G7 – Der Gipfel der Frechheit

von Shinzon

Der diesjährige G7-Gipfel fand vom 7. bis 8. Juni in Bayern statt. Für die feinen Herrenmenschen war gerade das Schloss Elmau gut genug. Allerdings dürfte die Ortswahl nicht nur aufgrund des idyllischen Alpenpanoramas auf Bayern gefallen sein. In keinem anderen Bundesland ist Korruption in der Bevölkerung dermaßen akzeptiert und Protest so verpönt wie hinter dem Weißwurstäquator. Obwohl die heimische Wirtschaft rund um den Austragungsort der NWO-Festspiele für eine Woche starke Umsatzeinbußen zu verzeichnen hatte, gaben sich die meisten betroffenen Unternehmer patriotisch und stolz, dass ein so wichtiges Ereignis vor ihrer Haustür stattfand.

Das Ganze grenzt schon an Masochismus, denn in der Tat war der G7-Gipfel ein durch und durch negatives Ereignis. Für die Wirtschaft war es gleich in doppelter Hinsicht schlecht. Nicht nur, weil die Herrscher dieser Welt keinen Bedarf an heimischen Speisen und Produkten hatten, während für den normalen Tourismus alles gesperrt war. Darüber hinaus einigten sich die G7 auch auf weitere Sanktionen gegen Russland und den Abschluss des Freihandelsabkommens TTIP. Als Konsequenz dieses Gipfels werden sich daher zwangsläufig ein Wirtschaftsrückgang sowie eine weiterhin wachsende Arbeitslosenzahl in Europa ergeben.

Als wäre das schon nicht bitter genug, kostet der Gipfel die deutschen Steuerzahler laut Innenministerium rund 200 Millionen, zuzüglich weiterer Kosten in Millionenhöhe. Ein Teil davon ging für die fürstliche Versorgung der Staatsgäste drauf. Für eine Gratis-Mahlzeit in Kindergärten und Schulen ist angeblich kein Geld da, aber für reiche Weltenlenker, die sich ihr 5-Sterne-Dinner problemlos selbst zu finanzieren könnten, reicht es immer. Wer hat, dem wird gegeben. Es stand sogar ein extra Flugzeug bereit, um Trüffel aus Italien einzufliegen, falls auch nur einem Gipfelteilnehmer der Sinn danach gestanden hätte. Das ist besonders in Hinblick auf die besprochenen Klimaziele ironisch, sofern man an die CO2-Theorie glauben möchte.

Ein Großteil der 200 Millionen+ war schließlich für die Sicherheitsmaßnahmen vorgesehen. Unter anderem wurden in einem Anflug von Paranoia wieder einmal alle Gullideckel zugeschweißt. Offenbar hatte man Angst, dass die Ninja Turtles auf Gangsterjagd gehen könnten oder ein G7-Gegner durch das Klo in Schloss Elmau kommen und Obama in den Hintern kneifen könnte. Damit gar nicht erst so viele Gegner kommen, wurde gar die Grenze zu Österreich vorübergehend dicht gemacht. Immerhin hätten sich die Gipfelteilnehmer durch allzu große Proteste unwohl fühlen können.

Bauern wurde zudem im Vorfeld mit öffentlicher Ächtung gedroht, sollten sie Flächen für Protestcamps bereitstellen. Das Demokratieverständnis in Bayern liegt offensichtlich noch irgendwo zwischen Mittelalter und Inquisition. Dementsprechend wurde auch der Sternmarsch am 7. Juni nach Krün, wo Schloss Elmau liegt, vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen verboten. Bei Naziaufmärschen ist man in Bayern selbstverständlich nicht so konsequent, immerhin schätzt man dort noch die braune Vergangenheit. Aber rote Fahnen in Sichtweise der G7 – das geht gar nicht!

Letztendlich gestattete das Verwaltungsgericht München dann doch einen kleinen Protest in Krün, damit die herrschende Elite etwas zu lachen hat. Insgesamt 50 Gipfelgegner hätten kommen dürfen, diese lehnten jedoch den Transport in Polizeiautos als unzumutbar ab. Das dürfte Großmoff Merkel sicherlich gefallen haben, denn insgeheim haben sie und ihr Imperialistenverein entsetzliche Angst vor der Demokratie, welche nicht umsonst für das Treffen weiträumig außer Kraft gesetzt wurde.

Einigen Gipfelgegnern gelang es zwar dennoch, eine Sitzblockade zu Obamas Ankunft zu organisieren, doch diese wurde ruckzuck aus dem Weg geräumt und alle Teilnehmenden verhaftet. Es ist ja auch ein schlimmes Verbrechen, sich seiner Gottheit Echnaton II. in den Weg zu stellen bzw. zu setzen. Nicht auszudenken, wenn der Imperator einen Umweg hätte nehmen müssen.

Einige Demonstranten in Garmisch-Partenkirchen meinten indes vollkommen zu recht, dass die Polizei lieber die Gipfelteilnehmer hätte festnehmen sollen, statt einen völlig überzogenen Einsatz gegen die friedlichen Demonstrationen aufzufahren. Die Vorwürfe gegen die G7 lauten auf Kriegsverbrechen, Beihilfe zu Kriegsverbrechen (Waffenexporte), Neokolonialismus, Ausbeutung, Korruption, Demokratieabbau und Spionage. Tatsächlich sind das genügend Gründe für eine Verhaftung. Stattdessen müssen wir, deren Menschen- und Bürgerrechte mit Füßen getreten werden, der verantwortlichen Elite auch noch ihr Luxustreffen finanzieren.

Mehr Ungerechtigkeit geht nicht und die Abschottung der herrschenden Klasse ist nur ein Zeichen von deren Realitätsverlust. Die übliche Jubelpropaganda ist ein weiterer Beleg. So bekräftige Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz NSA-Affäre die Freundschaft mit den USA. Deutschland und die Besatzungsmacht seien immer noch eine Wertegemeinschaft. Allerdings vergaß Merkel zu erwähnen, dass die einzigen Werte dieser Gemeinschaft an der Börse gehandelt werden. Von Menschen- und Bürgerrechten (z.B. Schutz der Privatsphäre) kann dagegen wohl kaum die Rede gewesen sein.

Ebenso wenig kann Merkel den Frieden gemeint haben. Denn statt das Treffen zu nutzen, um Russland wieder an den Tisch zu holen und auf Augenhöhe zu verhandeln, wurde Russland abermals ausgeladen. Als wäre das noch nicht Affront genug, drohen die verbliebenen G7 erneut mit Sanktionen, falls sich die Lage in der Ostukraine nicht beruhige. Dabei sind es allen voran die USA und EU, die alles daran setzen, den Konflikt in Donbass weiter anzuheizen. Erst im März begann eine Ausbildungsmission des US-Militärs in der Ukraine, womit die USA im Gegensatz zu Russland nun schon ganz offiziell Soldaten im Bürgerkriegsland haben. Russland allein für diese Eskalation verantwortlich zu machen, ist vollkommen absurd.

Ebenso absurd ist es, dass sich Deutschland darüber beschwert, dass die Regierung Putin nun ebenfalls Einreiseverbote für deutsche Politiker erteilt hat. Wer hat denn damit angefangen? Es ist auch im Hinblick auf dieses geopolitische Schachspiel sicherlich kein Zufall, dass der G7-Gipfel ausgerechnet in Deutschland stattfand. Es war eine Art Unterwürfigkeitsritual, mit dem die völlige Abkehr von Russland besiegelt und die Vasallentreue zu den USA bekräftigt wurde.

Hinzu kommt, dass das diesjährige Bilderberg-Treffen ab dem 10. Juni im benachbarten Österreich stattfindet. Die Gäste können also gleich vor Ort bleiben und den Zwischentag mit einem kleinen Alpenurlaub verbringen. Anschließend geht es direkt vom Schloss Elmau weiter ins Interalpenhotel Tyrol in Telfs. Das Bilderberg-Treffen an sich dürfte dabei recht entspannt werden, da alle wichtigen Entscheidungen von TTIP bis zum 3. Weltkrieg bereits auf dem G7-Gipfel besprochen wurden. Für die Kosten kommen übrigens dort Österreichs Steuerzahler auf.

Es bleibt zu hoffen, dass die Proteste zur Bilderberg-Konferenz etwas glatter laufen. Zwar fand gegen den G7-Gipfel bereits am 4. Juni eine Großdemonstration mit 34.000 Teilnehmern in München statt, die Teilnehmerzahlen bei den Protesten direkt an den Gipfeltagen blieben jedoch mit unter 1.000 Personen weit hinter den Erwartungen zurück. Zu allem Übel musste dann noch eine Demonstration am 6. Juni aufgrund von schlechtem Wetter abgebrochen werden und auch das Protestcamp wurde wegen Gewitter und Hagel evakuiert. 1:0 für den Klassenfeind, leider.

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