Das Lothringer- und das Patriarchenkreuz – Doppelt hält besser

von Shinzon

Das eigentliche Lothringerkreuz besteht aus einem vertikalen Balken und zwei gleichlangen Querbalken. Erstmals kann dieses Symbol für das frühe Mittelalter nachgewiesen werden, wo es u.a. als Rune in Gebrauch war.

Lothringer Kreuz

Spätestens seit dem 14. Jahrhundert fand sich das Kreuz mit zwei gleichlangen Querbalken auf dem Wappen des Großfürsten von Litauen wieder. Es müsste also eigentlich Litauerkreuz heißen. Nach Lothringen gelangte es nämlich erst im 16. Jahrhundert als Symbol der Grafen von Anjou, wo es seine heutige Bezeichnung erhielt.

Wappen Litauen

Wappen Litauen

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Elsass-Lothringen vor der Eingliederung in die französische Nation vorübergehend zur Räterepublik. Diese Phase dauerte jedoch nur vom 11. bis 21. November 1918. In dieser Zeit hatte die Region eine rot-weiße Flagge mit gelbem Doppelkreuz. Dieses hatte jedoch zwei unterschiedlich lange Balken und stellte damit eher ein Patriarchenkreuz dar.

Flagge Republik Lothringen

Flagge Republik Lothringen

Die fälschliche Bezeichnung des Patriarchenkreuzes als Lothringerkreuz wurde während des 2. Weltkriegs von der französischen Exilregierung übernommen. Das Symbol wurde General Charles de Gaulle (1890-1970) am 1. Juli 1940 als Gegensymbol zum Hakenkreuz der Nazis vorgeschlagen. Im Widerstand gegen die Deutschen wurde das unechte Lothringerkreuz daraufhin von den freien französischen Kräften zu Land und zur See genutzt.

Freie Französische Kräfte

Freie Französische Kräfte

Freie Französische Seekräfte

Freie Französische Seekräfte

Es zierte eine ganze Reihe von Verdienstorden und 1972 wurde es sogar für ein Denkmal zu Ehren von Charles de Gaulle verwendet.

de Gaulle Denkmal

Wie gesagt handelt es sich bei dieser Form des Lothringerkreuzes eigentlich um ein Patriarchenkreuz, welches die katholische erzbischöfliche Metropolitangewalt repräsentiert. Im Kern bildet das Patriarchenkreuz das Kreuz ab, an dem Jesus hingerichtet wurde, wobei der kleinere zusätzliche Balken über dem großen Querbalken die Kreuzinschrift INRI darstellt. Eine weitere Variante, welche von der russisch-orthodoxen Kirche verwendet wird, hat einen dritten schrägen Balken am unteren Ende. Dieser soll das Brett zum Abstützen der Füße von Jesus darstellen. Ein solches Brett ist jedoch historisch nicht belegt und fehlt ebenso in der klassischen Darstellung der Kreuzigung.

Patriarchenkreuze

Erstmalige Verwendung fand das Patriarchenkreuz im einstigen Byzantinischen Reich, wo es ab dem 10. Jahrhundert weit verbreitet war. Die älteste Abbildung wurde in der Stadt Chersones auf der Halbinsel Krim entdeckt. Bei diesem Ursprung sollte es nicht weiter verwundern, dass das Patriarchenkreuz damals wie heute vor allem in Osteuropa verbreitet ist.

Das Patriarchenkreuz findet sich u.a. auf den Staatswappen der Slowakei und Weißrusslands. Letzteres Wappen ähnelt stark dem von Litauen, wobei letzteres jedoch ein Lothringerkreuz anstelle des Patriarchenkreuzes aufweist.

Wappen Slowakei

Wappen Slowakei

Wappen Weißrussland

Wappen Weißrussland

Es gibt noch einen zweiten osteuropäischen Ursprung des Symbols, welcher nichts mit dem Christentum zu tun hat. Ein Doppelkreuz mit langem und kurzem Querbalken findet sich nämlich auch als Buchstabe GY im altungarischen Runenalphabet.

Altungarisches Runenalphabet

Das Patriarchenkreuz auf dem ungarischen Staatswappen geht jedoch auf den ersten christlichen König Ungarns zurück. Stephan I. der Heilige (969-1038) hatte das Kreuz im Jahr 1000 ins Wappen integriert und ließ es auf Münzen prägen.

Wappen Ungarn

Wappen Ungarn

Beim Patriarchenkreuz handelt es sich um ein rein christliches Symbol, weshalb es nicht mit okkulten Geheimgesellschaften in Verbindung gebracht werden kann. Das Lothringerkreuz ist indes ein altes Symbol, welches gleichermaßen wie das Patriarchenkreuz in der Heraldik präsent ist. Die ursprüngliche Bedeutung lässt sich dabei jedoch nicht gänzlich klären und ebenso ungeklärt ist der Eingang des Lothringerkreuzes in den Okkultismus, wo es jedoch eher selten vorkommt. Verwendung findet Lothringerkreuz u.a. auf Freimaurermützen.

Lothringer Kreuz Freimaurer

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