Das X – X-beliebige Deutungsmöglichkeiten

von Shinzon

Das X ist der 24. Buchstabe im lateinischen Alphabet und zugleich eine römische Ziffer mit dem Zahlenwert 10. In beiden Fällen steht die Verwendung des X in keinerlei okkultem Kontext.

X lateinisch

Im Englischen ist es oft üblich, die Silbe „Ex“ mit einem „X“ abzukürzen, z.B. bei „Xtreme“. Diese Abkürzung wird auch offiziell bei experimentellen Flugzeugen, den so genannten „X-Planes“, verwendet. Als Beispiel sei hier das erste amerikanische Überschallflugzeug Bell X-1 genannt. Das X hat in diesem Zusammenhang nichts Magisches an sich, sondern steht lediglich für „eXperimentell“. Ähnlich verhält es sich bei Kleidergrößen wie XS oder XL, wo das X für „eXtra“ steht.

In der Mathematik hat das kleine x zwei zusätzliche Funktionen. Zum einen als Multiplikationszeichen, zum anderen als unbekannter Faktor in Gleichungen. Ein Beispiel: 1 + x = 3. Der Logik zufolge stünde das x in diesem Fall für eine 2. Wenn es in einer Gleichung zwei Unbekannte gibt, wird ein kleines y hinzugezogen. Der Name der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ ist direkt davon abgeleitet, da es in dieser um unbekannte Straftäter geht, auf man sich Hinweise erhofft. Hier kann also immer noch nichts Okkultes hineininterpretiert werden.

Eine ähnliche Bedeutung hat das X, wenn es um Unerforschtes geht. Das beste Beispiel hierfür sind die „X-Akten“ für ungeklärte Fälle. Das kratzt schon etwas am Okkulten, da es um verborgene Dinge geht. Dennoch steht das X hier wie in der Mathematik für einen unbekannten Faktor, ist also nicht direkt als okkultes Symbol zu verstehen.

Selbiges gilt für den griechischen Buchstaben Chi, auf welchem das lateinische X optisch basiert. Das Chi hat zahlreiche Funktionen in der Mathematik, Physik und Chemie. Zugleich symbolisiert es aber auch das christliche Kreuz. Aus diesem Grund sprechen wir heute davon, auf Kalendern, Wahlzetteln oder Lottoscheinen „ein Kreuz zu machen“, obwohl wir eigentlich ein X schreiben.

X griechisch

Ferner kann das X-Kreuz auch für Verbote stehen, in dem Sinne, dass etwas optisch durchgestrichen wird. Dies trifft z.B. auf die gelben Kreuze zu, mit denen sich die Menschen im Wendland gegen Atommüll wehren, oder die x-förmigen Haltezeichen an Bahnübergängen. Das X, welches in der Straight Edge-Szene auf dem Handrücken getragen wird, symbolisiert indes den Verzicht auf Rauschmittel. All diese Anwendungen haben keinen okkulten Hintergrund.

X als Signalschild

Im griechischen Alphabet wird das X jedoch „ch“ ausgesprochen. Da gesprochene X ist im griechischen der Buchstabe Xi, welcher aus drei horizontalen Linien besteht. Das Xi ist vom phönizischen Buchstaben Samech abgeleitet, welcher ebenfalls aus drei waagerechten Linien besteht, welche von einer Senkrechten durchkreuzt werden. Dies entspricht dem okkulten Kreuz des Baphomet.

Xi phönizisch

Da das lateinische X zwar optisch dem griechischen Chi entspricht, phonetisch jedoch dem phönizischen Samech, kann in einzelnen Fällen eine okkulte Bedeutung in die Verwendung des Buchstaben X hineingedeutet werden. Es kann zuweilen als Ersatzsymbol für das Dreifachkreuz des Baphomet gesehen werden. Wenn man all die Fälle weglässt, in denen X für etwas Unbekanntes oder als Abkürzung steht, bleiben noch genügend Beispiele übrig, in denen eine okkulte Bedeutung unterstellt werden kann.

Ein solches Beispiel ist der britische X-Club, welcher von November 1864 bis März 1892 existierte. Dem exklusiven Club gehörten 9 Intellektuelle an, allesamt Naturwissenschaftler von gehobenem Stand. Einer von ihnen war der Freimaurer Thomas Henry Huxley (1815-1895), der Großvater von Aldous Huxley, Julian Huxley und Andrew Fieldung Huxley.

Thomas Henry Huxley mit verdeckter Hand.

Thomas Henry Huxley mit verdeckter Hand.

Ein weiteres X mit freimaurerischen Bezügen ist das Andreaskreuz. Gemeint sind hier nicht die bereits erwähnten Haltezeichen an Bahnübergängen, obwohl diese danach benannt sind. Das eigentliche Andreaskreuz bezieht sich auf das Kreuz, an dem der Apostel Andreas gekreuzigt wurde. Nach diesem Apostel sind die Andreaslogen benannt, welche zum Rektifizierten Schottischen Ritus gehören und den Übergang von der Johannesmaurerei zum Inneren Orden bilden. Im Ursprung also ein christliches Symbol, welches von den Freimaurern annektiert wurde.

Andreaskreuz

Am okkultesten ist die Anordnung von drei Xen. Dies kann einerseits für „Sex Sex Sex“ stehen, womit XXX ein üblicher Code in der Pornoindustrie ist. Von da aus ist es nicht mehr weit bis zur „Six Six Six“, der Zahl des Teufels. XXX kann also als 666 gelesen werden. Die Beispiele für eine solche Verwendung sind mannigfaltig, wobei die Grenzen zwischen satanistischer und sexueller Bedeutung durchaus fließend sein können.

Reguläre Altersfreigabe ab 18 (oben) und X-Rating für Schmuddelfilme (unten).

Reguläre Altersfreigabe ab 18 (oben) und X-Rating für Schmuddelfilme (unten).

Ähnlich sieht es mit dem eingekreisten X aus, welches eine Kombination aus X und O ist. Laut Crowleys Schüler Kenneth Grant (1924-2011) handelt es sich dabei um das „Herz des Siegel von Nodens“, welches mit dem Zeichen des Tieres identisch ist. Das eingekreiste X findet sich u.a. in Aleister Crowleys Babalon-Siegel und ist damit ein eindeutig satanistisches Symbol. In der Pop-Okkultur wird das eingekreiste X oftmals in seine Bestandteile XO zerlegt und in dieser Form als Code verwendet.

XO

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