Nemzows Tod – Westliche Medien setzen auf Verschwörungstheorie

von Shinzon

Am 27. Februar 2015 wurde der russische Oppositionspolitiker Boris Nemzow auf offener Straße erschossen. Die Leiche war noch nicht ganz kalt, als für westliche Massenmedien und diverse CDU-Politiker der Verantwortliche schon feststand. Der Auftraggeber für den Mord müsse im Kreml sitzen und könne nur Putin heißen. Logisch, denn inzwischen weiß ja jeder, dass der russische Präsident der Antichrist ist. Oder etwa nicht?

Wie immer muss auch hier die Frage gestellt werden, wem der Mord etwas nützt? Putin dürfte dabei wohl der Letzte sein, der von dieser Tat profitiert. Zum einen steht er schon lange unter außenpolitischem Druck, vor allem wegen dem Konflikt in der Ukraine. Das Letzte, was der russische Präsident in seiner aktuellen Lage gebrauchen kann, ist eine Leiche im Keller. Die westlichen Medien dämonisieren ihn ohnehin schon und die NATO droht Russland unverhohlen mit Krieg. Putin müsste schon selten dämlich sein, um seinen Feinden den perfekten Aufhänger für einen Angriff zu liefern.

Gleiches gilt für die innenpolitische Lage. Nemzow hatte in den letzten Jahren als Oppositionspolitiker stark an Profil verloren. Er war das russische Gegenstück zu einem Landtagsabgeordneten und sein Name tauchte bestenfalls noch in der aktuellen Unbeliebtheitsskala auf. Putins Beliebtheitsgrad ist dagegen beträchtlich gestiegen, die Mehrheit der Russen steht hinter ihrem Präsidenten. Warum also sollte Putin einen eher unbedeutenden Oppositionellen ermorden lassen und ihn so zum Märtyrer machen?

Egal wie man es dreht und wendet, es macht einfach keinen Sinn, warum ein brillanter Stratege wie Putin sich selbst dermaßen schaden sollte. Hinzu kommt, dass er als ehemaliger Geheimdienstmitarbeiter gewiss nicht auf solch plumpe Methoden zurückgreifen und dann auch noch Nemzows Begleiterin Anna Duritzkaja als Zeugin am Leben lassen würde. Das ist alles nicht logisch und außerdem überhaupt nicht Putins Art. Wenn ihm jemand im Weg steht, dann gibt es für gewöhnlich einen Gerichtsprozess und ab geht es nach Sibirien.

Die Behauptungen, Putin wäre in irgendeiner Weise für den Mord an Nemzow verantwortlich, sind nichts als blanke Verschwörungstheorien. Interessanterweise werden diese Theorien gerade von jenen Massenmedien verbreitet, die andere Menschen sonst nur allzu gern als Verschwörungstheoretiker beschimpfen und versuchen, sie damit lächerlich zu machen. Natürlich ist es ebenso nur eine Theorie, dass westliche Geheimdienste hinter der Tat stecken könnten, aber zumindest würden diese viel eher davon profitieren. Obendrein warnte Putin bereits lange im Vorfeld vor einer solchen Aktion unter falscher Flagge.

Es gibt aber noch eine weitere Möglichkeit. Nämlich eine dritte Partei mit völlig unerwarteten Motiven. Diese scheint sich nun zu bewahrheiten, denn nach ersten Angaben sollen die Täter tschetschenische Islamisten gewesen sein. Ein herber Schlag für die Propagandaorgane der Atlantik-Brücke. Zumal das durchaus plausibel klingt, denn Nemzow hatte sich zuvor mit dem französischen Satiremagazin Charlie Hebdo solidarisiert und hielt nicht besonders viel vom Islam.

Und da wären wir schon beim nächsten Punkt. Wen beweinen die westlichen Medien und Politdarsteller hier eigentlich? Nemzow war Mitglied der neoliberalen Partei Union der rechten Kräfte. Er stand eng an der Seite des verstorbenen Ex-Präsidenten Boris Jelzin und unterstütze dessen ruinöse Politik nach besten Kräften. Nemzow war eine Triebfeder der Privatisierungen, dank derer die verkommensten Subjekte der russischen Gesellschaft zur heutigen Oligarchie aufsteigen konnten. Seine marktradikale Politik wurde damals sogar von der Eisernen Lady Margaret Thatcher gelobt.

Bereits im Juli 2000 versuchte Nemzow, gemeinsam mit 21 einflussreichen Oligarchen, Druck auf Putin zu machen und sich massiv in die Politik einzumischen. Nachdem dieser Versuch scheiterte, versuchte er Putin als gefährlichen Diktator darzustellen. Er bezeichnete den russischen Präsidenten gar als Mafiosi, obwohl er sich selbst im mafiösen Umfeld der gruseligsten Oligarchen bewegte.

Außenpolitisch unterstützte Nemzow 2004 die orange Revolution in der Ukraine und selbstverständlich auch den Machtwechsel von 2014. Bis zu seinem Tod war Nemzow ein Befürworter der EU und NATO. Er hatte zudem engen Kontakt zur US-Botschaft in Moskau und wäre wohl ein aussichtsreicher Kandidat für eine Führungsrolle bei einem CIA-gesteuerten Putsch gegen die russische Regierung gewesen. Überhaupt gehen Russlands Oppositionelle bei der US-Botschaft ein und aus.

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