Der Fes – Von Marokko zu den Shriners

von Shinzon

Der Fes ist eine Kopfbedeckung, die vor allem im Orient und auf dem Balkan anzutreffen ist. Der genaue Ursprung des Fes ist unbekannt. Eine These geht von Griechenland als Ursprungsort aus, benannt ist der rote Filzhut jedoch nach der marokkanischen Stadt Fès, welche auch für die entsprechende Färbemittelherstellung bekannt ist. Es gibt dabei auch die Schreibweise Fez und die ägyptische Variante des Fes wird Tarbusch genannt.

Neben der roten Farbe gehört eine Quaste zu den markanten Merkmalen des Fes, welche wahlweise schwarz blau oder golden sein kann. Die Form kann je nach Region leicht variieren, läuft jedoch meist auf einen Kegelstumpf hinaus.

Fes

Nachdem der Fes anfangs vor allem in Nordafrika verbreitet war, machte ihn der osmanische Sultan Mahmud II. (1785-1839) in seinem Reich populär. Anlass war eine Reform der Traditionskleidung für Reichsbedienstete. Zunächst gedachte der Sultan, den westeuropäischen Dreispitz zu übernehmen, doch da dieser an die Dreifaltigkeit im Christentum angelehnt war, überzeugten ihn seine Berater, davon Abstand zu nehmen. Nachdem eine Schiffsladung Fes aus Tunesien angekommen war, entschied sich der Sultan spontan für diese Hüte. Die Einführung erfolgte in zwei Schritten, 1826 für die Armee und ab 1829 auch für die zivile und religiöse Dienerschaft.

Der Übergang verlief nicht ganz reibungslos, da gleichzeitig das bisherige Tragen von Turbanen untersagt wurde. Proteste gab es vor allem von Seiten religiöser Gruppen, doch nachdem der Scheichulislam in einer Fatwa (Rechtsauskunft) den Fes billigte, erloschen diese recht schnell. Mit der Zeit wurde der Fes zu einem patriotischen Symbol, welches alle Bürger zu tragen hatten. Es gab sogar eine kleinere Form ohne Quaste für Frauen. Bei Staatsbediensteten zeigte die Farbe der Quaste indes den Rang des Trägers an.
Sultan Mahmud II

Mit der Gründung einer Fes-Fabrik in Istanbul durch Mahmud II. wurde das Herstellungsmonopol der Stadt Fès gebrochen und nachdem synthetische Farben das aufwendig herzustellende Rot aus dem Blut der Kermes-Schildlaus ersetzten, verbreitete sich die Produktion über halb Europa. Aufgrund billiger Importe aus Österreich bediente die türkische Produktion am Ende nur noch die reiche Oberschicht.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde der Fes unter Mustafa Kemal Atatürk (1881-1938) als Zeichen der Rückständigkeit wieder aus dem öffentlichen Leben verbannt. In einem Hutgesetz vom 30. August 1925 wurde das Tragen des Fes ausdrücklich verboten. 1953 ließ auch der ägyptische Präsident Gamal Abdel Nasser (1918-1970) das Tragen des Fes unter Strafe stellen.

Heute wird der Fes wieder zunehmend populärer und gilt geradezu als Klischee für die nordafrikanische Kultur. In den USA und Europa hat die zunehmende Verbreitung des Fes jedoch einen gänzlich anderen Hintergrund. Obwohl die Kopfbedeckung im Ursprung rein gar nichts mit Okkultismus und Freimaurerei zu tun hat, wurde sie 1872 von der freimaurerischeren Organisation der Shriners übernommen. Verantwortlich war der Mitbegründer William J. Florence, welcher seit einer Party bei einem arabischen Diplomaten einen Faible für alles Orientalische hatte.

Wenn also heute in der Pop-Okkultur irgendwo ein Fes auftaucht, hat dies in 99,9% der Fälle einen freimaurerischen Hintergrund. Insbesondere gilt dies, wenn auf dem Filzhut ein Krumsäbel mit Mondsichel, Sphinx und Pentagramm abgebildet ist, da dies das offizielle Logo der Shriners ist. Doch auch der blanke Fes kann inzwischen als Erkennungszeichen der Shriners gesehen werden und ist lediglich noch in Nordafrika und einigen Balkanstaaten unverdächtig.

Shriners Fes

Eine noch abscheulichere Zweckentfremdung erfuhr der Fes in Italien zu Beginn des 20. Jahrhunderts, wo er von faschistischen Milizen getragen wurde. Die schwarzen Brigaden passten die Kopfbedeckung selbstverständlich farblich ihren Uniformen an und statteten sie mit dem Rutenbündel aus.

Fes Faschismus

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