Hellfire Clubs – Willkommen in der Hölle

von Shinzon

Der Name Hellfire Club (dt. Höllenfeuer Klub) lässt bereits nichts Gutes erahnen. Der erste Hellfire Club wurde 1719 in London gegründet, der Welthauptstadt aller Freimaurer, Satanisten und Esoteriker. Der Gründer war ein gewisser Philip Wharton (1698–1731), welcher eine Handvoll elitärer Persönlichkeiten um sich geschart hatte. Es entstanden schnell weitere Hellfire Clubs überall in Großbritannien und Irland, darunter das Jagdschloss des irischen Politikers William Connolly, welches 1925 auf dem Montpelier Hill im County Dublin errichtet wurde. Die Clubs hatten zunächst nur den Namen gemeinsam.

Die eigentliche Organisation entstand erst nach 1740 und wurde von Francis Dashwood, 11. Baron le Despencer (1708-1781) ins Leben gerufen. Dieser hatte zuvor auf einer Bildungsreise für Adelige diverse Priesterseminare besucht und nannte seine Vereinigung dementsprechend „Ritter des Heiligen Franziskus“. Sitz der Knights of St. Francis war ab 1755 die Abtei Medmenham in Buckinghamshire. Dashwood bezeichnete sich derweil selbst als Abt, die anderen Mitglieder als Brüder und weibliche Gäste als Nonnen. Doch handelte es sich bei der illustren Vereinigung um alles andere als um einen christlichen Mönchsorden.

Abtei Medmenham

Abtei Medmenham

Die Knights of St. Francis waren viel mehr eine Tarnorganisation, welche das unchristliche Treiben des eigentlichen Hellfire Clubs nach außen verschleiern sollte. Dies wurde in dem 1779 erschienen Buch „Nocturnal Revels“ auch offen von einem Mitglied zugegeben. Laut ihm stand die Kirche im Widerspruch zur menschlichen Natur und der Name Knights of St. Francis sollte auf diese Absurdität anspielen.

Entsprechend seiner zügellosen Ausrichtung war der Hellfire Club alsbald für seine sexuellen Ausschweifungen berüchtigt und schnell wurden ihm auch satanistische Praktiken unterstellt. Tatsächlich wurden bei den wilden Gelagen antike Gottheiten wie Bacchus und Venus geehrt. Die Ordensmitglieder trieben und treiben es also sprichwörtlich wie die alten Griechen.

Weitere Abgründe offenbarten sich im wahrsten Sinne des Wortes unter dem Tempel, den Dashwood unter seinem Haus in West Wycombe erbauen ließ. Dieser diente dem Hellfire Club noch vor dem Erwerb der Abtei Medmenham als Unterschlupf und bestand aus einem Netzwerk von Katakomben. Die erste Sitzung fand 1752 in der Walpurgisnacht statt, was die Gerüchte über die okkulten Praktiken der Knights of St. Francis durchaus bestätigt.

Das Motto des Hellfire Clubs stammt indes vom römisch-katholischen Ordensbruder François Rabelais (1494-1553) aus dem 16. Jahrhundert. Es lautet „Fay ce que vouldras“ oder zu Deutsch „Tu was du willst!“ Interessant, dass dieser Ausspruch, welcher später von Aleister Crowley übernommen wurde, ursprünglich von einem Katholiken stammt. Vielleicht passen der Heilige Franziskus und der Hellfire Club weitaus besser zusammen, als es den Anschein hat. Sexuelle Übergriffe durch Kirchendiener sind immerhin kein reines Phänomen der Moderne. Das beweisen nicht zuletzt auch korrupte Päpste wie die Medicis und Borgias, welche es ähnlich bunt trieben, wie die Mitglieder des Hellfire Clubs.

1762 wurde der Klub offiziell aufgelöst, wobei der Druck der Kirche nur ein Auslöser von vielen war. Es gab zudem auch innere Konkurrenz, was bei der Vielzahl okkulter Geheimbünde nicht verwunderlich ist. Dennoch hat das Konzept der Hellfire Clubs bis heute überlebt. Es handelt sich um elitäre Amüsierklubs, in denen hauptsächlich wilde Sexparties stattfinden. Die Nähe zum Satanismus liegt zwar auf der Hand, allerdings werden die entsprechenden Rituale vorwiegend in den Logen zelebriert. Die Höllenfeuer Klubs ähneln eher gehobenen Bars mit angegliedertem Puff.

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