Pegida bricht auseinander

Zumindest in Dresden ist die Pegida-Demo am Bröckeln. Doch nicht etwa, weil den rund 25.000 Mitläufern aus Bestzeiten endlich aufgefallen wäre, dass hier eine europäische Identität geschaffen wird. Ebenso haben die meisten noch nicht begriffen, dass sie gezielt gegen die Migranten ausgespielt werden. Das alles würde ja auch Vernunft voraussetzen. Der einzige Grund für den Niedergang ist ein Konflikt in der Führungsebene.

Angefangen hatte alles mit einem Bild von Lutz Bachmann, auf welchem er als Hitler posiert. Angeblich nur zum Spaß, aber wenn man sich seine rassistischen Kommentare auf Facebook durchliest, wohl doch eher nicht. Ironischerweise halfen dem BILD-Leserreporter im Falle dieses Bildes nicht einmal seine guten Beziehungen zum Springerverlag und er musste zurücktreten.

Lutz Hitler

Bachmann blieb allerdings Mitglied, was wiederum andere Mitglieder des Orga-Teams zum Austritt bewegte. Darunter auch Kathrin Oertel, die durch ihre Fernsehauftritte bundesweit bekannt wurde. Zusammen mit einigen anderen Ex-Pegida-Leuten gründete sie einen Verein für „Direkte Demokratie in Europa“, welcher dem Anliegen der meisten Pegida-Mitläufer viel eher gerecht werden dürfte als die verbliebene Rassistentruppe um Lutz Bachmann. Dennoch sieht sich der neue Verein als rechts-konservativ und bildet damit eine rechte Konkurrenz zum traditionsreichen „Mehr Demokratie! e.V.“

Immerhin versteht sich die Gruppe um Kathrin Oertel als nicht rassistisch und grenzt sich von Neonazis ab. Letztere haben jedoch längst die Führung über zahlreiche Pegida-Ableger übernommen. Die Sügida-Demo in Suhl (Thüringen) ist z.B. eine reine NPD-Veranstaltung, auch wenn sich die NPD hinter der Kleinpartei Bündnis Zukunft Hildburghausen zu verstecken versucht. Diese Entwicklung hin zu offen rechtsextremen Veranstaltungen war eigentlich absehbar. Denn im Kern war Pegida schon immer fremdenfeindlich und islamophob, gleichgültig wie gewählt das Manifest ausformuliert war.

Selbstverständlich waren und sind nicht alle Menschen Nazis, die bei Pegida mitgelaufen sind und es teils immer noch tun. Übrigens sagt das sogar die verhasste „Lügenpresse“, welche selbst in hohem Maße zur fremdenfeindlichen Stimmung beigetragen hat. Wer sich allerdings trotzdem weiter mit Nazis abgibt, der ist an seinem schlechten Image selbst schuld! Da helfen auch keine Rechtfertigungsversuche, von wegen, man sei ja „gar nicht ausländerfeindlich, aber…“ Wenn die Betroffenen nicht fremdenfeindlich sind, wozu dann das „aber“?

Ebenso verhält es sich mit den Standardsprüchen, man selbst habe nichts mit fremdenfeindlichen Übergriffen zu tun. Mit Sicherheit sind nicht alle rund 25.000 Pegida-Mitläufer gewalttätig, sonst gäbe es Woche für Woche mindestens 25.000 Übergriffe auf Migranten. Dennoch schafft Pegida ein gesellschaftliches Klima, in dem offener Rassismus gedeiht und die Zahl der Übergriffe zunimmt. Allein in Dresden sind die Übergriffe seit dem Entstehen von Pegida um 130% angestiegen. Die Pegida-Demonstranten müssen dabei gar nicht mal selbst die Fäuste fliegen lassen, es reicht bereits, wenn sie keinerlei Empathie für Menschen mit Migrationshintergrund empfinden und dementsprechend wegsehen.

Hinzu kommen die immer gleichen Vorurteile, die gebetsmühlenartig wiederholt werden. Hat ein Türke mal zugeschlagen oder gar einen Ehrenmord begangen, wird dies sofort auf ALLE Migranten pauschalisiert. Ein Glück, dass unsere Zugewanderten nicht ebenso pauschalisieren, sonst wären wir Deutschen ALLE Nazis und das hört man ja nicht einmal bei Pegida gern.

Über die Straftaten der einheimischen Stiefeltiere schweigt man bei Pegida aber dennoch. Dort echauffiert man sich z.B. über die Graffitis krimineller Banden, aber die Hakenkreuzschmierereien an Asylheimen und Moscheen sind kein Thema. Gleiches gilt auf der anderen Seite für Migranten, die Zivilcourage beweisen und wie der Kölner Burkan selbst Prügel kassieren, um Deutschen das Leben retten. Welcher Pegida-Anhänger würde sich denn für Burkan opfern?

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