Syriza gewinnt Parlamentswahl in Griechenland

von Shinzon

Bereits bei der letzten griechischen Neuwahl im Juni 2012 erhielt das Linksbündnis SYRIZA 26,9% und war damals zweitstärkste Kraft. Nach zweieinhalb weiteren Krisenjahren, in denen das Land kaputt gespart wurde, lag die SYRIZA am 25. Januar 2015 nun mit 36,3% in der Wählergunst ganz vorne.

Doch trotz diesem Plus von rund 9% fehlten dem Linksbündnis 2 Sitze für die absolute Mehrheit im Parlament. Mit der Kommunistischen Partei Griechenlands konnte sich die SYRIZA leider nicht einig werden, um sich die Mehrheit zu holen. Dank der Ablehnung in den Reihen der KKE kam stattdessen eine Koalition mit der nationalkonservativen ANEL zustande. Dies sorgte für einige Überraschung und auch Skepsis. Immerhin wäre das so, als würde hierzulande DIE LINKE mit der AfD koalieren. Die TA titelte gar, dass in Athen nun Rechtsradikale mitregieren, was jedoch so nicht stimmt. Da verwechselt die TA-Redaktion die ANEL nämlich mit der Nazipartei Goldene Morgenröte.

Die unerwartete Kombination scheint in den deutschen Massenmedien dennoch weniger ein Stein des Anstoßes zu sein als der Wahlsieg der SYRIZA an sich. In einer teils abartigen Arroganz wird da die demokratische Entscheidung der Griechen angefochten. Demokratie macht halt nur dann Spaß, wenn man selbst gewinnt. Es ist offensichtlich, dass es vor allem der Eisernen Lady Merkel und ihrem neoliberalen Horrorkabinett überhaupt nicht schmeckt, dass ihr die Syriza in die Parade fährt.

Die Bundesregierung hat in den letzten Jahren hart daran gearbeitet, das griechische Volk zu versklaven und die reiche Elite Griechenlands zu schonen. Die Löhne und Renten wurden gedrückt, die Arbeitslosenquote liegt immer noch bei über 22%, die der Jugendlichen gar bei rund 60% und wichtige Investitionen wurden von der Troika abgewürgt. Tausende Griechen haben keinen Strom, ein Heer von Obdachlosen ernährt sich aus Mülltonnen, Arbeitslose bekommen keinerlei Gesundheitsversorgung, sogar Schwangere werden ohne entsprechende Barzahlung an der Krankenhaustür abgewiesen und bringen ihre Babys gleich nach der Geburt ins nächste SOS-Kinderdorf.

Auf der anderen Seite zahlen die Reichen nicht mal die Steuern, zu denen sie eigentlich verpflichtet sind, während die alte Regierung netterweise weg geschaut hat. Und da wundern sich die deutschen Politeliten tatsächlich über das aktuelle Wahlergebnis? Mehr noch, sie reden die griechische Tragödie klein und sprechen sogar von Wachstum. Kontra gibt es natürlich nur von der LINKEN, welche das griechische Wahlergebnis als wegweisend feiert.

Zu früh sollte sich DIE LINKE allerdings nicht freuen. Das zeigen die aktuellen Stimmungsbarometer und Talkrunden wie „Hart aber fair“. Dort war am Tag nach der Wahl eine Deutsche zu Gast, die mit ihrem griechischen Ehemann in Athen lebt. Zwar prangerte Tanja Nettersheim das dortige Elend an und kritisierte Markus Söder (CSU) für dessen verharmlosende Aussagen. Auf die Frage, ob sie die SYRIZA gewählt hätte, wenn sie in Griechenland wahlberechtigt wäre, antwortete sie jedoch mit einem entschiedenen „Nein!“

Das ist wieder einmal typisch deutsche Meckerkultur: Die von der Union sind absolut menschenverachtend, aber natürlich werden sie bei der nächsten Wahl wieder gewählt, denn der brave Deutsche ist ja nicht links und glaubt, dass Gott es so haben will. Solche Leute und Pegida sind schuld daran, dass wir die Merkel noch in 50 Jahren haben werden.

Selbst wenn die Deutschen wie die Griechen aus Mülltonnen leben müssten, würden sie noch eher den Ausländern und Moslems die Schuld daran geben, als ihr eigenes Wahlverhalten zu überdenken. Und solange es ihnen noch nicht ganz so dreckig geht, meckern sie obendrein auch über die angeblich „faulen“ Griechen, für die sie ja schon „genug gezahlt“ hätten. Die Mehrheit der Deutschen denkt gar nicht so weit, dass von den vielen Milliarden nichts bei den Griechen angekommen ist, sondern damit fast ausschließlich Zinszahlungen an überwiegend deutsche Banken abgedeckt wurden.

Es ist halt einfacher, sich seine Meinung BILDen zu lassen, als sich selbst zu informieren und die richtigen Schlüsse zu ziehen. Andererseits muss aber zugestanden werden, dass die Massenmedien eine harte Propagandafront gegen Griechenland aufbauen, die entsprechende Vorurteile zementiert. Schauen wir uns also mal den Faktencheck an.

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