Vampirismus – Was steckt hinter dem Mythos?

von Shinzon

Vampire sind mit Abstand die beliebtesten Horrorgestalten, die die Pop-Okkultur bevölkern. Die nächtlichen Blutsauger entstammen jedoch nicht gänzlich der Phantasie moderner Schriftsteller und Filmregisseure. Das heutige Bild der Vampire hat sich über Jahrtausende geformt und sich dabei auch realer Vorbilder bedient. Das Wort „Vampir“ stammt aus dem slawischen Sprachraum und dominiert seit spätestens 1732 die internationale Literatur.

Ebenfalls interessant ist das albanische Wort „dhampir“, welches aus den Wortteilen „dham“ für „Zahn“ und „pir“ für „trinken“ besteht. Dies weist bereits auf die spitzen Vampirzähne hin, mit denen die Blutsauger ihre Opfer beißen. Die ukrainische Gestalt des Upyr sowie der Upir in Weißrussland und der Slowakei könnte indes auf einen im Jahr 1047 n. Chr. erwähnten Fürsten namens Upir Lichyi in der Umgebung von Nowgorod zurückgehen. Zudem gibt es in Westrussland zwei Orte namens Upiry und Upirow, deren Bewohner behaupten, von Vampiren abzustammen.

Definitiv belegt ist dagegen die etymologische Herkunft des Obervampirs Dracula, den der irische Schriftsteller Bram Stoker (1847-1912) in seinem gleichnamigen Roman von 1897 in die Vampirliteratur einführte. Stoker holte sich seine Inspiration von Vlad III. (1431-1477), welcher keineswegs als Graf, sondern als Woiwode (vergleichbar mit dem dt. Titel eines Herzogs) über die Walachai (heute Rumänien) herrschte. Zu Transsilvanien, welches auch Siebenbürgen genannt wird, hatte Vlad III. zwar gute Beziehungen, allerdings war es niemals seine Heimat, wie es im heutigen Dracula-Mythos darstellt wird.

Ebenso fiktiv ist die Darstellung von Vlad III. als geflügelter Blutsauger, der kein Tageslicht verträgt. Die reale Grundlage für diesen Mythos ist jedoch durchaus blutrünstig, denn seine Gegner sowie Straftäter ließ der Despot bei lebendigem Leibe pfählen. Dies brachte ihm posthum den Beinamen Tepes (zu Deutsch „Pfähler“) ein. Zu Lebzeiten hatte Vlad III. indes den Beinamen Drăculea, wovon Bram Stoker seinen Dracula ableitete.

Man beachte den achtzackigen Stern der Ištar an der Krone.

Man beachte den achtzackigen Stern der Ištar an der Krone.

Drăculea bedeutet übersetzt so viel wie „Sohn des Drachen“ und bezieht sich auf die Mitgliedschaft seines Vaters Vlad II. im Drachenorden von König Sigismund von Luxemburg (1368-1437). Sigismund war seit 1387 König von Kroatien, zudem 1411-1415 König von Ungarn sowie römisch-deutscher König, seit 1419 König von Böhmen und zuletzt von 1433 bis zu seinem Tode römisch-deutscher Kaiser. Es ist schon recht seltsam, dass ein so mächtiger Herrscher 1408 ausgerechnet einen Drachenorden gründete. Nach außen hin gab sich der Orden zwar katholisch, doch sein wahrer Charakter offenbart sich in seinem Symbol. Es handelt sich um einen zur Ouroboros gekrümmten Drachen.

Drachenordenlogo

Wir haben hier also eine reptiloide Gestalt, die mit blutrünstigen Adeligen in Verbindung steht. Das führt uns direkt zur ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory (1560-1614), welche angeblich im Blut von über 600 Jungfrauen badete, um ihren Alterungsprozess aufzuhalten. Zwar bezweifeln einige Historiker die Darstellung Elisabeth Báthorys als „Blutgräfin“, betrachtet man jedoch die satanistischen Machenschaften des europäischen Adels, erscheint die Geschichte nicht mehr vollkommen abwegig. Das Familienwappen des Báthory-Klans zeigt jedenfalls abermals einen zur Ouroboros geformten Drachen.

Báthory Wappen

Man kann nun zu recht behaupten, dass Vlad der Pfähler und die Blutgräfin den Vampirmythos maßgeblich geprägt haben. Unsterblich waren die beiden allerdings nicht und obgleich sie ziemlich blutrünstig waren, gibt es keine Belege dafür, dass sie das Blut ihrer Opfer getrunken haben. Alles in allem entsprechen diese historischen Figuren den gewohnten Darstellungen von Vampiren nur bedingt, denn mit Sicherheit konnten sie sich keineswegs in Fledermäuse verwandeln und kamen nicht des Nachts in Schlafzimmer geflogen.

Die Verbindung zu Fledermäusen ist ein Aspekt, der erst später hinzu kam und tatsächlich auf die nachtaktiven Vampirfledermäuse zurückgeführt werden kann, welche sich von Blut ernähren. Diese kommen jedoch nur in Amerika vor. Folgerichtig ist diese Herleitung frühestens auf das 16. Jahrhundert zu datieren, nachdem Amerika 1492 durch Christoph Kolumbus (wieder-)entdeckt wurde. Vampirfledermäuse sind daher maximal als Ergänzung des Vampirmythos zu betrachten.

Vampirfledermaus

Von Ethnologen wird der Vampirmythos indes auf den Glauben an Wiedergänger zurückgeführt, welcher vor allem in Südosteuropa verbreitet war. Ausgehend vom Karpatenraum hat sich dieser Glaube vor allem in Rumänien, Bulgarien, Albanien, Serbien, Ungarn und sogar bis nach Österreich verbreitet. Doch sind Wiedergänger wirklich die Vorlage für die modernen Vampire? Oder wird diese Erklärung nur herangezogen, um das Satanismusthema zu umgehen?

Wiedergänger haben nämlich so ziemlich nichts mit klassischen Vampiren gemein. Es handelt sich viel mehr um untote Menschen, die ihre Gräber verlassen und ruhelos umherirren. So z.B. der kroatische Bauer Jure Grando, welcher 1656 verstarb und 1672 aus seinem Grab gestiegen sein soll, um fortan das Dorf Kringa zu terrorisieren. Zwar wurde Grando später als erster Vampir schriftlich dokumentiert, doch scheint diese Bezeichnung nicht gerechtfertigt.

In der Folge kam es zu weiteren Vampiranschuldigungen gegen vermeintliche Untote. Wann und wo immer es zu rätselhaften Todesfällen kam, wurde die Schuld auf Untote geschoben. Vor allem zwischen 1718 und 1732 kam es in osteuropäischen Dörfern zu vermeintlichen Vampirepidemien. Da Viren und Bakterien noch weitgehend unbekannt waren, suchten die abergläubigen Menschen dieser Zeit nach einfachen Erklärungen. Zumindest ging die Schuld diesmal aber nicht an vermeintliche Hexen, sondern an Verstorbene. Die Enthauptungen und Pfählungen von Leichen waren zwar dennoch extrem unappetitlich und wären aus heutiger Sicht strafbar, aber zumindest waren die Betroffenen schon tot.

Ab 1732 wurden derartige Fälle schließlich wissenschaftlich und medizinisch untersucht, womit der Aberglaube an Wiedergänger schnell ein Ende fand. Ohnehin taugten die Wiedergänger des altertümlichen Volksglaubens nicht viel als Vorlage für klassische Vampire, da sie weder von Vampiren gebissen wurden, noch selbst Blut saugten. Am ehesten dienen sie als Vorlage für Zombies, wobei sogar letztere noch mehr mit Vampiren gemein haben, da sie Menschen anknabbern und auf diese Weise ihre Infektion verbreiten. Vergessen wir also die Wiedergänger, denn Vampire sind nicht wirklich als Untote zu verstehen, sondern viel eher als Unsterbliche.

Zumindest für die Lichtempfindlichkeit der Vampire gibt es durchaus eine passable wissenschaftliche Erklärung. Die Rede ist von der Stoffwechselkrankheit Porphyrie, bei der es zu einer Störung der Produktion des roten Blutfarbstoffes kommt. Ausgelöst wird die Krankheit entweder durch einen Gendefekt oder durch eine Vergiftung, z.B. mit Blei. Neben den psychischen Folgen gehören Lichtempfindlichkeit, schrumpfende Lippen, hervortretende Zähne und ein roter Belag auf den Zähnen zu den Symptomen. Das hört sich zusammengenommen schon sehr nach dem Aussehen eines klassischen Vampirs an.

Insbesondere die Lichtempfindlichkeit, die zur Verkrüppelung von Fingern und Nase führen kann. Das ist die wohl beste Erklärung dafür, dass Sonnenlicht für Vampire tödlich sein soll. Ein weiteres Mittel gegen die Blutsauger soll Knoblauch sein, was ebenfalls in Zusammenhang mit Porphyrie steht. Das in Knoblauch enthaltene Dialkylsufid verschlimmert nämlich die Symptome, sodass das Gewächs tatsächlich wie Gift auf Porphyrie-Kranke wirkt. Ähnlich wie bei Werwölfen die Hypertrichose scheint also im Falle der Vampire die Porphyrie die wahrscheinlichste Ursache des Mythos zu sein.

Bleibt aber noch die Frage nach dem Trinken von Blut. Tatsächlich erhalten Porphyrie-Patienten heutzutage Blutfarbstoffinjektionen, um die Krankheit zu lindern. Es wird vermutet, dass in früheren Jahrhunderten, als es diese Behandlungsmöglichkeit noch nicht gab, die Betroffenen Blut getrunken haben. Porphyrie ist zu allem Überfluss – dem Inzest sei dank – im deutschen und britischen Hochadel verbreitet. So soll der britische König George III. (1738-1820) unter der Krankheit gelitten haben und tatsächlich konnte anhand einer posthumen DNA-Analyse bei zwei seiner Nachfahren Porphyrie nachgewiesen werden. Bei einem weiteren Nachkommen von George III., der 1972 verstarb, wurde Porphyrie sogar noch zu Lebzeiten festgestellt.

Möglicherweise ist also tatsächlich etwas an dem Gerücht dran, demzufolge der europäische Hochadel Blut säuft. Allerdings scheint dies zumindest in einigen Fällen eher medizinische Hintergründe gehabt zu haben und ist leider kein Beweis dafür, dass das britische Königshaus aus Reptiloiden besteht. Ein Gegenbeweis für satanistische Menschenopfer ist der Verdacht auf Porphyrie jedoch ebenso wenig. Die Verstrickung der europäischen Königshäuser in okkulte Geheimgesellschaften und Kinderschänderskandale ist ein trauriger Fakt. Da das Trinken von menschlichem Blut in Satanismuskreisen durch dutzende unabhängige Zeugen bestätigt werden kann, sollte dieser Verdacht also keineswegs verworfen werden.

Zuweilen gehen Satanismus und Vampirismus sogar ganz offen Hand in Hand. Es gibt eine Reihe kruder Okkultisten, die schon in Freakshows im Fernsehen aufgetreten sind und dort behauptet haben, sich von Blut zu ernähren. Entgegen den Behauptungen wohl aber kaum von Blut allein, denn dafür ist das menschliche Verdauungssystem gar nicht ausgelegt. Die meisten dieser Freaks sind natürlich nur Hobbysatanisten und Gothic-Kids, deren romantische Vorstellung von Vampiren aus Hollywoodfilmen stammt. Es gibt allerdings auch wirklich gestörte Freaks und bekennende Satanisten, bei denen es kein reiner Spaß mehr ist.

Doch beschränkt sich der Blutkonsum allein auf menschliche Psychopathen? Glaubt man den Berichten über Reptiloidenbegegnungen, so trinken diese ebenfalls Menschenblut, essen allerdings auch Menschenfleisch. Zudem gibt es einige Hinweise darauf, dass zumindest ein Teil des Vampirmythos auf die Reptiloiden zurückgeht. Zum einen gibt es die bereits genannten Verbindungen von Drachenwesen zu Vlad III. und Elisabeth Báthory. Drachen gelten in Europa seit jeher als Menschenfresser, die in Sagen und Märchen Jungfrauen und kleine Kinder stehlen. Das lässt sich wiederum sehr gut mit den Kindstötungen und Jungfrauenopferungen im Satanismus zusammenfügen.

Weiterhin gibt es einige Vampirbeschreibungen, in denen die Blutsauger nicht mit spitzen Zähnen zubeißen, sondern das Blut mit spitzen Fingernägeln zapfen. Dies könnte eine Anspielung auf die Krallen der Reptiloiden sein. Zu guter letzt dürfte es wohl kaum ein Zufall sein, dass Vampire in der modernen Pop-Okkultur immer wieder als reptilienhafte Gestalten dargestellt werden.

Repto Butchers

Neben den Reptiloiden haben auch die Grey einen schlechten Ruf und einige menschliche Entführungsopfer berichten sogar, beide Spezies in Interaktion gesehen zu haben. Die Grey scheinen dabei eine untergeordnete Spezies zu sein, die die Drecksarbeit erledigt. Dazu gehören unter anderem die mysteriösen Viehverstümmelungen, die es rund um den Globus gibt. Neben Geschlechtsteilen und inneren Organen wird den Tieren oftmals auch sämtliches Blut abgezapft.

Eine Theorie besagt, dass die Viehverstümmelungen Teil von genetischen Experimenten sind. Einige andere Zeugen wollen jedoch beobachtet haben, wie die Grey in Tanks mit einer organischen Flüssigkeit steigen. Angeblich sollen sie sich über die Haut ernähren und aus diesem Grund ein regelmäßiges Blutbad nehmen. Báthory in Space.

Eine weitere Verschwörungstheorie besagt, dass die Reptiloiden und Grey Energievampire seien, die sich von der Angst ihrer Opfer ernähren. Das mag auf den ersten Blick unsinnig erscheinen und was die esoterischen Behauptungen von David Icke betrifft, handelt es sich auch um Unsinn. Im übertragenen Sinne sieht die Sache allerdings schon anders aus, denn emotionalen Vampirismus gibt es tatsächlich und das sogar unter Menschen.

Es handelt sich dabei natürlich nicht um eine Form der Ernährung, sondern um emotionale Ausbeutung. Psychotische Personen wie Adolf Hitler laden sich zum Beispiel am Jubel der Massen auf. Im Verlauf des 2. Weltkrieges, als es keine großen Parteitage mehr gab, baute Hitler in der Folge geistig stark ab. Es kann davon ausgegangen werden, dass er gegen Ende unter Depressionen litt, was schließlich in seinem Suizid gipfelte. Eine andere Form von emotionalem Vampirismus ist der Sadismus, bei dem sich die Täter am Leid ihrer Opfer ergötzen. Dies kann in den krassesten Fällen sogar sexuelle Ekstase beinhalten, wie am Beispiel von Sexualstraftätern, Frauenmördern und Kinderschändern gut nachvollzogen werden kann.

Der Begriff des Vampirismus kann sich also sowohl auf eine Affinität zu Blut, als auch auf Energievampirismus beziehen. Hinzu kommt der politische Vampirismus, der u.a. auf das Ausbluten besetzter Staaten während der Kolonialzeit sowie auf den Neokolonialismus angewandt werden kann. Mit Vampiren im klassischen Sinne hat das natürlich nichts mehr zu tun.

Kommen wir aber abschließend noch einmal auf die klassischen Vampire zurück und widmen uns der Frage, wie diese abgewehrt oder getötet werden können. Sonnenlicht und Knoblauch dürften wohl lediglich gegen Porphyrie-Kranke helfen. Da diese aber keine Gefahr sind, wäre ein solches Vorgehen ziemlich mies. Kruzifixe und Weihwasser dürften indes völlig nutzlos sein. Derartiger Aberglaube beruht sehr wahrscheinlich darauf, dass Vampire in früheren Jahrhunderten als dämonische Wesen galten, die in Opposition zu Gott stehen. Solche Waffen funktionieren also nur in Filmen und Romanen.

Die klassischste Variante, einen Vampir zu töten, ist das Treiben eines Pfahls durch das Herz. Diese Methode rührt von den Leichenschändungen her, mit denen die abergläubigen Osteuropäer bis ins frühe 18. Jahrhundert hinein vermeintlichen Wiedergängern das Handwerk legen wollten. Neben dem Köpfen lag die Pfählung der Toten damals stark im Trend. Selbstverständlich würden Enthauptungen und Pflöcke ins Herz so ziemlich alles umbringen – ob nun Menschen, Vampire, Fledermäuse oder Reptiloide. Es handelt sich also um bewehrte Methoden.

Neben den klassischen Mitteln gegen Vampire werden in der Pop-Okkultur auch immer wieder neue Methoden hinzugedichtet, mit denen den Blutsaugern das Handwerk gelegt werden kann. So greifen einige Autoren auf Silber zurück, welches eigentlich Werwölfen vorbehalten ist. In der Realität hat sich jedoch ausschließlich Quecksilber als giftig erwiesen. Ansonsten liegt noch Verbrennen hoch im Kurs, wobei sich Vampire bei Kontakt mit Sonnenlicht zuweilen spontan von selbst entzünden.

"Nosferatu" (1922)

„Nosferatu“ (1922)

Zusammengefasst lässt sich sagen, dass der Vampirmythos mehrere Wurzeln hat und im Laufe der Jahrhunderte um immer neue Aspekte ergänzt wurde. Eigenschaften sowie Reaktionen auf bestimmte Abwehrmaßnahmen können dabei zum Teil wissenschaftlich erklärt werden. Darüber hinaus ist für einige Menschen aus dem Mythos inzwischen ein Lifestyle geworden – zuweilen in romantisierender Weise, im Satanismus jedoch auch mit kannibalistischem Hintergrund.

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