bestimmten Supermärkten für bestimmte Produkte einlösbar sind. So schlecht geht es den deutschen Arbeitslosen nun wirklich nicht, dass man derartiges im Vergleich als „Luxus“ bezeichnen könnte.

Für weitere Argumente übergeben wir das Wort nun an Ken Jebsen. Es ist höchst erfreulich, dass er so unmissverständlich Stellung gegen Fremdenhass und Islamfeindlichkeit bezieht. Übrigens hat Ken Jebsen iranische Wurzeln, ist also ein Mensch mit Migrationshintergrund. Und wir sind verdammt froh, dass wir ihn hier haben!

Irrwitzigerweise wirft man Ken Jebsen inzwischen vor, er hätte auf Pedgida-Demos als Redner Hetze betrieben. Dumm nur, dass er auf keiner einzigen solchen Demo am Mirkophon stand, sich im Gegenteil sogar eindeutig gegen Pegida ausgesprochen hat.

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