8. Mai – Wer nicht feiert hat verloren!

von John Doe Anonymous

Heute, am 8. Mai 2015, jährt sich zum 70. Mal der Tag der Befreiung vom Hitlerfaschismus. Der vom 3. Reich begonnene Krieg forderte weit über 60 Millionen Menschenleben in Europa, China und dem Pazifik. Die meisten Opfer hatte dabei Russland zu beklagen, wo durch den Krieg und ethnische Säuberungen fast 30 Mio. Menschen starben. Hinzu kamen rund 6 Millionen ermordete Juden, Kommunisten, Sinti, Roma und Homosexuelle. Der Schwur von Buchenwald brachte diese traumatischen Erfahrungen gut auf den Punkt:

„Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht. Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel. Das sind wir unseren gemordeten Kameraden und ihren Angehörigen schuldig.“

70 Jahre sind seitdem vergangen. Nicht alle Schuldigen wurden verurteilt. Im Gegenteil erhielten viele Nazirichter hohe Positionen in der BRD-Justiz und auch andere NS-Verbrecher machten Karriere in der Politik, dem Staatswesen und dem BND. Frieden und Freiheit haben sich zu Neusprechbegriffen entwickelt, die in Wahrheit Krieg und Ausbeutung bedeuten. Und der Nazismus? Auch er wurde nicht ausgerottet, sondern durchsetzt inzwischen ganz Europa wie ein eitriger Tumor. In der Ukraine herrschen bereits wieder Verhältnisse wie 1933 und auch in Deutschland fühlt man sich in die Zeit gegen Ende der Weimarer Republik zurückversetzt.

Erst kürzlich fanden die Thüringer Neonazis neuen Geschmack an Straßenschlachten und griffen am 1. Mai vermehrt Gewerkschafter und Linke an. In Erfurt wurden die rund 250 Faschisten noch teilweise erfolgreich von ca. 1.000 Bürgern blockiert, ähnlich wie bereits am 18. April in Gotha. Im südthüringischen Saalfeld sahen die Verhältnisse hingegen schon anders aus. Dort waren die Antifaschisten mit über 800 Personen zwar ebenfalls in der Überzahl, allerdings bekamen sie es mit über 600 Nazis zu tun.

Die Polizei war in Saalfeld sichtlich überfordert, sodass ca. 100 gewaltbereite Schläger unbehelligt durch die Stadt zogen und dabei wahllos auf Menschen einprügelten. Es gab mindestens drei Schwerverletzte. Verantwortlich für die brutalen Übergriffe ist die rechtsextreme Splitterpartei „Der III. Weg“, die zur Demonstration aufgerufen hatte. Ein Augenzeugenbericht kann hier nachgelesen werden.

Am gleichen Tag kam es in Weimar zu einem Überfall auf eine Gewerkschaftskundgebung durch rund 50 Mitglieder der NPD-Jugendorganisation JN (Junge Nazis), bei der ebenfalls mehrere Personen verletzt wurden. Die NPD hat mit dieser Aktion unmissverständlich gezeigt, dass sie keine Arbeiterpartei ist, sondern auf der Seite der Banken und Konzerne radikal gegen Gewerkschafter vorgeht. Wirklich überraschend ist das nicht, denn schon im 3. Reich hatte die NSDAP kurz nach ihrer Machtergreifung sämtliche Gewerkschaften verboten und aktive Mitglieder in KZs ermorden lassen.

Einen dritten Gewaltausbruch gab es schließlich auf dem Gothardusfest in Gotha, wo etwa ein Dutzend Nazis auf einen Passanten einprügelten und diesen schwer im Gesicht verletzten. Offensichtlich haben die Faschisten an diesem Wochenende Blut geleckt und werden nun immer dreister. Sie wollen gezielt ein Klima der Angst schaffen, ähnlich wie der IS im Norden von Syrien und dem Irak. In beiden Fällen haben wir es mit gewaltbereiten Terroristen zu tun, die nichts außer Hass im Hirn haben. Es muss endlich etwas gegen diese braunen Schläger unternommen werden, bevor die Situation wie in Syrien, dem Irak oder der Ukraine eskaliert.

Ein Anfang wäre ein NDP-Verbot, für welches sich inzwischen sogar die Thüringer CDU ausspricht. Zum ersten Mal sind sich damit DIE LINKE und CDU in einem Punkt einig. Ebenso überraschend ist die eher skeptische Haltung der Koalitionspartner SPD und Grüne, die Bedenken gegenüber einem NPD-Verbot haben. Was gibt es denn da zu bedenken? Gerade die SPD hatte Anfang der 1930er schon einmal Vorbehalte, gemeinsam mit den Kommunisten gegen die NSDAP vorzugehen. Das Ergebnis kennen wir und gerade die SPD sollte wissen, dass ihre Genossen nach der Machtergreifung 1933 trotzdem nicht verschont blieben. Man kann nur auf die Einsicht der SPD hoffen, zumal sich diese jetzt sogar schon bei der Union abzeichnet.

So viel zur Situation im Osten der Republik. Im Westen sah es für die Faschisten weit weniger spaßig aus. Zombiewood war am 1. Mai vor Ort in Worms, wo ein erbärmliches Häufchen von weniger als 50 NPD-Anhängern keine 100 Meter weit kam. Rund 300 Antifaschisten blockierten einen Kreisverkehr in der Nähe des Hauptbahnhofes und hielten dort trotz Regen bis 16 Uhr aus.

Der erst im Februar 2015 neu gegründete NPD-Kreisverband gab sich an diesem Tag wahrhaftig die Blöße. Das fing schon damit an, dass auf der Kundgebung der kriminelle Ausländer Safet Babic als Redner eingeladen war. Der u.a. wegen Körperverletzung vorbestrafte Bosnier saß bis 2011 für die NPD im Stadtrat von Trier.

Die nächste Knallcharge auf der Veranstaltung war Detlef Walter von der NPD Trier, der die Bürger von Worms via Facebook dazu aufforderte, die Linken zu bitten, die Kreuzung zu räumen. Selbstverständlich entblödete sich kein Bürger zu einer solchen Aktion. Warum auch? Die Wormser waren selbst alle auf einer Gegenkundgebung und ohnehin wären die Linken den verzweifelten Bitten nicht nachgekommen.

Als wäre der peinliche Aufruf nicht schon lächerlich genug, sorgte ein Kamerad auf dem kurzen Rückweg zum Bahnhof noch für Unterhaltung, indem er vor eine Straßenlaterne rannte. Zu lachen hatten aber leider nur die Polizei und Presse, da die Faschisten so weiträumig von abgeschottet waren, dass man als Außenstehender kein freies Blickfeld hatte. Aufgrund des Polizeiaufgebots hätte man fast glauben können, der US-Präsident sei gerade in Worms zu Besuch. Es ist ungeheuerlich, was dieses unsägliche Häufchen Elend die deutschen Steuerzahler kostet.

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass die Nazis insbesondere in Westdeutschland nicht viel zu lachen hatten, aber dafür ausgelacht wurden. In Teilen von Thüringen schlug indes die Wut über die eigene Dummheit in pure Gewalt um. Statt ihr krankes, von Hass zerfressenes Weltbild zu überdenken, machen die Nazis das, was sie am besten können: Randalieren und Unschuldige zusammenschlagen. Das ist einfach nur armselig!

Der 8. Mai kann angesichts dieses Terrors nur bedingt als Tag der Befreiung gefeiert werden. Ja, Deutschland wurde 1945 von Hitler, der NSDAP und der SS befreit. Von den Nazis müssen wir uns aber bis heute Tag für Tag von neuem befreien. „Nie wieder Faschismus, nie wieder Krieg!“ bleibt eine aktuelle Forderung, für deren Umsetzung wir auch in Zukunft noch kämpfen müssen.

Tag der Befreiung!

Tag der Befreiung!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s