Die erfundene Querfront

Seit dem Sommer 2015 geistern Dutzende Artikel durch die Mainstream-Presse, in denen von einer „Querfront“ schwadroniert wird. Unkritisch werden dabei Rechtspopulisten wie Jürgen Elsässer mit freien Journalisten wie Ken Jebsen in einen Topf geworfen. Grundlage sämtlicher dahingehender Behauptungen, die in namhaften Zeitungen erschienen sind, ist die Studie eines Prof. Wolfgang Storz, welche im Auftrag der IG-Metall-nahen Otto-Brenner-Stiftung erstellt wurde.

Schon im Vorwort heißt es, dass die Akteure der vermeintlichen Querfront „von Massenmedien und offizieller Politik als Antisemiten, Rechtspopulisten und Verschwörungstheoretiker charakterisiert“ werden. Die Studie macht sich gar nicht erst die Mühe, entsprechende Beweise für diese Behauptungen zu finden. Auf einige Personen wie Jürgen Elsässer mögen diese sogar zutreffen, aber Prof. Storz holt gleich mit der großen Kelle gegen alle alternativen Medien aus und unterstellt ein Netzwerk. Dabei werden aus dem Nichts heraus Verbindungen gezogen, die absurder nicht sein könnten.

Einige gehen dabei allein auf frühere Begegnungen zurück. So sind Ken Jebsen und Jürgen Elsässer tatsächlich schon gemeinsam auf Friedensmahnwachen aufgetreten und haben Interviews miteinander gemacht. Seitdem ist jedoch einige Zeit vergangen und Ken Jebsen hat sich inzwischen aufgrund der zunehmend ausländerfeindlichen sowie homophoben Äußerungen Elsässers von diesem distanziert. Nun war Elsässer in den 1990er Jahren, damals noch als überzeugter Kommunist, eine Zeit lang Chefredakteur der Jungen Welt. Auch das ist lange her und bei der Zeitung will man von Elsässer ebenfalls nichts mehr wissen. Eine aktuelle Verbindung der linken Zeitung zum heutigen Rechtspopulisten zieht die Studie aus nachvollziehbaren Gründen nicht. Warum dann aber bei KenFM?

Diese Gleichsetzung ist bei alledem nicht der einzige grobe Schnitzer, welcher der Otto-Brenner-Stiftung unterlaufen ist. So wurde die linke Plattform Weltnetz TV kurzerhand zur Querfront gezählt, obwohl dort der Bundestagsabgeordnete Diether Dehm (DIE LINKE), der ehemalige UN-Sonderberichterstatter Jean Ziegler und der Liedermacher Konstantin Wecker zu den Akteuren zählen. Ein peinlicher Fauxpas, der sogleich unter den Teppich gekehrt wurde. Es gab keinerlei Richtigstellung, sondern einfach nur die Streichung von Weltnetz TV sowie die saudämliche Entschuldigung, man hätte nicht richtig recherchiert. Mit diesem Bekenntnis hat die Otto-Brenner-Stiftung ihre Studie eigentlich schon der Lächerlichkeit preisgegeben, doch leider berichten die Massenmedien darüber nichts.

Grund für die bösen Ausrutscher war übrigens die schlampige Recherche über die Plattform Alternativ TV, welche Videos von KenFM, Weltnetz TV, Elsässers Compact-Magazin und vielen anderen verlinkt hat. Wie weich in der Birne muss man eigentlich sein, um daraus ein Netzwerk abzuleiten? Im Internet kann jeder alles verlinken, auch ohne vorherige Absprache oder Genehmigung. Sollte es Prof. Storz an derartigem Allgemeinwissen fehlen, würde ihn das als Medienanalytiker sofort disqualifizieren.

Facepalm

Allerdings scheint viel mehr böse Absicht dahinter zu stecken, denn auf Alternativ TV sind ebenso Videos von LINKE-Politikern wie Gregor Gysi sowie von Kabarettisten wie Georg Schramm und Volker Pispers verlinkt. Diese hätte Storz folgerichtig ebenfalls der von ihm postulierten Querfront zurechnen müssen. Nur welche Zeitung hätte seine Studie dann noch zitiert? Das würde doch kein Mensch ernst nehmen!

Um die nächste Studie schon mal vorweg zu nehmen: Wir bilden weder mit KenFM noch mit Weltnetz TV ein Netzwerk und wir kennen niemanden von denen persönlich. Wir verlinken die folgenden Videos nur, weil wir sie inhaltlich gut finden und der Meinung sind, dass diese Informationen verbreitet werden sollten. Eine Querfront mit Rechten lassen wir uns schon gar nicht unterstellen, unsere Statements in diese Richtung sollten eigentlich sehr klar und unmissverständlich sein.

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