Naziwerwölfe ohne Schafspelz

von Shinzon

Die häufige Bezugnahme auf Werwölfe im 3. Reich kann auf Adolf Hitlers Vornamen zurückgeführt werden, welcher übersetzt „edler Wolf“ bedeutet. Edel war Hitler zwar nicht, aber von den Kindern aus dem engsten Kreise der Naziführung wurde er stets „Onkel Wolf“ genannt.

Von Hitlers Vornamen leiten sich nachweislich die Namen der drei Führerhauptquartiere Wolfsschanze (bei Görlitz, ehem. Ostpreußen, heute Polen), Wolfsschlucht (nahe Couvin, Belgien) und Werwolf (Stryschawka, Ukraine) ab. Werwolf war das am weitesten von Berlin entfernte Führerhauptquartier und von Juli 1942 bis Februar 1943 in Betrieb. Hitler war nur dreimal vor Ort und hielt sich meist in der Wolfsschanze auf.

Lage des FHQ Werwolf in der Ukraine

Lage des FHQ Werwolf in der Ukraine

Im September 1944 gründete der Reichsführer-SS Heinrich Himmler (1900-1945) eine Freischärlerbewegung namens „Werwolf“, die in feindlich besetzten Gebieten des Reiches Sabotageakte, Attentate und Terroranschläge durchführen sollte. Das erinnert stark an die später von der NATO und CIA gegründeten Stay-behind-Organisationen wie Gladio, für welche ebenfalls Nazis rekrutiert wurden.

Die Aufrufe zur Bildung von We(h)rwolf-Gruppen verliefen allerdings größtenteils im Sande. Die Mehrheit der Deutschen hatte den „Totalen Krieg“ inzwischen einfach satt. Nach Hitlers Tod untersagte schließlich dessen Rechtsnachfolger Großadmiral Karl Dönitz (1891-1980) am 5. Mai 1945 weitere Kampfaktionen der Werwölfe. Obwohl ihre militärische Bedeutung von Historikern eher gering eingeschätzt wird, waren die Nazilykaner dennoch nicht untätig. Im April 2015 veröffentlichte der Journalist Cordt Schnibben einen Artikel über seinen Vater, der Mitglied einer Werwolfeinheit und gegen Ende des Krieges an einem Mord an einem Zivilisten beteiligt war.

Das Symbol der Untergrundgruppe war passender Weise ein Winkel mit Wolfsangel.

Werwolfsangel

Die Wolfsangel wird heute abermals von der ukrainischen Freischärlergruppe Asow-Bataillon verwendet.

Asow-Bataillon

Der Bezeichnung Werwolf wurde indes in der deutschen Neonaziszene erneut aufgegriffen. Bereits 1979 wurde eine Wehrsportgruppe Werwolf vom NPD-Kader Michael Kühnen (1955-1991) gegründet. Noch im selben Jahr kam es zum Bückeburger Werwolfprozess, bei dem es selbstverständlich nicht wie zu Zeiten der Hexenverfolgung um angebliche Werwolfsverwandlungen ging. Es war der erste Prozess in Deutschland, bei dem Rechtsextremisten als Terroristen verurteilt wurden. Neben Michael Kühnen saßen damals Manfred Börm (heute NPD-Bundesvorstand), Lothar Schulte, Lutz Wegener, Uwe Röhwer und Klaus-Dieter Puls auf der Anklagebank. Alle erhielten mehrjährige Haftstrafen.

Michael Kühnen (2. v.l.) mit der Aktionsfront Nationaler Sozialisten

Michael Kühnen (2. v.l.) mit der Aktionsfront Nationaler Sozialisten

Eine Affinität zu Werwölfen hat auch der bekennende Satanist Hendrik Möbus von der NSBM-Band Absurd. Auf der EP „Thuringian Pagan Madness“ von 1995 veröffentlichte die Naziband den Titel „Werwolf“, in welchem Möbus seiner kranken Phantasie freien Lauf lässt und darüber singt, wie gern er Menschen in Stücke reißen würde. Wie ernst es ihm und seinen Bandkollegen damit ist, bewiesen sie, indem sie das Grab des 1993 von ihnen ermordeten Sandro Beyer auf dem Plattencover der Erstauflage abbildeten.

Absurd - Werwolf

Neben Werwölfen hat die Rechtsrockszene auch noch die Weissen Wölfe aus dem Sauerland zu bieten. Die Band verbreitet rassistischen Hatecore und gehört zum Blood & Honor-Netzwerk. 2011 gründete sich in Anlehnung an die rechtsextreme Sauerlandzelle ein gewaltbereiter Fanclub in Hamburg, der sich Weisse Wölfe Terrorcrew nennt.

Eine eng verwandte Art sind die Grauen Wölfe. Dabei handelt es sich um die Mitglieder der 1961 gegründeten türkischen Partei der Nationalistischen Bewegung („Milliyetçi Hareket Partisi“, MHP). Auf das Konto der türkischen Nazipartei gehen zahlreiche Gewalttaten bis hin zu Mordanschlägen und Terrorismus. In Deutschland sind die Grauen Wölfe in der Organisation „Föderation der Türkisch-Demokratischen Idealistenvereine in Deutschland“ aktiv, obgleich sie weder demokratisch noch sonderlich idealistisch sind. Es handelt sich viel mehr um kriminelle Ausländer vom Schlage Safet Babic, deren Abschiebung nicht von der NPD gefordert wird.

Graue Wölfe

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Weissen und Grauen Wölfe allenfalls in den Zoo hinter Gitter gehören. In der freien Wildbahn sind sie viel zu gefährlich, da sie vermehrt Menschen angreifen. Als sich Naturschützer für die Wiederansiedelung der Wölfe in deutschen Wäldern einsetzten, hatten sie zudem wohl eher die Tiere im Sinn und keine Mannwölfe mit brauner Gesinnung.

Es gibt allerdings auch zugezogene Wölfe, die sich als harmlos herausgestellt haben. Es handelt sich dabei um die russischen Nachtwölfe, welche sich inzwischen wieder auf dem Heimweg befinden. Diese kamen für den 8. Mai 2015 nach Berlin, um den 70. Jahrestag der Befreiung vom Hitlerfaschismus zu feiern. Den mitgeführten Fahnen nach handelte es sich wohl um eine Gattung des motorisierten Rotwolfes.

Der in Russland heimische  gute Nachtwolf.

Der in Russland heimische gute Nachtwolf.

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