Moloch – Kindesopferungen in Karthago

von Shinzon

Moloch (hebr. Molech) ist den meisten als Götzenbild bekannt. Das Wort selbst war jedoch ursprünglich nur die biblische Bezeichnung für phönizisch-kanaanäische Opferriten, bei denen Kinder im Feuer geopfert wurden. Neben dem Nahen Osten war diese grausame Art des Opferkultes auch in Karthago verbreitet, welches im heutigen Tunesien lagund von Phöniziern gegründet wurde. Dort wurden die Kinder dem Systemlord Baal (auch Baal Hammon) geopfert, welcher in Griechenland mit Kronos und in Rom mit Saturn gleichgesetzt wurde. Das passt sehr gut, denn Kronos bzw. Saturn war immerhin der Gott, der seine eigenen Kinder fraß.

Saturn Gott

In der Vergangenheit nahmen einige Historiker an, die Opferriten der Karthager (auch Punier genannt) seien nur römische Kriegspropaganda gewesen, denn immerhin wurde Karthago im 2. Jahrhundert v.Z. von den Römern zerstört. Inzwischen gibt es jedoch genügend Belege, dass die grausamen Kindstötungen keineswegs frei erfunden waren. Dazu zählen u.a. Knochenfunde kleiner Kinder am Opferplatz von Karthago, dem so genannten Tofet. Einige Historiker glauben zwar, es könnte sich dabei lediglich um einen Kinderfriedhof handeln, dabei wir jedoch unterschätzt, wie grausam Menschen sein können.

Weiterhin gibt es schriftliche Berichte von antiken Autoren wie Diodor und Plutarch, in welchen die Opferzeremonien genau beschreiben werden. Die Kinder wurden in die Arme einer Molochstatue gelegt und durch einen Mechanismus bei lebendigem Leibe ins Feuer fallen gelassen. Bei den Opfern handelte es sich vorwiegend um Erstgeborene wohlhabender Familien. Was sich heute Satanismus nennt, war also schon damals ein Elitenphänomen.

Wenn man davon ausgeht, dass die antiken Historiker wahrheitsgemäß berichtet haben, lesen sich die perversen Rituale der Karthager wie eine Steilvorlage für den modernen Satanismus. Neben den Kindstötungen gab es auch noch heilige Zwangsprostitution von Minderjährigen, welche sich heute im rituellen Kindesmissbrauch wieder findet. Hinzu kommt die Symbolik, denn die Molochstatuen hatten einen Stierkopf, der an moderne Teufelsdarstellungen erinnert. Einige zeitgenössische Zeichnungen zeigen die Statue sogar mit einem Feuer auf dem Kopf, wie wir es von Éliphas Lévis Baphomet kennen. Die Baal-Saturn-Satan-Verbindung rundet die historische Entwicklung des modernen Satanismus schließlich ab.

Baal Hammon

Der Begriff Moloch hat sich indes stark gewandelt. Zum einen wird Moloch fälschlich mit Baal Hammon gleichgesetzt und weniger als Bezeichnung des Opferrituals verstanden. Die Personifizierung Molochs findet sich bereits bei John Miltons (1608-1674) „Paradise Lost“, wo Moloch als ein Höllenfürst dargestellt wird. Hinzu kommt, dass Moloch mit Dingen oder Systemen assoziiert wird, die Menschen seelisch zerstören. Ein Beispiel ist der Großstadtmoloch, in dem das Individuum in der Masse untergeht. Mit der ursprünglichen Bedeutung hat dies nicht mehr viel gemein.

In Fritz Langs (1890-1976) Film „Metropolis“ ist Moloch indessen die Maschine, an der sich das Proletariat zugrunde schuftet. Die kapitalistische Ausbeutung wird durch diese Metapher korrekt als Opferritual an der untersten Gesellschaftsschicht dargestellt. Profitmaximierung ist also nur eines der Ziele, weshalb wir bis heute keine 20-Stunden-Woche und faire Löhne haben. Es geht der Elite außerdem darum, die Menschheit zu knechten, um sie auf seelischer Ebene zu brechen.

Obgleich es nicht um den klassischen Moloch in Form von Kindstötungen geht, verdienen Ausbeuterbetriebe, Leiharbeitsfirmen und das Sanktionsregime der Jobcenter durchaus diese Bezeichnung. Sie alle sind, bewusst oder unbewusst, Teil eines abartigen Systems, dessen Ziel es ist, so viele Menschen wie möglich zu traumatisieren und seelisch zu zerstören.

Moloch_4

Neben solch offensichtlich okkulten Anwendungen der Bezeichnung Moloch fanden es einige Biologen wohl witzig, Tierarten nach dem antiken Opferritus zu benennen. Darunter der wissenschaftliche Name des australischen Dornenteufels (Moloch horridus), eine Art des Silbergibbons (Hylobates moloch) und zu guter letzt die Dinosauriergattung Stygimoloch. Zumindest bei der Dinosaurierart ist diese Namensgebung nachvollziehbar, sehen deren Schädel doch wie moderne Darstellungen von Drachen oder Dämonen aus.

Schädel eines Stygimoloch.

Schädel eines Stygimoloch.

4 Kommentare zu “Moloch – Kindesopferungen in Karthago

  1. http://www.wissenschaft-aktuell.de/artikel/Doch_keine_Kinderopfer_bei_den_Karthagern1771015586673.html

    Zum Bild:
    Auf dem Stein ist ein sehr merkwürdig bekanntes Symbol.😉
    Habt ihr mehr Hintergrundwissen zu den Karthagern?

    Zum Inhalt:
    Was für Belege kennt ihr speziell, die den Kindermord belegen?
    Bisher habe ich nichts weiter gefunden, als 2 Aufzeichnungen von römischen Schreibern, und viele Urnen mit Kinderknochen. Vorstellbar ist es auf jeden Fall, aber einen echten Beweis hab ich nicht finden können.

    • Es mag ja sein, dass auch Totgeburten neben den Opferkindern bestattet wurden. Leider kann man den Artikel nur gegen Bares komplett lesen, daher können wir ihm jetzt nicht viel mehr entnehmen. Es geht aber wieder in die Richtung: Zu grausam, um wahr zu sein. Ob man die Opferungen im modernen Satanismus in 2.000 Jahren auch als Propagandamythos abstempeln wird? Manche versuchen das ja schon heute…

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