Brauner Dreck aus Walterhausen gespült

Je mehr Asylsuchende nach Deutschland kommen, desto angespannter wird die Situation. Dabei können die Flüchtlinge selbst gar nichts dafür. Dennoch richten sich die Proteste nicht gegen Krieg und Rüstungsexporte, sondern gegen Menschen, die ihre Heimat verlassen mussten.

So auch am Montag den 14. September 2015, an dem die NPD zu einer Demo in Waltershausen aufgerufen hatte. Grund war ein neues Flüchtlingsheim, welches in einer alten Förderschule untergebracht werden soll. Dabei hat die NPD wissentlich verschwiegen, dass die August-Trinius-Schule aufgrund schwindender Schülerzahlen ohnehin nächstes Jahr geschlossen werden sollte. In der Oberstufe gibt es nur noch rund 50 Schüler und in der Grundschule gerade einmal 16. Die Flüchtlinge sind also gar nicht schuld an der Schulschließung, diese wird nun lediglich ein Jahr vorgezogen.

Den Nazis geht es auch gar nicht um die Förderschüler, sondern einzig darum, ihre fremdenfeindliche Propaganda unters Volk zu bringen. Besonders perfide ist in diesem Fall das einspannen von Kindern mit Behinderungen, denn diese wurden im 3. Reich euthanasiert. Ihre Schule wirbt indessen mit einem „humanistischem Leitbild“. Das hielt einige Eltern jedoch nicht davon ab, mit ihren Kindern zur NPD-Kundgebung zu erscheinen.

Unter den Mitläufern waren zudem auch Migranten und Homosexuelle. Offenbar ist denen nicht ganz klar, dass sie mit ins Gas gehen werden, sollten die Nazis jemals wieder an die Macht kommen. Und keiner von denen soll behaupten, nicht gewusst zu haben, dass es sich um einen Naziaufmarsch handelt. Neben den NPD-Fahnen wurden auch in zwei Fällen verfassungsfeindliche Kennzeichen gezeigt, es war also für jedermann offensichtlich.

Grotesk: Migranten marschierten mit Nazis gegen Flüchtlinge.

Grotesk: Migranten marschierten mit Nazis gegen Flüchtlinge.

Zumindest einige haben dies wohl auch erkannt, denn von den rund 700 Mitläufern, die sich vor der Schule versammelt hatten, sind nur noch knapp 500 mit zum Marktplatz mitmarschiert. 500 sind aber immer noch zu viel, zumal auf der Gegenseite nur etwas über 100 Leute versammelt waren, von denen die Hälfte aus Gotha kam. Ein alarmierendes Signal für Waltershausen und den gesamten Kreis. In Gotha waren die Verhältnisse am 18. April noch umgekehrt und den 250 Nazis standen noch 800 bis 1.000 Bürger gegenüber. Damals stand auch noch Gothas Oberbürgermeister Knut Kreuch (SPD) in der Blockade. Von Waltershausens Bürgermeister Michael Brychcy (CDU) fehlte am 14. September jedoch jede Spur. Ein Bürgermeister, der bei der letzten Wahl 99% der Stimmen bekommen hat, hätte das Blatt durchaus wenden können.

Aus der Politik waren nur einige Kommunalpolitiker der Grünen und LINKEN sowie die Landtagsabgeordnete Johanna Scheringer-Wright auf der Gegendemo erschienen. Der Mangel an Zivilgesellschaft war ebenso beklagenswert. Dafür gab es eine Menge Bürger, die sich vor den Karren der NPD spannen ließen und dabei ihre kleinen Kinder mitnahmen. Hasserziehung von klein an. Passenderweise trugen die Betreffenden ein transparent mit der Aufschrift „Wir sind Pack“. Ein Sprichwort sagt ja, Einsicht wäre der erste Weg zur Besserung, aber bei diesem Pack besteht da wohl wenig Hoffnung.

100% Zustimmung!

100% Zustimmung!

Nachdem das braune Pack den Straßenabschnitt passiert hatte, mussten sich die Antifaschisten durch Hintergassen und mehrere Polizeiblockaden einen Weg zum Marktplatz bahnen. Die Polizei gab ihre Blockaden allerdings relativ schnell auf und bemühte tatsächlich um Deeskalation, sodass die Gegenseite bald wieder in Sichtweite der Faschisten war. Bald gesellte sich auch wieder die Trommlergruppe zum Protest und sorgte für Stimmung. Selbstverständlich blieb von Seiten der Antifaschisten alles friedlich.

Die Polizei stand offensichtlich falsch herum, die Bedrohung war auf der anderen Seite.

Die Polizei stand offensichtlich falsch herum, die Bedrohung war auf der anderen Seite.

Hass verbreiteten an diesem Tag lediglich Sebastian Reiche und Tobias Kammler von der NPD. Glücklicherweise Schritt das Universum gegen deren Hetze ein. Wie aus dem Nichts zogen dunkle Wolken auf und schließlich wurde das schaurige Treiben vorzeitig durch einen Platzregen beendet. Es dauerte keine 30 Sekunden und der Marktplatz war komplett leer. Das ist mal wieder typisch für die strammen Deutschen – ein Tropfen und sie rennen davon. Die haben keine Chance, wenn die Russen das nächste Mal kommen.

Zwar konnte die NPD an diesem Tag durchaus einen Sieg erringen, doch es hat sich gezeigt, dass der Pöbel, den sie hinter sich versammeln konnte, kein Durchhaltevermögen hat. Die Gegenseite war vielleicht zahlenmäßig unterlegen, blieb aber bis zum Ende, um die Flucht des Rassistenpacks zu feiern. Apropos, hat das selbsternannte Pack auf der Flucht vor dem Regen eigentlich Asyl gefunden? Hoffentlich haben die umliegenden Ladenbesitzer ihre Türen vor den Wetterflüchtlingen verbarrikadiert, damit die Mal erfahren, wie das ist!

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