Ex Machina – Künstliche Intelligenz

von Shinzon

Die Entwicklung von künstlicher Intelligenz schreitet mit großen Schritten voran und dementsprechend rollt eine Welle von Science Fiction Filmen durch die Kinos, die sich mit diesem Thema beschäftigen. Allein dieses Jahr wurde die Leinwand bereits von „Chappie“ sowie Ultron heimgesucht und der neuste „Terminator“ steht schon in den Startlöchern. Während Hollywood das KI-Thema in großen Actionreißern verarbeitet, schlagen die Briten mit „Ex Machina“ deutlich leisere Töne an. Das hat mitunter den Vorteil, dass mehr Raum für Gesellschaftskritik bleibt und die Zuschauer auch mal Zeit zum Nachdenken haben.

Als der 26-jährige Programmierer Caleb (Domhnall Gleeson) bei einer firmeninternen Lotterie gewinnt, ahnt er noch nicht, was ihn erwartet. Er darf eine Woche mit dem öffentlichkeitsscheuen Firmenchef Nathan (Oscar Isaac) auf dessen abgelegenen Grundstück in den Bergen verbringen. Was für ein Charakter der Suchmaschinengründer und Milliardär ist, zeigt bereits der Totenschädel auf dem Tisch des Empfangszimmers.

Schädeldeko

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In der Küche gibt es einen weiteren Totenkopf mit gekreuzten Knochen sowie einen gehörnten Tierschädel. Es ist offensichtlich, dass Nathan zur herrschenden Elite gehört.

Schädeldeko_3

Gehörnter Schädel_1

Ebenso wenig dürfte es überraschen, dass er Caleb nicht nur auf sein Anwesen eingeladen hat, um ein paar Tage mit ihm abzuhängen. Selbstverständlich bestünde auch diese Möglichkeit, sofern Caleb sich weigern würde, die Verschwiegenheitserklärung zu unterschreiben. Am Ende siegt jedoch erwartungsgemäß die Neugier und Nathan stellt seinem Gast seine neuste Erfindung Ava (Alicia Vikander) vor – eine Androidendame mit künstlicher Intelligenz.

Ava

Interessanterweise ergeben sich hier Parallelen zum Google-Konzern, welcher reihenweise Technologiefirmen aufkauft. Darunter zahlreiche Unternehmen im Bereich Robotik. Der Charakter des Nathan ist dementsprechend mehr als offensichtlich an den Google-Chef Larry Page angelehnt, inklusive dessen fragwürdiger Haltung gegenüber der Privatsphäre anderer Menschen. Während Nathan selbst die Abgeschiedenheit bevorzugt, lässt er sowohl seinen Androiden als auch Caleb permanent von Videokameras überwachen.

Videoüberwachung

Sein Gast erhält indes die Aufgabe, Ava in den kommenden Tagen in Gespräche zu verwickeln und so ihre KI zu testen. Anfangs läuft das sehr gut, obgleich Nathan immer öfter unzufrieden mit den Schlussfolgerungen von Caleb ist. Der Chef will konkrete, unverblümte Aussagen und spielt sich wie ein spiritueller Lehrmeister auf. Zumindest der Gottvergleich erfreut ihn aber, denn er hat es tatsächlich geschafft, eine intelligente Lebensform zu erschaffen. Da stellt sich Frage, ob dies der eigentliche Grund für seine Erfindung – um dadurch selbst zum Gott zu werden?

Gegen Mitte der Woche führt er Caleb schließlich in das Labor, in dem er Ava erschaffen hat. Die künstlichen Gehirne, die er seinem Gast zeigt, bestehen aus einer gelartigen Substanz, ähnlich wie die bioneuralen Gelpacks in „Star Trek – Raumschiff Voyager“. Programmiert hat er die KI auf Grundlage seiner Suchmaschinen-Software, wobei er weltweit alle Mobiltelefone angezapft hat, um Ava menschliche Mimik und Gestik beizubringen. So viel zum Thema totale Überwachung, bei dem Nathan unverblümt anmerkt, dass die Mobilfunkbetreiber keine Einwände erhoben hätten, da sie ihre Kunden selbst permanent ausspionieren.

Cyberhirn

In Nathans unterirdischer Berghütte gibt es ebenfalls nur wenige ungestörte Momente. In regelmäßigen Abständen kommt es zu Stromausfällen, bei denen auch die Überwachungskameras ausfallen. Während einem dieser raren Momente erklärt Ava Caleb, dass sie Angst vor Nathan hat und er seinen Gast belügt. Avas Angst ist tatsächlich nicht unbegründet, da sie nach erfolgreichem Abschluss des Tests demontiert und durch ein Nachfolgemodell ersetzt werden soll. Nathan gibt dies offen zu und hat offensichtlich keinerlei moralische Bedenken, da Ava in seinen Augen nur eine Maschine ist.

Caleb stellt ihn allerdings auch wegen der Lügen zur Rede und bei einem Ausflug zu einem Gletscher gesteht Nathan, dass Caleb nicht zufällig in der Betriebslotterie gewonnen hat, sondern gezielt ausgewählt wurde. Über die Parameter der Auswahl macht Nathan allerdings weiterhin bewusst falsche Angaben. Caleb verliert zusehends das Vertrauen in seinen Boss und zweifelt sogar an sich selbst. Zwischenzeitlich glaubt er gar, selbst ein Android zu sein und schnippelt sich am Arm herum. Schlussendlich entscheidet er sich, Ava bei der Flucht zu helfen.

Obwohl Nathan inzwischen Wind davon bekommen hat, weil er heimlich eine Kamera mit Mikrophon in Avas Quartier angebracht hat, gelingt es Caleb, Avas Flucht zu arrangieren. Alle Pläne, die er Ava mitteilt, hat er längst umgesetzt, sodass er Nathan trotz dessen Wissen überrumpeln kann. Beziehungsweise hat er ihn längst überrumpelt und das Computersystem manipuliert, während Nathan seinen letzten Alkoholrausch ausgeschlafen hat. Dem Milliardär nützt es also nichts mehr, dass er am Tag darauf alle Drinks ablehnt.

Allerdings offenbart er seinem Gast kurz darauf die ganze Wahrheit. Er hatte ihn ausgewählt, weil er anhand seines Surfverhaltens wusste, dass Caleb mit Ava sympathisieren würde. Die künstliche Intelligenz sollte Caleb manipulieren, damit dieser ihr bei der Flucht hilft. Genau darin bestand der Test, der beweisen sollte, dass die KI eigenständig denkt und fühlt. Leider kommt dieses Wissen zu spät und Ava bricht aus ihrem Gefängnis aus. Mit Hilfe der asiatischen Dienerin, die sich ebenfalls als Androidin herausstellt, entledigt sich Ava ihres Schöpfers und entkommt in die Freiheit, wo sie von nun an unerkannt unter den Menschen wandelt. Ihren Fluchthelfer Caleb lässt sie, eingesperrt in Nathans Wohnung, allein zurück.

Vorgängermodell

Fazit: „Ex Machina“ wartet mit einem angenehmen, futuristischen Ambiente auf, welches jedoch nicht zu abgehoben erscheint, um nicht schon heute existieren zu können. Die Spezialeffekte sind überwältigend und konzentrieren sich komplett auf die Technologie. Es gibt keinerlei Explosionen oder epische Schlachten, was beweist, dass Science Fiction auch ohne solche Elemente auskommt und trotzdem spannend sein kann.

Die Handlung weiß durch ihre psychologischen Aspekte und die vielen überraschenden Wendungen zu überzeugen. Das macht klassische Science Fiction aus, welche sich angenehm von Actionreißern wie „Avengers: Age of Ultron“ oder „Terminator: Genisys“ abhebt. Lediglich das Ende ist etwas schroff. Es wäre wesentlich interessanter gewesen, wenn Ava echte Gefühle für Caleb entwickelt hätte und gemeinsam mit ihm geflohen wäre. Es gibt einfach keinen logischen Grund, warum sie ihn eingesperrt zurück lässt. Abgesehen davon ist „Ex Machina“ jedoch ein rundum gelungener Film und ein echter Genre-Geheimtipp.

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