Project Almanach – Kurzweiliger Spaß mit Logiklöchern

von Shinzon

Das Found Footage-Genre deckt inzwischen so ziemlich alle Bereiche ab. Angefangen hat alles mit Geistern („Blair Witch Project“) und Dämonen („Paranormal Activity“), weiter ging es mit Monstern („Cloverfield“) und Dinosauriern („The Dinosaur Project“), bis schließlich auch Superkräfte an die Reihe kamen („Chronicle“). Ein Thema, was bisher noch fehlte, waren Zeitreisen. Dieses wird nun durch „Project Almanach“ abgedeckt, der sich, wie so ziemlich alle Filme des Genres, an ein junges Publikum richtet.

Im Zentrum der Handlung steht eine High School Clique, die sich eher aus Verlierertypen zusammensetzt. Als David Raskin (Jonny Weston) an der Uni angenommen wird, aber seine Mutter das Haus verkaufen muss, um sein Studium zu finanzieren, sucht er nach Auswegen. Zunächst stößt er dabei auf ein altes Video von seinem 7. Geburtstag, in dem er sich selbst entdeckt. Gemeint ist nicht sein jüngeres Ich, sondern sein aktuelles Ich, welches im Hintergrund kurz in einem Spiegel auftaucht.

Kurz darauf entdeckt er im Keller die Pläne für eine Zeitmaschine, an der sein verstorbener Vater im Auftrag der Militärbehörde Darpa gearbeitet hat. Zusammen mit seiner Schwester Christina (Virginia Gardner) sowie seinen beiden Kumpels Quinn (Sam Lerner) und Adam (Allen Evangelista) macht er sich daran, die Zeitmaschine nachzubauen. Die ersten Versuche verlaufen mittelmäßig und es bedarf einer besseren Energiequelle. Kurzerhand holen sich die vier Starthilfe von einem Hybridauto, das Davids heimlicher Liebe Jessie (Sofia Black D’Elia) gehört.

Als Jessie nach dem Rechten sehen will, bekommt sie selbstverständlich Wind von der Zeitmaschine und schon sind die Chrononauten zu fünft. Nach einigen Tests beschließen sie, die Zeitmaschine für ihr Privatvergnügen zu benutzen und kassieren erst einmal einen Lottogewinn. An der Schule rächt sich Christina indes an ihrer Erzrivalin und Quinn besteht eine Klassenarbeit durch mehrfaches Wiederholen.

Leider schleichen sich hier bereits die ersten Logiklücken ein. Wenn jemand in der Zeit an einen Ort zurück reist, wo er bereits war, müsste derjenige dort zweimal existieren. Zuweilen wird dies auch korrekt dargestellt und die Charaktere begegnen sich selbst. Bei der Wiederholung der Prüfung ist dies jedoch nicht so und die Zeitmaschine funktioniert plötzlich wie eine Reset-Vorrichtung. Gleiches gilt für das Lollapalooza-Festival, auf dem David eine Chance verpasst, Jessie seine Liebe zu gestehen, und diese Szene wiederholt.

Das Festival hat allerdings noch eine andere Botschaft. Als erste Band sind Imagine Dragons zu hören, die ihre Single „Radioactive“ zum Besten geben. Dieser Titel, in dem das „New Age“ besungen wird, war bereits im Soundtrack von „Seelen“ zu hören. Bei „Project Almanach“ liegt das Hauptaugenmerk auf der Zeile „This is it, the Apocalypse“. Der anstehende Weltuntergang wird direkt im Anschluss noch einmal propagiert, als Jessie und David ihre letzten Wünsche an einer Wand mit dem Titel „Before the World Ends“ äußern.

Project Almanach World Ends

Jessies letzter Wunsch vor dem Weltuntergang ist es, sich zu verlieben, aber selbstverständlich hat sie sich schon längst in David verliebt. Leider steht ihre Beziehung unter keinem guten Stern, denn der Weltuntergang scheint sie schon kurz nach dem Festival einzuholen. Durch ihre Zeitreisen haben die fünf Freunde die Zeitlinie verändert, was den Tod von hunderten Menschen verursacht hat.

Obwohl sich alle geschworen haben, keine Alleingänge zu unternehmen, versucht David, die Zeitlinie ohne die anderen wieder in Ordnung zu bringen. Bei einem seiner Trips wird er von Jessie erwischt, die ihn ungewollt bei einem Zeitsprung begleitet. Als sie sich in der Vergangenheit selbst begegnet, lösen sich beide Jessies in Luft auf. Und da wären wir schon bei der nächsten Logiklücke. Wenn jemand sich selbst in der Vergangenheit begegnet und damit die Zukunft verändert, würde dadurch eine alternative Zeitlinie entstehen, in der die betreffende Person zweimal existiert.

Dieser Logikfehler wird gleich noch einmal gemacht, als David zurück zu seinem 7. Geburtstag reist. Er will seinen Fehler korrigieren, indem er in der Vergangenheit alle Pläne für die Zeitmaschine vernichtet. Nachdem er sich von seinem Vater verabschiedet und alle Baupläne verbrannt hat, löst sich David in nichts auf. Seine Kamera bleibt jedoch bestehen, sodass er und seine Schwester sie später finden und damit wieder eine genaue Bauanleitung für die Zeitmaschine haben. Also entweder hätte sich die Kamera zusammen mit David auflösen müssen oder man hätte sich auf das Konzept der alternativen Zeitlinien einigen müssen. So widerspricht sich der Film selbst.

Fazit: „Project Almanach“ wäre ein erstklassiger Zeitreisefilm, wenn er nicht unter einigen himmelschreienden Logiklöchern leiden würde. So ist er aber immerhin noch unterhaltsames Popcornkino. Die Thematik ist zumindest interessant, das Dilemma natürlich vorprogrammiert und die Handlung wird von sympathischen Charakteren getragen. Zuweilen sind Davids Freunde etwas stereotyp, aber immerhin ist er selbst hoch intelligent und auch die beiden Mädels tragen mehr zur Handlung bei als nur ihre Oberweite. Das ist eine angenehme Abwechslung zu den meisten Teeniefilmen, die sich um schwanzgesteuerte Jungs drehen, für die man sich nur fremd schämen kann.

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