Bodo Ramelow erneut unter Beschuss

von Shinzon

Nach knapp zwei Monaten im Amt gerät Deutschlands erster LINKE Ministerpräsident erneut ins Visier der CDU-Presse. Stein des Anstoßes ist nicht etwa seine unternehmerfreundliche Politik und die damit einhergehende Abgrenzung zu seiner eigenen Partei. Immerhin ist das ja durchaus im Sinne der Mächtigen. Nein, es geht einzig und allein um eine Sendung mit dem Titel „Ramelow und Co.“, welche auf dem kleinen Lokalsender Salve TV mit Sitz in Weimar läuft.

Was daran falsch sein soll, die Zuschauer über die Regierungsarbeit in Thüringen zu informieren, ist mehr als erklärungsbedürftig. Wahrscheinlich liegt es daran, dass Salve TV Bodo Ramelow ungekürzt reden lässt und ihn dabei auch noch wie einen Menschen behandelt. Dabei weiß doch spätestens seit Markus Lanz jeder, dass man LINKE-Politiker gefälligst nieder zu machen hat. Ein Credo, welchem das CDU-nahe Propagandablatt Thüringer Allgemeine nur allzu gerne nachkommt.

Irrwitzigerweise wirft diese Zeitung, welche die letzten 24 Jahre stets positiv über die CDU-Herrschaft berichtete, Salve TV nun ihrerseits Propaganda vor. Unterstützung erhält die TA dabei von der Thüringer Landesmedienanstalt, welche die Sendung „Ramelow und Co.“ von den eigenen Juristen medienrechtlich prüfen lässt. Vielleicht sollte eher die Thüringer Landesmedienanstalt von unabhängigen Juristen auf CDU-Seilschaften überprüft werden, denn die von ihr geforderte Neutralität der Medien kann eigentlich nur als Witz gemeint sein.

Es ist längst kein Geheimnis mehr, dass ein Großteil der deutschen Journalisten gekauft ist. Das fängt schon damit an, dass viele Journalisten einen Parteiausweis haben oder zumindest gute Freunde in der Union, SPD, bei den Grünen und zuweilen sogar in der LINKEN. Manche Tageszeitungen bekennen gleich direkt Farbe, egal ob TAZ, FAZ oder Neues Deutschland, und bei den TV-Sendern braucht man sich nur den Übernahmeversuch des ZDF durch die CDU anzusehen. Also machen wir uns doch bitte nichts vor!

Hinzu kommt, dass viele Journalisten vorgefertigte Texte von Konzernen übernehmen (z.B. zum Thema Gesundheit von der Pharmaindustrie) und wenig Kritik an diesen üben, wenn sie von deren Werbeanzeigen abhängig sind. Presse ist erpressbar! Und das nicht nur von der Wirtschaft, sondern auch von der NATO, dem BND und der CIA, deren Pressemitteilungen ebenfalls kaum verändert als vermeintlich journalistische Artikel abgedruckt werden.

Das Ganze funktioniert umso besser, wenn die entsprechenden Journalisten Mitglied in gewissen Think Tanks wie dem Council on Foreign Relations, der Trilateralen Kommission oder der Atlantikbrücke sind. Sieht so eine unabhängige Presse aus? Kann sich noch jemand die Berichterstattung von Claus Kleber und Co. über den Ukrainekonflikt erinnern? Genau so sieht Propaganda aus! Und in dem Falle reden wir ganz konkret von Kriegspropaganda, die man bei Bodo Ramelow garantiert niemals finden wird.

Doch was finden wir stattdessen bei „Ramelow und Co.“, einer Sendung, die in den Augen des Berliner Medienrechtlers Prof. Johannes Weberling „verbotene politische Werbung“ sein soll? Neben etwas Berichterstattung über den Arbeitsalltag eines Ministerpräsidenten und dessen Hund vor allem Smalltalk über Frühstückseier. Wie ungemein politisch! Nun, zumindest könnte es sich hierbei um Schleichwerbung für Eier handeln. Doch seit wann ist Product Placement im deutschen Fernsehen illegal? Da müssten ja sämtliche Filme und Serien bis zur Unkenntlichkeit gekürzt werden. Aber war überhaupt das Logo eines bestimmten Eierproduzenten zu sehen?

Das ganze Theater ist dermaßen doof, dass sich sogar die Heute Show darüber lustig gemacht hat. In derselben Sendung wurde dann auch aufgedeckt, dass der bayrische Finanzminister Markus Söder (CSU) in der BR-Serie „Dahoam is dahoam“ mitspielte. Nun darf ein Politiker sich zwar durchaus als Schauspieler etwas dazuverdienen, doch Söder spielt nicht irgendeine Rolle, sondern sich selbst. Als wäre das noch nicht Wahlkampf genug, durfte er dann auch noch die politische Arbeit seiner Partei lobhudeln.

Seltsamerweise schreit die Bayrische Landesmedienanstalt in dem Falle nicht „Propaganda“! Dabei werden die Zuschauer des BR gezielt über eine eigentlich unpolitische Heimatserie manipuliert, während bei „Ramelow und Co.“ wenigstens jeder weiß, dass es eine begleitende Reportage über den Thüringer Ministerpräsidenten ist. Ein solches Format wie in Thüringen wolle man in Bayern aber nicht, äußerte sich der Verband Bayrischer Lokalrundfunk. Das wäre ja auch viel zu ehrlich und eine Sendung über die Regierungsarbeit von Horst Seehofer würde sich ohnehin nur um Korruption und Vetternwirtschaft drehen.

Über die „Eier aus Bodo-Haltung“ berichtete am 4. Februar indes wieder einmal die TA, welche prompt anmerkte das bei der Heute Show nach dieser peinlichen Eröffnung leider Schluss gewesen sei. Für die TA war allerdings gleichermaßen an der Stelle Schluss, denn über die Propaganda eines Markus Söder wollte das CDU-nahe Blatt lieber nichts berichten. Man beschränkte sich stattdessen darauf, einmal mehr Dreck über Bodo Ramelow auszukübeln. Nur so nebenbei: Das Messen mit zweierlei Maß ist auch eine Form von manipulativer Propaganda.

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