Das Weltenei – Geburt einer Schlange

von Shinzon

Das Weltenei ist Bestandteil vieler Schöpfungsmythen und damit ein universelles Symbol. Aus dem Ei soll den Legenden nach die Welt in Gestalt eines Allgottes geschlüpft sein, der interessanterweise in vielen Kulturen mit oder sogar als Schlange dargestellt wird. Es handelt sich also offensichtlich nicht um ein Hühnerei und sollte dementsprechend auch nicht mit diesem Fruchtbarkeitssymbol verwechselt werden, welches bunt angemalt als Osterdekoration dient.

Weltenei

In der ägyptischen Götterlehre war alles noch etwas anders. Der Legende nach legte Amun ein Gänseei, aus dem die Welt hervorging. Er galt den Ägyptern als Allgott, der als halb männlich und halb weiblich dargestellt wurde. Sein Name war so geheim, dass er mit einem Fluch belegt war. Allerdings könnte sein Ruf bis nach Mali gelangt sein, wo die Dogon bis heute einen Schöpfergott namens Amman anbeten. Die Ähnlichkeit der Namen ist verblüffend und darüber hinaus erschuf Amman ebenso wie Amun ein Weltenei.

Im antiken Griechenland war das Weltenei Teil des Dionysoskultes. In diesem schlüpfte ein ebenfalls zweigeschlechtlicher Schöpfergott aus einem Ei und dieser war ebenso geheimnisumwittert wie Amun. Weitere Parallelen gibt es zum hinduistischen Schöpfungsmythos, in dem sich der Samen des Gottes Prajapati in ein goldenes Ei verwandelte, aus welchem er selbst nach einem Jahr als Brahman schlüpfte. Aus den beiden Schalenhälften formte er anschließend Himmel und Erde. Ebenso wie Amun ist Brahman halb männlich, halb weiblich. Zu beachten ist bei diesem Hindu-Mythos darüber hinaus die goldene Färbung des Eies, welche im Originaltext mit der Sonne assoziiert wird.

Einen ähnlichen Schöpfungsmythos gibt es auch in Skandinavien. Dem finnischen Nationalepos Kalevala zufolge legte eine Tauchente ein Ei in den Schoß der Luftgöttin Ilmata. Wie in der Hindu-Mythologie formte diese aus der unteren Schalenhälfte die Erde und aus der oberen den Himmel. Zusätzlich schuf Ilmata aus dem Eiweiß den Mond und aus dem Dotter die Sonne.

Diese Assoziation ist so simpel wie einleuchtend und führt uns direkt zum Mithraskult im antiken Rom. In diesem wurde der Sonnengott Mithras in einem Ei dargestellt, welches von den 12 Tierkreiszeichen umringt ist. Nun ist es durchaus logisch, dass Mithras als Verkörperung der Sonne in der Mitte des Tierkreises steht, dieser müsste aber eigentlich 13 Sternbilder umfassen. Der Schlangenträger fehlt in dieser Darstellung aber keineswegs. Mithras selbst trägt die Schlange.

Weltenei Mithras

Im Zoroastrismus diente das Weltenei ebenfalls dem Gott des Lichtes, Ahura Mazda, als Behältnis für die von ihm geschaffenen Sterne sowie die 30 guten Götter. Allerdings ist in dieser antiken Religion nicht der Gott des Lichtes der Schlangenträger. Sein Gegenspieler Ahriman, der Gott der Finsternis, erschuf in der Folge ebenso viele böse Götter, welche sich auf allen Seiten in das Weltenei bohrten und hineinschlüpften. Ahriman ist die Vorlage des biblischen Luzifers, welcher u.a. als Schlange dargestellt wird. Es gibt jedoch kleinere Unterschiede, denn Luzifer ist laut Bibel ein gefallener Engel Gottes, während Ahriman und Ahura Mazda beide Söhne von Zurvan, dem Gott der endlosen Zeit, sind.

Neben der Rolle des Schlangenträgers und der Vergiftung des Welteneies durch böse Götter gibt es schlussendlich noch die Mythologie der marokkanischen Gnawa, laut der die Welt direkt aus einem Schlangenei entstand. Lässt sich daraus nun ableiten, dass unsere Welt oder zumindest die frühen Kulturen von Schlangenwesen begründet wurden?

Ein Kommentar zu “Das Weltenei – Geburt einer Schlange

  1. Interessant. Ein befreundeter Rasta erzählte mir eben noch von den Dogon.

    Sie hatten ja auch schon früh in ihrer Geschichte Reptiliengottheiten anzubieten während es Forschern lange Zeit ein Rätsel war, wie sie so gut über astrologische Gegebenheiten bescheid wissen konnten. Heutzutage wird auch auf Wikipedia angegeben, dass dieses Wissen nach neuerlichen fachmännischen Begutachtungen plötzlich doch nicht ganz so tief war und man heutzutage längst nicht mehr von einem Phänomen sprechen könne.

    Brisanterweise ging es um ihr Wissen hinsichtlich des Sterns Sirius. Auch die Laufbahn von Sirius B war ihnen geläufig. Seine Bahn stellt übrigens auch die ovale Form eines Eis dar.

    Keine Ahnung was es mit dem für Okkultisten so interessanten Stern und seiner Eierbahn im Hinblick auf dieses Reptophänomen und den Abbildungen von einem Schöpfungsei auf sich haben könnte.

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