de Maiziére lobt die Türkei

von Shinzon

Es ist unfassbar, wie die deutsche Bundesregierung mit der Flüchtlingskrise umgeht. Während das künstlich in die Schulden getriebene Griechenland kaum finanzielle Hilfe bei der Unterbringung der ankommenden Flüchtlinge erhält, schenkt man der reichen Türkei Abermilliarden Euro. Das Geld wird aber keineswegs dafür verwendet, die Asylsuchenden menschenwürdig unterzubringen. Viel mehr schottet sich die Türkei gegen Syrien ab und reduziert die Flüchtlingszahlen, indem sie Kurden bombardiert.

Für diese Menschenverachtung sprach der deutsche Innenminister Thomas de Maiziére der Türkei am 5. März 2016 ein großes Lob aus. „Dort sind 2,5 Millionen Flüchtlinge aus der Krisenregion in Syrien aufgenommen worden. Das verdient Anerkennung und nicht Kritik“, sagte er. Darüber, wie die Flüchtlinge untergebracht wurden, schwieg sich de Maiziére aus.

Zu dem Massenmord an den Kurden meinte er indes nur: „Wir sollten nicht der Schiedsrichter beim Thema Menschenrechte für die ganze Welt sein.“ Seltsam, denn wann immer die USA oder NATO einen Regime-Change wünschen, spielt sich Deutschland stets als Schiedsrichter auf. Bei Partnern wie der Türkei und Saudi Arabien dagegen nie. Das ist so, als würde ein Fußballschiedsrichter nur die Fouls kleinerer Vereine mit einer roten Karte bestrafen, während sich der FC Bayern alles erlauben kann. Thomas de Maiziéres Kungelei mit dem türkischen Machthaber Erdogan ist so durchsichtig wie verlogen.

Zudem kommt sein Statement just in dem Moment, als das Regime in Ankara eine weitere Zeitung unter seine Kontrolle bringt. Zwar handelt es sich bei der „Zaman“ um das Sprachrohr des radikalen Islamisten Fethulla Gülen, was das Vorgehen in diesem Fall nachvollziehbar macht. Dennoch wird die Pressefreiheit in der Türkei generell mit Füßen getreten. Einfach jeder, der das Erdogan-Regime kritisiert oder den Völkermord an den Armeniern und aktuell an den Kurden anspricht, wandert in den Knast. Bei der „Zaman“ ging es dementsprechend auch nicht um deren radikale Ansichten zum Islam, sondern um die geübte Kritik am türkischen Staat.

Die Worte des deutschen Innenministers sind purer Zynismus und freilich würde er die linke Regierung in Griechenland niemals loben, egal wie viele Flüchtlinge sie aufnimmt. Thomas de Maiziére sollte sich in den Sachsensumpf zurück verkriechen, aus dem er einst gekrochen ist.

6 Kommentare zu “de Maiziére lobt die Türkei

  1. Kennt ihr den Türke Ali Iscitürk, der auch auf YouTube aktiv ist? Bei dem darf man auch nichts kritisches gegen das türkische Regime bzw. Erdogan sagen. Ich jedoch denke, dass er das nicht ohne Grund macht, er weiß wohl was ihm blüht, wenn er sich kritisch gegen Erdogan äußert, dann ist fertig mit Yacht-Bauen. Kann mich natürlich auch täuschen und er will es wirklich nicht sehen, was da in der Türkei läuft. Habe ihn schon mehrmals auf das angesprochen, doch er lässt nicht mit sich reden was dieses Thema betrifft.

    • Es gibt durchaus radikale Erdogan-Anhänger, die jede Kritik ganz schnell niedermachen. Das haben sie mit den hiesigen AfD-Anhängern gemeinsam. Regime wie in der Türkei, in Ungarn oder Polen zeigen sehr anschaulich, was mit der „freien“ Presse passiert, wenn hierzulande die AfD an die Macht käme. Klar sind viele Medien gekauft, aber die Inhaftierung aller Kritiker kann doch nicht die Lösung sein! Trifft ja auch unabhängige Medien.

  2. Erschreckend ist auch, dass besonders die AfD in der sogenannten „Wahrheitsbewegung“ hoch im Kurs ist. Ich bin jedoch der Meinung, dass Wahlen so oder so nichts bringen, den schlussendlich wählt man eine Partei, die sukzessive die Agneda der NWO weiterführt. Es ändert sich nur das Gesicht bzw. die Farbe der „Macht“, die Agenda jedoch bleibt gleich. Außerdem legitimiert man mit seiner Stimme eine Herrschaft, und ich persönlich lehne dies grundsätzlich ab, daher bin ich selbsterklärend Nichtwähler.

    • Deine Meinung ist durchaus nachvollziehbar, aber Nichtwählen macht es nicht besser. Dann kommen solche Parteien wie die AfD noch schneller an die Macht und nehmen uns auch noch die letzten Freiheiten, die uns geblieben sind. Solange es Parteien gibt, die den Polizeistaat ablehnen und ein bedingungsloses Grundeinkommen fordern, werden wir auf jeden Fall wählen gehen. Klar können wir den Kapitalismus nur überwinden, wenn wir uns selbst bewegen und alternative Lebensweisen ausprobieren. Aber das können wir entweder in einem Staat, der dies duldet, oder einem Staat, der einen uns dafür inhaftiert bzw. sogar umbringt.

  3. Ich bin kein Anhänger von Erdoğan. Aber leider finde ich euren Artikel zu pauschal respektive extrem verkürzt darstellend. Darin redet ihr von einem Völkermord und der angeblichen Bombardierung der Kurden. Die Jahrzehnte nach dem Zerfall des osmanischen Reichs waren eigentlich verlorene. Erst seit 2003 hat sich die Türkei stabilisiert. Eine rege Zivilgesellschaft hat sich entwickelt und Minderheitenrechte eingeräumt. Der Vielvölkerstaat Türkei war eigentlich auf einem guten Weg. Die Kurden – und auch die vielen anderen Minderheiten – sind tragende Säulen der Gesellschaft in der Türkei. Keineswegs werden Kurden bombardiert. Es sind skurril-terroristische Gruppen, die sicher nur mit Unterstützung von Außen Chaos verbreiten wollen. Die werden nun bekämpft. Ich schätze Eure Arbeit, aber bitte gebt euch mehr Mühe Politik, Gesellschaft, Wirtschaft, Geostrategie fundiert zu beobachten.

    • Wie kann man nur die Bombardierung der Kurden leugnen? Klar lässt Erdogan die Kurden in Syrien und dem Irak bombardieren, wobei es zwangsläufig zu zivilen Opfer kommt. Erdogan befürchtet nämlich, dass die basisdemokratischen Autonomieverwaltungen auf die Türkei übergreifen könnten. Auch im eigenen Land hat er bereits den kurdischen Osten bombardieren lassen, was „rein zufällig“ genau zu dem Zeitpunkt anfing, als die AKP die absolute Mehrheit verloren hatte. Zuvor führte die türkische Regierung noch Friedengespräche mit der PKK. Die ist ihm allerdings ohnehin unbequem geworden, weil sie gegen den IS kämpft und damit den gewünschten Sturz Assads verhindert.

      Ihre Worte klingen wie unreflektierte AKP-Propaganda. Bombardierungen von Kurden gibt es nicht? Wahrscheinlich gab es auch nie einen Völkermord an den Armeniern, was? Und den Holocaust haben wir Deutschen dann wohl auch nur geträumt… Dann wären da noch der Völkermord an den Tutsi in Ruanda, die rund 2 Millionen Opfer der Roten Khmer in Kambodscha, der Massenmord an den indonesischen Kommunisten, die beinahe Ausrottung der amerikanischen Ureinwohner – sind das für Sie alles nur Hirngespinste?

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