Die Illuminaten – Fakten und Mythen

von Shinzon

Es gibt wohl kaum ein größeres Mysterium auf diesem Planeten als die Illuminaten. Folgt man den Verschwörungstheorien, sollen sie an der Spitze der Machtpyramide stehen und was immer auf der Welt geschieht, die Illuminaten sollen für alles verantwortlich sein. Doch wer sind diese Illuminaten eigentlich und wie lässt sich der Begriff definieren?

Den meisten Verschwörungstheorien liegt der real existierende bayrische Illuminatenorden zu Grunde, welcher am 1. Mai 1776 in Ingolstadt gegründet wurde. Dieser soll im Laufe der Jahrhunderte die Freimaurerei infiltriert haben und inzwischen die gesamte Welt kontrollieren. Die Wahrheit sieht jedoch ein wenig anders aus und dürfte die meisten Verschwörungstheoretiker zumindest teilweise bitter enttäuschen.

Der Gründer Adam Weishaupt (1748-1830), welcher an der Universität von Ingolstadt praktische Philosophie und Kirchenrecht lehrte, sah sich nämlich der wissenschaftlichen Aufklärung verpflichtet. Den Illuminatenorden gründete er, um seine Schüler vor den Intrigen der Jesuiten zu schützen, denen er als einziger im Lehrkörper der Universität nicht angehörte. Zwar besuchte er selbst in seiner Jugend ein Jesuiten-Gymnasium, mit dem Orden konnte er sich jedoch nie anfreunden.

Adam_weishaupt

Nun war Weishaupt nicht nur ein erbitterter Gegner der Jesuiten, sondern sah zunächst auch in den Rosenkreuzern und Freimaurern ein Übel, welches es zu bekämpfen galt. 1790 berichtete er rückblickend in seiner Schrift „Pythagoras oder Betrachtungen über die geheime Welt- und Regierungskunst“ Folgendes:

„Zwei Umstände aber gaben vollends Ausschlag. Zu eben dieser Zeit [1776] hatte ein Offizier, Namens Ecker, in Burghausen eine Loge errichtet, welche auf Alchemie ging und sich gewaltig zu verbreiten anfing. Ein Mitglied dieser Loge kam nach Ingolstadt, um dort zu werben und die Fähigsten unter den Studierenden auszuheben. Seine Auswahl fiel zum Unglück gerade auf diejenigen, auf welche auch ich mein Auge geworfen hatte. Der Gedanke, so hoffnungsvolle Jünglinge auf diese Art verloren zu haben, sich auch überdies mit der verderblichen Seuche, mit dem Hang zur Goldmacherei und ähnlichen Torheiten angesteckt zu sehen, war für mich quälend und unerträglich.“

Das alles hört sich ganz und gar nicht nach den bösen Illuminaten an, welche die Menschheit zu unterdrücken trachten. Im Gegenteil war Weishaupt ein erklärter Gegner des Absolutismus und strebte nach einer demokratischen Republik. Sein Geheimname „Spartacus“ war dementsprechend an den Anführer des römischen Sklavenaufstandes (73–71 v. Z.) angelehnt.

Mit diesem Hintergrundwissen ist einem Adam Weishaupt plötzlich gar nicht mehr so unsympathisch. Dennoch beging er einige gravierende Fehler mit seinem „Bund der Perfektibilisten“, wie der Illuminatenorden ursprünglich hieß.

Der größte Fehler war, dass er schon früh Freimaurer in seinen Illuminatenorden aufnahm, die er zuvor noch als Übel erachtete. Zwar verschaffte die Aufnahme des Freimaurers Franz Xaver von Zwack (1756-1843) dem Orden 1778 einen ersten Aufschwung, sodass er zwei Jahre später schon 60 Mitglieder umfasste, doch kamen die Illuminaten damit auch vom ursprünglichen Kurs ab.

Weishaupt selbst trat 1777 der Münchner Freimaurerloge „Zur Behutsamkeit“ bei, in welcher er zunächst den Namen „Sanchoniaton“ trug. Er überließ seinem Logenbruder von Zwack die Reorganisierung seines Bundes der Perfektibilisten, wobei die Freimaurerei als Vorbild diente. Weishaupt schlug indes als neuen Namen „Bienenorden“ vor, was eindeutig an der Freimaurersymbolik angelehnt war. Seiner Vorstellung zufolge sollten die Mitglieder unter Leitung einer Bienenkönigin den Nektar der Weisheit einsammeln.

Das Einzige, was seine Untergebenen einsammelten, waren jedoch noch mehr Freimaurer. Darunter auch der Adelige Freiherr Adolph Franz Friedrich Ludwig Knigge (1752-1796), welcher seinerseits zahlreiche Freimaurer in Weishaupts Orden brachte, für den man sich inzwischen auf den Namen „Illuminaten“ geeinigt hatte.

Nun wird ja oft behauptet, dass die Illuminaten die Freimaurerei unterwandert hätten. In Wahrheit sieht es jedoch ganz danach aus, als ob das genaue Gegenteil der Fall war. Einige Freimaurer, wie z.B. Johann Wolfgang von Goethe, wurden sogar gezielt mit dem Auftrag zu den Illuminaten geschickt, diese zu überwachen. Zu diesem Zeitpunkt war der Illuminatenorden allerdings schon nur noch ein freimaurerisches Karrierenetzwerk, welches von einer Gruppe Hochgradfreimaurer genutzt wurde, um die zahlreichen deutschen Logen unter ihre Herrschaft zu bringen.

Man könnte also zusammenfassend sagen, dass eine Gruppe von Hochgradfreimaurern die Illuminaten nur als Werkzeug gegen konkurrierende Kräfte innerhalb der Freimaurerei eingesetzt hat. Dieser interne Machtkampf kam nicht von ungefähr, sondern war das Resultat einer schweren Krise, in welcher sich die deutsche Freimaurerei ab 1776 befand. In diesem Jahr starb mit Karl Gotthelf, Reichsfreiherr von Hund und Altengrotkau (1722-1776) der Gründer der „Strikten Observanz“ (das deutsche Hochgradsystem) und hinterließ damit ein Machtvakuum.

Gotthelf war so etwas wie der Kopf der deutschen Hochgradfreimaurerei und behauptete, mit „geheimen Oberen“ in Kontakt zu stehen, die ihn in das tiefste Geheimnis der Freimaurerei eingeweiht hätten. Nun könnte man spekulieren, ob es sich bei diesen „geheimen Oberen“ um den europäischen Hochadel oder gar um Grey und Reptiloide gehandelt haben könnte. Allen dahingehenden Verschwörungstheorien zum Trotz meldeten sich diese Wesen jedenfalls nicht zu Wort und ließen die deutschen Freimaurer ratlos zurück.

Die beiden Illuminaten Freiherr Knigge und Franz Dietrich von Ditfurth (1738-1813) nutzten die Gunst der Stunde und übernahmen auf dem großen Freimaurerkonvent der Strikten Observanz von 1782 die Meinungsführerschaft. Sie schafften das alte Templersystem ab und drängten die Gold- und Rosenkreuzer ins Abseits. (Kleine Anm. nebenbei: Die ehemalige Grünenpolitikern und Gründerin der Ökologischen Linken Jutta Ditfurth ist eine Nachfahre des Illuminaten Franz Dietrich von Ditfurth.)

Nachdem der Illuminatenorden durch die freimaurerische Übernahme gestärkt war, kam es 1784 zum Streit zwischen Weishaupt und Knigge. Offensichtlich hatte Weishaupt seinen schweren Fehler erkannt. Statt die Freimaurerei zu verändern, kontrollierte diese nun seinen Orden und spähte ihn aus. Er mahnte daher an, dass zu rasch zu viele Mitglieder aufgenommen wurden, ohne diese zu überprüfen.

Knigge fühlte sich daraufhin persönlich angegriffen und drohte Weishaupt damit, dessen Geheimnisse an die verhassten Jesuiten und Rosenkreuzer zu verraten. Letztendlich ließ er ein Schiedsgericht in Weimar einberufen, dem u.a. Johann Wolfgang von Goethe, Johann Gottfried Herder und Herzog Ernst von Sachsen-Gotha angehörten. Dieser Congress urteilte, dass sowohl Weishaupt als auch Knigge ihre Machtpositionen im Orden aufgeben sollten. Da Weishaupt, welcher die Leitung des Ordens an Johann Martin Graf zu Stolberg-Roßla abgab, als dessen Gründer jedoch weiterhin einflussreich blieb, verließ Knigge die Illuminaten am 1. Juli 1784.

Mit Knigge verabschiedete sich der wichtigste Fürsprecher des Absolutismus, welcher den republikanischen Bestrebungen des Ordens entgegen stand. Mit dieser neuen Dominanz wurden die Illuminaten wieder zu einer Gefahr für den herrschenden Adel. Insbesondere der bayrischen Obrigkeit waren die Geheimbünde suspekt, weshalb schon am 22. Juni 1784 alle „Communitäten, Gesellschaften und Verbindungen“ durch den bayerischen Kurfürsten Karl Theodor verboten wurden, die nicht vorab von ihm genehmigt waren.

Am 2. März 1785 folgte schließlich das direkte Verbot der Illuminaten und Freimaurer, welche als landesverräterisch und religionsfeindlich eingestuft wurden. Bei den folgenden Hausdurchsuchungen sowie dem Fund eines toten Kuriers, der bei einem Gewitter von einem Blitz getroffen wurde, konnten zahlreiche Dokumente und Mitgliederlisten der Illuminaten beschlagnahmt werden. Einige Illuminaten wurden in der Folge ihrer Ämter enthoben, doch die Verfolgung verlief insgesamt eher milde und es wurden keinerlei Haftstrafen ausgesprochen. Im April 1785 erklärte Graf Stolberg-Roßla den Orden, dem er selbst einst angehörte, schließlich offiziell für suspendiert.

Dies hätte nun das Ende der Illuminaten sein können, wenn Adam Weishaupt nicht 1787 Asyl beim Herzog Ernst in Gotha erhalten hätte. Der verschaffte ihm zusätzlich eine Stelle als Hofrat und bewahrte die Geschichte des Illuminatenordens in der so genannten Schwedenkiste auf, welche sich bis heute in Gotha befindet und seit 1990 ausgewertet wird. Ein weiteres Zeugnis der Illuminaten ist der Merkurtempel im Gothaer Stadtpark. An diesem findet sich bei genaurer Betrachtung die 666 verschlüsselt wieder – ein mögliches Indiz dafür, dass Weishaupt zumindest in späteren Jahren auch vom Satanismus beeinflusst wurde.

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Neben Weishaupt versuchte auch dessen Mitstreiter Johann Joachim Christoph Bode (1731-1793) die Illuminaten durch die Nachfolgeorganisationen der „Minervalkirche“ und dem „Orden der unsichtbaren Freunde“ am Leben zu halten. Die bayrische Obrigkeit roch den Braten offenbar und erließ am 16. August 1787 ein drittes, verschärftes Verbotsedikt, welches die Rekrutierung von Mitgliedern für die Freimaurer und Illuminaten unter Todesstrafe stellte. Unter diesen harten Bedingungen stellte Bode drei Jahre später seine Bemühungen ein.

Was die Freimaurerei angeht, so konnte diese ihren Einfluss dank ihrer Verbreitung in ganz Europa sowie der Mitgliedschaft der wichtigsten Adelshäuser aufrechterhalten. Später konnten die Freimaurer auch in Bayern wieder Fuß fassen. Die Illuminaten gelten hingegen als zerschlagen, wobei sich einige ehemalige Mitglieder wie der bayrische Staatsminister Maximilian von Montgelas (1759-1838) aus Machtkalkül gegen den Geheimbund stellten. Ein Rest von Zweifel bleibt allerdings.

Als letztes großes Werk der Illuminaten gilt die Französische Revolution, welche von 1789-1799 wütete. Historisch belegt ist diese Behauptung jedoch nicht. Fakt ist lediglich, dass die deutschen Freimaurer Verbindungen zu ihren französischen Logenbrüdern unterhielten und auch heute noch unterhalten. Da zahlreiche führende Freimaurer zu dieser Zeit Mitglieder des Illuminatenordens waren, könnte man den Illuminaten zumindest eine Beteiligung an der französischen Revolution zugestehen. Zumal die Abschaffung der Monarchie sowie die Erklärung der Republik zu den wichtigsten Zielen der Illuminaten gehörten.

Die französische Revolution hätte es wohl aber auch ohne Adam Weishaupts Orden gegeben, denn die treibende Kraft dahinter waren die Jakobiner. Diese waren ebenfalls ein Produkt der Freimaurerei und wurden von den Erfahrungen der französischen Soldaten angetrieben, die im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg gekämpft hatten und dort mit der Idee einer demokratischen Republik in Kontakt gekommen waren. Es ist daher kaum ein Zufall, dass die französische Tricolore in den Farben der Freimaurer gehalten ist.

Ob Illuminaten oder Jakobiner, letztendlich sind die Freimaurer die verdeckte Hand, die unsere Geschichte lenkt. Das gilt insbesondere auch für die USA, deren Flagge dieselben Farben aufweist, wie die französische Tricolore. Die USA waren seit jeher ein Freimaurerstaat und sämtliche Verschwörungstheorien, die ihre Gründung den bayrischen Illuminaten zuschreiben, sind kompletter Mumpitz.

Einige Verschwörungstheoretiker behaupten sogar, dass Adam Weishaupt nach Amerika geflohen sei, wo er den Namen George Washington angenommen hätte. Das kann nicht stimmen, denn dann hätte Weishaupt an zwei Orten gleichzeitig sein müssen. Im 18. Jahrhundert konnte er auch noch nicht innerhalb von wenigen Stunden über den Atlantik fliegen und die Seereise dauerte Wochen. Es gibt nur eine Verbindung zwischen ihm und Washington: Beide waren Freimaurer. Möglicherweise ist es daher kein Zufall, dass 1776 sowohl die Vereinigten Staaten von Amerika als auch die Illuminaten gegründet wurden, welche in Deutschland eine ähnliche Republik anstrebten.

Doch wie gesagt ist das verbindende Element die Freimaurerei. Auf diese ist auch die Pyramide mit dem allsehenden Auge zurückzuführen, welche sich u.a. auf dem Staatsiegel der USA befindet. Die Behauptung, dass es sich bei der Pyramide um ein Illuminatensymbol handele, ist zumindest in Bezug auf Adam Weishaupt schlichtweg falsch. Die nachweisbaren Verbindungen zwischen den Illuminaten und der Pyramide mit Auge sind allesamt neueren Datums und ein Phänomen der modernen Pop-Okkultur.

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Das Symbol der Illuminaten war indes die Eule der Minerva und nicht einmal die Eule kann ausschließlich den Illuminaten zugeordnet werden. Zum einen wird sie auch von anderen okkulten Geheimgesellschaften wie dem Bohemian Club benutzt, zum anderen wird sie exoterisch als Symbol der Weisheit verwendet, z.B. von Universitäten und Buchhandlungen. Es ist also nicht alles ein Werk der Illuminaten, wie oft behauptet wird.

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Einzig die Zahl 23 kann zweifelsfrei den Anhängern Adam Weishaupts zugeschrieben werden. Es ist wohl kaum ein Zufall, dass das ehemalige Versammlungsgebäude der Illuminaten heute die Hausnummer 23 hat. Das war nicht immer so, denn als die Theresienstraße noch Am Weinmarkt hieß, hatte das Gebäude die Nummer 298. Offenbar gibt es in Ingolstadt bis heute einflussreiche Freimaurer, die dem Illuminatenorden huldigen.

Oder gibt es den Orden gar noch, wie einige behaupten? Diese Frage lässt sich aufgrund der Beweislage nur schwer beantworten. Es fällt jedoch auf, dass der Name der Illuminaten nicht nur von Verschwörungstheoretikern verwendet wird, sondern extrem oft in der Pop-Okkultur vorkommt. Die Illuminaten tauchen in Filmen, Liedern und PC-Spielen auf. Einige Firmen haben sich sogar nach den Illuminati benannt. Das ist mehr als nur die Ausschlachtung eines alten Mythos, es ist die blanke Ehrerbietung. Der bayrische Orden genießt in Teilen der Freimaurerei bis heute höchste Anerkennung.

Doch steckt eventuell mehr dahinter als die reine Romantisierung eines längst vergangenen Kultes? In betreffenden Filmen und PC-Spielen werden die Illuminaten als nach wie vor mächtige Organisation dargestellt, die das Weltgeschehen kontrolliert. In der Musikindustrie werden Stars direkt mit den Illuminaten in Verbindung gebracht und zwar nicht von Internetbloggern, sondern von der Musikindustrie selbst.

Eine direkte Verbindung gibt es auch zu modernen Geheimgesellschaften wie dem rosenkreuzerischen Ordo Templi Orientis, dessen Mitglieder sich als rechtmäßige Nachfolger der Illuminaten betrachten. Die Meritokratische Partei Großbritanniens beruft sich ebenfalls direkt auf Weishaupts Orden. Die Indizien häufen sich also, dass die Illuminaten tatsächlich noch existieren bzw. in anderen Geheimgesellschaften fortleben und ihr Einfluss keineswegs gegen Null läuft.

Des Weiteren gibt es noch einige okkulte Randgruppen, die sich zwar Illuminaten nennen, aber keinen direkten Bezug zu Weishaupt haben. Darunter die 1978 gegründeten Illuminaten von Thanateros, die sich mit Chaosmagie beschäftigen. Halten wir also fest, dass es verschiedene Illuminaten gibt.

Es gibt sogar Mutmaßungen, dass die wahren Illuminaten schon lange vor Adam Weishaupts Orden existierten. Möglicherweise gab es sie schon vor über 13.000 Jahren im untergegangenen Atlantis. Das ist zwar eine reine Spekulation, aber zumindest muss es schon damals einen Vorläufer der modernen Freimaurerei gegeben haben. Dafür sprechen steinerne Artefakte wie eine dreizehnstufige Pyramide mit Auge, die auf ein Alter von ca. 13.000 Jahren datiert wurden. Die Frage, wie ein solch altes Symbol den Einzug in die Freimaurerei und damit auch auf das Staatssiegel der USA fand, ist absolut berechtigt.

Klaus Dona Pyramide

Doch nannte sich der antike Vorläufer der modernen Freimaurerei tatsächlich Illuminaten? Und war Weishaupts Orden lediglich der Versuch einer Wiederbelebung dieses alten Kultes? Spekulationen, Behauptungen, Irrwege. Wir haben lediglich einige Puzzleteile, die alle okkulten Geheimgesellschaften miteinander verbinden.

Erschwerend kommt hinzu, dass Illuminaten nicht nur die Bezeichnung einer ganzen Reihe von Geheimbünden ist, sondern auch ein Status. Die höchsten Grade der Freimaurerei sehen sich selbst als Erleuchtete und das lateinische Wort dafür lautet Illuminati. Es ist daher sehr wahrscheinlich, dass mit den Illuminaten, welche die Welt beherrschen, gar kein konkreter Geheimbund gemeint sind, sondern die Elite der Freimaurerei. Das würde Sinn machen, denn wenn man sich die Namensliste der Weltenlenker ansieht, findet man dort fast ausschließlich Logenbrüder.

Der einzige andere Orden, der in Sachen Einfluss und Verbreitung mit den Freimaurern mithalten kann, sind die Jesuiten. Deren Logo ist die Sonne. Sonne = Licht = Erleuchtung. Es ist eigentlich unerheblich, ob die Führungsebene der Jesuiten sich ebenfalls als Illuminati bezeichnet, denn als Erleuchtete betrachten sie sich auf jeden Fall. Dieses Spiel lässt sich mit weiteren Geheimgesellschaften beliebig fortsetzen, deren Eliten sich allesamt als auserwählt und dem Rest der Menschheit überlegen ansehen.

Abschließend lässt sich also feststellen, dass die Illuminaten absolut real sind. Und das sowohl als namentliche Geheimorden wie auch als Status innerhalb selbiger. Der Weltverbesserer Adam Weishaupt hatte dabei anfangs gar nicht mal so verkehrte Ansätze. Der „Bund der Perfektibilisten“ war aufklärerisch, richtete sich gegen den Absolutismus sowie gegen die Jesuiten und Rosenkreuzer. Erst nach Weishaupts Beitritt in eine Freimaurerloge begann der rapide Abstieg und sogar die Umbenennung in Illuminaten geht auf die Übernahme durch die Freimaurer zurück.

Eine herrschaftsfreie Gesellschaft war und ist mit den adeligen Hochgradfreimaurern selbstverständlich nicht mehr zu erreichen. Doch auch Weishaupt selbst wurde zunehmend totalitär. Neumitglieder wurden über die Ziele des Ordens bewusst getäuscht und ihnen wurde ein bedingungsloser Kadavergehorsam abverlangt. Diese Verstöße gegen die eigenen Ideale sollten sich in Form des eigenen Niedergangs rächen.

Die angeblichen Infiltrationspläne Weishaupts, die inzwischen weltweit kursieren, sind dagegen historisch nicht belegbar. Vermutlich gehen die Behauptungen über die Pläne zur Zerstörung des Christentum und der Kontrolle der Politik auf die Bekenntnisschriften von Aussteigern zurück, welche stark ausgeschmückt waren und daher als Quellen wenig wertvoll sind. Einige vermeintliche Ziele wurden gar erst viel später hinzugedichtet, da bestimmte Entwicklungen wie z.B. die modernen Massenmedien damals noch gar nicht absehbar waren.

Die meisten Behauptungen über die bayrischen Illuminaten sind ganz und gar von den aktuellen Entwicklungen der Weltpolitik abgeleitet. Diese realen gesellschaftlichen Tendenzen gehen aber wohl eher auf den Einfluss der modernen Hochgradfreimaurerei sowie der Rosenkreuzer, Theosophen usw. zurück. Obgleich sich diese als Erleuchtete betrachten und sich mitunter auf Adam Weishaupt berufen, sollten Wahrheitsaktivisten nicht immer gleich von Illuminaten reden, wenn Freimaurer gemeint sind. Dies führt nur zu einer Mystifizierung der Geheimgesellschaften und verstärkt den verschwörungstheoretischen Charakter dessen, was eigentlich als Aufklärung gemeint sein sollte. Das ist auch der Grund, warum wir lieber von der „herrschenden Elite“ reden, da diese Bezeichnung sämtliche Geheimbünde einschließt und eine Differenzierung selbiger ermöglicht.

6 Kommentare zu “Die Illuminaten – Fakten und Mythen

  1. Hat dies auf Systemcritic rebloggt und kommentierte:
    Sehr interessanter Bericht über die Illuminaten. In Sachen Okkultismus ist der Blog Zombiewoodproductions der beste den ich kenne. Wer viel über Okkultismus, Freimaurerei, Illuminaten, Symbolik und versteckte Symbole in Filmen etc. wissen möchte, ist mit diesem Blog bestens bedient.

  2. Ich schlage vor, einmal William Coopers Radioserie Mystery Babylon auszuwerten, denn der hat unzählige Originalquellen aus alten Büchern der Mysterienbrüder ausgewertet und zeichnet im Gegensatz zu diesem weitgehend spekulativen Artikel ein wirklich koheräntes Bild der Mysterienreligion seit dem alten Babylon.

  3. Hallo,

    sehr interessanter Artikel, welcher meine besherigen Infos komplett umkrempelt. Ich kenne nur die Version Illuminaten unterwandern Freimaurer und der Weishaupt/Rothschild 6 Punkteplan mit dem Weishaupt die Eineweltregierung anstrebt.

    Hier ein Link, wo man sogar eine Dissertation als PDF runterladen kann, aber das passt ja alles nicht mit Eurer Beschreibung überein:
    http://euro-med.dk/?p=13835

    Ich habe darauf hin mal etwas im Freimaurer-Wiki gelesen, was sich durchaus mit Eurem Artikel deckt. Aber kann man das Wiki als seriöse Quelle ansehen? Wenn hi und da schon der Name „google“ zu lesen ist… hmm(?!)

    Ich fand unter dem Artikel von Adam Weishaupt folgendes Zitat von ihm sehr interessant:

    „Die Grade der Freymaurerey sind sogar öffentlich gedruckt; was kann eine geheime Gesellschaft wirken, welche so wenig Geheimnis hat, dass ihre ganz innere Verfassung der übrigen Welt bekannt ist?“

    Das habe ich mich ehrlich gesagt auch schon gefragt. Wenn das alles so offenkundig ist, auch mit Symbolik und dergleichen, wem dient das? Gehört das mit zu teile-und-herrsche? Oder auch alles nur Ablenkung? Und wenn ja, von was?

    Freundliche Grüße

    • Wir glauben ehrlich gesagt nicht, dass Weishaupt damals schon an eine Weltregierung im heutigen Sinne dachte. Zunächst wollte er die Monarchie abschaffen, welche ihn zumindest in Bayern ihrerseits bekämpfte. Seinem Orden traten aber zunehmend Adelige bei und er bekam letztendlich Asyl beim Herzog von Sachsen-Coburg Gotha (Ernst der Fromme). In Frankreich haben die Illuminaten dann jedoch wieder den Jakobinern beim Sturz der dortigen Monarchie geholfen. So weit die historischen Fakten, welche die Illuminaten als sehr widersprüchlichen Haufen darstellen.

      Letztendlich gab es ja auch interne Interessenkonflikte und Zerwürfnisse wie zwischen Weishaupt und dem Freiherrn von Knigge. Man darf bei alledem halt nie vergessen, dass Menschen Individuen sind und bei den Geheimbündlern handelt es sich in der Regel um extrem geltungsbedürftige und machtgierige Charaktere mit persönlichen Ambitionen, die auch gegeneinander intrigieren. Das sieht man u.a. auch in der anfänglichen Feindschaft zwischen Illuminaten und Rosenkreuzern.

      Was die Rothschilds angeht, kam Mayer Amschels Karriere erst in den 1790ern so richtig in Fahrt, also lange nach der Gründung der Illuminaten. Man muss ja einfach nur mal die Jahreszahlen recherchieren, da stellt man schnell fest, dass Rothschild noch nicht den Einfluss hatte, um etwas wie die Illuminaten aufzuziehen, noch dazu in Bayern, wo sich sein damaliger Einfluss doch in Frankfurt konzentrierte.

      Um eine Verschwörungstheorie auf den Prüfstand zu stellen, sollte man immer alle dokumentierten Fakten und insbesondere die Jahreszahlen kennen. Viele Theorien stellen sich schnell als Unmöglichkeiten heraus, wenn z.B. Verbindungen zu Personen gezogen werden, die noch gar nicht geboren oder zum fraglichen Zeitpunkt ganz woanders waren. Nehmen wir nur mal die Behauptung, Weishaupt und Washington seinen dieselbe Person. Na klar, und diese Person hat im selben Jahr die Illuminaten und die USA gegründet, wo die Reise von Bayern nach Amerika noch Wochen dauerte und es kein Telefon oder Internet gab. Netter Gedanke, aber zur damaligen Zeit leider vollkommen unmöglich zu realisieren.

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