Polizei prügelte in Jena Nazis den Weg frei

Für den 3. Oktober, den Tag der deutschen Einheit, hatten verschiedene Neonazigruppen insgesamt drei Demonstrationen in Jena angemeldet. Letztendlich fand nur eine davon statt, an der rund 200 Faschisten teilnahmen. Ihr Motto „Rückeroberung oder Untergang“ wäre eigentlich Grund genug gewesen, die Demo aufzulösen, denn es handelt sich um eine ziemlich unverhohlene Bürgerkriegsdrohung. Die Polizei schritt jedoch trotz Hitlergrüßen nicht gegen den braunen Pöbel ein.

Die Staatsgewalt wagte sich nicht einmal dann gegen den rechten Terror einzuschreiten, als ein Journalist von den Neonazis angegriffen wurde. Immerhin war die Polizei viel zu beschäftigt, die ca. 2.500 Nazigegner zu verprügeln. Insbesondere am Paradies-Bahnhof, wo die Antifaschisten versuchten, die Bahnsteige zu blockieren, flogen die Fäuste und Schlagstöcke. Außerdem wurde mindestens ein Polizeihund auf die Blockierer gehetzt, wobei es zu schweren Bissverletzungen kam. Die Bilanz des völlig überzogenen Polizeieinsatzes: Mehr als 25 Verletzte. Auf Seiten der Polizei gab es indes lediglich 5 Verletzte, wovon einer durch das Pfefferspray seiner eigenen Kollegen verletzt wurde.

Auch an anderen Stellen, wo die Nazigegner die Route der Faschisten zu blockieren versuchten, ging es äußerst rau zu und zahlreiche Antifaschisten wurden mit Pfefferspray geschädigt. Immerhin konnte der Lautsprecherwagen der Faschisten erfolgreich im Forstweg blockiert werden, aber dem Demonstrationszug der Neonazis prügelte die Polizei ohne Rücksichtnahme den Weg frei. Außerdem wurden fernab der Naziroute wahllos linke Jugendliche mittels roher Gewalt festgenommen, wohl als abschreckende Maßnahme.

Es bleibt zu hoffen, dass das Verhalten der Polizei ein Nachspiel haben wird. Zumal die Volkspolizei der DDR vor 25 Jahren weitaus umsichtiger mit den damaligen Montagsdemonstrationen umgegangen ist. Es ist eine Schande, dass die Staatsgewalt heute und das auch noch ausgerechnet am 3. Oktober, mit solcher Brutalität gegen friedliche Demonstranten vorgeht. Es ging dabei keineswegs um die Verteidigung der demokratisch-freiheitlichen Grundordnung, sondern im Gegenteil darum, einem faschistischen Mob den Weg zu ebnen. Sollte es je zu einem Bürgerkrieg ist Deutschland kommen, steht zu befürchten, dass die Polizei auch faschistischen Milizen den Weg zur Machtergreifung ebnen könnte. Insbesondere in Thüringen, wo DIE LINKE zwar in der Regierung, aber offensichtlich nicht an der Macht ist.

Trotz der beispiellosen Gewalt gegen Antifaschisten, erdreistet sich der rechte Rand der alternativen Internetmedien, von „linken Krawallen“ zu berichten. Als Beweis muss das Bild einer umgeworfenen Mülltonne herhalten, wie überaus beeindruckend. Man muss dabei auch nicht erwähnen, dass die Eskalation von der Polizei ausging. Noch kruder sind jedoch die Behauptungen, der BRD-Staat unterstütze die Linken, obwohl die Polizei nach besten Kräften den Nazis den Weg frei räumte und gleichzeitig deren Straftaten ignorierte. Was auf den Webseiten der Faschisten sowie der „Ich bin kein Nazi, aber…“-Fraktion zu lesen ist, lässt sich in einem Wort zusammenfassen: Lügenpresse!

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s