Neulich im Jobcenter Gotha

Gastbeitrag von John Doe Anonymous

Ich hätte dem Artikel auch die Überschrift „Arges aus der ARGE“ geben können, wenn der Staat nicht Millionen dafür ausgegeben hätte, um die ARGEN in Jobcenter umzubenennen. Doch mir geht es gar nicht um die Rekrutierungscenter der Leiharbeitsbranche, sondern um das, was ich im Wartezimmer erleben musste.

In besagter Räumlichkeit saßen zu meiner Linken drei versiffte Typen – nennen wir sie mal Dick, Doof und Hässlich. Das soll jetzt keine pauschale Abwertung von Arbeitslosen sein, zumal ich ja selbst vorübergehend auf Arbeitssuche bin. Allerdings gibt es durchaus faule Nichtsnutze, die ihren Hartz-IV-Regelsatz in Alkohol und Kippen investieren. Von der Sorte waren diese Typen.

Es dauerte nicht lange, bis Dick und Doof sich lautstark über „Asylanten“ beklagten, die ihnen angeblich die Arbeitplätze wegnehmen würden. Dumm nur, dass Asylbewerber nicht mal eben so in Deutschland arbeiten dürfen. Das geht nur mit einer Genehmigung und selbst wenn Asylbewerber diese erhalten, werden deutsche Bewerber per Gesetz bevorzugt. Die NPD-Forderung „Arbeit zuerst für Deutsche“ ist also längst umgesetzt, was rechtsextreme Dummschwätzer jedoch nicht davon abhält, weiterhin Ausländern die Schuld für ihre Arbeitslosigkeit zu geben. Die kommen gar nicht auf die Idee, dass es an ihrem Auftreten und ihrer Alkoholfahne liegen könnte.

Ein weiterer Mythos, den Dick und Doof lautstark in die Welt des Jobcenters posaunten, war der angebliche Luxus, den Asylbewerber in Deutschland genießen. Selbstverständlich haben die beiden nie ein Asylheim von innen gesehen. Es ist ihnen auch scheißegal, wenn sich dort zwei Familien ein Zimmer teilen müssen und die Gemeinschaftsdusche den Gang runter bereits Schimmel ansetzt. Wenn in der BILD steht, dass „Asylanten“ wie Könige residieren, dann muss es ja stimmen.

Racist Brain

Obendrein soll den „Asylanten“ auch noch „das Geld in den Arsch geblasen werden“. Das sagen ausgerechnet drei Sozialschmarotzer, die sich auf ihrem Hartz-IV ausruhen. Dabei stimmt ihre Behauptung nicht einmal, denn Asylbewerber bekommen weit weniger Geld als ALG II-Empfänger. Ich glaube nicht, dass die drei Typen gerne mit den Flüchtlingen tauschen würden.

Überhaupt finde ich es äußerst fragwürdig, dass sie ausgerechnet noch ärmeren Menschen das Wenige neiden, während sie sich überhaupt nicht darüber aufregen, dass die Banken in den letzten Jahren 500 Milliarden (!!!) in den Arsch geblasen bekommen haben. Ebenso ist ihnen die Steuerflucht von Konzernen nach Luxemburg scheißegal. Es sind einzig die Ausländer, denen sie die Schuld für alles geben.

Doch was treibt diese Intelligenzflüchtlinge zu solchem Denken? Ich glaube, es liegt daran, dass das halbe Wohlstandsbürgertum abfällig auf Arbeitslose herabblickt und da ist es doch ein Trost, wenn man jemand noch Ärmeren hat, auf den man selbst herabsehen kann. Wie schäbig! Vor allem wird diese Einstellung an der Situation in diesem Land nichts ändern, da die wahren Schuldigen unangetastet bleiben.

Es verhält sich wie bei folgendem Witz: Ein Banker, ein BILD-Leser und ein Asylbewerber setzen sich an einen Tisch. Auf dem Tisch steht ein Teller mit 12 Keksen. Blitzschnell schnappt sich der Banker 11 der Kekse und meint zu dem BILD-Leser: „Pass auf, der Asylant will deinen Keks!“

Ich hatte es gleich mit drei BILD-Lesern zu tun, von denen zumindest einer eher schweigsam war, aber stets zustimmend nickte. Der Höhepunkt des Gespräches zwischen Dick und Doof kam indes erst noch. Dick prophezeite nämlich, dass es nicht mehr lange dauern würde, bis das Asylheim brennt, was Doof offensichtlich sehr freute. Es kümmerte die beiden nicht einmal, dass andere hören konnten, wie sie eine Straftat planen.

Damit war der Gipfel der Unmenschlichkeit erreicht. Wie kann man nur ernsthaft darüber nachdenken, ganze Familien mit Kindern abfackeln zu wollen. Diese Menschen kommen meist aus Kriegsgebieten wie Syrien, wo sie grausame Massaker mit ansehen mussten. Doch statt diesen traumatisierten Flüchtlingen zu helfen, gibt es Deutsche, die das Werk des IS gerne vollenden würden. Es ist geradezu zynisch, dass solche Charaktere anschließend bei Pegida die Verbrechen des IS verurteilen. Natürlich nicht, ohne den radikalen Islamismus auf den gesamten Islam zu projizieren. Warum sollte man sich auch auf ein Feindbild beschränken, wenn man gleich zwei haben kann?

Momentan gibt es in Gotha zum Glück noch keinen Pegida-Ableger, bei dem sich derartiges Lumpenproletariat versammeln könnte. Allerdings planen Nazis aus dem NPD-Umfeld am 18. April eine Demonstration gegen eine Asylunterkunft in der Stadt. Es bleibt zu hoffen, dass die Mehrheit der Gothaer an den Gegenaktionen teilnehmen wird, denn die Flüchtlinge brauchen unser Mitgefühl und unsere Solidarität. Ihnen die Schuld an der Politik der Konzern- und Finanzmafia aufzubürden ist einfach nur unfair und unmenschlich.

Selbstverständlich denken Dick und Doof gar nicht so weit und Dinge wie Menschlichkeit sind ihnen noch fremder als ferne Länder. Ihre Hetze gegen „Neger und Kanacken“ nahm einfach kein Ende. Dabei brauchen gar nicht mal Ausländer zu kennen, um in ihnen Abschaum zu sehen. Da verlassen sich die geistigen Tiefflieger ganz auf das Urteil der NPD. Es macht mich wirklich wütend, wenn ausgerechnet solch asoziale Subjekte mit dem Charisma von Kanalratten abfällig über andere Menschen reden.

4 Kommentare zu “Neulich im Jobcenter Gotha

  1. Ich habe mir mal wieder einiges zum Thema Lösungen in Sachen Arbeitslosenzahlen angehört und durchgelesen und finde besonders die Argumente von Liberalen und Libertären etwas naiv.

    Der libertäre Charles Krüger geht in seinem neuen Video vor allem mit dem Argument voran, dass viele ALG2-Empfänger keinen Anreiz zum arbeiten hätten, würden sie doch ohne Vollzeitbeschäftigung und vom Staat lebend auf so ziemlich das selbe Monatseinkommen kommen. Mit dem sogenannten Hartz 4, Waisenrente usw. habe sich selten ein Ganztags-Job gelohnt.

    Anstatt also noch mehr ALG2 zu zahlen oder Mindestlohnsätze zu fordern, solle man sehen dass in einem libertären System nur so lange per nationaler Spendenorganisation für Arbeitslose gezahlt werden würde, bis diese wieder in der Lage seien zu arbeiten. Ohne staatliche Bürokratie wäre der Wohlstand allgemein viel höher und auch Firmen könnten mehr Leute einstellen und Arbeitslose aufnehmen. Und all das ohne staatliche Vorgaben und staatlichen Druck.

    Die FDP wiederum hatte gefordert, Arbeitgebern das Leben finaziell leichter zu machen damit diese mehr Leute einstellen könnten.

    Das große Problem scheint mir nur nicht erkannt zu sein. Ich als Christ richte nur ungern. Ich möchte auch gar keine einzelnen, realen Personen in den Fokus rücken. Aber auch im Christentum gibt es die Sünde. Jeder darf oder muss andere irgendwann mal kritisieren. Die Geschichte zeigt, der Mensch ist nicht perfekt. Das zeigen die Libertären ja so gerne auf, um zu bestätigen dass der Sozialismus in der Geschichte für so viel Mord und Totschlag verantwortlich sei. Macht verführt. Und Fakt ist, es gibt einfach zu viele Arschlöcher auf der Welt.

    Wie viele Chefs von Restaurantketten, Bäckereien, Metzgereien, Hifi-Läden, Eisdielen oder gerade auch im Großen (Fast-Food-Ketten, Supermarktketten usw….) halten die Arbeiterzahl gering und wirtschaften in die eigene Tasche? Das Denken a la „Schneller/Höher/Weiter“ aus dem Kapitalismus ist ja schon für viele Probleme verwantwortlich. Massentierhaltung, Chemie in Nahrungsmitteln usw. So etwas betrifft uns täglich. Ohne Staat würde sich vielleicht das bessere Produkt durchsetzen, aber wären Reiche bereit besser mit ihrem Geld umzugehen?

    Auch wenn ich gerne libertären Prinzipien lausche, aber auch gleichzeitig EINIGE Ansätze der Linken für deutlich durchdachter, aufrichtiger und vernünftiger halte als das, was uns die anderen Parteien ohne Scham vorwerfen (denen man ja ohnehin nicht vertrauen kann…sonst kann man auch meinen das Hollywood-Filme nur Unterhaltung seien und die BILD investigativen Journalismus betreibt), so frage ich mich, ob die großen Firmen, die Monopole und die Vermögenden wirklich ohne Staat tatsächlich besser für die Arbeitslosigkeit an sich wären und ob Gewerkschaften und Betriebe, die ohne bisherige Staatsnormen gegründet wurden, wirklich Erfolg hätten. Wenn ich jetzt also als Bäcker sage, dass der lokale Arbeitgeber ein geiziges, ausbeutendes Arschloch ist und einfach so mit befreundeten Bäckern was eigenes aufmache anstatt arbeitslos zu werden.
    Die Fillialen der großen Betriebe werden diese kleinen Läden auf natürliche Art verdrängen.

    Weiß Herr Krüger gar nicht, dass es auch Arbeitslose gibt die arbeiten wollen, aber keinen Job finden? Wir leben in einer lächerlichen Welt. Für ein Vorstellungsgespräch muss man sich an Verhaltensregeln halten, die jeder Beschreibung spotten. Mit wahren Manieren (aus Nächstenliebe) hat dieses Bewahren der Etikette nichts mehr zu tun. Einpafümierte Bewerbungen, perfektioniertes Geschleime. Ein Bart oder ungegeltes Haar sind in unserer heutigen Zeit nicht mehr normal (?!). Man muss sich zum Leibeigenen machen, der auf Abruf bereit steht. Immerhin wollen wir ja die Stelle haben. Auf jeder Zahnarzt-Homepage liest man von „Leideschaft für den Beruf“. Der Mann hat seine Interessen und Fähigkeiten grob in diesem für ihn in Frage kommenden Feld wiedergefunden und arbeitet täglich so und so lange, um sein Leben finanzieren zu können. Das ist die Wahrheit und jeder weiß es. Ich finde es sowas von grausig wenn ich gestelzte Formulierungen wie „mit großen Interesse habe ich Ihre…“ lesen muss. Wir leben in einer Gesellschaft die befindet, dass jemand der zwanzig Jahre lang als Kassierer gearbeit hat irgendetwas falsch gemacht haben muss und das Geld an der Börse für uns arbeitet. Dabei darf man nicht glücklich über einen sicheren, monotonen Job sein oder als Reicher andere für sich arbeiten lassen, weil diese ja durch sparen auch ein Kapital erreichen könnten, um damit an der Börse reich zu werden. Haben sich diese Leute mal mit Leuten aus dem Niedriglohnsektor unterhalten oder sich darüber gewundert wer wahrhaft dafür sorgt, dass bestimmte Firmen so gut in ihrer Produktion sind? Pispers sagt es ja. Jeder kann reich werden, aber nicht alle.

    Der Staat wie er jetzt ist verschärft Ungerechtigkeiten. Ob sich überhaupt je ein Staat etablieren kann, der finanziell smart und trotzdem rechtschaffend ist, ist streitbar. Wie sich die Menschen in einem libertären System verhalten werden….ob es genug Spenden für Arbeitsunfähige, Rentner etc. geben wird und wie sich so mancher Betrieb durchsetzt oder nicht hängt von den Menschen ab. Jedenfalls sind die Chancen in einem libertären System größer gegen Ungerechtigkeiten angehen zu können da nicht der bösartige Staat (bzw. die wahren Herrcher dahinter) alles kontrolliert.

    Ich kann da immer nur das kleinste Übel wählen. Ich würde keine große Partei wählen und auch mit den Linken komme ich längst nicht immer überein. Zudem gibt es ja auch da TEILWEISE suspekte Mitglieder. Sogar im Libertarismus gibt es ja satanische Spuren, aber wenn ich ehrlich sein darf…die LInke sind das kleinste Übel, aber trotzdem ist mir ihre langfristige Politik suspekt. Am besten geht man zur Wahl und macht die Stimme ungültig. Wenn dieses Sytem einmal tatsächlich kippen sollte, hängt es von den Menschen ab, es künftig besser zu machen. Egal wie das System aussieht. Sogar Gregor Gysi sagt ja er ist lieber Rechtsanwalt als Richter und weist lieber die jetzige Politik in die Schranken als selbst entscheiden zu müssen. Ist ja legitim. Zumindest als Beobachter. Wie man mit diesem Argument Gysis umgeht bleibt jedem selbst überlassen. Daher muss ich mich auch selbst nicht festlegen. Ob die Leute vom Staat oder Organisationen im libertären System. Es kommt auf die Menschen an. In einem Staat ist die richtige Entscheidung weitreichender und sicherer während aber die falsche Entscheidung zu fest verankert sein wird während ein libertäres „System“ schneller aber auch unüberschaubarer ist. Wobei ein Staat natürlich immer Gewalt und Freiheitseinschränkung bedeutet. Wer selbst den Minimalstaat zu Gunsten der Freiheit ablehnt, muss auf seine Mitmenschen vertrauen. Bloßes Misstrauen berechtigt niemanden dazu so zu agieren wie es der Staat of tut. Doch eine Welt ohne staatliche Einschnitte jeder Art bedeutet auch oftmals vollkommen auf sich alleine gestellt zu sein. Auch im Falle einer Konfrontation mit der Überzahl.

    Aber um auf euch zurückzukommen. Natürlich gibt es auch diese ALG2-Empfänger die es sich sehr einfach machen. Ich weiß nicht wie man dazu kommen kann, pauschal Ausländern die Schuld zu geben. Was Alk und Zigaretten angeht, so ist es für mich auch oftmals Unwissenheit, eingezüchtete Ignoranz und Kapitultation. Man wird in diesem System ja quasi zur Sucht gedrängt. Leute, die schmarotzen und denen alles egal ist gibt es natürlich auch. Ob feste Charaktereigenschaft oder geistige Verwirrung sei dahingestellt. Aber ich denke solche Erscheinungen sind eine Ausnahme.

    • Was der Charles Krüger von sich gibt, ist in hohem Maße zynisch. Klar gibt es für Arbeitlose wenig Anreiz, zu arbeiten, wenn sich dadurch ihr Lebensstandard nicht verbessert. Das liegt aber nicht daran, dass das ALG2 zu hoch wäre, sondern daran, dass die Löhne zu niedrig sind. Wir wissen das aus eigener Erfahrung. Außerdem lassen die Libertären gerne außer Acht, dass viele arbeitlose und auch arbeitende Menschen ehrenamtliche Arbeit leisten, die überhaupt nicht bezahlt wird. In Deutschland werden weitaus mehr Stunden unentgeltlich gearbeitet wie es bezahlte Arbeit gibt. Das widerlegt übrigens die Behauptung, dass die Menschen ohne Geld nicht arbeiten würden. Sie tun es bereits.

      Die Libertären sind Interessenvertreter der reichen Oligarchie. Sie wollen den Staat nicht einfach abschaffen, sondern Banken und Konzerne an seine Stelle setzen. Kein Wunder, dass einige der reichsten Milliardäre Libertäre sind. Die planen sogar schon, sich schwimmende Inseln zu bauen, weil sie auf internationalen Gewässern an keine Regeln gebunden sind und nirgendwo Steuern zahlen müssen. Das ist wie im Film „Elysium“. Sie beuten die Menschheit auf dem Festland aus, während sie sich nicht an Infrastruktur und Daseinsvorsorge beteiligen. Das sind die schlimmsten Schmarotzer von allen!

      Sie scheißen auf Mensch und Umwelt. Gäbe es keinen Staat, der per Gesetz Umweltauflagen, Arbeitsschutzstandards und dergleichen verordnen würde, könnten die einfach machen, was sie wollen. Das beste Beispiel ist China, wo sich der Staat ja größtenteils nicht in die Wirtschaft einmischt, wenn es um solche Dinge geht. 14-Stunden Arbeitstage, 7 Tage die Woche bei 10 Cent Stundenlohn. Quecksilber, FCKW und andere Nettigkeiten in den Produkten, verseuchte Landschaften, endlose Müllberge, tödlicher Smog über den Metropolen. Das ist das libertäre Paradies – zumindest für den Großteil der Menschheit, denn die Reichen werden sich bald auf eine Raumstation absetzen, sobald die Technik das hergibt.

      Angesichts dieser Perversion werden wir auf jeden Fall DIE LINKE wählen. Klar gibt es auch bei denen schwarze Schafe wie Stefan Liebich (Atlantikbrücke), Roland Claus oder Klaus Lederer. Im Gegensatz zu anderen Parteien sind die bei der LINKEN allerdings in der Minderheit. Wenn du trotzdem das geringere Übel darin siehst, meinetwegen. Den Stimmzettel ungültig machen bringt jedenfalls so viel wie gar nicht zu wählen. Das taucht in keiner Statistik auf und ändert nichts an den Prozenten. Also entweder DIE LINKE wählen oder irgendeine Kleinpartei (APPD, DKP, Die Violetten, Graue Panther etc.). Entweder bekommt man eine starke Opposition oder die Sonstigen liegen irgendwann zusammen bei 80%, sodass es die CDU und SPD mit gerade mal 5% in den Bundestag schaffen. Dort hätten sie zwar immer noch die Mehrheit, aber mit welcher Legitimation?

  2. Ja, wisst ihr. Das System hat mich bereits ausgiebigst dekoriert. Ich bin ein Schlawiner, der quasi alles erlebt, mitgemacht und durchlitten hat, was das System zum durchleben anbietet.

    Umsorgter Familienzuwachs, Grabpfleger, munteres Kindergartenkind, Querdenker, sehr guter Grundschüler, Nachhilfebedürftiger, guter Gymnasiast, Realschul- und Gesamtschulprobant, traumatisierter Hauptschüler, autodidaktischer Sprachlehrling, Ausbildungssuchender, halbfertiger Ex-Azubi, erfahrener Arbeitnehmer seit dem 16. Lebensjahr, Arbeitssuchender, Alleinlebender, Führerschein- und Automobilloser, Alleinreisender, Absolvent des zweiten Bildungsweges, ALG2-Empfänger, schließlich erfolgreicher Abiturient, Ausgemusterter, Kerngesunder Sportler, Übergewichtiger, Diätspezialist, Fleischerpraktikant, Vegetarier, Lebemann, „Straight-Edge-Bio-Veganer“, Minijobber, Angestellter, Erber, Spender, Pfleger Dekaden überdauernder Freundschaften, Einzelgänger, Draufgänger, Junggeselle, Wahlverweigerer, Freiwilliger Helfer, Depressiv, Unerschütterlich, Kirchenaustreter, Judeochristlich, Spiritueller, Christ, Unpolitischer, „Verschwörungstheoretiker“, Hobbyloser, Freizeitproduzent, VHS-Teilnehmer, Nebenjobber als Redakteur, Partygänger, „Main-Stream-Verweigerer“, Stammkonsument, Naturliebhaber, Student, Nachtarbeiter, Leistungsbezieher, Steuerzahler.

    Entschuldigt, aber es ist mir eine wahre Wonne diese selbsterstellte Liste zu begutachten. All solche Begriffe konnten wohl und wurden wohl zumindest in der Vergangenheit gewählt, um meine Person zu beschreiben.

    Wenn ich ganz ehrlich bin, denke ich aufgrund meiner ureigenen bisherigen Lebenserfahrung, dass eine bestimmte politische Ausrichtung niemals als eine primäre Leitrichtung hinsichtlich moralischer Angelegenheiten verstanden werden kann. Der Glaube muss an oberster Stelle stehen. Daher verweisen die westlichen Systeme ja auch auf ihre christlichen Hintergründe wie es die heuchlerische CDU mal wieder zu ihrem Aschermittwoch im Sauerland getan hat. Egal wie man an das Thema Zusammenleben herangeht, dem Glauben liegt ein ewig gültiges Fundament bei. Das erkannte sogar der neurotische Kant, der die zehn Gebote für seine Wichtigkeit in der Philosophie pries. Klingt für Nicht-Christen und Nicht-Gläubige jetzt wieder nach einer ekligen Rede der Art, die sie zum Besipiel bei einer Begegnung mit den Zeugen Jehovas (von denen ich mich deutlich distanziere) scheuen, aber wer nicht an den einen Gott glaubt, der kann zumindest von der Nächstenliebe ausgehen. Wem das noch immer zu theologisch oder biblisch klingt, der soll es von mir aus mit Menschlichkeit als halbwegs passenden Ersatz versuchen. Einem Gefühl für Menschlichkeit ist unabdingbar in der Politik. Klingt eigentlich so selbstverständlich obwohl es so oft unberücksichtigt bleibt. Dazu muss man nicht erst öffentlich einen Obdachlosen mit Sekt begießen.

    Ich scheue mich nicht vor einem Staat, sondern in erster Linie vor den Taten der Menschen an der Macht. Oder was auch immer das für Wesenheiten sind. Selbst das System wie es jetzt ist, könnte mit wenigen aber rabiaten Veränderungen für viel mehr positive Entwicklungen sorgen. Vor allem auch politische Wachsamkeit und eine Motivation in der Bevölkerung hervorrufen, wie sie lange Jahr lang unbekannt blieb. Wenn Empathie und Menschlichkeit mehr in den Fokus rücken würden. Würden sich dann alle Bürger auch noch dieser Lebensart widmen, wäre die Infrastruktur sicherlich bedeutend gestärkt. Gerechtigkeit in Sachen Steuern, Gerechtigkeit in Sachen Spenden. Es ist unglaublich wie viel sich auf diesem Gebiet tun könnte, wenn Staat und Steuerzahler sich daran halten würden. Klingt nahezu kindlich naiv, aber auch Volker Pispers sagt es ja. Was könnten wir uns erlauben wenn zumindest die Hälfte der SPD mal über einen bedeutenden Zeitraum Steuern zahlen würde.

    Also, mit Offenheit hinsichtlich dem Dialog mit Angehörigen aller Schichten und menschlicher Vernunft ist vielen geholfen. Love is nicht all we need, wie es der sich wohl dem Okkultismus zugewandte John Lennon formulierte, um seine Vorstellung von Liebe (oder Selbstliebe?) über allgemeingültige Prinzipien und vor allem Gott zu stellen. Love is the starting point. Allerdings die wahre Liebe, also die Nächstenliebe, und nicht jene, die a la 1984 für Hass steht.

  3. Ich schiebe einfach zu gerne Gedanken hinsichtlich den Umständen in einer anarchischen Welt hin und her.

    Gilt nicht irgendwo das simple Argument Libertärer, wenn sie sagen, dass solche Ausbeuter (die jetzt auf ihren Inseln auf Steuerverweigerer machen) und Umweltverschmutzer durch die freie Presse entlarvt und zurechtgewiesen werden würden und sich mit den richtigen Informationen versorgte Bürger (keine Propagandaopfer mehr) gegen so etwas wehren würden bzw. nicht unterstützen würden?

    Ich weiß nicht. Linke, Libertäre. Sie wurden beide als satanisch und gottgesegnet dargestellt in der Vergangenheit. Beide stoßen irgendwo immer wieder auf Zuspruch, aber auch Zweifel bei mir im Zuge ihrer spezifischen politischen Ansichten. Ich halte mich wie gesagt zurück mit eigenen umfangreichen Ideen zu politischen Gestaltungen, also belasse ich es dabei.

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