Die Jakobiner – Wenn für Menschenrechte Köpfe rollen

von Shinzon

Ende des 18. Jahrhunderts herrschte in Frankreich ein starkes Missverhältnis in der Bevölkerung. Während die Mehrheit des Volkes hungerte, lebte der Adel in Saus und Braus. Das absolutistisch regierte Land stürzte in eine schwere Krise, weshalb König Ludwig XVI. am 5. Mai 1789 die Generalstände eröffnete. Dabei handelte es sich um eine Versammlung von Vertretern des Adels, der Klerus und des dritten Standes. Als sich am 17. Juni 1789 die Nationalversammlung konstituierte, schwor sie drei Tage später, erst dann wieder auseinander zu gehen, wenn sie eine Verfassung geschaffen hätte.

Innerhalb der Nationalversammlung gab es verschiedene politische Lager, welche zuvor jeweils eigene politische Klubs gegründet hatten. Einer dieser Clubs, welche als Vorläufer der modernen Parteien gesehen werden können, war der am 30. April 1789 gegründete Bretonische Club. Dieser wurde im Dezember desselben Jahres von Claude-Christophe Gourdan unter dem Namen „Gesellschaft der Freunde der Verfassung“ neu gegründet. Diese Gesellschaft wählte als Versammlungsort die Bücherei des Pariser Jakobinerklosters, weshalb sich ab 1793 die Bezeichnung „Jakobiner“ durchsetze.

Als Vordenker der Jakobiner gilt der Philosoph Jean-Jacques Rousseau (1712-1778), der aufgrund seiner Schrift „Abhandlung über den Ursprung und die Grundlagen der Ungleichheit unter den Menschen“ gleichermaßen zu den Begründern des europäischen Sozialismus gezählt wird. Dementsprechend ging den Jakobinern die durch die französische Revolution erreichte konstitutionelle Monarchie nicht weit genug. Sie wollten die Monarchie komplett beseitigen und durch eine demokratische Republik ersetzen.

Ursprünglich waren die Jakobiner also eine sehr fortschrittliche Vereinigung, welche dem politisch linken Spektrum zuzuordnen war. Zu ihren Anhängern gehörten vor allem Vertreter der städtischen Unterschicht, die für ihre Freiheit und Gleichberechtigung kämpften. Als Vorbild diente ihnen dabei die amerikanische Verfassung, welche gleiche Rechte für alle Menschen garantierte. Aus diesem Blickwinkel ist es verständlich, wie die Jakobiner die Massen für sich mobilisieren konnten.

Doch wie immer stinkt auch bei den Jakobinern der Fisch vom Kopf. Die städtische Unterschicht machte lediglich die Basis der Jakobiner aus. Die Führung bestand hingegen aus Bürgerlichen, darunter Rechtsanwälte, Ärzte und Handwerker. Unnötig zu erwähnen, dass es in diesen gehobenen Kreisen nur so von Freimaurern wimmelte, deren Kontakte bis zu den Illuminaten in Deutschland reichten. Mit diesen Leuten war natürlich keine basisdemokratische Volksrepublik zu machen, sondern bestenfalls eine bürgerliche Stellvertreterdemokratie, wie wir sie bis heute haben.

Der Jakobinerbasis muss man indes zugute halten, dass die breite Bevölkerung damals weniger gebildet war als heute. Sie hatten kein Internet und konnten sich daher nicht mal eben so über die geheime Symbolik der bürgerlichen Elite informieren. Sonst wäre den zahlreichen Mitläufern von damals vielleicht aufgefallen, dass bereits der Name ihres Klubs kein Zufall war. Die Wahl des Jakobinerklosters war nämlich nur ein Deckmantel, der die wahre Bedeutung verstecken sollte.

Zum einen bezog sich die freimaurerische Führung mit der Namenswahl auf die biblische Geschichte von Esau und Jakob. Esau steht dabei für die vererbte Herrschaft (die Monarchie), während Jakob für die verdiente Herrschaft (das Bürgertum) steht. Die Jakobiner sahen sich demnach in der Tradition von Jakob, welcher Esau die Herrschaft durch seine Fähigkeit abgerungen hatte. Eine wirkliche Dezentralisierung der Macht liegt dieser Parabel allerdings nicht zu Grunde, wobei eine solche der elitären Ausrichtung der Freimaurer ohnehin zuwider laufen würde.

Die elitäre Ausrichtung spiegelt sich ebenfalls in der Namenswahl wieder, denn über die biblische Herleitung hinaus kann die Bezeichnung Jakobiner auf Jacques de Molay († 1314) zurückgeführt werden. De Molay war der letzte Großmeister des Templerordens, welcher in der Freimaurerei bis heute verehrt wird. Mit diesem Hintergrundwissen, welches heute frei verfügbar ist, könnten die Jakobiner wohl kein zweites Mal die Massen für sich gewinnen.

Das wäre aber ohnehin nicht der Fall, da die Jakobiner sich ab 1792 radikalisierten und ihren Ruf damit für alle Zeiten ruinierten. Unter der Führung von Maximilien de Robespierre (1758-1794) strengten sie zuerst einen Prozess gegen den König an, welcher mit der Hinrichtung dessen gesamter Familie endete. Mit diesem drastischen Ende der Monarchie hätten die Jakobiner eigentlich ihr Ziel einer demokratischen Republik erreicht und tatsächlich verabschiedeten sie 1793 eine neue Verfassung, welche die direkte Demokratie stärkte. Jedoch wurde diese Verfassung nie in Kraft gesetzt. Stattdessen errichteten die Jakobiner ein Terrorregime, welches gnadenlos alle politischen Gegner verfolgte.

Maximilien de Robespierre, welcher als Rechtsanwalt und Berufspolitiker dem aufstrebenden Bürgertum angehörte, machte während dieser Phase eine krasse Wandlung durch. Der einstige „Anwalt der Armen“, der einmal strikt gegen die Todesstrafe war, entwickelte sich zum grausamen Despoten. Seinem Revolutionstribunal, welches am 10. März 1794 gegründet wurde, fielen hunderttausende Franzosen zum Opfer. Ähnlich wie später Stalin, säuberte Robespierre dabei auch die eigenen Reihen von vermeintlichen Verrätern.

In einer Parlamentsrede vom 20. Juli 1794 kündigte Robespierre eine zweite Säuberungswelle an, ohne dabei konkrete Namen zu nennen. Es konnte praktisch jeden treffen. Im Ergebnis bildete sich eine Koalition gegen Robespierre und er wurde nach einstimmigem Beschluss verhaftet. Ihm gelang zunächst die Flucht aus dem Kerker und er versammelte sich zusammen mit einigen Getreuen im Pariser Rathaus. Als die Nationalgarde das Gebäude stürmte, begingen die meisten seiner Anhänger Suizid, indem sie aus den Fenstern sprangen oder sich erschossen. Robespierre selbst schoss sich ebenfalls in den Kopf, zerschmetterte dabei aber lediglich seinen Kiefer.

Da schlechtes Karma meist auf einen zurück fällt und Geschichte zuweilen ironisch ist, wurden Robespierre und 21 seiner Anhänger am 28. Juli 1794 ohne vorherigen Prozess durch die Guillotine enthauptet. In den Tagen darauf verloren noch 83 weitere seiner Anhänger den Kopf. Am 11. November 1794 wurde schlussendlich der Pariser Jakobinerklub geschlossen.

Dies war jedoch noch nicht das Ende der Jakobiner. Es kam immer wieder zu kleineren Aufständen und 1796 versammelten sich ehemalige Jakobiner, Sansculottes und Sozialrevolutionäre um den sozialistischen Journalisten François Noël Babeuf (1760-1797), dessen „Verschwörung der Gleichen“ das herrschende Direktorium stürzen wollte. Selbstverständlich scheiterte dieser Versuch und die beiden Anführer Babeuf und Augustin Alexandre Joseph Darthé (1769-1797) landeten am 27. Mai 1797 auf dem Schafott.

Den Jakobinern in anderen Ländern erging es meist ähnlich. Während der Besetzung von Mainz durch französische Revolutionstruppen wurde im Oktober 1792 die „Gesellschaft der Freunde der Freiheit“ als Klub deutscher Jakobiner gegründet, welche das demokratische Staatswesen auf deutschem Boden etablieren wollten. Nachdem die Preußen und Österreicher Mainz im Sommer des darauf folgenden Jahres zurückerobert hatten, ließen sie alle Klubmitglieder verfolgen und viele wurden hingerichtet.

In Österreich wurden 1794 ebenfalls zwei Wiener Jakobiner vor Gericht gestellt. Franz Hebenstreit (1747-1795) wurde dabei als Landesverräter erhängt, während Andreas Freiherr von Riedel (1748-1837) wohl aufgrund seines Titels mit einer Haftstrafe davon kam. Infolge des Prozesses gegen die beiden Freimaurer wurden noch zahlreiche weitere Anhänger der Aufklärung aus Beamtenschaft und Armee eingesperrt oder hingerichtet.

In Hamburg blieb der Jakobinerklub dagegen verschont, da der führende Kopf Georg Conrad Meyer (1774-1816) ein Bewunderer von Friedrich II. war. Er wollte die Monarchie nicht abschaffen, sondern lediglich reformieren. In seiner Zeitschrift „Der neue Mensch“ forderte er z.B. eine gleichmäßige Verteilung des Reichtums, ohne dabei die Besitzenden zu enteignen.

Die Geschichte der Jakobiner endet jedoch nicht in Frankreich, Deutschland und Österreich. Im Gegenteil kann der Einfluss der Jakobiner noch weitaus später und das weltweit nachgewiesen werden. Man braucht lediglich nach ihrem Erkennungszeichen – der roten Jakobinermütze – Ausschau zu halten. Es ist geradezu erstaunlich, in welchen Staaten man dabei fündig wird.

Colorierte Zeichnung des Illuminaten Goethe (1792)

Colorierte Zeichnung des Illuminaten Goethe (1792)

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Jakobiner zumindest im Kern fortschrittlich waren und eine gerechtere Gesellschaft anstrebten. Dieses Ziel verfehlten sie jedoch, da ihre Führung aus selbstherrlichen Freimaurern bestand, welche ihre angestrebten Ideale für die eigene Macht opferten. Ihr Erbe ist die heutige Stellvertreterdemokratie, in der wir lediglich die Wahl haben, von welchen großbürgerlichen Kapitalisten wir uns verarschen lassen wollen.

Dennoch trägt diese Demokratie den Samen der Hoffnung in sich. Denn wenn die Mehrheit endlich erkennt, wer zur Bourgeoisie gehört und dementsprechend nur noch diejenigen wählt, die aus dem einfachen Volk kommen, lassen sich die Verhältnisse sehr wohl verändern. Griechenland und Venezuela sind gute Beispiele dafür, wie man die Banken- und Konzernmafia entmachten und das Volk in demokratische Prozesse einbinden kann. Die Idee des Sozialismus ist keineswegs falsch, weil sie von Freimaurern schändlich missbraucht wurde. Es verhält sich wie mit der Erklärung der Menschenrechte von 1789. Auch diese stammt aus der Feder der Freimaurer und Jakobiner, welche zugleich die Ersten waren, die diese Menschrechte verletzt haben. Ein erstrebenswertes Ideal erkennt man immer daran, dass es von Freimaurern verraten wird.

4 Kommentare zu “Die Jakobiner – Wenn für Menschenrechte Köpfe rollen

  1. Ich glaube schon, dass an der Geschichte von dem Teehändler was dran ist, zumal die Jakobiner mit drin hängen, leider habe ich noch nicht so viel im Internet darüber gefunden.

    Der politisch unbequeme Teehändler James Tilly Matthews (1770-1815) zeichnete im Bethlem-Hospital die Idee eines ungeheuren Apparates, der im Londoner Untergrund versteckt sein Unwesen triebe. Bedient würde die Maschine von einer „üblen Bande“ geheimer Jakobinescher Revolutionäre, die versuchten, die ganze Stadt zu kontrollieren und zu infiltrieren. Mittels magnetischer Strahlen und stinkender Luftströme würden wider Willen Gedanken in das Hirn der Menschen gepflanzt. Aber auch weitere Torturen könne die Maschine auslösen, wie die Erzeugung von Blasensteinen oder das Schinden der Magenwände. Durch „Hummer-Knacken“, dem Zerdrücken des Leibes, trete schließlich der plötzliche Tod ein.

  2. Was nicht gesagt wird, ist daß die französische Revolution von England organisiert wurde, um Amerika und Kanada unter Kontrolle zu bekommen. Dazu wurden ein Europa alle Staaten gegeneinander gehetzt und diese Kriege von England bis zu dem Tage finanziert, an dem Kanada besetzt war.
    Wie war das:
    Cecil Rodes – Gründer des “Round Table” in “Confession of Faith” unter “Glaubensbekenntnisse”:
    “…die Unterwerfung der gesamten unzivilisierten Welt unter die britische Herrschaft, die Wiedervereinigung mit den Vereinigten Staaten zwecks Etablierung der angelsächsischen Rasse als einziges Imperium.”

    Soweit der sichtbare Bereich.
    Wir dürfen nicht vergessen, daß die englische Königin Tribut an den Papst zahlt. Und sie duldet die City of London als exterritorialen Bereich, wie auch die USA NY DC dulden.
    Und der Vatikan hat seit 1830 eine private Rothschild-Zentralbank.
    Aber führt wohl zu weit.

    • Wir würden gar nicht mal sagen, dass das zu weit führt. Allerdings wäre das Stoff für weitere Artikel. Wenn wir alles in einen Artikel packen würden, würde daraus ein Buch von 1.000 Seiten werden. Das würde wohl zum einen der Server nicht mitmachen und zum anderen wären wahrscheinlich auch viele Leser eher abgeschreckt. Das ist wie mit Youtube-Videos. Es ist sinnvoller, eine Videoreihe zu machen als ein einziges 10 Stunden-Video, das kein Mensch am Stück durchhält.😉

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